Neues 635 - 2025-03-02

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Matthias
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Neues 635 - 2025-03-02

Beitragvon Matthias » Sa 1. Mär 2025, 09:44

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dietmar
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Re: Neues 635 - 2025-03-02

Beitragvon dietmar » So 2. Mär 2025, 19:36

Hallo Matthias
Im dritten Abschnitt bitte 1925 durch 2025 ersetzen, ehe noch mehr Besserwisser sich an diesem Schusselfehler ergötzen.
Dietmar

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Matthias
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Re: Neues 635 - 2025-03-02

Beitragvon Matthias » Mi 5. Mär 2025, 16:29

Dietmar, den Test hast du bestanden :D

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Harald
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Re: Neues 635 - 2025-03-02

Beitragvon Harald » So 9. Mär 2025, 16:38

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Für mich persönlich ist das TELEFON ein häufig unerträglicher STÖRENFRIED: ich lasse es klingeln & verlasse mich darauf, dass meine bessere Hälfte letztendlich zum HÖRER greift. Diese ABNEIGUNG liegt wohl darin begründet, dass ich (1) selbstredend OHNE TELEFON aufwuchs, und später (2) durch meinen LEHRERBERUF angehalten wurde, mit meinen GESPRÄCHSPARTNERN, den Kollegen, Schülern & deren Eltern, den direkten AUGENKONTAKT zu pflegen, was per althergebrachtem HAUSTELEFON unmöglich ist... :shock:

Doch wie kamen vor einigen Jahrzehnten eigentlich die überaus zahlreichen
FRAUEN VOM AMT
damit zurecht ? In einer Kurzgeschichte von Ulrich Stock, veröffentlicht in >Poetisches Telefonbuch< (1987) entdeckte ich u.a. folgende INFORMATIONEN „aus erster Hand“:


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Das >FRÄULEIN VOM AMT< stand für eine TELEFONISTIN, die in der Anfangszeit des Telekommunikationszeitalters, also seit 1887 offiziell bis 1967 – teilweise aber auch noch bis ins Jahr 1987 – in einer kleinen Telefon-Vermittlungsstelle bzw. dem großen FERNMELDEAMT an einem sogenannten KLAPPENSCHRANK gearbeitet hatte.
Was anfangs eine ganze ETAGE an GERÄTEN in Anspruch nahm, war später nur noch so groß wie ein KÜHLSCHRANK!
Die ARBEIT konnte nervenaufreibend sein. Die KOPFHÖRER & MIKROPHONE, die sie täglich stundenlang trugen, konnten KOPFSCHMERZEN oder sogar HÖRSCHÄDEN verursachen, und auch die NERVLICHE BELASTUNG verkraftete nicht jede…
Eine KLARE AUSSPRACHE war ebenso wichtig wie REAKTIONSSCHNELLIGKEIT & ein zuverlässiges ZAHLENGEDÄCHTNIS. Jedmögliches DIALEKT war tabu. Gute UMGANGSFORMEN wie FREUNDLICHKEIT & ZUVORKOMMENHEIT das Credo. Das „Fräulein vom Amt“ musste eine GEHOBENE BILDUNG vorweisen – am besten eine FREMDSPRACHE beherrschen… SCHMUCK war verboten, zu groß wäre die GEFAHR des HÄNGENBLEIBENS oder einer VERLETZUNG gewesen. Außerdem wurde befürchtet, dass BLUSEN mit Spitzen, Bändern & sonstigen Schmuckstücken die DAMEN daran hinderten, sich rasch und sicher an den UMSCHALTTISCHEN zu bewegen. Da man vermutete, dass bei der EIGENART der weiblichen Natur ein gegenseitiges ÜBERBIETEN in der MODE Raum greifen könnte, schrieb man eine einheitliche AMTSBLUSE aus dunkelblauem STOFF vor, die mit blanken, glatten KNÖPFEN besetzt und orangefarbig abgesteppt war. Diese wurde gestellt und – je nach Jahreszeit – aus dünnem oder stärkerem Baumwoll~, Trikotstoff oder Satin hergestellt. Darüber getragen wurde eine schwarze, geschlossene SCHÜRZE, die selbst zu bezahlen war. Sehr zum Leidwesen einiger ÄLTERER Beamtinnen gab es KEINE RANGABZEICHEN
Die jungen TELEFONISTINNEN mussten sich allerdings dazu verpflichten, UNVERHEIRATET zu bleiben, ansonsten drohte die ENTLASSUNG. (Dies galt übrigens bis 1919 auch für männliche POSTILLONS)
Diese VERPFLICHTUNG stieß bei den FRAUEN auf energischen WIDERSTAND, deren Interessenverband bei der Deutschen Reichspost jedoch die ZAHLUNG einer ABFINDUNG, der sog. >HEIRATSPRÄMIE<, ab 1923 erstritt. Erst ab den 1950er Jahren durften Telefonistinnen endlich auch VERHEIRATET sein!

