Neues 323 - 2018-04-29

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Neues 323 - 2018-04-29

Beitragvon Matthias » Sa 28. Apr 2018, 07:08

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Matthias
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Re: Neues 323 - 2018-04-29

Beitragvon Harald » Di 1. Mai 2018, 11:28

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Ich halte mich heute mal am „puzzeligen“ Doppelwort der Titelseite fest, der HEIMATFORSCHUNG.
einem Sammelbegriff für weitere HEIMAT – WÖRTER: Heimatgeschichte / ~pflege / ~verein / umstrittene ~filme / und für mich als Musiklehrer unabdingbare

HEIMATLIEDER

Meine Generation erinnert sich in diesem Zusammenhang ganz sicher an folgende LIEDANFÄNGE:
„Die HEIMAT hat sich schön gemacht, und Tau blitzt ihr im Haar…“,
„Liebe HEIMAT, deine Weiten locken uns mit Lerchenschlag…“
„Unsere HEIMAT, das sind nicht nur die Städte und Dörfer…“


Neben vielen „heimatlich angehauchten“ Pionierliedern erinnere ich mich aber immer wieder gern an das unmittelbar auf unsere Region bezogene
>HEIMATLIED DER NIEDERLAUSITZ<, das wir als Schulkinder bei jeder sich bietenden Gelegenheit inbrünstig trällerten:

„Niederlausitz ist mein schönes Heimatland / wo die Kohlengruben schauen weit ins Land /
wo die Schornsteintürme ragen hoch hinaus /da ist meine Heimat, da bin ich zuhaus…“

>HEIMAT< kann man kurz definieren als das LAND oder die GEGEND, wo man geboren und aufgewachsen ist oder wo man sich ZU HAUSE fühlt, weil man schon lange dort wohnt. Wir sind mit dem BERGBAU und seinen „kohlenstaubigen“ Randerscheinungen groß geworden und fühlen uns ein Leben lang damit verbunden, auch wenn Fabriken und deren Schornsteine schon lange platt gemacht, die Gruben geflutet und zu Seen gestaltet wurden.
Dies war, ist und bleibt - trotz aller Veränderungen - unsere angestammte HEIMAT, zu der es uns immer wieder hinziehen wird, wenn wir mal fern von ihr sind.
Apropos HEIMATLIED:
Kurz nach der "Wende" kramte man das Wander- und Marschlied

>MÄRKISCHE HEIDE<
von Gustav Büchsenschütz

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aus der hintersten Schublade hervor. In der DDR war es wegen seiner Bedeutung in der Zeit des Nationalsozialismus unerwünscht,
ab 1952 möglicherweise auch deshalb, weil mit der Abschaffung der Länder und der Schaffung von Bezirken das Land Brandenburg nicht mehr existierte.

Die >MÄRKISCHE HEIDE< wurde in diversen LIEDERBÜCHERN mit unterschiedlichen NAMEN versehen:
Märkerlied / Hymne der Märker / Brandenburg-Lied /
Brandenburghymne / inoffizielle Landeshymne des Landes Brandenburg / „Brandenburgs heimliche Hymne“

Es gibt kaum ein VOLKSFEST im Land Brandenburg, wo nicht das Lied >STEIGE HOCH, DU ROTER ADLER< angestimmt wird.
Ob die heimliche Landeshymne bei offiziellen Anlässen noch länger gespielt werden soll, sorgte allerdings für heftigen, politischen Meinungsstreit,
der ausgelöst wurde, als ein Dokument auftauchte, welches u.a. am 21. Februar 1934 auch im >Senftenberger Anzeiger< veröffentlicht wurde,
in dem sich der Urheber GUSTAV BÜCHSENSCHÜTZ wie folgt offenbart hatte:

WARUM HABE ICH DIESES HEIMATLIED GESCHRIEBEN?

