Die ILSE, BERGBAU-AG. richtete am 19. Oktober 1906
eine BAUVORANFRAGE für eine WOHNSIEDLUNG in der GEMARKUNG BRIESKE an den wohllöblichen Kreisausschuss des Kreises CALAU, aus der ich nachfolgend wesentliche TEXTSTELLEN zitiere:
„Um genügend ARBEITSKRÄFTE zu erhalten, und zur Sicherung des erforderlichen ARBEITERBESTANDES tragen wir uns mit der Absicht, auf dem GRUNDSTÜCK des von uns erworbenen Gutes VICTORIAHOF im Anschluss an die jetzt bestehenden GUTS~ & WIRTSCHAFTSGEBÄUDE eine große Reihe von BEAMTEN~ & ARBEITERWOHNUNGEN zu errichten.
Wir nehmen wohl richtig an, dass hierzu eine ANSIEDLUNGSGENEHMIGUNG erforderlich ist, und gestatten uns, in der Anlage eine ZEICHNUNG von der FLÄCHE zu überreichen, welche zur ERRICHTUNG der >ARBEITERKOLONIE GRUBE MARGA< bestimmt werden wird.“
„Über den UMFANG der KOLONIE, die GRÖSSE der HÄUSER & GRUPPIERUNG derselben vermögen wir heute definitive Angaben noch nicht zu machen, da wir zur Erreichung möglichst ZWECKMÄSSIGER & PRAKTISCHER ANLAGEN ein >PREISAUSSCHREIBEN< veranstalten, und später auf Grund der erhaltenen ENTWÜRFE endgültig entscheiden wollen.“
(Bei jenem WETTBEWERB ging bekanntlich der Dresdener Architekt G. von MAYENBURG als Sieger hervor.)
„Zunächst ist geplant, soviel WOHNGEBÄUDE zu errichten, um etwa 100 Beamten~ & Arbeiterfamilien unterzubringen und sollen sowohl diese GEBÄUDE, als auch das erforderlich werdende GASTHAUS, KAUFHAUS mit der daran hängenden BÄCKEREI & SCHLÄCHTEREI im Laufe des Jahres 1907 errichtet werden. Im Laufe der späteren Jahre soll die KOLONIE erweitert und auf 250 – 300 WOHNUNGEN gebracht werden.“
„Wir haben uns gedacht, dass die KINDER der Bewohner der neu zu gründenden ANSIEDLUNG zunächst der bestehenden SCHULE zu BRIESKE zugewiesen werden, hegen aber die Absicht, später eine eigene SCHULE für diese ANSIEDLUNG zu errichten, sobald letztere eine entsprechende Größe erreicht hat.“
„Wegen der KIRCHLICHEN VERSORGUNG bestand bei uns der Gedanke, die BEWOHNER der ANSIEDLUNG der bestehenden KIRCHENGEMEINDE zu SENFTENBERG zuzuführen, wohin die gesamten EINWOHNER der GEMEINDE BRIESKE gehören.
Wir möchten uns aber das RECHT reservieren, in späterer Zeit vielleicht zusammen mit der alten GEMEINDE durch AUSPFARRUNG eine EIGENE KIRCHENGEMEINDE zu gründen, da die Absicht besteht, in der ANSIEDLUNG eine EIGENE KIRCHE zu errichten…“ Im
VERGLEICH zu den heutigen
WARTEZEITEN, die künftige Eigenheimbesitzer bis zum langersehnten Eintrudeln einer
>BAUGENEHMIGUNG< auf sich nehmen müssen, gab es bei der
ACTA >ANSIEDLUNG MARGA< eine traumwandlerisch
SCHNELLE BEARBEITUNGSZEIT, denn bereits ein Vierteljahr später, am 26. März 1907, wurde der
EMPFANG besagter
GENEHMIGUNG von der
ILSE AG. in vorzüglicher Hochachtung bestätigt, was beweist, dass
GESCHWINDIGKEIT wohl doch nicht ausschließlich auf sprichwörtliche
HEXEREI zurückzuführen ist…
Nach
BAUBEGINN im gleichen Jahr 1907 wurden – laut Statistik von 1913 –
21 HÄUSER & 55 WOHNUNGEN für die
BEAMTEN und
50 HÄUSER & 339 WOHNUNGEN für die
ARBEITER errichtet.
Die
SCHÖPFER der
>MARGASIEDLUNG< hatten jedoch nicht nur Wert auf den
BAU zweckmäßiger
WOHNUNGEN gelegt, sondern ließen es sich auch nicht nehmen, die
UMGEBUNG dieser Wohnungen durch
ANPFLANZUNGEN zu schmücken und darüber hinaus den Bewohnern
HAUSGÄRTEN zu übergeben, in denen sie sich nach des Tages
LAST & MÜHE erholen konnten.
