14.06.2026
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Zeichnung vom Anfang der 1930er. Danke an Uwe Jähnert, der diese - im Original sehr viel größere - Zeichnung von der Müllkippe rettete.
Zu diesem Zeitpunkt - 1912 - hatten die Schöppenthaus schon ihre
Industrieanlagen ("Schöppenthau & Wolff") in unserer Umgebung
verkauft und sich aus Senftenberg zurückgezogen.
Das muß ca. 1906/07 passiert sein. Für die Zeit in der die Villa
tatsächlich durch die Familie Schöppenthau zu Wohnzwecken genutzt
wurde soll die nachfolgende Ansichtskarte stehen. Persönlich eines meiner
Lieblingsmotive aus Senftenberg und heute in der 4. Variante vorgestellt.
Leider ist es auch diesmal wieder nicht die von mir sehnlichst erwartete
Ganzbildversion, von der es mindestens eine colorierte Fassung gab. Diese
steht seit 15 Jahren auf meiner Suchliste.
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Eines der prägnanteren Gebäude in der Senftenberger Innenstadt
ist das Haus Steindamm Nr.4.
Leider ist dem Haus im Laufe der Jahre sein schönes Türmchen abhanden
gekommen doch die Villa an sich macht immer noch etwas her.
Laut "Klingelschild" teilen sich aktuell mehrere Parteien die Räumlichkeiten.
Eine Zeitarbeitsfirma, eine Software-Bude, der Lausitzer Unternehmer Centrum e.V.
und eine Unterabteilung des Amtsgerichts, namentlich die "Sozialen Dienste der Justiz",
sind Stand heute über das Haus verteilt.
Ohnehin sind wechselnde Nutzungen quasi ein Markenzeichen dieses Gebäudes. Die Liste ist
sehr viel länger als die Liste der unterschiedlichen Adressen. In letzterer finden wir Angaben
wie Ostpromenade, Adolf-Hitler-Promenade, J.W. Stalin-Straße und nun halt
Steindamm.
Ausgangs des 19. Jahrhunderts wurde die Villa als Wohnsitz der Familie Schöppenthau errichtet.
So sehr viel Informationen findet man zu dieser Familie nicht. Der folgende Zeitungsbericht, gedruckt
anläßlich der Adelung zweier Familienmitglieder gibt einen kleinen Einblick in die Historie der
Schöppenthaus, die sich fortan von Schöppenthau nennen durften...
"Die Presse" (28. März 1912)
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Und auch das Stück rechts ist grundsätzlich in anderen und zweifellos schöneren Versionen bekannt.
Dieses Motiv stammt ebenfalls aus der "Schöppenthau-Phase" des Hauses.
Wobei bis zum Jahr 1910 - konkret Ostern - derzeit keine belastbaren Angaben darüber vorliegen,
wie und von wem das Haus nach dem Abzug der Schöppenthaus genutzt wurde.
Im Frühjahr 1910 kam dann sprichwörtlich "Leben in die Bude". Ein gewisser Oskar Kubsch hatte die
Immobilie erworben und etablierte darin ein Weinrestaurant und Cafe unter dem wohlklingenden Namen
"Sanssouci". Dieses Etablissement bildete fortan eine feste Größe im gastronomischen und später auch
künstlerischen Leben Senftenbergs denn die unterschiedlichsten Künstler boten ständig wechselnd
ihr Repertoire im "Sanssouci" dar. Auch als das Lokal - wahrscheinlich in einem Anflug von Patriotismus - Ende 1917
in "Kaffee Vaterland" umbenannt wurde, riss die Bedeutung des Hauses für das erlebnishungrige Publikum der Stadt nicht ab. Und
dies trotz zahlreicher Konkurrenz.
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Verlag: Ernst Konczak, Senftenberg N.-L. Aufnahme <= 1906 Sammlung Matthias Gleisner
Nach Ostern 1931 und damit nach sage und schreibe 21 Jahren Dauerpräsenz
unter ein und derselben Führung ging die Ära Sanssouci/Vaterland dem Ende
entgegen.
