25.10.2026

Ich lasse die Themen der letztehn drei Wochen noch mal kurz aufblitzen... die Ernst-Thälmann-Straße ist dabei, heute mal das andere Ende. "Gaststätte" passt auch, wenn auch nicht in Form von Innenaufnahmen. Und die "Kladde" ist auch dabei denn die beiden folgenden Fotografien stammen von daraus:

Senftenberg
Aufnahme <= 1963
Sammlung Matthias Gleisner
(Schenkung H.Laurisch)
Die beiden relativ kleinformatigen Fotos wurden ohne Zweifel bei derselben Gelegenheit geschossen. Wann das war ist etwas unscharf. Verlässliche Angaben lassen sich der Quelle leider nicht entnehmen.
Und so bin ich mal wieder auf mich allein gestellt. Die linke Aufnahme der allseits bekannt HO-Gaststätte "Stadt Senftenberg" sieht den ebenfalls wohlbekannten professionellen Ansichtskarten, die allesamt auf 1963 fixiert werden können, sehr ähnlich, birgt aber doch den einen oder anderen Unterschied. Die Differenzen führen zu der Schlußfolgerung, daß dieses Foto hier die bislang früheste Aufnahme des Gebäudes ist, über die ich verfüge.
Senftenberg
Aufnahme <= 1963
Sammlung Matthias Gleisner
(Schenkung H.Laurisch)
Signifikant ist das Fehlen der beiden Außenlaternen mit der Landskron-Werbung, die wir auf allen bisherigen Aufnahmen in der einen oder anderen Form ausmachen konnten.
Da die Lampen auf allen späteren Fotos vorhanden sind, kann man sicher davon ausgehen, daß unser Hobby-Fotograf die Szenerie ablichtete, bevor diese Form der Außenreklame installiert wurde.

Interessant ist auch der Aufsteller mit dem Schriftzug Stadt Senftenberg, der auf der Grünfläche vor dem Restaurant platziert wurde. Den sehe ich hier auch zum ersten (und bisher einzigen) Mal. Der hilft uns aber bei der Zeitbestimmung nicht wirklich weiter. Grundsätzlich ist alles zwischen Bau der beiden "Hochäuser" und 1963 möglich. Ja ich weiß daß das ziemlich vage ist, aber genauer kann ich es mit dem wenigen Wissen um das "Stadt Senftenberg", das ich habe, nicht sagen.

Ich wohnte zwar ab ca. 1980 in der Gegend um das "Stadt Senftenberg" aber ich könnte nicht mit Gewissheit sagen, daß zu meiner Zeit die oben erwähnten Laternen noch existierten. Ich könnte mir jedoch vorstellen, daß die an dieser Stelle nicht das ewige Leben hatten und im Laufe der Zeit verschwanden. Auf dem folgenden Foto, das maximal im Jahr 1980 aufgenommen wurde, ist die entsprechende Hauspartie leider durch einen Baum verdeckt.

Senftenberg
Aufnahme <= 1980
Sammlung Uwe Jähnert
Und auch sonst ist die Aufnahme eher unspektakulär. Auf jeden Fall war zu diesem Zeitpunkt (immer) noch diese kleine Außenterasse erhalten. Diese verschwand später vollends vom Erdboden. Aber auch in diesem Fall habe ich nicht einmal ein ungefähres Gefühl, wann das konkret passierte.

Ähnlich verhält es sich auch für die doch ziemlich zahlreiche Leuchtreklame über den Schaufenstern der insgesamt 4 HO-Verkaufsstellen, die man auf dem Foto rechts oben teilweise ausmachen kann. Persönlich habe ich Null Erinnerung, daß diese Neon-Schriftzüge zu der Zeit, in der ich diese Läden (Gemüse, Molkereiprodukte, Fleischwaren, Lebensmittel) frequentierte, also in den 1980ern, noch vorhanden waren.

