Neues 708 - 2026-10-18

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Matthias
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Neues 708 - 2026-10-18

Beitragvon Matthias » Sa 17. Okt 2026, 12:48

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Harald
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Re: Neues 708 - 2026-10-18

Beitragvon Harald » Do 29. Okt 2026, 15:59

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Seit grauer Vorzeit gehört das DORFWIRTSHAUS in erster Linie den BAUERN & dann erst dem die DORFSTRASSE durchziehenden VERKEHR, welcher es jedoch erst zu einem GASTHAUS macht, welches typischerweise am DORFANGER mit TEICH, neben der KIRCHE & nahe der SCHMIEDE als FACHWERKBAU mit einem großen, häufig als Übernachtungsmöglichkeit für durchreisende Händler & Handwerker ausgebauten DACHRAUM giebelständig zur STRASSE errichtet wurde. Es war meist mit einer breiten HOFEINFAHRT ausgestattet & diente zugleich als WOHNHAUS, WIRTSCHAFTSHOF & SCHANKBETRIEB – und da viele WIRTE selbst Landwirtschaft betrieben oder sogar ihr eigenes BIER brauten, standen auch STALL, SCHEUNE & BRAUHAUS als NEBENGEBÄUDE zur Verfügung.


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Dagegen hing in den abgelegenen, verkehrsarmen GEGENDEN das DASEIN eines GASTHAUSES vor allem von den ANSPRÜCHEN der DORFBEWOHNER ab. So hatten manche DÖRFER auf dem FLÄMING, dem sandigen Höhenrücken der NIEDERLAUSITZ, überhaupt kein WIRTSHAUS, weil sich die BAUERN mit einem alten BAUMSTAMM vor dem RATHAUS als BERATUNGSBANK begnügten & ihren DURST mit einem „HAUSTRUNK“ stillten. Erst geraume Zeit später wurde das DORFGASTHAUS zum VERSAMMLUNGSORT des aus Bauern, Tagelöhnern, Viehtreibern, Wanderarbeitern & Händlern bestehenden „EINFACHEN VOLKES“, und bildete somit gewissermaßen ein GEGENSTÜCK zum von „HOHEN HERRSCHAFTEN“ besetzten RATHAUS & der von „HOHER GEISTLICHKEIT“ beherrschten KIRCHE.
Die GASTHÄUSER konnten unterschiedlich groß sein, einige wurden von der „BESSEREN GESELLSCHAFT“ geschätzt, andere wiederum von den „KLEINEN LEUTEN“ bevorzugt. In manchen konnte man nur TRINKEN, in anderen auch ESSEN & ÜBERNACHTEN. Da DORFGASTHÄUSER nicht nur abends & feiertags, sondern auch tagsüber öffneten, tranken, aßen, spielten & tanzten hier unterschiedliche soziale GRUPPEN – und da es dabei zumeist hoch her ging, verteufelten vor allem die KIRCHEN sie als „LASTERHÖHLEN“, die die MENSCHHEIT zu einem von STREITEN & FLUCHEN geprägten „unchristlichen Treiben“ verführen.
Da die BAUERNHÄUSER allerdings für VERGNÜGUNGEN mit vielen geladenen GÄSTEN zu klein waren, fanden seit jeher HOCHZEITSFEIERN u.a. große FAMILIENFESTLICHKEITEN, zahlreiche THEATER~, KONZERT~ & TANZVERANSTALTUNGEN sowie VEREINSTREFFEN selbstredend im nicht selten einzigen oder zumindest größten RAUM, dem GROSSEN SAAL des Gasthauses statt.
Wer kennt sie nicht, diese PARKETT–SÄLE, , in denen die DORFFESTE gefeiert, VERSAMMLUNGEN abgehalten, das TANZBEIN & die BIERKRÜGE geschwungen wurden, oder der GESANGVEREIN seine Stimmen erschallen ließ…
Wie aus einem DORFGASTHAUS eine >PFLEGESTÄTTE< der KUNST wurde,
wie VIELSEITIG die >WIRTSHAUSKULTUR< vor nunmehr 100 Jahren in der SENFTENBERGER REGION war, zeigt nachfolgend der VOLLSTÄNDIGE 1926er >VERANSTALTUNGSKALENDER< vom GASTHAUS HÖRLITZ – FLUR:


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Mit dem VERSCHWINDEN DER GASTHÄUSER geht indessen mehr verloren als nur die GASTRONOMIE. Über Jahrhunderte waren sie ZENTRALE ORTE DES GESELLSCHAFTLICHEN LEBENS. Hier trafen MENSCHEN unterschiedlichster BERUFE und SOZIALER GRUPPEN aufeinander, tauschten MEINUNGEN aus, diskutierten, feierten & pflegten die GEMEINSCHAFT. Das GASTHAUS war ein ORT, an dem gesellschaftlicher ZUSAMMENHALT entstand & gelebt wurde. DEBATTEN wurden „Live“ geführt und am STAMMTISCH fand gleichzeitig eine Form der SOZIALEN KONTROLLE statt,
die im INTERNET zu aller Leidwesen völlig vermisst wird.

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Das in der ÜBERSICHT sehr häufig wiederkehrende PLINZKRÄNZCHEN deutet auf eine regelmäßig wiederkehrende, gemütliche, gesellige ZUSAMMENKUNFT im GASTHAUS HÖRLITZ-FLUR hin
– vermutlich, ein KAFFEEKRÄNZCHEN oder NACHMITTAGSTREFFEN, bei dem traditionell PLINSEN frisch serviert wurden.
Diese gehören zu den KULINARISCHEN KLASSIKERN OSTDEUTSCHLANDS, vor allem Varianten wie QUARKPLINSEN oder BUTTERMILCHPLINSEN sind regional verbreitet in SACHSEN, der LAUSITZ und dem SPREEWALD. Die auch bei mir hoch im Kurs stehenden PLINSEN sind EIERKUCHEN, die aus Eiern, Milch (oder Buttermilch), Mehl & Salz bestehen & beidseitig goldbraun ausgebacken werden.
Der Begriff PLINZKRÄNZCHEN wird heute kaum noch aktiv verwendet, bleibt aber ein NOSTALGISCHER AUSDRUCK für regionale ESSKULTUR & GEMEINSCHAFT.
In touristischen Orten wie der KRABAT-Mühle in SCHWARZKOLLM werden PLINSEN weiterhin traditionell angeboten.


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