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Themenwechsel! Aus Zeiten (den 1930ern), zu denen kein heute noch Lebender vitale Erinnerungen hat, hinein in Jahre, zu denen sogar ich noch persönliche
Geschichten erzählen kann...
"Aufhänger" ist dabei folgender Zeitungsbericht aus dem Neuen Deutschland vom 27. Mai 1989, der mir unlängst vor die Latichte kam:
Dabei geht es speziell um den von mir rot eingerahmten Absatz dessen Aussage wohl den meisten älteren Senftenbergern sehr bekannt vorkommen dürfte. Es
handelt sich bei dem dort erwähnten Bahnhübergang natürlich um die einzige ebenerdige und beschrankte Passage der Eisenbahnstrecke Cottbus - Ruhland im
Senftenberger Stadtgebiet, den im Volksmund "Glück Auf-Schranke" genannten Übergang in der Ernst-Thälmann-Straße.
Hans Lange, dem wir sämtliche nachfolgenden Fotografien verdanken, merkte hierzu im 6. Band seiner "Chronik von Senftenberg" an:
Über den Bahnhof Senftenberg ist sehr viel geschrieben worden, aber eines muß noch erwähnt werden, was sich sehr zum Nachteil der Bevölkerung auswirkt.
Es handelt sich hierbei um die Bahnschranke in der Ernst-Thälmann-Straße.
Durch die Verlegung der Kamenzer-Bahn, die jetzt parallel zur Großenhainer-Bahn bis hinter Brieske verläuft und sich dann beide trennen, entsteht ein
starker Verkehr von Personen- und Güterzügen. Die Zugfolge beträgt 6 Minuten. Dazu kommt noch, wenn die Züge von der letzten Station abfahren, wird die
Schranke schon geschlossen. Es entstehen oft Wartezeiten bis 45 Minuten. In verkehrsreichen Zeiten stehen an beiden Seiten der Schranke viele wartende
Bürger. Im Volksmund heißt daher die Schranke "Glück Auf - Schranke", d.h. wenn man Glück hat, ist dieselbe auf. Zur Zeit spricht man von Projekten, die
den Zustand beseitigen sollen.
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Aufnahme <= 1980 Sammlung Uwe Jähnert
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In der Bildersprache sah es also so aus, daß
zwischen Foto links und Foto rechts schon mal 45 Minuten
verstreichen konnten.

Gut... 45 Minuten sind mir nun nicht erinnerlich, aber
es waren damals schon sehr lange Zeiten, die sich wie
Kaugummi zogen. Vor allem, wenn man es eilig hatte.
Kein Wunder, daß sich manche Zeitgenossen eine Alternative
suchten. Bevor man ewig wartete, bevor sich die Schranken
vielleicht einmal für ein kurzes Zeitfenster in die Senkrechte
bewegten, nahm man lieber einen Umweg in Kauf und kämpfte
sich die "Pieck-Brücke" hoch bzw. nutzte die Straßenunterführung
in der Lindenstraße.
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Aufnahme <= 1980 Sammlung Uwe Jähnert
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Oder aber man forderte sein Glück heraus und krabbelte unter den geschlossenen Schranken hindurch wie die im Zeitungsbericht genannten 8 Personen binnen
45 Minuten.
1989 muß es laut des Berichts an dieser Stelle schon Halbschranken gegeben haben. Kriege ich nicht mehr zusammen. Kann sein. Damit war es
jedenfalls für die Ungeduldigen etwas einfacher, denn man musste sein Fahrrad nicht mehr flach unter den Schlagbäumen durchzerren. Was tatsächlich eine ganze Reihe
von Leuten machte. Im Laufe der Jahre haben einige so ein Manöver nicht überlebt und "Zug gekriegt".
Ein hoher Preis für ein paar Minuten Zeitgewinn.
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Aufnahme <= 1980 Sammlung Uwe Jähnert
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Jedenfalls oute ich mich heute mal und gestehe: "Ich war auch einer von denen." Nicht regelmäßig aber es kam schon vor, daß mich der Kleister packte und ich
nicht länger warten wollte, um von der Arbeitsstelle in der Laugkstraße möglichst schnell nach Hause in die Straße des Bergmanns zu gelangen. Ich lebe noch, also
war ich dabei wohl aufmerksam und umsichtig. Das ändert aber nichts daran, daß diese Aktionen in Konflikt mit den damaligen und heutigen Vorschriften standen.
Und entsprechend geahndet werden...
Es muß 1988 oder spätestens 1989 gewesen sein. Es war ein Sonntag und ich hatte Frühschicht im Rechenzentrum. Die ging von 6 bis 14 Uhr. Gaaaaaanz schlecht!
