Neues 320 - 2018-04-08

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Neues 320 - 2018-04-08

Beitragvon Matthias » Sa 7. Apr 2018, 08:15

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Matthias
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Re: Neues 320 - 2018-04-08

Beitragvon Harald » So 8. Apr 2018, 11:12

Töpfern_resize.jpg
DER TÖPFER
verfertigte schon seit Urzeiten aus Töpfererde oder Ton mancherlei Küchengeschirr,
worin die Speisen gekocht, gegessen und aufbewahrt wurden;
darüber hinaus allerlei Trinkgefäße und Spielsachen; wie auch Aufsätze zu eisernen Öfen bzw. aus Kacheln gänzlich irdene Öfen.
In einem alten TÖPFER-LIED lobte er seine vielfältigen Erzeugnisse:

„Was für schöne bunte Sachen
kann ich nicht aus Thone machen!
Wenn ich meine Scheibe drehe,
meiner Hände Werk besehe,
das hier um und bei mir liegt,
oh, so bin ich doch vergnügt!
Kacheln, Flaschen, Krüge, Kannen,
Tiegel, Satten, Braten-Pfannen,
Kuchen-Formen, Blumen-Töpfe,
Schüsseln, Teller, Suppen-Näpfe,
sauber ausgemahlt, glasirt,
und mit Sprüchelchen geziert…“

Das TÖPFERHANDWERK erlernte man in 4 – 6 Jahren, erhielt als Geselle ein Abschiedsgeschenk und ging anschließend 3 Jahre auf Wanderschaft.
Als Meisterstück töpferten sie eine fehlerfreie Schüssel, einen Topf und einen Reibenapf, mancherorts auch noch einen Krug.
Wollte ein Töpfermeister auch noch Ofensetzer werden, musste er zur Erlangung des Meisterrechtes einen Kachelofen formen, glasieren, brennen und aufsetzen.

Über die Lebens~ und Arbeitswelt der SENFTENBERGER TÖPFERZUNFT wird in der PAULITZ-CHRONIK folgendes berichtet:

"Die TÖPFER durften wegen der Feuergefährlichkeit ihrer Betriebe dieselben nicht innerhalb der Stadtmauern ausüben und hatten daher ihre BRENNÖFEN in Jüttendorf, außerhalb der Stadtmauer, aber in der Nähe derselben, während augenscheinlich ihre WOHNHÄUSER innerhalb der Mauer, aber auch in deren Nähe standen, wegen der bequemeren Beaufsichtigung der Betriebe, denn noch heute heißt die GASSE kurz vor dem ehemaligen Kreuztore von der Kreuzstraße in der Nähe der alten Stadtmauer die..."

TÖPFERGASSE.


Töpfergasse 1914_resize.jpg

Die Standorte für Werkstatt und Brennofen waren heiß umkämpft und meist nur durch Protektion zu erwerben, wie in der CHRONIK weiter zu lesen ist:

„Im Jahre 1608 bat der Töpfer Peter Glaser zu Jüttendorf, ein WOHNHÄUSCHEN und BRENNOFEN erbauen zu dürfen und nach dem Margaretenlaug zu belegen und bemerkte zugleich, da er mit seiner Anlage von den Scheunen und Gehöften abgelegen sein würde, daß eine Feuergefährlichkeit nicht bestünde, erbot sich neben Entrichtung des üblichen TÖPFERZINSES von 12 Groschen jährlich, die FRONDIENSTE gleich einem Häusler des Ortes zu leisten.
Zugleich hatte er den Antrag gestellt, daß ihm Frondienste auf seiner erkauften BRENNSTATT zu Jüttendorf gegen Besserung und Instandhaltung der ÖFEN auf dem Schlosse erlassen werden möchte. Sein Antrag wurde auch angenommen und der Amtmann zu Senftenberg ermächtigt, daß der Peter Glaser gegen ERLASS der Frondienste, so lange er beim Leben, ALLE ÖFEN auf dem Schlosse und Amthause, bis sie erneuert werden müssen, OHNE ENTGELT in guter Besserung zu halten habe.“

