Neues 518 - 2022-06-05

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Matthias
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Neues 518 - 2022-06-05

Beitragvon Matthias » Sa 4. Jun 2022, 08:38

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Harald
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Re: Neues 518 - 2022-06-05

Beitragvon Harald » Di 7. Jun 2022, 18:51

Wir HEIMATFORSCHER wandern gelegentlich auch durch unsere Heimatstadt, doch nur sehr wenige Orte zeigen sich in der Gegenwart noch so, wie wir sie von unseren historischen Studien und Recherchen im „Dunkel der Geschichte“ her kennen. Dabei sind es dieselben STRASSEN & GASSEN, wo seit Jahrhunderten die Tritte unserer VORFAHREN nachhallen. Hier lenkten sie in bunter Farbenpracht mit langen SCHNABELSCHUHEN behutsam ihre Schritte, klirrten stolz mit den SCHELLEN oder wirbelten mit langen SCHLEPPGEWÄNDERN den Staub empor. Aber die GESCHLECHTER sind nach und nach ins Grab gesunken, die HÄUSER alterten ebenso und machten eines dem anderen Platz, zusehends verwischte neue Architektur die alten Erinnerungen. Wenig ist übrig geblieben vom ehemals MITTELALTERLICHEN STADTBILD. Eigentlich haben nur 2 riesige GOTTES~ sowie einige GESCHÄFTSHÄUSER dem Untergang getrotzt. Den STRASSEN ist es kaum besser als den HÄUSERN ergangen.
Die mittelalterliche Stadt bestand aus einem Gewirr von STRASSEN & GASSEN. Die HAUPTSTRASSEN liefen auf den MARKTPLATZ zu. Nur sie waren – wenn überhaupt – mit STEINEN gepflastert. Die anderen STRASSEN & WEGE waren unbefestigt und bei Regen oft matschig wie heute ein einfacher FELDWEG.
Oft mussten sie ihre Grenzen verändern, um sich einer geraden Linie zu nähern, oft einrücken, vor oder zurück, um schnurgerade zu verlaufen.
Damals sonderten sich die STÄNDE & GEWERBE voneinander ab, jedes fand sich für sich zusammen, nahm seine STRASSE ein, seinen besonderen LADEN, bildete eine ZUNFT mit eigenem VERGNÜGUNGSLOKAL. Daher rührten auch die Bezeichnungen Töpfer~, Bader~, Schmiede~, Brauhausgasse, sodass sich jedermann in der Stadt auch ohne angeschriebene Namen & Hausnummern leicht zurechtfinden konnte.
Als im 17./18. Jh. alte finstere TORE und feste MAUERN verschwanden, konnten sich in der modernisierten Stadt nur wenige STRASSEN ihre Namen und Individualität bewahren.
Wir betrachten heute allerdings keine „HANDWERKERGASSEN“, sondern die etwas „höfisch klingende“ BURGLEHNSTRASSE, die samt ihrer Fortsetzung, der RITTERSTRASSE, von der SCHLOSSSTRASSE abgeht. Leider hat sich bis heute nicht mehr viel erhalten, um das alte Bild dieser STRASSE,
zumindest in der Phantasie, vor unserem geistigen Auge entstehen zu lassen.
Aus historischer Sicht betrachtete sie einst Dr. Rudolf Lehmann nach einem >Spaziergang durch Alt-Senftenberg & Umgebung< wie folgt:

Bild Lehmann.jpg


Dagegen kommt die im WWW an der sogenannten WIKIWAND in der >Liste der Straßen in Senftenberg< propagierte
LAGE-Beschreibung der BURGLEHNSTRASSE“ ziemlich verwirrend daher:

„Die BURGLEHNSTRASSE verläuft von KIRCHPLATZ in östliche Richtung bis zum STEINDAMM; weiterer Verlauf in Richtung Osten als AM GERICHT; ebenfalls als westliche Parallelstraße zum STEINDAMM als Bogen im Uhrzeigersinn in Richtung Süden ab BURGLEHNSTRASSE bis zur SCHLOSSSTRASSE (nördlich der BURGLEHNSTRASSE als Stichstraße); weiterer Verlauf ab SCHLOSSSTRASSE als Bogen im Uhrzeigersinn in Richtung Westen als RITTERSTRASSE.
Der Name bezieht sich auf das ehemalige BURGLEHN, das sich zwischen STADT & SCHLOSS vor dem ehemaligen SCHLOSSTOR am Schweine- oder Ferkelmarkt erstreckte.“


Die untenstehende KARTENSAMMLUNG der >Burglehnstraße im Wandel der Zeit< zeigt dafür mehr als deutlich die baulichen VERÄNDERUNGEN in der einstigen mittelalterlichen INNENSTADT auf.

Wandel der Zeit_resize.jpg

Im 2. Teil meiner Betrachtungen wenden wir uns dem geheimnisvollen NAMENSGEBER >BURGLEHN< zu:

Burglehen_resize.jpg

Der Begriff BURGLEHN bezeichnete im mittelalterlichen Recht u.a.
das einem BURGMANN zu dessen UNTERHALT verliehene LEHEN, sofern dieser auf einer BURG zu deren Verteidigung ansässig war.
Im 13./14. Jahrhundert diente es als übliche wirtschaftliche AUSSTATTUNG der adeligen BURGBESATZUNG.
Sie setzte sich aus dem Burgkommandanten, weiteren (ritterbürtigen) Burgmannen und niederem Hilfspersonal (z. B. Burgpförtner, Türmer) zusammen.

Das BURGLEHEN bestand aus GRUND & BODEN außerhalb der BURG, zumeist in einem abgegrenzten BEZIRK vor den Mauern einer BURG,
in dem die Häuser der BURGMANNEN standen, die sie vom Burgherren als Teil ihrer Vergütung als LEHEN erhielten.
Zumeist forderte der Lehnsherr die sogenannte „BURGHUT“ – also die Bewachung und Verteidigung der BURG ein. Aus diesem Grunde wurden die BURGGÜTER oftmals direkt an die STADTMAUER gebaut, um als kleine VORBASTEI für die eigentliche BURG zu dienen. Die BURGMANNEN wurden im Kriegsfalle auch zur Verteidigung der Stadt eingesetzt.
Das Gebiet des BURGLEHNS und seine BEWOHNER standen unter besonderem RECHT, d.h. sie waren weder von einem GRUNDHERREN abhängig,
noch dem STADTRECHT unterworfen – selbst dann nicht, wenn das BURGLEHN innerhalb der STADTMAUERN lag.

Bereits im 17., spätestens im 19. Jahrhundert wurden die BURGLEHNBEZIRKE aufgelöst und der KOMMUNALVERWALTUNG unterstellt. Manche hatten gleichwohl viel länger existiert als die zugehörigen BURGEN, die oft schon vorher ihre militärische Funktion verloren hatten. Heute erinnert meist nur noch ein STRASSENNAME an die Lage des ehemaligen BURGGUTS – wie eben auch in SENFTENBERG ;) .

Nachmieter_resize.jpg


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