Neues 477 - 2021-07-18

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Matthias
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Neues 477 - 2021-07-18

Beitragvon Matthias » Sa 17. Jul 2021, 08:30

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Harald
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Re: Neues 477 - 2021-07-18

Beitragvon Harald » So 18. Jul 2021, 14:53

ZWEI APFELSINEN IM JAHR UND ZUM PARTEITAG BANANEN;
DAS GANZE VOLK SCHREIT >HURRA, DER KOMMUNISMUS IST DA !<

Von 1958 bis 1962 führte mich mein täglicher, ziemlich langer, mit dem Fahrrad zu bewältigender SCHULWEG vom damaligen Ortsteil SENFTENBERG-WEST bis zur EOS „Walther Rathenau“ auch an der >MANDARINE< vorbei. Dabei kam schon ab und an die Frage nach dem Sinn dieser Namensgebung auf, denn die umgangssprachliche Bezeichnung >KRAUT & RÜBEN< hätte es auch getan, da der Laden neben Kartoffeln hauptsächlich Weißkraut, Rotkohl, sowie Mohr~ & Kohlrüben, seltener Tomaten & Gurken im Angebot hatte. An OBST gelangten auch schon mal kurzzeitig Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschen in den Verkauf, die von den findigen, geschäftstüchtigen Kleingärtnern eigenhändig gepflückt und vor allem frisch angeliefert wurden.
Die „Hobby-Gärtner“ waren mit ihrer privaten Produktion an Obst und Gemüse fest als Lieferant für die Volkswirtschaft eingeplant. Mit großzügigen Aufkaufpreisen wurden deren Überschüsse für den Einzelhandel erschlossen, was selbstredend auch ein recht beachtliches Zubrot zur Familienkasse – für meinen pflückfleißigen Sohn zum Taschengeld – darstellte. Aber auch für die gesamte Familie hatte der eigene Garten eine große Bedeutung, da dort all das Obst & Gemüse produziert wurde, welches dagegen in der >MANDARINE< nur selten zu haben war.

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Bis auf wenige Sonderlieferungen kamen die, uns lediglich noch vom 1954er SCHÜLERKALENDER her bekannten SÜDFRÜCHTE Mandarinen, Apfelsinen, Bananen oder gar Ananas auf den Ladentisch, da sie in der ehemaligen DDR mit GOLDSTAUB vergleichbar waren.
Dennoch war der WINTER bei uns – nein, nicht ORANGEN~ sondern APFELSINENZEIT, wobei zur Weihnachtszeit insbesondere die Lieferungen aus Spanien oder Marokko sehnlichst erwartet wurden.
Die zumeist angebotene KUBANISCHE VARIANTE: außen grün, innen strohig und voller Kerne war zwar gut gemeint, kam beim DDR-Volk aber nicht wirklich gut an. Die tennisballgroßen Früchte „aus dem kubanischen Freundesland“ eigneten sich weder zum Schälen, noch zum scheibchenweisen Verzehr, weshalb die sogenannten >CASTRO-KUGELN< auch noch einen zweiten, den etwas boshaften Beinamen >FIDELS RACHE< bekamen, weil sie sich nur zur SAFT-Herstellung eigneten.
Übrigens wurden PATIENTEN, die mit VERSTOPFUNG in der Poliklinik vorstellig wurden, von Ärzten routinemäßig befragt, ob sie eventuell zu viele Kuba-Orangen gegessen hätten…
Ich habe zum Thema BANANEN, die es schon, aber selten und immer in zu geringer Menge gab, ein recht gespaltenes Verhältnis. Bis heute hält sie sich als „Zeichen einstiger DDR-Mangelwirtschaft“.
Da sie oftmals nach der Anzahl der Familienmitglieder rationiert wurde, verzichteten die Eltern zumeist zugunsten ihrer Kinder auf den Genuss dieser begehrten Tropenfrucht. Noch immer existieren WITZE, die auf den BANANEN-HUNGER der ehemaligen DDR-Bürger anspielen. Das Zitieren erspare ich mir, weil ich die BILDER von mit Würsten, Fisch, Nudeln, Schokoladen, und eben auch BANANEN werfenden bzw. in Eimern einsackenden MARKTSCHREIERN und danach grapschenden Hausfrauen & Rentnern in der WENDEZEIT noch nicht vergessen habe. Ähnliche Szenen kannte ich bis dato nur von der AFFENFÜTTERUNG im Dresdner ZOO…Sehr bald bemerkten allerdings viele, die ihren Job verloren, dass Bananen & Apfelsinen allein nicht glücklich machen…

Doch zurück zur SENFTENBERGER >MANDARINE<, die in den 1960er Jahren hin & wieder in der >Lausitzer Rundschau< von sich reden machte. Ich präsentiere nachfolgend:

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10.03.1961
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Das FOTO macht deutlich, wie klein der LADEN war, in dem sich die KUNDEN um die eng aneinander gereihten Warenaufsteller scharten.
Woran das „NEUE GESICHT“ erkennbar war, könnten nur die sich zur Eröffnung eingefundenen und somit „wohler fühlenden“ Senftenberger erklären.

