Neues 318 - 2018-03-18

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Neues 318 - 2018-03-18

Beitragvon Matthias » Sa 17. Mär 2018, 09:02

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Matthias
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Re: Neues 318 - 2018-03-18

Beitragvon Harald » Sa 17. Mär 2018, 17:16

Planetarium-Tellurium-Lunarium_1807_resize.jpg

„Es bedarf wohl keines umständlichen Beweises, daß eine richtige deutliche VORSTELLUNG von unserem WELTGEBÄUDE jedem nachdenkenden Menschen gewiß von dem größten Nutzen sey.
Ohne sie sind wir nicht nur im Stande die gewöhnlichsten ERSCHEINUNGEN, die sich täglich am Himmel zutragen, z.B. den Wechsel des Tages und der Nacht, des neuen und vollen Lichtes am Mond, das Entstehen der Jahreszeiten, die Sonnen~ und Mondfinsternisse etc. zu erklären, sondern können auch nicht einmal den Calender, dessen wir uns bei unsern gewöhnlichen Geschäften zu bedienen pflegen, verstehen.
Es sollte daher billig nicht nur in gelehrten, sondern auch in BÜRGERSCHULEN der geographische Unterricht von der Entwicklung und Erklärung des Weltgebäudes ausgehen…Dies veranlaßte mich, über eine VORRICHTUNG nachzudenken, durch welche sich die hauptsächlichsten Veränderungen und Erscheinungen am Himmel sinnlich darstellen ließen, um dadurch den UNTERRICHT über das Weltgebäude zu erleichtern.“


Ob dieser AUFRUF (1805) des Erfinders Hartog van Laun bei der Überlegung der Senftenberger, in der Stadt ein PLANETARIUM zu bauen, Pate stand ?
Ich weiß es nicht. Sicher ist aber, dass die von ihm erdachte „Maschine“, welche PLANETARIUM, TELLURIUM & LUNARIUM in sich vereinte,
in abgewandelter Form bis heute ein beliebtes Anschauungsmittel ist.
Und fest steht auch, dass der Nestor der Senftenberger Heimatforscher,
HANS HÖRENZ, als Volkskorrespondent in der >Lausitzer Rundschau< vom 16.08.1965 eine wichtige Nachricht unter der Überschrift
„FÜR STERNENGUCKER“
veröffentlichte:
12.-14.07.1965_resize.jpg

„Eines der Objekte, das zur Zeit in unserem Kreis entsteht und vor allem auch der Verbesserung des Schulunterrichts dienen wird, ist das PLANETARIUM in unmittelbarer Nähe der BERGINGENIEURSCHULE >Ernst Thälmann< in Senftenberg.
Es soll noch in diesem Jahr fertiggestellt und der Bestimmung übergeben werden.
Während der RUNDBAU insgesamt 100 Personen Platz bieten wird, enthält das ebenfalls auf das modernste eingerichtete KABINETT 60 Plätze.
Als vor wenigen Jahren der Gedanke geboren wurde, in unserer Kreisstadt vorwiegend im Nationalen Aufbauwerk und mit Unterstützung der Betriebe und Genossenschaften sowie der örtlichen Organe ein SCHULPLANETARIUM zu errichten, ließen sich die Verantwortlichen vor allem davon leiten,
eine Einrichtung zu schaffen, die zur Verbesserung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Kenntnisse und des Astronomie-Unterrichts beiträgt.
Bei dem PLANETARIUM, wie es bereits vor längerer Zeit durch die Kreisstelle für Unterrichtsmittel mit einem Kostenaufwand von über 40.000 MDN
(Mark der deutschen Notenbank) vom VEB Zeiss Jena erworben wurde, werden Fixsterne und Planeten als Lichtbilder auf die Innenfläche der Kuppel geworfen.
Wer bereits einmal das in der ganzen Welt bekannte PLANETARIUM in Jena besucht hat, kann sich etwa – allerdings in einem kleineren Maßstab – ein Bild davon machen, was für ein Objekt hier schon in einigen Monaten der Öffentlichkeit zugänglich sein wird.“


Und da man vor 50 Jahren noch eine Idee schneller baute als heute,
verkündete unsere „Heimatzeitung“ schon ein Jahr später,
am 13.09.1966:

