Neues 331 - 2018-06-24

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Neues 331 - 2018-06-24

Beitragvon Matthias » Mo 18. Jun 2018, 17:59

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Matthias
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Senftenberger Anzeiger 50

Beitragvon Harald » Mi 20. Jun 2018, 13:49

Was ist Zeitung_resize.jpg
„Gleich dem Wandersmann, der eine Reise antritt und beim Hinaustreten sich nach Wind und Wetter umschaut, thut dieses BLATT mit vorliegender PROBENUMMER den ersten Schritt in die Oeffentlichkeit, wünschend, daß es wohl aufgenommen und seine Bahn dadurch erleichtert werden möge.
Und gleichwie gewiß jeder Wanderer frohen Muthes das sich gestellte Ziel zu erreichen hofft und rüstig darauf zu schreitet, wollen auch wir freudig unser Ziel, ein
REICHHALTIGES, UNTERHALTENDES, PRAKTISCHES und dabei BILLIGES BLATT zu bieten, anstreben.“


Mit diesen poetischen Worten auf der Titelseite besagter Probenummer wandte sich die Redaction und Expedition des
>SCHLESISCH – SÄCHSISCHEN ANZEIGER< Anfang Januar 1875 „an die geehrten Leser“, um für dieses Presseerzeugnis,
und eigentlich auch schon für dessen Nachfolger >ELSTER-CHRONIK< und >SENFTENBERGER ANZEIGER< zu werben.

Pelz-Grubann_resize.jpg

Schon bevor FRIEDRICH PELZ Anfang der siebziger Jahre auf den glücklichen Gedanken kam, in dem damals noch kleinen und schlichten SENFTENBERG ein ZEITUNGSUNTERNEHMEN ins Leben zu rufen, hatte sich dort der Mangel eines eigenen Blattes empfindlich bemerkbar gemacht. Der strebsame Unternehmer entschloss sich daher, diesem Mangel abzuhelfen.
Sein Freund, der Oberpfarrer BODE, sagte zu ihm:
„Machen Sie es. Sie haben das Zeug dazu, ich werde die Sache stützen und helfen, soviel ich kann.“
Auch sein Onkel, der Bürgermeister BLANKENBERG sen., sowie dessen Freund, der Landrat aus Calau, und weitere einflussreiche Männer zeigten sich dem Plan gewogen und sagten ihre Unterstützung, vor allem in Form von amtlichen und städtischen Bekanntmachungen, zu.
So erschien am 1.Juli 1875, nach emsigen Vorarbeiten und vielen schlaflosen Nächten, in Senftenbergs Häusern ein „FRÄULEIN IM SCHWARZ-WEISSEN KLEID“,
wie es in der ersten Nummer heißt, und setzte sich zu den Familien, die beim Morgenkaffee saßen, auf die Ofenbank.

„Na, wo kommst Du denn her ?“
„Mich schickt Herr PELZ.“
„So so, und wie heißt Du ?“
„Ich heiße Senftenberger.“
„Und wie noch ?“
„Anzeiger.“
„Hm, ein schnurriger Name,
und was willst Du denn bei uns ?“
„Ich will Euch erzählen und berichten von allem,
was passiert in Stadt und Land.
Ich will mich mit Euch freuen und mit Euch weinen
und Euch behilflich sein zu flottem Aufstieg
und Vorwärtskommen.“


Das ließen sich die guten SENFTENBERGER nicht zweimal sagen und am 3. Juli 1875 gab es schon 48 Hausabonnenten, 67 Postbezieher und 140 Abonnenten,
die sich das BLATT durch Boten zustellen ließen.
Die Zahlen vermehrten sich bald. Doch die bisher stillen und friedlichen Senftenberger Bürger wollten mehr von der Sache haben.
Da erschien zu Neujahr 1881/82 der Buchdrucker C.G.GRUBANN aus Ruhland auf dem Plan, der schon die >ELSTER-CHRONIK< begründet hatte und beide, PELZ und GRUBANN reichten einander die Hand zum Bunde. Von nun an ging es mit vereinter Kraft schneller voran.
Die beiden Männer sorgten unermüdlich, mit eisernem Fleiß und oft anstrengender Nachtarbeit für den Aufschwung des kleinen bescheidenen Blättchens und verhalfen ihm zur schönsten Blüte und der Stadt Senftenberg zu weiterer Entwicklung in kultureller und geistiger Beziehung. Ihr anfangs zweimal wöchentlich erscheinender >Senftenberger Anzeiger< sollte „ein anständiges LOKALBLATT, fern von jeder politischen oder religiösen Partei, und somit gemeinnütziges Unternehmen sein.“ Dieser Bestimmung blieb man auch treu, zumindest erst einmal bis zum

