Papierhandlung Otto Lieske, Senftenberg

1922 vermeldete der Senftenberger Anzeiger die Neueröffnung eines Papierwarengeschäftes in Senftenberg. Genauer gesagt in Senftenberg 2, in der Klettwitzer Strasse.

 

Der Inhaber, Otto Lieske, war zu diesem Zeitpunkt 26 Jahre alt. Er wurde 1896, als vorletztes der 8 Kinder von Traugott und Pauline Lieske, geboren. Das Ehepaar betrieb über viele Jahre den Gasthof "Zum Reichsadler" in Senftenberg 2, der auch unter dem Namen "Traugott Lieske's Etablissement" bekannt war.

Einige Jahre später wechselte Lieske mit seinem Geschäft von Senftenberg 2 in die Senftenberger Bahnhofstrasse. Wie nachfolgender Stempel verrät, war er, 45 Jahre nach der Firmengründung immer noch vor Ort.

Bezüglich seiner Bedeutung für das Thema dieser Website ist momentan folgendes anzumerken: Auch Lieske stieg irgendwann in das Ansichtskartengeschäft ein, das für den Betreiber eines Papierwarengeschäfts zum Standard gehörte. Viele seiner Senftenberger Kollegen überschwemmten bis dato den Markt mit sehr schönen aber auch zahlreichen weniger gelungenen Motiven. Lieske konnte aber nie zur Bedeutung seiner Konkurrenten aufschließen. Der Grund hierfür war wahrscheinlich darin zu suchen, dass die Blütezeit der Ansichtskarte schon vorüber war. Auf der anderen Seite hegte er offenbar wenig Anspruch an die Originalität seiner Bildmotive. Die meisten Karten, die unter seinem Namen erschienen, waren Reproduktionen von Motiven, die schon von anderen Verlagen produziert worden waren.
Momentan befinden sich erst zwei seiner Produktionen im digitalen Archiv, wobei die erste noch in vergleichsweise hoher Qualität daherkommt.


Die zweite Karte hingegen gehört zu einer ganzen Serie von Motiven, die (wahrscheinlich) alle bereits zuvor von anderen Herstellern verwendet wurden. Was bei dieser Serie besonders negativ ins Auge fällt, ist die schlechte Karton- und Druckqualität.
Aufgrund dieser Fakten nehme ich an, dass diese Postkartenserie erst nach dem 2. Weltkrieg erschienen ist, zumal alle Karten der Serie eine gleichlautende Buchstaben/Nummernkombination tragen. Diese sieht verdächtig nach einer Druckgenehmigung aus, die sämtliche Druckerzeugnisse nach 1945, speziell in der sowjetischen Besatzungszone, nachweisen mussten.
Nichtsdestotrotz gehören diese Stücke in das digitale Archiv, da sie in allen bislang bekannten Fällen Motive zeigen, die vor 1945 aufgenommen worden sind.

1969 - zwei Jahre nach dem 45-jährigen Firmenjubiläum verstarb Otto Lieske.

Vielen Dank an den Neffen von Otto Lieske, Rudolf für die Informationen und Bildmaterial.