Vielleicht kann mich mal jemand im wahrsten Sinne des Wortes erleuchten, wie sich das so damals mit den ganzen Neon-Reklamen in Senftenberg verhielt. Davon gab es nämlich allerhand und nicht nur hier am Ortseingang der Stadt. Ich könnte mir vorstellen daß, wenn sie denn wirklich angeschalten wurden, mit ihrer Hilfe ein fast großstädtisches Flair verströmt wurde. Andererseits befürchte ich aber, daß die Dinger zwar installiert wurden, vielleicht auch kurzzeitig in Gebrauch waren, dann aber relativ schnell aus den verschiedensten Gründen (Ersatzteilmangel, Energieeinsparung usw. usf.) abgeschaltet blieben. Wie von mir vor einigen Wochen erwähnt, wurde hierzulande Mitte der 1970er jegliche Reklame stark zurückgefahren. In dieser Beziehung waren die 1950er und 1960er - selbst wenn es in allen Sparten eigentlich so gut wie kein Konkurrenzsituation gab - irgendwie doch sehr viel kundenorientierter und freundlicher als das was uns die 70er und 80er bescherten.

Senftenberg-bezogene HO-Reklame (1960)
u.a. mit einer Innenansicht des "Stadt Senftenberg"
Die damaligen Neon-Schriftzüge hatten größtenteils eine wirklich tolle Typographie. Und nicht nur die! Auch auf stinknormalen Ladenschildern, wie zum Beispiel beim Körbchen, das wir auf der Reklame links oben sehen, wurde eine Ästhetik an den Tag gelegt, die später kaum noch erreicht wurde. Ab Mitte der 1970er konnte die DEWAG nur noch sachlich und damit langweilig.

Schade eigentlich, daß derartiges komplett aus dem Stadtbild verschwand und auch nicht wiederkehrte. Die designierte Senftenberg-Chronistin Frau Dr. Dreesbach hätte ihre wahre Freude daran gehabt. Sie geht als buchstabenverliebte Person nämlich auf Jagd nach solchen vintage oder wenigstens retro Beschriftungen, um diese fotografisch festzuhalten. Ihre Ausbeute im Großraum Senftenberg war diesbezüglich und aus obigem Grund bislang ziemlich mager. Siehe rechts.
Übrigens traue ich ihr hinsichtlich der visuellen Gestaltung des bei ihr in Auftrag gegebenen Chronikwerkes ziemlich viel zu. Aber das war und ist nicht die Hauptaufgabe! Eigentlich geht es ja um eine umfassende und höchsten fachlichen Ansprüchen genügende Dokumentation. Nun gut, ich bin nicht im Bilde, welche inhaltlichen und materialtechnischen Wege das "Team Dreesbach" hier vor Ort bereits beschritten hat. Denn ...


hört man dieser Tage selten. Die Kommunikationsabteilung des Rathauses hüllt sich in diesem Fall in vornehmes Schweigen und auch die Chronistin selbst hinterlässt aktuell keine sichtbaren Spuren in unserer Stadt. Für das Jahr 2026 wurden von ihr ursprünglich einmal 900 Arbeitsstunden veranschlagt. 1.400 weitere sollten bis zum 30. September 2028, dem Abgabedatum, folgen. Wieviele tatsächlich schon "verbraten" wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Und geht mich auch nichts an.

Mich beschleicht nur immer stärker die Angst, daß vor dem Hintergrund der doch recht kurzen Restzeit der inhaltliche Teil mit der heißen Nadel gestrickt werden könnte. Auch wenn manche sagen: "es sind ja immerhin noch 2 Jahre Zeit", halte ich das für die zu bewältigende Aufgabe jetzt nicht gerade für üppig. Doch vielleicht ist mein Anspruch auch einfach zu hoch. Ich hoffe, daß uns 2029 nicht irgendwelche "Geschichten aus dem Paulaner-Garten" erzählt werden.
Ich glaube bezüglich #DDR könnte Frau Dr. Dreesbach noch ein wenig Nachhilfe
vertragen. Freiwillige vor!

Apropos "Geschichten aus dem Paulaner-Garten"... In der aktuellen Berichterstattung zum Thema "80 Jahre Theater Senftenberg" wurde eine Verbindung Armin Müller-Stahl ←→ Theater offiziell als Mythos deklariert. Ohne Erklärung, wie es zu der angeblichen Legende kam und wodurch sie wiederlegt wurde. Bemerkenswert auch, daß man das erst jetzt herausgefunden hat, nachdem man doch schon 20+ Jahre an der Theater-Chronik feilt. Nun muß wohl oder übel das halbe Internet umgeschrieben werden, inklusive die Theater-eigene Website.

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