Neues 328 - 2018-06-03

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Neues 328 - 2018-06-03

Beitragvon Matthias » Sa 2. Jun 2018, 08:14

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Matthias
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Re: Neues 328 - 2018-06-03

Beitragvon Harald » So 3. Jun 2018, 09:45

Schw.Elster_resize.jpg

>EIN BLICK AUF DAS LAND IN ALTER UND NEUERER ZEIT<


…überschrieb der Lehrer und Heimatforscher GEORG PAULITZ das 1. Kapitel seiner von ihm verfassten CHRONIK der Stadt Senftenberg und erwählte als Einleitung die Beschreibung der SCHWARZEN ELSTER, des Flüsschens, welches das Landschaftsbild unserer engeren Heimat maßgeblich mitbestimmt hat:

„Die Stadt SENFTENBERG liegt in der Niederung der SCHWARZEN ELSTER. Diese, in Urkunden >Aelestra< genannt, entspringt aus dem sogenannten GOLDBORN auf der NO-Seite des SIBYLLENSTEINS, jenes seltsam geschichteten Granitfelsens, der einer Ruine nicht unähnlich sieht, unweit des Städtchens PULSNITZ im Königreich Sachsen. Rasch bergab fließend, gelangt der ELSTERFLUSS nach der alten Oberlausitzer Sechsstadt KAMENZ.
Von hier ab tritt die ELSTER bald ein in ebenes Wiesenland an WITTICHENAU vorüber nach HOYERSWERDA.
Dort vereinigt sie sich mit dem ihr fast an Größe gleichkommenden SCHWARZWASSER.
Von diesem und von dem braunen Boden, durch welchem sie fließt, hat sie den Namen >SCHWARZE ELSTER< erhalten.
Von HOYERSWERDA aus begleiten abwechselnd Wiesen~ und Ackerland den Lauf er ELSTER, bis sie unterhalb TÄTSCHWITZ gar bald das Senftenberger Gebiet berührt und sich unweit der Stadt SENFTENBERG mit der sogenannten SORNOER ELSTER vereinigt.“


Den LAUF DER SCHWARZEN ELSTER von der QUELLE bis zur MÜNDUNG in die ELBE kann man sehr detailliert in diversen alten LEXIKA nachlesen, wie die beiden Faksimile von 1825 (links) und 1835 (rechts) zeigen:

1825-35_resize.jpg

Bei unserem Heimatforscher PAULITZ spürt man allerdings neben dessen ungeheurem FACHWISSEN vor allem die LIEBE zur LANDSCHAFT und den dort siedelnden MENSCHEN:

„In alten Zeiten sah es im Gebiet der SCHWARZEN ELSTER…an Senftenberg ganz anders aus, als heutzutage. In gekrümmtem Laufe, matt und trübe, schlich das Gewässer zwischen niedrig gelegenen Wiesen oder Erlen~ und Weidengebüsch dahin und bildete in der Umgebung Sümpfe und Moräste. Ein großer Teil des Verkehrs konnte nur zu Wasser vermittelt werden. Mühsam, von der Hand des Menschen geleitet, durchfurchte der KAHN die trübe Fluth, hindurch durch Schilf, Binsen, Riedgras und allerlei Gestrüpp…
Zu KAHN führte der ackerbautreibende Bürger den Dünger auf den als Feld benutzten Boden und die gewonnenen Feldfrüchte heim…“


PAULITZ liefert mir gottlob auch noch eine Überleitung zu den
BELUSTIGUNGEN DER JUGEND IN ALTER ZEIT, die statt mit PADDELBOOTEN noch mit großen KÄHNEN unterwegs waren:

ruderboot_resize.jpg

„An Sonn~ und Feiertagen bestieg man festlich geschmückt den KAHN zur LUSTFAHRT und schaukelnd und gaukelnd, singend und scherzend, oft mit Wasser~ und Wiesenblumen oder grünem Laub bekränzt, glitt man auf dem schwankenden Fahrzeuge durch die Flußarme, Gräben und Kanäle, bis beim Sinken der Sonne im Westen von dem heimatlichen Kirchturme die Abendglocke ertönte, zur Rückfahrt mahnte und feuchter Nebel sich über die Niederung ausbreitete…“

Aus der Heimat_resize.jpg

In der Beilage zum >Senftenberger Anzeiger< vom 25.02.1927 konnte man weitere Details erfahren über:

>SENFTENBERG’S JUGENDBELUSTIGUNG VOR 45 JAHREN< (1882)