Dabei orientierte man sich zielgerichtet am
IDEALBILD einer sogenannten
>GARTENSTADT< „mit schönen
WOHNHÄUSERN im Stil der
LANDHÄUSER, umgeben von
GÄRTEN & GRÜNANLAGEN…“
Das BEMÜHEN um die nachfolgend beschriebene CHARAKTERISTISCHE BEGRÜNUNG der SIEDLUNG fand schon zu damaliger Zeit viel LOB & ANERKENNUNG, wobei darauf verwiesen wurde, dass selbst die WERKSANLAGEN von einem ANLAGENGÜRTEL umgeben wären, welcher eine glückliche ÜBERLEITUNG von der sehr schön gelegenen SIEDLUNG zu dem riesigen GEBÄUDEKOMPLEX der FABRIKEN & WERKSTÄTTEN darstellte.

„JEDER STRASSE verlieh man durch BEPFLANZUNG mit einer besonderen BAUMART ihren eigenen CHARAKTER.
So wird die VICTORIASTR. von AHORN (1), die PARKSTR. von ROTDORN (2) und die NORDSTR. von AKAZIEN (3) umsäumt, während die nach dem WERK führende HAUPTSTR. von ULMEN (4) bestanden ist. LINDEN (5) & KASTANIEN (6) flankieren die sich von SENFTENBERG durch MARGA ziehende BRIESKER STR., und für die RING~, ELSTER~ & KIRCHSTR. hat man ebenfalls die LINDE (5) als Straßenbaum gewählt.
Alle diese STRASSEN mit Ausnahme der RINGSTRASSE münden in den sauber angelegten mit einem guten Pflaster versehenen MARKTPLATZ, der ein Schmuckstück ist. Um ihn herum gruppieren sich, hübsch von ANPFLANZUNGEN umgeben: KIRCHE, POST, SCHULE, KAUFHAUS & GASTHAUS, wobei dem Gotteshaus GRÜNFLÄCHEN mit hohen LIGUSTERHECKEN (8) vorgelagert sind, während das danebenliegende PFARRHAUS sowie die zum GASTHAUS gehörige TERRASSE & EINFAHRT von EFEU u.a. KLETTERGEWÄCHSEN umsponnen werden.
Auf dem MARKT vor dem KAUFHAUSE liegt ein SCHMUCKPLATZ, in dessen frisches RASENGRÜN je nach Jahreszeit viele BLUMEN eingestreut sind, während an den ECKEN des Platzes recht ansehnliche schlanke PAPPELN (7) gleichsam als WÄCHTER dieser BLUMENPRACHT stehen.
Vor der SCHULE hat man unter breitästigen, schattenspendenden LINDEN (5) noch BÄNKE angebracht, die zu beschaulichem Ausruhen einladen…“ „Von allen oben genannten
BAUMARTEN waren es vor allem die zahlreichen, für heimeligen Charme sorgenden
KRIMLINDEN, die in den Anfangsjahren kaum zurückgeschnitten & ausgelichtet wurden, weshalb die
BAUMKRONEN irgendwann die angrenzenden
HÄUSER bedrängten & verdunkelten, sowie ungewollt
STRASSENRÄUME in
„GRÜNE TUNNEL“ verwandelten.
Da die
BÄUME langsam wuchsen, empfinden heute die
BEWOHNER diesen
ZUSTAND als völlig
NORMAL. Im Sinne der
STÄDTEBAU-THEORIE ist
MARGA ja als Inbegriff einer
>ALLEEN-STADT< definiert, doch wie bei allen
ALLEEN oder
PARKS stößt schon die
ANKÜNDIGUNG einer
AUSLICHTUNG, oder gar
FÄLLUNG bei der
BEVÖLKERUNG auf vehemente, als
EMOTION durchaus verständliche
ABLEHNUNG, da es die
VERBUNDENHEIT der
EINWOHNERSCHAFT mit ihrer liebgewonnenen
UMGEBUNG widerspiegelt…“, wie man zum wiederholten Male, wie z.B. am 10. März d.J. in der >Lausitzer Rundschau< lesen konnte.
Vor wenigen Jahren erfuhr die alte, inzwischen lückenhaft gewordene
KRIMLINDEN-ALLEE in der
RINGSTRASSE eine fachgerechte
VERJÜNGUNG. Die meisten der jungen
BÄUME seien gut angewachsen, heißt es aus dem Senftenberger Stadtplanungsamt.
Da die
GARTENSTADT MARGA als wahrscheinlich älteste ihrer Art in Deutschland unter
SCHUTZ steht, sind die Denkmalschützer um ein
EINHEITLICHES BILD DER SIEDLUNG bemüht. Dazu gehören eben auch die
BÄUME, die weitgehend gleichaltrig und damit gleich groß sein sollten.
Wünschen wir diesen in der Blütezeit weithin duftenden LINDEN
noch ein möglichst LANGES LEBEN !
QUELLENLITERATUR:
(1) Wolfgang Joswig "MARGA - die erste deutsche Gartenstadt" (2) Paulhans Peters "MARGA - Bergarbeiter-Kolonie in der Lausitz"