Vor allem war es die tiefe LIEBE ZUR MÄRKISCHEN HEIMAT, die mir die Worte und die Singweise eingab. Auf meinen vielen Wanderfahrten durch deutsche Gaue schämte ich mich fast, daß gerade unsere MARK BRANDENBURG kein eigentliches HEIMATLIED besaß.
Ueberall hörte man HEIMATSÄNGE, am Rhein, in Tirol, an der Weser und an der Saale – jedoch von UNSERER HEIMAT kündet kein volkstümliches Lied. Wohl gab es einige wenige märkische Lieder, aber sie eignen sich nur für geschulte Chöre und nicht zum SINGEN BEIM WANDERN.
So blieb es das Schicksal unserer Heimat, daß sie an eigentlich MÄRKISCHEN HEIMATLIEDERN sehr arm ist. Vielleicht mag die zurückhaltende Schönheit unserer heimatlichen Landschaft auch etwas schuld daran sein; denn es ist begreiflich, daß eine großartige oder sehr auffallende Gegend auf das Gemüt und die Sinne des Beschauers schneller wirkt als eine einfache Landschaft, deren schlichte Schönheit erst erwandert werden muß. Aber trotzdem gibt uns unsere MÄRKISCHE HEIMAT soviel Schönes, daß es sich lohnt, das LOB DER MARK BRANDENBURG in Wort und Lied zu preisen.

Der ANLASS ZUR ENTSTEHUNG DES LIEDES war folgender:

Mehr als 10 Jahre sind schon darüber ins Land gegangen. Damals war ich Leiter des Landeswanderamtes im >Deutschen Bismarckorden<, einer sehr regsamen VÖLKISCHEN JUGENDBEWEGUNG.
In diesem Kreis von GESINNUNGSFREUNDEN beschäftigten wir uns auch mit dem DEUTSCHEN VOLKSTUM und besonders viel mit unserer MÄRKISCHEN HEIMAT. Zu einem >MÄRKISCHEN HEIMATABEND< brauchte ich dringend ein MÄRKISCHES HEIMATLIED.
Als ich nichts Geeignetes fand, kam mir der Gedanke, selbst ein LIED zu schaffen. Durch die innige Verbindung mit der MARK, die ich mir auf meinen vielen Fahrten erwanderte, strömten mir die Worte wie selbstverständlich zu und fanden ihren Klang in einer schlichten und volkstümlichen Melodie. Das LIED ist in Wort und Weise, besonders im ersten Teil, sehr einfach gehalten, der KEHRREIM jedoch ist lebhafter und kraftvoller. Hier ergänzen sich Wort und Singweise zu einem freudigen BEKENNTNIS ZUR HEIMAT, und jubelnd klingt das Lied aus:
>HEIL DIR, MEIN BRANDENBURGER LAND!<

Als ich im Frühjahr 1923 das neu geschaffene LIED dem FREUNDESKREISE brachte, ahnte ich noch nicht, daß es einst eine derartige Verbreitung finden würde ! Und zunächst blieb es auch, so unpolitisch sein Inhalt sein mochte, ein >NAZILIED< und war daher bei Andersdenkenden verpönt. Kein Rundfunk nahm sich des Liedes an. Für die breite Oeffentlichkeit war es tot.
Nur in der MÄRKISCHEN WANDERVOGELBEWEGUNG hat das Lied frühzeitig Eingang gefunden. Seine Verbreitung ist hauptsächlich den sangesfreudigen WANDERGRUPPEN zu verdanken. Hier erlebte es die typische Verbreitung des VOLKSLIEDES: es wird mündlich überliefert;
Dichter und Komponist bleiben unbekannt. Aus dem lebendigen Gebrauch erklären sich auch die kleinen ABWEICHUNGEN IN TEXT UND MELODIE von der ursprünglichen Form. Diese Art der Verbreitung von Liedern ist in der JUGENDBEWEGUNG üblich.
Die LIEDER kommen und gehen. Das GUTE bleibt.

Und wie war DER POLITISCHE WEG DES LIEDES?

Vom >BISMARCKORDEN< ging es zum >FRONTBANN< und zur S.A. und machte hier den SIEGESZUG DER VÖLKISCHEN BEWEGUNG mit, so daß es jetzt als vielgesungenes
LIED DER NATIONALSOZIALISTISCHEN ERHEBUNG gilt.
Gab es wegen dieses Liedes auch oft HARTE ZUSAMMENSTÖSSE mit politischen Gegnern, so blieb die KRAFT DES LIEDES dennoch ungebrochen; im Gegenteil, auf den großen VERANSTALTUNGEN der NSDAP in Berlin im Sportpalast und im Lustgarten erklang das BRANDENBURGER LIED und warb immer NEUE KÄMPFER für das NEUE DEUTSCHLAND.
Nachdem auf dem gewaltigen PARTEITAG IN NÜRNBERG die Berliner und die Brandenburger ihre Sonderzüge unter den Klängen der >MÄRKISCHEN HEIDE< verließen, kann man wohl behaupten, daß die MARK nun endlich ihr HEIMATLIED besitzt. Seine große Verbreitung zeigt, daß die natürliche LIEBE ZUR HEIMAT UND SCHOLLE innewohnt, und herzlich klingt durch Stadt und Land das BEKENNTNIS ZUR HEIMAT: >HIE BRANDENBURG ALLWEGE !<