SENFTENBERG HAT SEIN PLANETARIUM
Feierliche Einweihung am 10.09.1966

Planetarium Sampler_resize.jpg

„Am Sonnabend vormittag versammelten sich zahlreiche geladene Gäste vor dem Eingang zum PLANETARIUM an der BERGINGENIEURSCHULE in Senftenberg.
In einer kurzen Ansprache würdigte Genosse Heinz Seemann,
1. Stellvertreter des Vorsitzenden des Rates des Kreises, die Tatsache, daß nunmehr auch Senftenberg ein PLANETARIUM besitzt.
Es ist das 13. Planetarium in unserer Republik, und es wurde mit Hilfe vieler freiwilliger Helfer errichtet.
Nachdem Heinz Seemann ein vor dem Eingang gespanntes Band zerschnitt, hatten die Gäste Gelegenheit, das PLANETARIUM zu besichtigen und einer Vorführung beizuwohnen.
Herr Kockel, Initiator der Schulplanetarium-Bewegung war eigens dafür gewonnen worden, den ersten Vortrag zu halten. Der Lehrer aus Kanena bei Halle tat dies vorzüglich. In einem persönlichen Gespräch erklärte er:
‚Ich kenne alle 13 Planetarien in der DDR. Doch ich muß sagen, das schönste steht hier in Senftenberg. Sie dürfen stolz darauf sein!‘
Die Leistungen der Erbauer dieser Unterrichtsstätte wurden anläßlich der Eröffnung am vergangenen Sonnabend gewürdigt. Herr Schmidtchen,
Leiter der Kreisstelle für Unterrichtsmittel, erhielt die Medaille >Für ausgezeichnete Leistungen<. Prämiiert wurden u.a. die Lehrlinge vom VEB Lausitzer Stahlbau und zwei Schweißer vom VEB Eisenwerk Senftenberg. Der stellvertretende Bezirksschulrat Walter Büder überbrachte unserem Kreisschulrat Herbert Masurat ein Anerkennungsschreiben des Rates des Bezirkes und eine Geldprämie.
Genosse Masurat dürfte die größten Verdienste am Bau dieses PLANETARIUMS besitzen.“


grüne 8m Kuppel und ZKP 1_resize.jpg

Soweit – so gut. Der KUPPELBAU mit imposanten 8 Meter Durchmesser wies allerdings einen kleinen Konstruktionsfehler auf: Der HORIZONT war ca. einen Meter zu hoch angesetzt, weshalb man das PROJEKTIONSGERÄT auf einen erhöhten Sockel stellen musste. Der PROJEKTIONSRAUM bot letztlich auch nur Platz für 45 Personen, konnte jedoch bis auf 60 Plätze erweitert werden.
Das PROJEKTIONSGERÄT war ein Zeiss-Kleinplanetarium 1 (ZKP1), welches in dieser Version ab 1951 hergestellt wurde. Der PROJEKTOR zeigte ca. 6000 Sterne und besaß mehrere PLANETENPROJEKTOREN, die jedoch von Hand eingestellt werden mussten und daher einen höheren Grad an astronomischem Wissen erforderten.
Dieses brachten die 3 verdienstvollen Leiter des Planetariums seit seiner Eröffnung wohl auch mit:
1966–1969: Herbert Ziegler
1970–2011: Werner Kirpal
2012–2015: Angela Miosga

Das erfolgreichste PROGRAMM, sozusagen der „Dauerbrenner“
>ALS DER MOND ZUM SCHNEIDER KAM<
erklärte Kindern im Alter von 6 bis 8 Jahren über Generationen hinweg, wie die Mondphasen entstehen.

DAS ENDE ist kurz erzählt:

Bis zur Wende unterstand das PLANETARIUM dem Bezirk Cottbus, danach dem Landkreis OSL. Von 1992 bis 2011 betrieb es der Verein Senftenberger Sternfreunde e.V. – der nachfolgende Verein „Planetarium SFB e.V.“ schloss die Bildungsstätte 2015 auf Grund fehlender finanzieller Mittel.
Das Unterrichtsfach ASTRONOMIE war längst abgeschafft worden und Jugendstunden, gelegentliche Besuche durch Kindergarten~ & Schülergruppen sowie kurzzeitiger Andrang bei sehr seltenen Sonnenfinsternissen reichten nicht aus, um den Betrieb des Hauses zu gewährleisten.
Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz, Eigentümer der Immobilie, und die Stadt Senftenberg lehnten eine Sanierung des Planetariums in kommunaler Hand ab und verkauften es an einen privaten Investor.

Ein PLANETARIUM ist ein Ort, in dem man etwas lernen, aber auch beeindruckende emotionale Erlebnisse haben kann und wo man andere Menschen trifft,
die neugierig auf die ganze Welt sind.
Planetarien sind Orte der Begegnung; das ist das Schöne an ihnen.
Hier genießen alle zusammen ein wunderbares Kunstprodukt. Und das ist grandios.
Schade, dass das in Senftenberg nun nicht mehr möglich sein wird, weil die >GroKo< ihr „Leuchtturmprojekt BILDUNG“
erst nach dem Verkauf der Immobilie ausgerufen hat. So ein Pech aber auch !
„ROTE LATERNE...für SONNE, MOND & STERNE!“ :oops:

ABGESANG

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Harald
 
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