Neues 270 - 2017-01-19

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Neues 270 - 2017-01-19

Beitragvon Matthias » Sa 18. Mär 2017, 10:58

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Matthias
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Re: Neues 270 - 2017-01-19

Beitragvon Harald » So 19. Mär 2017, 14:23

Johann_Peter_Hasenclever_-_Die_Dorfschule_resize.jpg

Die heute vorgestellte >SENFTENBERGER BILDUNGSEINRICHTUNG< kann, wie aus der SCHULCHRONIK und diversen BILDPOSTKARTEN ersichtlich,
auf eine große NAMENSVIELFALT zurückblicken:

1899 = 1. Volksschule
1907 = Evangelische Volksschule I
Stadtschule
1914 = Schule
1919 = Gemeindeschule I
1932 - 1945 = Evangelische Volksschule I
1947 - 1964 = Zentralschule I
Grundschule I
1. Oberschule (Schule I)
1971 = Arthur-Wölk-Oberschule
Polytechnische Oberschule "Arthur Wölk"
1991= Realschule

Da wir uns gegenwärtig im "allseits berauschenden" LUTHERJAHR befinden, widme ich meinen heutigen Kommentar gezielt der einstmals amtlichen Bezeichnung

EVANGELISCHE VOLKSSCHULE

Wann und wie ist dieser SCHULTYP eigentlich entstanden ?
Gewöhnlich liest man: mit der REFORMATION und durch sie.
Im Allgemeinen ist das auch richtig.
Im Mittelalter kannte man nur GELEHRTE SCHULEN und diejenigen, die sich eine höhere Bildung aneignen und Universitäten besuchen wollten, wurden anfangs in KLOSTERSCHULEN, später auch in STÄDTISCHEN ANSTALTEN unterrichtet.
Es existierten allerdings schon Jahrhunderte vor der Reformation sogenannte BÜRGERSCHULEN, in die bekanntlich in Mansfeld schon Martin Luther von seinem Vater getragen wurde - und das war damals ein kleines Landstädtchen.
Die Jugend auf dem Lande aber wuchs fast überall ohne Schulunterricht auf, und lernte nicht lesen, - wozu hätte auch das Lesen bei der Seltenheit und dem hohen Preis der Bücher nutzen sollen ?
"Ohne Schulunterricht" hieß nun aber bei weitem nicht "ohne allen Unterricht". Der jeweilige Pfarrer unterwies seine "Schützlinge" ausnahmslos im Sinne der Kirche und lehrte sie das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, evangelische Geschichte & Legenden, die nötigsten Gebete & Kirchengebräuche ohne Gebrauch irgendwelcher Bücher in einer Art KONFIRMATIONSUNTERRICHT.

Reli-Unt._resize.jpg

Die REFORMATION verlangte allerdings mehr.
Sie gab den Gemeinden die Bibel und den Katechismus in die Hand und führte den Gemeindegesang ins Gotteshaus ein. Damit war die Notwendigkeit von LESEN & SINGEN gegeben. Hierfür benötigte man aber mehr Zeit und vor allem Lehrkräfte. So entstanden allmählich in allen evangelischen Gemeinden SCHULEN MIT BESONDEREN LEHRERN, die den Pfarrern bezüglich des Lesens und des Gesanges zur Seite standen.
Lehrstoff war und blieb lange Zeit nur das LESEN in der Bibel, das AUSWENDIGLERNEN des Katechismus, der Bibelsprüche und der Lieder, sowie das SINGEN derselben.
SCHREIBEN und gemeinnützige Kenntnisse wurden in diesen reinen KIRCHENSCHULEN für unnötig erachtet. Für eine sehr lange Zeit noch wurden speziell die Mädchen an Landschulen gar nicht im Schreiben unterrichtet, "weil es für dieselben nicht nötig sei, da sie diese Fähigkeit sowieso nur für das Abfassen unnötiger Liebesbriefe nutzen würden..."

Erst Mitte des 18. Jahrhunderts drang die AUFKLÄRUNG in alle Lebensbereiche, so u. a. auch in die Kirche, und prägte gleichsam die VOLKSSCHULE. Man legte jetzt mehr Wert auf nützliche Kenntnisse für das praktische Leben und verminderte dafür die Zahl der Religionsstunden, was weniger Bibelgeschichte und ~sprüche, weniger Gebete, dafür zeitgemäße Lesebücher bedeutete.
Wen wundert es allerdings, dass sich die Kirche ihre verlorene Position im 19. Jahrhundert wiederum einforderte:

"Die EVANGELISCHE VOLKSSCHULE muß nach sittlichen und unabänderlich gültigen Gesetzen des Lebens sowohl durch den Inhalt des Unterrichts, den sie ertheilt, als auch durch den Geist, der in ihr aufrecht zu erhalten ist, innigst verbunden bleiben mit dem Geist der KIRCHE und mit VOLK und VATERLAND.
Die HEILIGE SCHRIFT nimmt also neben dem sonst nöthigen Gebrauche auch die Stelle eines unentbehrlichen Lesebuches für die heranreifende Schuljugend ein.
Dasselbe gilt für das kirchliche GESANGBUCH.
Das KIRCHENLIED ist in der VOLKSSCHULE der Stoff, in welchem Religions~, Gesangs~, Sprach~, und darin insbesondere der Leseunterricht zu sichtbarer Einheit gelangen."


EIN WORT AN DIE LEHRER:

Manch Berufskollege, der sich einst an der sog. >SCHULE EINS< seinen kargen Lohn verdiente, wird sich oft etwas wehmütig erinnern:

"Was sah ich an Lehrer und ~innen herziehen -
und viele nach kurzer Zeit gleich wieder fliehen.
Für viele war's Sprungbrett, für wenige Bleibe..."

Doch ich weiß in dem Moment, wo ich dies schreibe...
dass es zu Volksschulzeiten einige wenige gab, die es zeitlebens an besagter Einrichtung aushielten. Davon zeugen die PERSONALKARTEN, die man auf http://bbf.dipf.de/kataloge/archivdatenbank/hans.pl
einsehen kann, darunter auch die vorgenannten RICHARD BROSKA und PAUL WILKE :

Broska-Wilke PK_resize.jpg


ÜBER DIE SCHÜLER:

Neben dem Internet findet man auch in Antiquariaten speziell für Heimatforscher interessante, aber eben meist auch sehr teure schriftliche Quellen. Spottbillig dagegen sind sie in diversen
>Altpapier-Ankaufstellen<. Kürzlich erwarb ich für nicht einmal 1 Euro neben zwei >Duden< von 1908 und 1932 auch noch ein altes
POESIEALBUM (1939-1941), in dem sich nahe Verwandte, zahlreiche Mitschülerinnen und Lehrerinnen mit einem sinnigen Spruch verewigt hatten.
Die Namen der Lehrkräfte Maria Weise, Lotte Wende, Herta Eichel und Cäcilie Stolzenburg führten mich dank Archivdatenbank direkt zur Schule I, wo sie zeitlebens tätig waren.
Und um meinen Kommentar zur >EVANGELISCHEN VOLKSSCHULE< abzurunden:
nach dem netten VORWORT der Album-Besitzerin trug sich selbstredend auch Herr Pastor JOHANN TAUBE ins Büchlein ein... !

Poesiealbum 1939_resize.jpg
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Harald
 
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