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Ohne Zweifel eine Ansichtskarte, die man auch nicht alle Tage sieht! Das postalisch nicht gelaufene Stück lässt sich (und da sind wir in dieser Woche konsequent) nicht so richtig gut datieren. Die Karte besitzt eine geteilte Adressseite. Das sagt uns, dass sie höchstwahrscheinlich nach 1905 produziert wurde. Das allein ist jedoch kein sicheres Indiz, dass die darauf enthaltenen Abbildungen ebenfalls nach 1905 angefertigt wurden. Dennoch glaube ich, dass wir uns bildlich im Jahr 1909 befinden. Anhaltspunkt ist nachfolgendes Inserat aus dem Senftenberger Anzeiger vom 8.April 1909. In diesem ist nämlich von einem neu renovierten Laden die Rede.

Senftenberger Anzeiger (1909)
Schaut man sich speziell die obere Abbildung der Zweibildkarte an und vergleicht diese mit einer weiteren Aufnahme des gleichen Geschäfts, nämlich dieser hier...
Senftenberg

, stellt man relativ schnell fest, dass sich 1. etwas an der Fensterfront verändert hat und das 2. auf dem heutigen Motiv sogar der Putz noch ziemlich frisch wirkt. Und zwar an der Stelle wo sich zuvor ein Fenster befand. Zumindest deute ich den merklich dunkleren Bereich hinter den Personen in der Mitte so... Naja und die Schweinehälften und Wurstringe auf der unteren Abbildungen hängen ja sowas von in Reih und Glied, dass man nicht umhin kommt, die Ansichtskarte mit der Neugestaltung des Ladengeschäftes in Verbindung zu bringen. Eine Art "Werbekarte" quasi, die wir vor uns haben.

Senftenberg
Photogr. von Herm. Meyer,
Senftenberg N.L.
Aufnahme <= 19??
Sammlung Norbert Jurk

Senftenberg
Aufnahme <= 19??
Familie Grubann

Die schlecht datierbaren Aufnahmen lassen uns nicht los! "Ca. 1929/30" könnte eine plausible Zeitbestimmung der obigen Fotografie vom Fuhrpark des Senftenberger Anzeiger sein. Dieser Fuhrpark bestand von links beginnend aus :

  • Lieferwagen "Wanderer" - Fahrer: Franz Nowack
  • Lieferwagen "Adler" - Fahrer: Richard Repa
  • Lieferwagen "Opel" - Fahrer: Wilhelm Kerstan
  • Motorrad "D-Rad" - Fahrer: Max Piesker
Bezüglich der Abläufe in besagtem Fuhrpark wurde ich in den "Lebenserinnerungen von Günter Grubann" fündig. Günter Grubann (1917 - 1997) schrieb 1993 Erinnerungen und Überlieferungen an seine Senftenberger Zeit auf. 50 Jahre zuvor verliess er den elterlichen Betrieb zunächst in Richtung Rommels Nord-Afrika-Corps. In Ägypten geriet er in Kriegsgefangenschaft und wurde nach Kanada verschifft. 1947 kehrte er von dort zurück nach Senftenberg um festzustellen, dass das Grubannsche Familienunternehmen zwischenzeitlich von den Russen konfisziert worden war. Nach erfolglosen Versuchen, die Druckerei wieder zu erlangen bzw. einen neuen Betrieb aufzubauen, verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt nach Berlin.
Besagte Niederschriften übermittelte er 1993 an Werner Forkert. Aus dem fragmentarisch erhaltenen Briefwechsel Grubann-Forkert lässt sich vermuten, dass eine, wie auch immer geartete Publikation dieser Lebenserinnerungen geplant war. Woran das Projekt letztlich scheiterte werden wir wohl nie erfahren, da beide Beteiligten leider nicht mehr unter uns weilen. Aber zurück zum Fuhrpark in den Erinnerungen von Günter Grubann:

Das Vertriebssystem des "Senftenberger Anzeiger"

