Neues 595 - 2024-02-18

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Matthias
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Neues 595 - 2024-02-18

Beitragvon Matthias » Sa 17. Feb 2024, 09:37

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Harald
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Re: Neues 595 - 2024-02-18

Beitragvon Harald » Sa 24. Feb 2024, 14:22

Fahrplan Schippchen_resize.jpg

Während meiner von 1950 bis 1958 in der Zentralschule Hörlitz absolvierten Grundschulzeit reichte mein „REGIONALGEOGRAPHISCHER WEITBLICK“ eigentlich nicht viel weiter als bis zu den nächstgelegenen kleinen DÖRFERN wie MEURO; DROCHOW; SAUO – jedoch auch schon mal bis zur >KRÜGER’S MÜHLE SCHIPKAU< bzw. dem >GLASWERK ANNAHÜTTE<. Unser damaliger Lehrer Herbert Z i e g l e r hatte sie als Zielpunkte für „WANDERTAGE“ auserkoren – ersteren noch auf „Schusters Rappen“, letzteren dann schon per eigenem „Drahtesel“. Zur Erweiterten Oberschule „Walther Rathenau“ fuhr ich danach 4 Jahre lang täglich bei Wind & Wetter auf der „sich endlos ziehende“ KLETTWITZER STRASSE von SENFTENBERG-WEST nach SENFTENBERG und retour. Während die HINFAHRT von ständiger Eile & Verspätungsängsten begleitet wurde, blieb bei der etwas gemächlicheren RÜCKFAHRT auch schon mal etwas Zeit für einen Rundumblick aus dem Fahrradsattel.
FREUDE kam jedoch erst dann auf, wenn man den herbeigesehnten, zwar beschrankten, dennoch überaus unfallträchtigen, weil S-förmigen BAHNÜBERGANG erreichte, schnell überquerte, um danach linkerhand den kleinen, von Fliederbüschen umrahmten >HALTEPUNKT SENFTENBERG-WEST< freudig zu „begrüßen“,
denn er stellte die einzige Verbindung zur „GROSSEN WEITEN WELT“ zwischen den Hauptbahnhöfen FINSTERWALDE & SENFTENBERG dar. Von letzterem erreichte ich dann zum Verwandtenbesuch sogar das für mich als Kind „unendlich weit entfernte“ CALAU
Am 22. Mai 1966 wurde der PERSONENVERKEHR zwischen SENFTENBERG und KLETTWITZ, im Jahr darauf am 28. Mai 1967 auch zwischen ANNAHÜTTE und FINSTERWALDE eingestellt. Heute ist diese legendäre, im Volksmund gemäß dem Ort ZSCHIPKAU als >ZSCHIPPCHENBAHN< bezeichnete BAHNSTRECKE weitgehend stillgelegt, abgebaut oder unbefahrbar. Zwischen SCHIPKAU und HÖRLITZ ist der einstige Trassenverlauf noch als RADWEG erkennbar und vom Abschnitt HÖRLITZ – SENFTENBERG existiert nur noch der BAHNDAMM.

Bahnstrecke_resize.jpg

Apropos: UNFALLTRÄCHTIG
Das FOTO rechts zeigt einen anonymen „Bahnübergang 1931“, deren STRASSENBILD für mich „fast“ identisch mit dem ehemaligen Verlauf der KLETTWITZER STRASSE in Richtung SENFTENBERG ist, wobei eigentlich nur das WASSERHÄUSCHEN von der links vom PKW zu sehenden Baumgruppe „verborgen zu sein scheint“. Naja, halt mein Wunschdenken , denn der BAHNÜBERGANG SENFTENBERG II erhielt ja erst im Jahre 1932 seine >REICHSBAHN-EINHEITSSCHRANKE<. Die MASTEN der WARNKREUZE bestanden nach den damaligen amtlichen Vorgaben entweder aus Holz, Beton oder alten Eisenbahnschienen. Der nachfolgend abgehandelte UNFALL geschah 1930 am dato allerdings noch UNBESCHRANKTEN BAHNÜBERGANG:

Unfallgeschehen_resize.jpg

Der >Senftenberger Anzeiger< beschrieb das UNFALLGESCHEHEN am 30. September wie folgt:

„BEIFAHRER Willi P e l z hatte im Augenblick des Zusammenstoßes versucht abzuspringen. Er wurde durch den Anprall auf die SCHIENEN geworfen, überfahren und ca. 70 Meter unter dem TENDER der LOKOMOTIVE liegend mitgeschleift. LASTKRAFTWAGENFÜHRER W r o b e l wurde durch die Wucht des Anpralls aus dem Führersitz auf die STRASSE geschleudert, wobei er sich den Beckenbruch und innere Verletzungen zuzog. Bei der BERGUNG des Schwerverletzten P e l z bot sich ein entsetzlicher Anblick. Er war durch die grauenhafte SCHLEIFFAHRT buchstäblich bis auf die Haut entkleidet.
Die NACHRICHT von dem folgenschweren UNFALL verbreitete sich mit Windeseile. Schnellstens war der KRANKENTRANSPORTWAGEN des Knappschaftskrankenhauses zur Stelle. Für Willi P e l z war alle ärztliche Hilfe vergebens. Er wurde als LEICHE in das Krankenhaus eingeliefert.
Bei ERÖRTERUNG DER SCHULDFRAGE wurde festgestellt, daß die auf der gut übersichtlichen KLETTWITZER STRASSE zwar angebrachten, aber dem sehr starken Verkehr an dieser Stelle nach Meinung von Fachleuten nicht ausreichenden, WARNZEICHEN nicht beachtet worden sind. Darüber hinaus ist das WARNSIGNAL DER LOKOMOTIVE nicht beachtet worden. Als einzige wirksame MASSNAHME zur VERMEIDUNG derartiger schwerer UNFÄLLE wird die Anbringung von SCHRANKEN und die ständige Besetzung durch einen WÄRTER erachtet. Der FAMILIE PELZ wird allgemeine Anteilnahme an dem schweren VERLUST ihres Sohnes entgegengebracht, da sie vor Jahren auf tragische Weise eine TOCHTER im blühenden Alter verlor. Der heimische MOTORSPORT verliert in dem jäh aus dem Leben Geschiedenen einen ihrer eifrigsten Vertreter.“


Die Reichsbahndirektion Halle/Sa. veröffentlichte abschließend eine ÖFFENTLICHE STELLUNGNAHME:

RBD HALLE_resize.jpg

„Im Bezirk der RBD Halle an der Saale ereigneten sich viele UNFÄLLE dadurch, daß KRAFTFAHRZEUGE auf Wegeübergängen gegen die GESCHLOSSENE SCHRANKE fuhren. Dabei wurden zahlreiche PERSONEN z.T. schwer verletzt und sehr erheblicher SACHSCHADEN angerichtet. Alle diese UNFÄLLE hätten bei einiger Aufmerksamkeit und Beachtung der WARNKREUZE & ~TAFELN vor den BAHNÜBERGÄNGEN vermieden werden können. Auf deren BEACHTUNG sei angesichts der traurigen Statistik mit allem Ernst hingewiesen. EIGENE VORSICHT IST DER BESTE UNFALLSCHUTZ !
Im Zusammenhang hiermit sei aber auch allen FUSSGÄNGERN dringend empfohlen, beim Ueberschreiten der BAHNÜBERGÄNGE, mit oder ohne SCHRANKEN, die Augen offen zu halten und sich auf dem UEBERWEG nicht unnötig aufzuhalten. Jeder FAHRZEUGLENKER & FUSSGÄNGER muß sich vor dem Befahren oder Beschreiten des UEBERGANGES vergewissern, ob sich ein ZUG oder ein anderes EISENBAHNFAHRZEUG von links oder rechts dem Uebergange nähert. Bei GESCHLOSSENER SCHRANKE heißt es ABWARTEN, bis die SCHRANKE geöffnet wird. Der SCHRANKENWÄRTER darf bereits GESCHLOSSENE SCHRANKEN nicht nochmals öffnen oder auch nur anheben, um die dort wartenden WEGBENUTZER noch schnell durchzulassen. UNGEDULD an falscher Stelle hat hier schon viel UNGLÜCK verursacht!“


Trauer_resize.jpg

EIN PROBLEM habe ich bisher noch nicht gelöst:
„WIEDER EIN OPFER des schrankenlosen Bahnübergangs“ lautete die ÜBERSCHRIFT zum Unfallbericht des >Senftenberger Anzeiger< 1930.
Gefunden habe ich zwar einen weiteren derartigen UNFALL im darauffolgenden Jahr 1931 – nicht aber in den unmittelbar zurückliegenden Jahren.
RECHERCHE BRAUCHT EBEN ZEIT – VIEL ZEIT !
Das kann man sicherlich seit geraumer Zeit auch an meinen zunehmend >kurz vor Ultimo erscheinenden Kommentaren< ablesen. ICH BITTE UM NACHSICHT ! :roll:


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