„Vor 45 Jahren noch war unser Industrieort reicher an NATURSCHÖNHEITEN mannigfacher Art, namentlich trugen die damals von hohen Erlen und anderen Laubbäumen eingesäumten WASSERWEGE am meisten dazu bei, an SOMMERABENDEN jung und alt zu gemeinsamen AUSFLÜGEN nach dem damals noch >grünen Dörfchen< REPPIST mit seinem schönen Garten und Goldfischteiche zu vereinigen.
Es wurde verabredet, zu KAHN eine Partie zu machen.
Die in dichter Reihe im ELSTERBETT an der WENDISCHEN KIRCHE bis zur damals >SCHUTZBRÜCKE< genannten Brücke stehenden KÄHNE wurden fein gesäubert, mit Sitzbrettern und bunten Lampions versehen und nach Bemannung mit kundigen Fahrern glitten die dicht besetzten Kähne zum Sammelplatz an der Wendischen Kirche.
Dort befand sich bereits der KAHN MIT MUSIK, gestellt von Jugendfreunden, welche seiner Zeit Guitarren~, Flöten~ und Geigenspiel zu berherrschen verstanden. War alles da, so setzte auf ein gegebenes Zeichen die Musik ein und der lange Zug fuhr nun den >BENEDIKTENGRABEN< hinauf bis zum Reppister TRIFTWEGE, in die zu beiden Seiten desselben vorhandenen breiten Gräben und gelangte bis zur heutigen SPREMBERGER STRASSE. Alles stieg aus.
Die mitgenommenen Körbchen und Pakete mit den Stärkungsmitteln in die Hand und mit fröhlichem Gesang ging es nun in >ZSCHEICH’S GARTEN<, wo bereits Tische gedeckt, und der braune Mocca einlud.
Nach gemeinsamer Stärkung wurden allerlei SPIELE arrangiert, und, hatte man sich auf diese Weise genug Bewegung verschafft, wohl auch auf der damals noch etwas primitiven KEGELBAHN seine Kunst im Kegelspiel gezeigt, dann mahnte ein gegebenes Zeichen zur gemeinsamen Stärkung für die HEIMREISE. Alles nahm wieder an den gedeckten Tischen Platz und bei vorzüglichem Braunbier, Kaffee, Milch oder Naturlimonade, wurden nun die mitgebrachten Stullen verzehrt.
Wer es sich leisten konnte, erwarb bei Mutter Zscheich vorzüglichen Bauernkäse oder Hausmacherwurststullen und mit Musik und Gesang verließ man die gastliche Stätte.
Inzwischen hatten dann die Kahnführer die Lampions an den Stäben befestigt und angezündet, und um nicht wieder denselben Heimweg fahren zu müssen, bog die ganze >FLOTTILLE< in den sogenannten HAUPTGRABEN ein und fuhr nach SENFTENBERG zurück.
Fröhliche LIEDER mit und ohne Musikbegleitung ertönten in harmonischer Weise und nur zu schnell verging die herrliche Fahrt.
An der HAUPTGRABENBRÜCKE (heute an Kaufmann Klein’s Grundstück) bogen einige Kähne aus, die ihren Stand sonst in den breiten CHAUSSEEGRÄBEN hatten, d.h. dort, wo heute beiderseits der BAHNHOFSTRASSE die Bürgersteige gepflastert sind, (zwischen Klein’s und Neuendorf’s, bzw. Flemming’s und Kantor Lehmann’s Grundstücken)
Das Gros fuhr bis zu Gansauge‘s damals noch unbebautem Grundstück, wo wiederum die bis zur SCHUTZBRÜCKE sonst stationierten Kähne abschwenkten, während die übrigen links abbogen und nach Festmachen der unterwegs ihre Standorte aufsuchenden Kähne bis zur WENDISCHEN KIRCHE fuhren und anlegten.
Da es zu jener Zeit hier noch keine SINGSPIELE und KAFFEELOKALE gab, ging alles nach Hause und freute sich, einen schönen Abend in Gottes freier Natur verlebt zu haben.“


Boot_resize.jpg

Abschließend sei noch bemerkt, dass wir als PENNÄLER Anfang der 1960-er Jahre nach Schulschluss gern eine PADDELBOOT - TOUR, gelegentlich in „trauter Zweisamkeit“, unternahmen. Da das WEHR eine Weiterfahrt in Richtung RUHLAND im wahrsten Sinne „verwehrte“, konnten die verliebten Pärchen nur in Richtung HOYERSWERDA paddeln – legten aber nach „ein paar hundert Metern“ meist schon „eine kleine Rast“ ein, um sich „etwas näher zu kommen“ – und danach die Tour mit einer zeitlichen Punktlandung an der ANLEGESTELLE abzuschließen…
„Ach ja, schön war's schon…!“ 8-)
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Harald
 
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