Die Geschäftsaufgabe erfolgte dabei wahrscheinlich nicht ganz freiwillig. Im August
1931 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, im Dezember desselben Jahres erlosch
die Firma Oskar Kubsch.
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Im Zuge des Insolvenzverfahrens ging das Haus in der Ostpromenade in das Eigentum der Stadtgemeinde über. Wie die Immobilie fortan genutzt
wurde, ist derzeit nicht lückenlos zu belegen. In den 1930er Jahren ist neben ganz normalen Wohnungen von einem Hospital und einer Kinderkrippe
die Rede. Außerdem befand sich wohl für kurze Zeit die Städtische Volksbücherei in den Räumen. Es folgten diverse Ämter des NS-Staates, namentlich
aus dem Bereich Volksfürsorge (Winterhilfswerk, Hilfstelle Mutter und Kind, Amt für Volkswohlfahrt).
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Nach Ende des Krieges - der Straßenname war schleunigst von Adolf-Hitler-Promenade wieder zurück auf Ostpromenade geändert worden - residierte
das Ostelbische Verkaufskontor für feste Brennstoffe an der Adresse. Aus der Zeit dieser Kohlenhändler stammt das Foto rechts, das im
September 1951 aufgenommen wurde und dankenswerterweise rückseitig auch einen Hinweis auf besagtes Verkaufskontor enthält.
Wann besagte Nutzung endete ist unklar. Norbert Jurk berichtete im Zusammenhang mit der späteren Verwendung der Immobilie als Hilfsschule von
einer vorherigen Einquartierung der Sowjetischen Kreiskommandantur. Nach seinen Informationen bezog die Senftenberger Hilfsschule im Jahr 1957
das Haus, das mittlerweile die Hausnummer 4 anstelle der früheren 6 erhalten hatte. Dieses 1957 kollidiert mit einer abweichenden Jahresangabe,
nämlich einem Januar 1959, die Hans Lange in seiner Senftenberg-Chronik für den Einzug der Hilfsschule angibt. Wem kann man nun glauben? Hans Lange,
dem wir das vierte und letzte Foto für heute verdanken, lieferte in diesem Kontext anderweitig nachweislich ungenaue Zeitangaben, so daß ich ihn als verlässliche Quelle
ein wenig anzweifele.
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Aufnahme = 9/1951 Sammlung Matthias Gleisner
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Aufnahme = 1976 Sammlung Uwe Jähnert
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Lange gibt für das Foto links ein 1976 an. Das wollen wir ihm mal glauben. Gleichzeitig wird klar, daß das
Türmchen zu diesem Zeitpunkt bereits Geschichte war. Es existiert ein Foto von 1964 auf dem das Türmchen
noch vorhanden ist. Damit ist der mögliche Zeitpunkt der Baumaßnahme auch nach unten gedeckelt. Ggf. - und falls
das für jemanden von Interesse ist - müsste an dieser Stelle weiter geforscht werden.
1981 verließ die Hilfsschule das Gebäude in Richtung des bis heute genutzten Schul(neu)baues am Ende der
Joachim-Gottschalk-Straße.
Gemäß einer von mir kurzfristig unter den Senftenbergern durchgeführten Online-Befragung wurde das Haus nachfolgend
durch die Volksbildung (Pädagogisches Kreiskabinett) in Beschlag genommen. Das komische ist: je näher wir der
Jetztzeit kommen, desto schwammiger wird die kollektive Erinnerung daran, wie und durch wen die einstige Schöppenthau-Villa
genutzt wurde. Fakt ist, daß Mitte der 1990er Jahre das Senftenberger Standesamt dort beheimatet war. Wie lange?
Keine Ahnung! Irgendwann gab es dann, glaube ich, auch eine Phase des kompletten Leerstandes.
Man sollte sich wirklich alles aufschreiben...
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