Der "Senftenberger Anzeiger" erschien als Nachmittagszeitung. Der Druckbeginn war im allgemeinen 13.30 Uhr, spätestens 14.00 Uhr. Das hatte den Vorteil, daß wichtige politische Nachrichten oder Geschehnisse, die bis 13.00 Uhr über Pressefunk oder Fernschreiber gesendet wurden, noch in die Zeitung aufgenommen werden konnten. Durch diese Erscheinungszeit konnte man im Bezug auf die Aktualität konkurrieren, besonders mit den großen Tageszeitungen aus Dresden, Leipzig und Berlin, die nachmittags auch in Senftenberg angeboten wurden. Der "Cottbuser Anzeiger" und die "Lausitzer Landeszeitung", beide in Cottbus gedruckt, versuchten auch in Senftenberg Absatz zu haben.
Es war Prinzip, daß jeder Leser im Verbreitungsgebiet, das ungefähr dem heutigen Kreis Senftenberg entsprach, seine Heimatzeitung, den "Senftenberger Anzeiger", zum Nachmittagskaffee, spätestens im letzten Dorf um 17.00 Uhr in der Hand haben sollte.
Die meisten Leser bezogen die Zeitung im Abonnement, erhielten sie entweder durch Boten zugestellt oder holten sie sich in den Ausgabestellen ab.

Günter Grubann (1936)
Die Leser der Stadt Senftenberg hatten ihre Zeitung bald nach Druckbeginn. Pünktlich zum Druckbeginn standen die Boten, oft mit Fahrrad, an der Maschinensaaltür, um ihre Zeitungen in Empfang zu nehmen. Die Ausgabestellen in Senftenberg und Senftenberg II/Hörlitz wurden mit der ersten Tour eines Lieferwagens beliefert.
Ein Fuhrpark, bestehend aus drei Lieferwagen und einem Motorrad, brachte die Zeitungen in das Verbreitungsgebiet, das für die Zustellung in vier Touren eingeteilt war, außer der "Stadttour", die schnell bewältigt war. Eine Tour umfaßte das Gebiet nördlich von Senftenberg mit Rauno, Ilse/Bückgen, Freienhufen (Dobristroh), Drochow, Saalhausen, Groß- und Kleinräschen, Altdöbern bis Muckwar mit abseits liegenden Ortschaften oder auch Gehöften.
Senftenberger Anzeiger (1925)
Der Lieferwagen, der diese Tour fuhr, mußte vorher noch Schipkau-Klettwitz und Annahütte anfahren.
Eine weitere Tour verlief über Grube Marga, Brieske, Viktoria III, Naundorf, Ruhland, Schwarzheide (Zschornegosda), Lauchhammer-Werk, Arnsdorf, Jannowitz, Kroppen, Ortrand, Guteborn, Lipsa, Hermsdorf. Der dritte Lieferwagen hatte die Strecke Buchwalde, Niemtsch, Peickwitz, Klein- und Großkoschen, Tätzschwitz, Geierswalde, Lauta-Dorf, Lauta-Werk, Schwarzkollm, Grube Erika, Laubusch, Hosena, Hohenbocka, Sella, Wiednitz, Grünewald zu bewältigen.
Die "Motorradtour" verlief über Reppist, Sedlitz, Bahnsdorf bis Neupetershain sowie Proschim und Partwitz.
Zwischen 17.00 und 18.00 Uhr waren die Fahrzeuge wieder zurück. Sie legten täglich eine Strecke von ca. 120 km zurück, das Motorrad ca. 70 km.
Der Aufenthalt an den Ausgabestellen war sehr kurz. Ausladen des gepackten Zeitungspakets - sie lagen schon der Tour nach im Wagen - Abgabe und Empfang von Geschäftspost, und schon gings eilends weiter zur nächsten Ortschaft. Die Leser und Boten warteten an den Ausgabestellen, sie wußten ja, wann das "Zeitungsauto" kam, der "Fahrplan" hatte sich eingespielt. Gab es auf Grund von Pannen Verspätungen und die Ausgabestellen konnten davon telefonisch nicht mehr benachrichtigt werden, konnte sich der Fahrer von den wartenden Lesern etwas anhören. Aber Verspätungen waren die Ausnahme. Blieb tatsächlich mal ein Fahrzeug mit einer Panne, die nicht selbst behoben werden konnte, unterwegs liegen, wurde, sobald der Chef Kenntnis davon hatte, ein gemietetes oder geliehenes Ersatzfahrzeug auf "Tour geschickt", oder das Fahrzeug, das zuerst zurück war, mußte dann einspringen.
Auf jeden Fall wurde alles daran gesetzt, damit die Leser an dem Tag noch ihre Zeitung erhielten.
Während des zweiten Weltkrieges mußte wohl für die Zustellung der Zeitungen verstärkt Bahn und Post in Anspruch genommen werden, denn die Fahrzeuge wurden z.T. eingezogen und das Benzin rationiert. Per Post im Streifband erhielten Leser ihre Zeitung, wenn sie verreist waren, an ihren Aufenthaltsort. Das betraf auch ehemalige Senftenberger im In- und Ausland. Der "Senftenberger Anzeiger" war dann die Verbindung zur Heimat. Ich entsinne mich, daß täglich drei (?) Zeitungen in die USA gingen, wo ausgewanderte Senftenberger sich niedergelassen haben.
Oft erhielt die Redaktion von dort Dankschreiben für pünktliche Lieferung, manchmal auch mit Schilderungen von Erlebnissen oder Erinnerungen, die dann unter "Eingesandt" veröffentlicht wurden, wenn sie sich dafür eigneten.
...
In den 1930er-Jahren hatte es sich im Unternehmen "Senftenberger Anzeiger" eingebürgert, jeweils zum 1. Mai eine sogenannte "Mai-Zeitung" betriebsintern zu erstellen und zu drucken. Ähnlich den Abschlusszeitungen, die die meisten von uns vom Ende der Schulzeit kennen, wurden in dieser Mai-Zeitung die Eigenarten aller Mitarbeiter auf humoristische Art und Weise ausgewertet. Natürlich blieben davon auch die Fahrer der Lieferwagen nicht verschont...
"Mai-Zeitung" des Senftenberger Anzeiger (1936)

