Rund um die Lausitz (13.04.1924)

Der "Gau Ostmark" des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (A.D.A.C.) war gerade einmal gute 2 Monate alt (Gründung am 11. Februar 1924), da führte dieser bereits seine erste Großveranstaltung durch.
Unter dem Namen "Rund um die Lausitz" startete am 13. April 1924 ein Auto- und Motorradrennen. Dabei gab es zwei verschiedene Routen: Die kürzere über 165 Kilometer war den Kleinmotorrädern bis 0,75 PS vorbehalten und führte von Cottbus über Vetschau, Calau, Drebkau, Spremberg, Forst, Guben und Peitz zurück an den Ausgangsort. Für die teilnehmenden Autos und stärkeren Motorräder war eine Strecke von insgesamt 250 Kilometern vorgesehen. Diese startete zunächst ebenfalls in Cottbus (Ströbitz) machte aber ab Vetschau einen großen Bogen um Lübbenau, Lübben und Luckau zu berühren. In Calau berührten sich die beiden Routen wieder doch hier bog man in Richtung Senftenberg ab. Von Senftenberg ging es dann nach Spremberg wo sich beide Routen wieder vereinigten.
Die Routen kann man nebenstehender Zeichnung entnehmen, die im Senftenberger Anzeiger abgedruckt war.
Senftenberg wurde bei dem Rennen nur im Weichbild der Stadt berührt. Die Fahrzeuge kamen über Räschen, Grube Ilse über die Calauer Chaussee entlang und bogen bei Hertrichs Dampfmühle in die Spremberger Straße in Richtung Reppist und Sedlitz ab.

68 Motorad- und 27 Autofahrer nahmen an jenem 13. April die Strecke in Angriff. Das Rennen war von schlechtem Wetter überschattet. Pünktlich zum Start um 7 Uhr morgens setzte ein einstündiger Regenschauer ein und unterwegs wurden die Fahrer wiederholt von Hagel, Regen und Gewitter überrascht.

Insgesamt ging der Wettbewerb ohne nennenswerte Unfälle vonstatten. Eine Handgelenksstauchung, eine Nasenquetschung und eine Kopfverletzung standen zu guter letzt unterm Strich. Die Organisation und Absperrung wurde als vorzüglich eingeschätzt.

Und von eben jenem Rennen verfügen wir über Filmaufnahmen!

Und diese stechen aus den bisherigen Produktionen aus dem Hause "Passage-Theater Senftenberg" in einigen Punkten heraus. Mit einer Länge von zwölfeinhalb Minuten ist er schon einmal der bislang längste Einzelstreifen aus Petschens Filmwerkstatt. Außerdem erkennt man so etwas wie eine Dramaturgie, die unter anderem dadurch zustande kommt, daß weniger statisch gefilmt wurde als in den anderen Produktionen. Möglicherweise wurde sogar mehr als ein Kameramann eingesetzt denn immerhin erhalten wir Aufnahmen aus Cottbus und Senftenberg. In beiden Fällen jeweils sogar von unterschiedlichen Kamerastandorten. Der Film ist (auch) durch die eingeblendeten Texttafeln weitestgehend selbsterklärend, weshalb ich auf eine Beschreibung der Handlung nur ausschnittsweise eingehen möchte. Ich habe mich auch dafür entschieden, den gesamten Film zu präsentieren, selbst wenn der Senftenberg-Anteil nur 3 Minuten 20 Sekunden, also ein gutes Viertel des Films, beträgt.

Dieser, für uns interessantere, Part beginnt bei 4:40 mit Einblenden einer Texttafel, die auf den Ort des Geschehens verweist: die Kreuzung Calauer Straße/ Spremberger Straße. Wir sehen, wie Motorräder und Autos aus Norden kommend durch ein beeindruckendes Spalier aus Schaulustigen in die Spremberger Straße einbiegen. Die riesige Anteilnahme der Senftenberger Bevölkerung wird durch nachfolgende Schwenks über das Publikum am Straßenrand eingefangen. Dabei wird deutlich, daß der Kameramann mindestens einmal die Position wechselt. Das erkennt man explizit an der Stelle, wo ein verunfalltes Fahrzeug ins Bild kommt. Dieses - und die es umgebende Menschentraube - befindet sich in Höhe der Bunkerbrücke von "Friedrich Ernst", also ca. 450 Meter von der Kreuzung entfernt die Spremberger Straße hinunter.
Am Ende des Senftenberg-Teils wird uns der Abtransport des Autowracks geboten. Die Szenen kurz davor, die wiederum direkt auf der Kreuzung gefilmt wurden, müssen nicht zwingend chronologisch dort einzuordnen sein. Ich könnte mir vielmehr vorstellen, daß sie eigentlich an den Beginn der Senftenberg-Sequenz gehören, da die Zuschauer eher wie in Erwartung der ersten Fahrer wirken und weniger wie am Ende der Durchfahrt des Feldes mit den abschließenden "Auflösungserscheinungen" des Publikums.

Im folgenden Jahr wollte man das Rennen "Rund um die Lausitz" wiederholen. Aus den Wetterunbilden während der 1924er Auflage hatte man gelernt und das Ganze in den Juni verlegt. Doch einen Tag vor dem geplanten Termin kam die Hiobsbotschaft, daß der Regierungspräsident in Frankfurt/Oder keine Genehmigung zur Durchführung gegeben hätte. Der Senftenberger Anzeiger u.a. dazu ganz lapidar: Damit wäre dann auch die Warnung der Polizeiverwaltung Senftenberg, betr. das Passieren der Calauer Straße und der Spremberger Straße, hinfällig.