Nerv der Zeit_resize.jpg

„GUTEN TAG, FRÄULEIN !“ begrüßen uns die meisten LEUTE, für die sind wir noch das >FRÄULEIN VOM AMT<. Der größte Teil der KUNDEN ist nett, von einigen MÄNNERN werden wir natürlich auch als „FREIWILD“ angesehen – besonders SPÄT ABENDS oder am WOCHENENDE rufen dann welche an, die sind gleich „PER DU“, vor allem BESOFFENE, wo wir uns VIEL anhören müssen. Neulich hatte ich einen TEILNEHMER morgens um ½ 5: ob ICH wüsste, wo er noch ETWAS ZU ESSEN bekommen könnte – am besten ZU HAUSE, hätte ich ihm am liebsten geantwortet, hauen SIE sich doch ein paar EIER in die Pfanne. Aber ich bin dann ganz FREUNDLICH geblieben…
Oder EINER sagt: „Ach, haben Sie eine SYMPATHISCHE STIMME.“
Da sag ICH dann: „Es geht nicht, meine KINDER warten, mein MANN wartet, wissen Sie, das hat keinen Zweck…“
Ich wüsste nicht, dass schon mal eine KOLLEGIN auf einen solchen ANRUF eingegangen ist. Die AUSKUNFT bekäme dann ja auch einen SCHLECHTEN RUF, wenn es da heißt, DA braucht man nur anrufen, um sich eine FRAU an Land zu ziehen…
Neuerdings war eine ALTE FRAU dran, die hat sich 1000mal für die Auskunft bedankt, weil sie schlecht sehen und ihr TELEFONBUCH deshalb nicht mehr lesen kann. So nimmt man am SCHICKSAL teil.
Andere dagegen SCHIMPFEN: „Ewig ist die Auskunft BESETZT, Ihr trinkt ja wohl nur KAFFEE?“ Wir haben unsere regulären PAUSEN, ansonsten SITZEN WIR & ARBEITEN…
Der KONTAKT mit den KUNDEN gefällt mir, und es ist NIE LANGWEILIG – immer neue WÜNSCHE werden uns vorgetragen. Was es für ORTE gibt, das glaubt man gar nicht, und es fällt ja auch schon mal ein PERSÖNLICHES WORT – andererseits ist es aber eine recht STUPIDE ARBEIT.
WIR müssen immer nett zu allen sein, und niemals sagen: „Ich weiß es nicht!“, sondern stets: „Ich habe diese Informationen gerade nicht hier, aber ich kann sie Ihnen sicher besorgen. Ich notiere mir Ihren Namen und Ihre Nummer und rufe Sie zurück.“

Neulich war >TAG DER OFFENEN TÜR< bei uns, und eine BEKANNTE von mir hat sich das angesehen, wie WIR da sitzen mit KOPFHÖRER & MIKROPHON, vor uns diese LESEGERÄTE, weil TELEFONBÜCHER haben wir ja nicht, und dann leuchtet immer eine LAMPE auf, wenn JEMAND anruft…Also, hat meine BEKANNTE gesagt, SIE WÜRDE HIER JA VERRÜCKT WERDEN…

Das LETZTE "Fräulein vom Amt" wurde 1967
vom unaufhaltsamen Fortschritt überflüssig gemacht…


NACHTRAG

In der HANS-LANGE-CHRONIK fand ich noch folgende INFOS über den „Telefonären Aufschwung“ in meinem Geburtsort SENFTENBERG II – ehemals „MEUROSTOLLN“ & darauf folgend in meiner jetzigen HEIMATSTADT SENFTENBERG:

Meurostolln_resize.jpg


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