Senftenberg
AK_SFB 052_1
von <= 1914 auf <= 1912
Senftenberg
AK_SFB 252_1
von <= 1906 auf <= 1905
Senftenberg
AK_SFB 045_1
von <= 1908 auf <= 1907
Senftenberg
AK_SFB 045_2
von <= 1908 auf <= 1907
Senftenberg
AK_SFB 045_3
von <= 1908 auf <= 1907
Senftenberg
AK_SFB 045_4
von <= 1908 auf <= 1907

Senftenberg
Verlag: Max Artlich,
Phot., Senftenberg
Aufnahme <= 1911
Sammlung Detlef Krumm
Senftenberg
Aufnahme = 19??
Sammlung Matthias Gleisner

Zwei Ansichtskarten mit sowohl einem Blick in einen Tagebau als auch auf die Brikettfabrik "Meurostolln" in Senftenberg 2 möchte ich heute vorstellen. Das linke Exemplar kommt einem vertraut vor und das nicht von ungefähr... Vor vielen Monaten stellte ich ein ähnliches Stück vor, welches sich bei genauer Betrachtung jedoch in einigen Details von diesem unterscheidet. Und damit nicht genug! Es existiert sogar noch (mindestens) eine dritte Ansichtskarte, die nahezu aus der gleichen Perspektive aufgenommen wurde. Legt man alle drei nebeneinander kann man quasi den Fortschritt des Tagebaus verfolgen. Was bei dem linken Exemplar besonders auffällt, ist, wie weit man zu damaliger Zeit an die Wohnbebauung heran baggerte.

Senftenberg   Motiv 3 steht übrigens immer noch auf meiner Wunschliste. Während ich den Fernblick auf die Brikettfabrik und Senftenberg 2 zeitlich auf maximal 1911 deckeln kann, fällt das bei der Zweibild-Foto-Postkarte bedeutend schwerer.
Sicher dürfte nur sein, dass die untere Ansicht der Brikettfabrik nach oder in 1922 angefertigt wurde. Dieses Jahr ging in die Geschichte von "Meurostolln" dahingehend ein, als dass damals der Umstieg von der Kettenbahn auf den Rohkohlebunker erfolgte. Diesen Bunker, sowie den Antransport der Rohbraunkohle mittels E-Lok gezogener Züge können wir auf dem unteren Bild ganz gut erkennen.

Senftenberger Anzeiger (1922)
Senftenberg
AK_Hoe 018_1
von <= 1910 auf <= 1909
Senftenberg
AK_Sau 012_1
von <= 1939 auf <= 1938

Neueres


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035 034 033 032 031 030 029 028 027 026 025 024 023 022 021 020 019 018 017 016 015 014 013 012 011 010 009 008 007 006 005 004 003 002 001 

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