Denn Sonntags zwischen 12 und 16 Uhr lief auf SFB 2 die Kultsendung "Hey Music", eine Hitparade mit dem legendären DJ Jürgen Jürgens. 4 Stunden lang die neueste
(West-)Musik mit dem Vorteil daß der Moderator nicht in die Titel quatschte und auch die angesagten Maxi-Versionen der Chartsplatzierungen spielte. Für mich war
es ein absolutes Muß in besagten 4 Stunden vor meinem Kassettendeck zu sitzen und den Zeigefinger über der Pausentaste schweben zu lassen.
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Wenn ich aber alle paar Wochen Sonntags Schicht hatte, versäumte ich durch den 14-Uhr-Schichtbeginn regelmäßig mindestens 2 Stunden. Entweder am Ende der Sendung
oder an deren Anfang. Für die 2. Schicht hatte ich eine halbwegs passable Lösung. Auf den letzten Drücker (so um 13:45) bevor ich die Wohnung verließ, startete ich
die Aufnahme auf eine 120er Kassette und konnte somit noch eine Stunde Sendung ergattern, aus der ich dann im Nachgang die begehrten Sachen "umschnitt". Für die Frühschicht funktionierte
das natürlich nicht. Jedenfalls war ich Sonntags immer sehr bemüht meinen Weg Wohnung-Arbeit, Arbeit-Wohnung so schnell wie es ging zurückzulegen um möglichst wenig zu verpassen.
Und an besagtem Sonntag trug es sich wieder zu, daß ich mit einem Affenzahn am Bahnübergang ankam und die verdammten Schranken waren unten. Vorsichtig nach
rechts und links sichernd überquerte ich die Schienen, schwang mich danach flugs auf mein Rad, trat in die Pedale nur um 30 Meter weiter von einem Volkspolizisten ausgebremst zu werden.
Zwei der "Grünen" hatten sich (und jetzt kommt das Foto rechts ins Spiel) in der Einfahrt zur ehemaligen EOS versteckt, so daß man sie aus der Stadt kommend, nicht sehen
konnte. Zumindest nicht in dem Moment vor dem illegalen Gleisübertritt.
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Aufnahme = 1977 Sammlung Uwe Jähnert
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Natürlich war bekannt, daß am Übergang Kontrollen stattfinden. Aber am Sonntag? 
Wie gewöhnlich war ich natürlich ohne Personalausweis unterwegs und konnte den Forderungen der Ordnungshüter nur begrenzt nachkommen. Vielleicht sah ich auch ein
wenig "aufsässig" aus denn die beiden VoPos ließen sich nicht auf meinen Vorschlag ein, daß ich doch bis zu meiner Meldeadresse (und dem aktuellen Lagerrort
meiner Dokumente) radeln könnte und sie würden gemütlich hinter mir herfahren. Wahrscheinlich befürchteten sie, daß ich mich unterwegs nach links oder rechts in die
Büsche schlagen könnte. Stattdessen sackten sie mich in ihren LADA, verfrachteten mein Fahrrad in den Kofferraum und chauffierten mich gut 500 Meter
bis zur elterlichen Wohnung in der Straße des Bergmanns 6 um mich dort bei meinen Erziehungsberechtigten (und das mit 21 oder 22 Jahren!) abzuliefern. Das muß ein Bild
für die Götter gewesen sein... mein Fahrrad, daß aus der offenen Heckklappe des Streifenwagens heraushing. Ich glaube nach "Prüfung des Sachverhalts" gab es eine Verwarnung,
möglicherweise auch eine kleines Bußgeld. 10 oder 20 Mark der DDR.
Die weitaus größere Strafe war für mich jedoch, daß ich durch diese ganze Aktion wertvolle Zeit von "Hey Music" verpasste. 
Tja, so war das damals.
Laut Hans Lange dachte man schon in den 1970er Jahren darüber nach, den Bahnübergang irgendwie zu "optimieren". Ich habe keine Ahnung, was man sich dabei damals so ausdachte.
Fakt ist: der Übergang existiert immer noch in dieser Form. Die Wartezeiten sind aber (gefühlt) etwas kürzer geworden. Es gab vor ca. 10 Jahren mal die Idee, die Stelle für Fußgänger
zu untertunneln und dazu existierten sogar schon Planzeichnungen. Doch aus den verschiedensten Gründen (technische Umsetzung, Finanzen, Zuständigkeiten, mögliche Folgeprobleme) nahm
man wieder Abstand von diesen Gedanken. Ich vermute, daß auch die Nutzungsfrequenz im Vergleich zu vor 40 Jahren deutlich gesunken ist, so daß der Leidensdruck mittlerweile
nicht mehr so hoch ist.
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