Töpfergasse map_resize.jpg

(Die KAMERA-Symbole zeigen die ungefähren Fotografen-Standpunkte der o.a. Fotos)


Besonders in den engen Gassen des Stadtkerns spürt man auf Schritt und Tritt den langen Atem der Geschichte,
diese ganz besondere Atmosphäre, wenn nur die eigenen Schritte auf dem Kopfsteinpflaster klappern.
Ich muss gestehen, dass mir gerade Senftenbergs ENGE GASSEN mit ihren niedrigen Häusern ein großes Heimatgefühl vermitteln.
Bei meiner Recherche stieß ich dabei auf kritische Gedankensprünge eines Spaziergängers, der die >Töpfergasse< seiner Heimatstadt beschrieb:

„Liegt nicht schon in dem Namen >TÖPFERGASSE<, auch ohne in nähere Betrachtung zu gehen, eine Fülle von Gedanken, ein Meer von Poesie, ein Zusammenfluß von Harmonie und Schönheit ! Ich habe viele Gassen und Straßen in so mancher Stadt dieses Erdballes gesehen, und manches Merkwürdige erkundet und bewundert, aber unserer TÖPFERGASSE kommt keine gleich, von allen Straßen, die ihr mir nennt.
Diese GASSE zeigt außer viel Koth und Unrath auch sehr tiefe LÖCHER, in denen man alle Momente versinken oder ein Bein brechen kann, noch eine ganz besonders merkwürdige Eigenschaft: in dieser GASSE gibt es gar KEIN LICHT, sondern nur pechrabenfinstere Mitternacht, da diese schöne GASSE an absoluter Lampenlosigkeit leidet. In der totalen Finsternis der TÖPFERGASSE kann es passieren, daß dem stillen Wanderer, der aus dem Wirthshause dem heimatlichen Herde zustolpert, urplötzlich der Ruf ‚Geld oder Leben !‘
entgegen donnert…"


So oder ähnlich könnte man sich sicherlich auch die spätmittelalterliche TÖPFERGASSE in Senftenberg vorstellen.
Wie viele TÖPFER einst zu ihrer Namensgebung beitrugen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Berichte von Heimatforschern aus anderen Städten weisen allerdings oft darauf hin, dass die jeweiligen HANDWERKER selten in den nach ihnen benannten Straßen in der Überzahl waren, wohl eher nur die ERSTEN Hausbesitzer.
Allein schon das Einwohnerverzeichnis von 1914 beweist, wie bunt die EINWOHNERSCHAFT in unserer TÖPFERSTRASSE zusammengewürfelt war:

Töpfergasse EVZ 1914_resize.jpg

In der Nr. 9 war seit Ende des 19. Jh. die Familie KILIAN ansässig, wie die Eintragungen in den nachfolgenden Einwohnerverzeichnissen belegen und zugleich auch den Wandel von der einfachen TÖPFEREI zur OFENSETZEREI dokumentieren, bevor der Betrieb im Jahre 1941 allem Anschein nach ganz eingestellt wurde:

1914 Karl KILIAN (Töpfermeister)
1925 Martha K. (Töpferei)
1934 Martha K. Witwe (Ofensetzgeschäft)
1937 Martha K. (E) Georg K. (Töpfermeister) Fritz K. (Ofensetzer)
1941 Martha Kilian, Fritz K. (Verw.-Angestellter)


Übrigens: Die TÖPFER haben seit der christlichen Zeit den heiligen FLORIAN zu ihrem Schutzheiligen erkoren. Ihr WAPPEN ist ein rotes Schild,
in dem sich ein goldener antiker TOPF befindet, mit dem Motto „Vom Dunkel zum Licht!“ - womit sicherlich gemeint ist:
>Aus TON, den man aus der dunklen Tiefe holt, wird ein TOPF, der jede sonnendurchflutete KÜCHE ziert !<
:)
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Harald
 
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