50-JÄHRIGEN JUBILÄUM

über dessen feierlichen Auftakt der Redakteur Bernhard Klötzing wie folgt berichtete:

Anzeiger 1875-1925_resize.jpg

„Ein wundervoller Sommermorgen mit strahlend blauem Himmel war über Senftenberg angebrochen, als in der Frühe sich der Männergesangverein Senftenberg vor unserem Werksgebäude in der Laugkstraße einfand, um zur feierlichen Einleitung unserer GOLDENEN JUBELFEIER unter Leitung von Herrn Kantor L e h m a n n ein Morgenständchen darzubringen. Mit markigen, frischen Stimmen brachten die den Inhabern unserer Firma befreundeten Sangesbrüder den SÄNGERGRUSS zu Gehör.
Darauf versammelten sich die gesamten Angestellten des Betriebes im Privatkontor des Chefs und überbrachten ihnen nach kurzer Ansprache von Herrn P a u l i c k eine Erinnerungsplakette in Bronzeguß.
Herr Georg G r u b a n n nahm das kostbare Geschenk mit Worten des Dankes entgegen.
Darauf versammelte sich das Personal mit den Mitgliedern des Gesangvereins im mit Lorbeerbäumen geschmückten Maschinensaal zu froher Kaffeetafel, bei der erst die Koar’sche und sodann die Jetschik-Hartmann’sche KAPELLE ihre Weisen erschallen ließen.
Letztere war während des ganzen Tages unermüdlich tätig, indem sie im sinnig ausgeschmückten Maschinensaal fortgesetzt konzertierte und sich mit ihrer selbst ernsteren Ansprüchen gerecht werdenden vortrefflichen Musik vollste Anerkennung errang.
Das gemütliche Zusammensein des Personals mit den Chefs sowie deren Familien bildete einen sprechenden Beweis für das gerade im >Senftenberger Anzeiger< von jeher bestehende harmonische Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, das die letzteren anspornen wird, auch in den kommenden Jahren ihre ganze Kraft für das Unternehmen einzusetzen. In diesem Sinne >GLÜCK AUF !<

ABGESANG

Am 1.April 1945, kurz vor Ende des 2.Weltkrieges, stellte der >Senftenberger Anzeiger< sein Erscheinen ein.
Völlig unerwartet erwachte er aber schon am 14. März 1947
mit der Titelzeile „ER IST WIEDER DA – Alles wird sich wieder zum Guten wenden, nur der nötige Wille dazu muß vorhanden sein.“ zu neuem Leben.
Amtliche Nachrichten des Magistrats, Benachrichtigungen und Mitteilungen der Polizei, sowie der verschiedenen Bürgermeister, standesamtliche Nachrichten und Sonstiges von Wichtigkeit füllten das winzig kleine 2-seitige Blättchen.
Ein wesentlicher Teil war der Geschäftswelt zugedacht, aber auch Tauschwaren, Verlorenes & Gefundenes sollte an den richtigen Mann gebracht werden…
Doch der verheißungsvolle Neustart war schon 3 Jahre später,
am 28. Juli 1950, wieder Geschichte. Das Lokalblatt wurde eingestellt.
Lediglich die „Amtlichen Bekanntmachungen“ aus Senftenberg wurden von der >MÄRKISCHEN VOLKSSTIMME< übernommen und veröffentlicht.
ABSCHIED FÜR IMMER VOM >SENFTENBERGER ANZEIGER<:(

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