AUS DER WERKSTATT DER BRIEFMARKENFÄLSCHER „Mit dem gewaltigen AUFSCHWUNG, den dieser BRIEFMARKENSAMMEL – SPORT während der „HOCHFLUT NEUER MARKEN“ nahm, hat sich auch die Zunft der BRIEFMARKENFÄLSCHER außerordentlich vermehrt, und man muss jetzt sehr viel mehr als früher auf der Hut sein.
Wenn die GEFÄLSCHTEN MARKEN einen sehr HOHEN WERT besitzen, dann ist es außerordentlich schwierig, sie unterzubringen, denn jeder HÄNDLER & KENNER bedient sich größter VORSICHT. Und trotzdem sind selbst FÄLSCHUNGEN der >Mauritius< von 1847 vorgekommen, die nur in etwa 10 Exemplaren existiert & deren WERT eine 5-stellige ZIFFER darstellt.
Die geschickteste Art des FÄLSCHENS von BRIEFMARKEN geschieht auf die Weise, daß eine ALTE, aber WERTLOSE MARKE in ein CHEMISCHES BAD gelegt wird, wodurch FARBE & ZEICHNUNG vollkommen entfernt werden. Die GEFÄLSCHTE ZEICHNUNG wird dann entweder mit Hilfe der PHOTOGRAPHIE oder mit der Hand auf dem ORIGINALPAPIER angebracht. Dem SAMMLER bieten sich bei einer solchen FÄLSCHUNG die wenigsten
ARGWOHNSMOMENTE:
Das PAPIER ist zweifellos ALT, die PERFORIERUNG absolut ECHT, und auch an dem WASSERZEICHEN ist nichts Verdächtiges zu bemerken.
Nur durch sorgfältigste VERGLEICHUNG der ZEICHNUNG mit derjenigen einer ECHTEN MARKE kann die FÄLSCHUNG entdeckt werden. In vielen Fällen erzielt eine durch die Post ENTWERTETE MARKE einen viel HÖHEREN PREIS als eine UNGESTEMPELTE.
Das gibt dem FÄLSCHER eine leichte MÖGLICHKEIT, den WERT eines Stückes zu erhöhen. Kürzlich wurde eine UNGESTEMPELTE MARKE auf einen ALTEN BRIEFUMSCHLAG, der aus der Zeit jener MARKE stammte, geklebt & der POSTSTEMPEL sorgfältig gefälscht. So schien eine ENTDECKUNG unmöglich, aber der FÄLSCHER hatte einen schweren FEHLER begangen – er hatte die ADRESSE mit einer MODERNEN STAHLFEDER geschrieben, und diese TATSACHE führte einen aufmerksamen SAMMLER zur ENTDECKUNG der FÄLSCHUNG.
FÄLSCHUNGEN riefen früher einmal WILDE PANIK IM BRIEFMARKENHANDEL hervor, ereignen sich aber heute kaum noch…“Die letzte AUSSAGE in der Tageszeitung >DEUTSCHES VOLKSBLATT“ im Jahre 1922 war allerdings zu blauäugig, denn schon 40 Jahre später wurde unser beschauliches Städtchen SENFTENBERG zum SCHAUPLATZ derartiger „MANIPULATIONEN“ – deren Aufklärung im Mini-Blatt >SENFTENBERGER ZEITUNG< abgehandelt wurde – und wie damals noch üblich, mit vollständiger NAMENSNENNUNG aller BETEILIGTEN…
BRIEFMARKENFÄLSCHUNGEN GIBT ES SCHON SOLANGE,
WIE ES BRIEFMARKEN GIBT… Neben den sogenannten GANZFÄLSCHUNGEN, bei denen eine Briefmarke nach originalem Vorbild komplett neu erschaffen wird, gibt es jedoch auch VERFÄLSCHUNGEN. Sehr häufig findet man entfalzte, ungestempelte Briefmarken, die mit einer neuen Gummierung versehen, als postfrisch angeboten werden. Auch werden ZÄHNE oder RISSE repariert oder Briefmarken mit einem AUFDRUCK versehen, wie z.B. die gefälschten Rot- und Schwarzaufdrucke bei Berlin-Marken, welche u.v.a. in der >FÄLSCHERKSTATT HELMUT ZOBEL & SOHN<
produziert wurden...