10.06.1961
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Da auch KUBA-ORANGEN nicht jederzeit zum Entsaften verfügbar waren, konnte sich die Hausfrau mit ORANGENSAFT aus der Dose & ~SIRUP zum Verdünnen behelfen. Letzterer erwies sich als großer Sparfaktor im Portemonnaie, obwohl natürlich „nur ein paar Tropfen“ zwar für ein „billiges“, nicht aber unbedingt „wohlschmeckendes“ GETRÄNK ausreichten.

22.08.1961
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Diese zwei MELDUNGEN zeugen nicht unbedingt von WEITSICHT, denn der unter (1) genannte ZEITWEILIGE PARKPLATZ wartet nach exakt 60 Jahren noch immer auf seine „endgültige Bebauung“, wogegen der unter (2) prophezeite PARKPLATZ „hinter dem >Steppke<“ mit Wohnblocks für Devastierungsopfer aus Sauo & Rauno bebaut wurde.

15.01. / 04.02.1965
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Dieses „RINGELSPIEL“ zeugt vom überaus emsigen Wirken der oftmals „gefürchteten“ Arbeiter-und-Bauern-Inspektion (ABI), aber auch vom „berüchtigten“ Abschieben jeglicher Verantwortung auf die „Kleinen“ und den sprichwörtlichen „Sankt-Nimmerleinstag“. Kein OBST, aber zahlreiche OBSTKISTEN – wie passt das zusammen? Oh Gott, und dann auch noch „vorne HUI – aber hinten PFUI“…

20.08.1966
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1966 muss wahrlich ein „erfolgreiches Jahr“ gewesen sein. Davon zeugt ein INSERAT mit dem OBST/GEMÜSE-Sortiment, in dem sogar Tomaten, grüne Gurken, ungarischer Paprika – und, halt mich fest, echte MELONEN enthalten sind. Das kommentierten sicherlich nicht nur >DIE PRINZEN< euphorisch mit:
„Ich glaube, jetzt gebt ihr mir völlig Recht, es war nicht alles schlecht.“

03.12.1966
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Alle Jahre wieder, um den 1. Advent herum, öffnete angeblich „ERICH“ seine Privat-Schatulle, und spendierte seinen verdienstvollen Werktätigen „ein gerüttelt Maß“ an APFELSINEN – sage und schreibe 75 Tonnen landeten auch in Senftenberg, die an rund 25000 Bürger verteilt wurden. Ich war nie eine mathematische Leuchte – rechnen Sie selbst aus, wieviel Kilogramm pro Kopf auf dem BUNTEN TELLER landeten…
Nicht vergessen wollen wir natürlich die FRÜHKARTOFFELN aus Zypern – wie gemalt, pflegte meine Oma zu sagen – die rechtzeitig zum Fest eintrafen…

07.09.1967
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Dies ist besagtes FOTO, von dem Matthias umseitig schon berichtete.
Es zeigt den provisorischen VERKAUFSSTAND in der Zeit, da die >MANDARINE< zum 2. Mal, diesmal für eine SELBSTBEDIENUNG umgebaut wurde.
Ob dieses Verkaufsprinzip auch bei SÜDFRÜCHTEN aufrechterhalten wurde, ist nicht überliefert…

Schließen möchte ich heute mit einem, auch von mir letzten >STEPPKE – FOTO< vom 03.10.1963, welches auf die einstmals bevorstehende VOLKSWAHL, also das berüchtigte „ZETTELFALTEN“, hinwies. Da uns ja sehr bald die BUNDESTAGSWAHL zur Urne rufen wird, ist es schön zu wissen, dass es inzwischen SÜDFRÜCHTE überall in ausreichender Menge zu kaufen gibt – wenn auch nur mit ATEMSCHUTZMASKE.
Aber was tut man nicht alles für eine Handvoll MANDARINEN…?

steppke 5.10.1963_resize.jpg


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