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Teile der LINKEN forderten daher, auf die Verwendung des Liedes zu verzichten, Die CDU entgegnete, dass der Text „politisch unverfänglich“ sei und die SPD nannte daraufhin die Forderung „an den Haaren herbeigezogen, da die Brandenburger bei dem Lied eher an die schöne Landschaft denken. Man muss die Kirche im Dorf lassen."
Allen voran wehrte sich Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) gegen eine Verunglimpfung als „Nazi-Lied“:

"Es ist ein wunderschönes Wanderlied aus den 20er-Jahren und hat uns sehr geholfen, nach der Wende unsere Landesidentität zu finden. Daran ändere auch nicht, dass der Komponist ‚auf die Nazis reingefallen‘ sei. Das ist jetzt unser Brandenburg-Lied und ich werde es weiter fröhlich singen."
…und sein späterer Amtsnachfolger Matthias Platzeck ergänzte:
„Büchsenschütz hat seine Nähe zu den Nazis bedauert. Der Text ist harmlos und das Lied wird in jedem Dorf gesungen - was soll man da machen?“

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, unterstellte den Verantwortlichen vehement mangelnde Sensibilität im Umgang mit solch historisch brisanten Dingen:
"Das Lied "Märkische Heide" war als Landser- und Nazi-Lied bekannt. Es handelt von uralten Eichen, blauen Seen und knorrigen Kiefern und der Refrain gipfelt in der Zeile >Heil dir, mein Brandenburger Land<. Wenn ich mir vorstelle, dass die ehemalige >DDR-Nationalhymne< im vereinigten Deutschland in die Aktenschränke verdammt wurde, ist es nicht nachvollziehbar, wie das Büchsenschütz-Lied zur inoffiziellen Brandenburg-Hymne werden konnte."

Es steht also fest, dass der Komponist GUSTAV BÜCHSENSCHÜTZ sein 1923 geschriebenen WANDERLIED im Jahr 1934 selbst als "viel gesungenes Lied der nationalsozialistischen Erhebung" gefeiert hatte, das "beim politischen Gegner verpönt" gewesen sei, zumal es mehrere Schallplattenveröffentlichungen mit einem Blasmusik-Arrangement von Paul Lincke, vorgetragen von Kapellen und Chören der SA und der Leibstandarte SS „Adolf Hitler“,gab.

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Außerdem tauchten neben der hin und wieder eingesparten Strophe:

Blauende Seen, Wiesen und Moor,
liebliche Täler, schwankendes Rohr.


in einigen NS-Liederbüchern auch diese TEXTZEILEN - von wem auch immer verfasst - auf:

Hie Brandenburg allwege sei unser Losungswort.
Dem Hakenkreuz die Treue und treu zu schwarz-weiß-rot.

Heil dir, mein Deutschland, wie lange schläfst du noch?
Wir stehn dir bei im Streite , wirf‘ ab das Sklavenjoch!

Steige hoch, du roter Adler und schüttle dein Gewand.
Die innern und die äußern Feinde vertreib aus unserm deutschen Land.


Der gewiefte KOMPONIST Büchsenschütz hatte allerdings - gewollt oder ungewollt - „für alle politischen Wechselfälle“ vorgesorgt und sich für die Melodie der letzten Refrainsequenz seiner >Märkischen Heide< beim russischen Arbeiterlied „Смело, товарищи, в ногу“ (>Brüder, zur Sonne, zur Freiheit<) von 1895 bedient…

Probieren Sie es mal aus ! :o
„Hoch über dunkle Kiefernwälder, heil dir, mein Brandenburger Land“
„Hell aus dem dunklen Vergangen leuchtet die Zukunft hervor.“


In diesem Sinne wünsche ich heute am 1. MAI allen HEIMATFREUNDEN einen erholsamen Kampf~ & Feiertag der Arbeiterklasse ! :)

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Harald
 
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