„Der in SENFTENBERG ansässige HELMUT ZOBEL hat der PHILATELIE einen enormen SCHADEN zugefügt. Er nahm in vielen ORTEN unseres Kreises u.a. in Senftenberg, Schwarzheide, Ruhland, – und darüber hinaus in Lautawerk, Hoyerswerda, Spremberg & Görlitz an TAUSCHZUSAMMENKÜNFTEN der BRIEFMARKENSAMMLER teil & vertauschte dort seine GEFÄLSCHTEN MARKEN gegen POSTFRISCHE NEUHEITEN.
ZOBEL war von 1955 bis 1958 Mitglied des Deutschen Kulturbundes, wurde dann wegen ILLEGALEN VERSANDES von Briefmarken ausgeschlossen, konnte aber im Mai 1963 die Mitgliedschaft erneut erwerben. Er betrieb mit seinem westdeutschen & Westberliner PARTNER nicht nur einen lebhaften TAUSCHVERKEHR, sondern ließ denselben in einen schwunghaften HANDEL ausarten!
Die BRIEFMARKEN waren für ZOBEL eine WARE, die er für andere ARTIKEL verschickte. Wenn man erfährt, daß er allein an seinen westdeutschen PARTNER in der Zeit vom 1.01.1962 bis zum 30.10.1963 insgesamt 3000 SENDUNGEN mit einem durchschnittlichen NOMINALWERT von 0,70 DM je BRIEF / FRANKATURWERT etwa 2100 DM Nominal bzw. 14700 DM LIPSIA - Katalogwert & darüber hinaus NEUAUSGABEN im WERT von 700 DM / Katalogwert 7000 DM in BRIEFEN sowie ältere DDR-Ausgaben im Katalogwert von 800 DM verschickt hatte, kann man sich eine Vorstellung vom UNFANG seines schwungvollen HANDELS machen. Er verschob somit in 22 Monaten DDR-MARKEN / Katalogwert 22500 Mark.
ER bezog im Gegenzug dafür aber nicht nur BRD & WESTBERLIN - BRIEFMARKEN, sondern auch 3 Nylonmäntel, 1 Silastikhose, Genußmittel u.a. WAREN. Nicht nur dabei war ihm sein SOHN ein ebenso „würdiger“ GEHILFE.
Durch FÄLSCHUNGEN von AUFDRUCKEN & POSTSTEMPELN hat ZOBEL der PHILATELIE nicht nur einen MATERIELLEN, sondern vor allem auch einen IDEELLEN SCHADEN zugefügt. Jeder EHRLICHE PHILATELIST wendet sich voller Abscheu ab von derartig gemeinen MACHENSCHAFTEN. Viele der gefälschten MARKEN vertauschte er gewinnbringend. So „handelten & horteten“ ZOBEL & Sohn, beide SCHIEBER großen Formats, BRIEFMARKEN en gros, um dessen TAUSCHMARKENBESTAND sie mancher BRIEFMARKENHÄNDLER beneiden könnte.
ZOBEL wurde von unseren staatlichen Organen in HAFT genommen. Ein PROZESS gegen ihn wird vorbereitet & wir werden weitere BERICHTE zu gegebener Zeit veröffentlichen…“
Man nimmt ja nun eigentlich an, dass JEDERMANN,
der die PROZESSBERICHTE bis zum SCHLUSSPUNKT studiert hat,
sich dafür entscheiden wird,
STANDHAFT ZU BLEIBEN & SICH NIE AUF DIE "SCHIEFE BAHN" LEITEN ZU LASSEN. ---- aber WEIT GEFEHLT: bereits EIN JAHR SPÄTER, am 6. Februar 1965, trat der nächste SENFTENBERGER BRIEFMARKENFÄLSCHER ins Rampenlicht.
Möglicherweise schrieb der ARME STUDENT >auf die SCHNELLE aus der ZELLE< einen - bereits bei unseren ALTVORDEREN populären - ABSCHIEDSGRUSS in der geheimen "BRIEFMARKEN-SPRACHE"...