Neues 549 - 2023-01-22

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Matthias
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Neues 549 - 2023-01-22

Beitragvon Matthias » Sa 21. Jan 2023, 10:31

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Harald
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Re: Neues 549 - 2023-01-22

Beitragvon Harald » Mi 25. Jan 2023, 16:21

Seit vielen Jahrzehnten stellen KAUF~ oder WARENHÄUSER in den Innenstädten einen Hauptanziehungspunkt dar,
haben jedoch inzwischen als >KATHEDRALEN DES HANDELS, KONSUMS & KAUFRAUSCHES< deutlich an Marktanteilen verloren.
Ihr kometenhafter AUFSTIEG begann 1852 in Paris, als ein französischer Stoffhändler verschiedene LADENGESCHÄFTE unter einem Dach vereinte. Sein „Le Bon Marché“ (Der Gute Markt) war weltweit das ERSTE WARENHAUS, das die KUNDSCHAFT mit aufwendig gestalteten SCHAUFENSTERN, weithin blinkender LEUCHTREKLAME und RABATTAKTIONEN auf PLAKATEN und in ZEITUNGSINSERATEN anlockte. Es wurde MASSENWARE zu einem FESTPREIS verkauft, der deutlich unter dem der kleinen Einzelhändler lag. Die KUNDEN genossen SELBSTBEDIENUNG ohne Kaufzwang, zahlten bar. Man konnte zwar nicht mehr feilschen oder gar anschreiben lassen, dafür aber bei Nichtgefallen die WARE umtauschen.
In DEUTSCHLAND fand der jüdische Kaufmann WERTHEIM Gefallen an dieser Verkaufsstrategie und eröffnete 1875 in Stralsund ein eher bescheidenes, doch schon 20 Jahre später in Berlin das weltweit größte KAUFHAUS, welches bis zur Enteignung durch die Nazis als SYNONYM FÜR >WARENHAUS< galt.
Große LICHTHÖFE, weitläufige FREITREPPEN, schwere KRONLEUCHTER, MARMOR & EDELHÖLZER, echte PALMEN und technische Innovationen wie FAHRSTÜHLE & ROLLTREPPEN ließen die Besucher staunen und machten den Warenhausbesuch zu einem gesellschaftlichen Ereignis.

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Erst verhältnismäßig spät schwappte die >KAUFHAUS-WELLE< dann auch in die PROVINZ über:
Am 23. Oktober 1909 eröffnete in SENFTENBERG am nördlichen Ende der „kleinen“ Bahnhofstraße Bauherr & Direktor W.WALDSCHMIDT eine FILIALE seines Cottbuser KAUFHAUSES. Diese erfreute sich stets eines regen Zuspruchs & großer Beliebtheit bei den Kunden aus Senftenberg & Umgebung.
Der HAUPTEINGANG war AM LINKEN GIEBEL (nach dem Krieg am RECHTEN), wo man später einen ANBAU anbrachte, mit einer DURCHFAHRT. Dafür musste das alte HAUS, links im Bild noch zu sehen, weichen. Die BÄUME im Vordergrund gibt es schon lange nicht mehr. Da ist jetzt eine durchgehende Straße. Unter den Bäumen, nicht mehr im Bild, stand ein ZEITUNGSKIOSK . Hinter den Bäumen war ein größerer FAHRRADSTAND gegen eine kleine Bezahlung zur Bewachung.
In den letzten Kriegsjahren 1943/45 tätigte der in Berlin ansässige OSRAM-Konzern im Kaufhaus eine kleinere Rüstungsproduktion.
Nach Kriegsende lief der Betrieb im „Kaufhaus für jedermann“ WALDSCHMIDT noch einmal kurzzeitig an, wie aus den nachfolgenden INSERATEN der Jahre 1947/48 hervorgeht, die im gleichfalls am 14. März 1947 zu neuem Leben erwachten >Senftenberger Anzeiger< veröffentlicht wurden:

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„SO KANN MAN AUCH MIT KLEINEN SACHEN DEN KUNDEN EINE FREUDE MACHEN“ – könnte man das beworbene WARENANGEBOT umschreiben.
Für die jüngere Generation lässt sich selbstredend schwer nachvollziehen, welch GROSSE FREUDE solch ein KAUFERLEBNIS nach langem Anstehen in der Warteschlange auslöste:

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Am 10. Januar 1949, also bevor man am 7. Oktober die DDR ausrief, übernahm die neu gegründete Handelsorganisation (HO) das Kaufhaus als „freien Laden“
unter dem Namen >HO-KAUFHAUS<. Dem ABSCHIED VOM >WALDSCHMIDT< folgte am 28. Juli 1950 auch der vom >SENFTENBERGER ANZEIGER< !

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Nach der Gründung der DDR trug das >HO-KAUFHAUS< die Bezeichnung >KAUFHAUS DER NIEDERLAUSITZ< (KdN) bis 1966. Im darauffolgenden Jahr wurde es in KAUFHAUS >MAGNET< umbenannt. Im ERDGESCHOSS gab es alles Mögliche zu kaufen, in der 1.Etage Bekleidung, Textilien & Haushaltswaren – bis 1964 auch Lebensmittel.
Mich zog es meist nur zum SCHALLPLATTENSTAND, wo ich 12-jährig mit schnell zerbrechlichen Schellack-Platten den Grundstock meiner späteren PLATTENSAMMLUNG legte.
Im KAUFHAUS befanden sich je ein FAHRSTUHL für Waren~ & Personentransport, welche von sogenannten Fahrstuhlführern bedient wurden.
Da jedoch der FAHRSTUHL oftmals für den KUNDENTRANSPORT aufgrund technischer Mängel gesperrt wurde, war mühevolles Treppensteigen angesagt.
Von der DACHTERRASSE, wo sich ein kleines SB-RESTAURANT befand, konnte man dann als Belohnung einen 3-seitigen RUNDBLICK über die Stadt & deren nähere Umgebung genießen. Irgendwann wurde die Dachterrasse allerdings wegen Baufälligkeit gesperrt.
Die alten Senftenberger haben sicherlich noch viele gute ERINNERUNGEN an das ehemalige HO-KAUFHAUS ihrer Kindheit & Jugend. Man hatte zwar nicht das GELD, um GROSS einzukaufen, aber schon die große DREHTÜR am Haupteingang, die im Winter mit wärmedämmenden DECKENverhangen wurde, die dahinter in Sicherheit wiegend abgestellten KINDERWAGEN , sogar mit Babys darin (!) - man stelle sich das heute mal vor - , die breite TREPPE nach oben oder der AUFZUG ins oberste Stockwerk, der gemütliche IMBISSRAUM ganz oben – all das sind schon großartige Erinnerungen wert. In den Sommermonaten standen die erwähnten KINDERWAGEN mit den darin liegenden BABYS aufgereiht Parade vor der großen SCHAUFENSTERFRONT - und es ist nie eins als VERMISST gemeldet worden...

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Nach der Wende bekam das Kaufhaus die 'neudeutsche Bezeichnung' >MULTISTORE< verpasst, deren Eigentümer die Kaufhalle AG bzw. der Handelskonzern Metro waren.
Zu kaufen gab's dort ‘Textilien mit ergänzendem Sortiment’, was auch immer das bedeutete. Für die meisten entpuppte es sich aber als totales WARENCHAOS, welches demzufolge auch unter keinem guten Stern stand und im Jahre 2004 dem KAUFHAUS den Garaus bescherte.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist ein Call-Center von Vodafone untergebracht. Außerdem werden in den Räumlichkeiten Lehrgänge und Weiterbildungskurse für Arbeitssuchende durchgeführt.

Die in den Folgejahren angestellten und wieder verworfenen ÜBERLEGUNGEN & PLANUNGEN
bzw. überraschend ausgeführten PROJEKTE kommentiere ich bei sich bietender Gelegenheit…


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