Neues 291 - 2017-09-03

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Matthias
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Neues 291 - 2017-09-03

Beitragvon Matthias » Sa 2. Sep 2017, 11:12

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Harald
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Re: Neues 291 - 2017-09-03

Beitragvon Harald » So 3. Sep 2017, 17:02

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„Nichts ist in einem Staate nötiger, als gute APOTHEKEN,
und kein größeres Unglück, wenn sie fehlen.“

Wie wahr, denn der APOTHEKER bereitet nach der Vorschrift des Arztes gar gute, mitunter auch bittere Sachen, die manchen Kranken wieder gesund machen. Hunderte verdanken ihm ihr Leben, Tausende ihre Gesundheit und Unzählige eine Linderung ihrer Schmerzen sowie Erträglichkeit ihrer Gebrechen.

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In der einstigen >MEDIZINKÜCHE< waren Tiegel, Retorten, Destillierkolben, Mörser aus Stein, Ton, Metall und Glas zu finden, die darin hergestellten Arzneien wurden in Gläsern, Krügen, Kapseln, Büchsen, Flaschen und Schachteln aufbewahrt und auf Verlangen übergab man den Kunden die verschriebenen Tränke, Tees, Pulver, Pillen, Säfte, Sirupe, Pflaster, Öle u.v.a.m..
Damit eine APOTHEKE jederzeit schnell zu finden war,
erging bereits 1796 folgende Empfehlung:

„Ein jedes APOTHEKERHAUS sollte an einer volkreichen Straße oder einem der ersten und gangbarsten Plätze jedes Ortes und nicht in Winkeln errichtet sein, damit es nicht nur leicht zu erfragen, sondern gleichsam dem Vorübergehenden in die Augen falle.
In der APOTHEKE müssen gute Kammern, Gewölbe und Keller, ein luftiger und geräumiger Kräuterboden, ein tüchtiges Laboratorium, und Platz zu allen vorkommenden Arbeiten vorhanden sein.
Nur so erhält der APOTHEKER Aufmerksamkeit und die APOTHEKE einen guten Ruf, der sowohl dem Apotheker als auch den Ärzten nutzt, welche jährlich ein GESCHENK aus der Apotheke zu erhalten pflegen…


Letzteres war jedenfalls damals durchaus üblich – ob heute auch, entzieht sich meiner Kenntnis… ;)
Fast in allen Orten wurden die REZEPTE und der HANDVERKAUF zugleich und durcheinander in der APOTHEKE besorgt.
Da, wo nicht viel zu tun war, ging dieses auch recht gut an, in einer APOTHEKE aber, wo des Tages ein~ bis zweihundert REZEPTE verfertigt wurden, wo 2 bis 3 GESELLEN und eben so viel LEHRBURSCHEN durcheinander liefen, oft 15 bis 20 PERSONEN vor dem Fenster oder gar in der Apotheke standen und der eine dieses, der andere jenes haben wollte, ging es selten ohne Konfusion ab.“

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Wann in SENFTENBERG die erste APOTHEKE errichtet worden ist, lässt sich mit Bestimmtheit nicht ermitteln. Urkundlich wird dieselbe erst im Jahre 1680 erwähnt. Es lässt sich jedoch mit Sicherheit annehmen, dass bei der Bedeutung, die Senftenberg zu jener Zeit hatte, wo hochgestellte fürstliche Beamte, ja vorübergehend fürstliche Personen hier wohnten, dieselbe nach dem Beispiel anderer Lausitzer Städte schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts errichtet worden ist.
Da die APOTHEKE unter staatlicher Aufsicht und staatlichem Schutze stand, so ist sie auch vom Staate privilegiert worden. Wann dies geschehen, ist unbekannt. Wahrscheinlich ist dies unter dem Kurfürsten Christian II. geschehen, der noch andere Städte mit diesem PRIVILEGIUM begnadete und mit ihm die APOTHEKEN streng in Schutz nahm:

„Alle Landfahrer und Krämer, die auf den WOCHENMÄRKTEN ihre Buden aufschlagen, auch die Balbierer, Bader u.a. Personen in und vor der Stadt, die den Leuten unrichtige ARZENEI zu machen unternehmen, sollen abgeschafft und keine WINKEL-APOTHEKE geduldet werden.“

Über die Besitzer der SENFTENBERGER APOTHEKE berichtet das Grundbuch des Kgl. Amtsgerichtes folgendes:

„Nach Inhalt eines KAUFVERTRAGES vom 22. Januar 1768 hat der Hausbesitzer (und augenscheinlich Apotheker) Christian Gottlieb NOACK seiner Tochter Sofie Christiane LEISNIGK geb. Raack das am Markt zwischen den Miersch’schen und Kossack’schen Häusern gelegene Hausgrundstück
(im 2.Stadtviertel Nr.83) von seiner Ehefrau Salome Sibylla geb. LEUTHERT verw. KRETZSCHMAR für 400 Taler gekauft.
Dasselbe scheint also im Besitz der Familie LEUTHERT und auf die Tochter vererbt gewesen zu sein. Die Tochter hatte einen gewissen KRETZSCHMAR geehelicht und war nach dessen Tode zum zweitenmal an RAACK verheiratet.
Dieser hinterließ wiederum eine Tochter Sofie, welche an den Apotheker LEISNIGK verheiratet war. Derselbe war am 31. Juli 1790 verstorben.
Nach seinem Tode war die Witwe Besitzerin geblieben und ihr Sohn Johann Gottlieb LEISNIGK verwaltete ab 1794 als Provisor* mit staatlicher Genehmigung die APOTHEKE. Da er kein Staatsexamen abgelegt hatte, waren seine Kenntnisse recht mangelhaft und so geriet die APOTHEKE zunehmend in Verfall, der ihm viel Gram und Kummer bereitete.
Man fand ihn am 25.3.1822 tot in der Wolschinka.
Sofie LEISNIGK konnte die APOTHEKE nicht mehr halten und verkaufte am 27. März 1824 ihre von ihrem verstorbenen Ehemann ererbte APOTHEKE für 1500 Taler an Heinrich Gotthelf MEHNERT.
Johann Gottlieb KIES kaufte am 4. Dezember 1835 von MEHNERT die APOTHEKE für 7500 Taler. Dieser übereignete sie durch Auflassung vom 20. November 1875 seinem Sohn Julius KIES. Da dieser eines plötzlichen Todes gestorben war, wurde durch Auflassung vom 15. Dezember 1882 Johann Kurt MÖBIUS Eigentümer der APOTHEKE.
Als dieser im Jahre 1896 ebenfalls plötzlich starb, wurde die APOTHEKE durch Auflassung vom 3. Dezember 1896 von dem Apotheker Gustav ELIAS aus Cottbus erworben.
Im Jahre 1911 ging sie dann durch Kauf in den Besitz des Apothekers EMDE über.
Der Kaufpreis betrug 400.000 Mark.“

*Provisor = Im 17. und 18. Jahrhundert ist diese Berufsbezeichnung in Apotheken für einen "Obergehilfen" oder Apotheker-Gesellen üblich, der die Apotheke bei Abwesenheit des Apothekers, z.B. für seine Witwe, in Eigenverantwortung führen kann.

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Bei meinen Recherchen in der Apotheken-Historie stieß ich auch auf die BEMERKUNG:
"An Orten, wo mehr als ein Apotheker ist, wäre zu wünschen, daß diese besser, als gewöhnlich miteinander harmonierten…"
Der Sachverhalt hat wohl auch in SENFTENBERG mit seinen 7 APOTHEKEN eine gewisse Bedeutung, obwohl ich annehme, dass hier alles harmonisch & kollegial zugeht... :|

ÜBRIGENS:

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Außer der Tatsache, dass sich ein APOTHEKER überhaupt solch einen teuren PRACHTBAU , noch dazu im STADTZENTRUM , finanziell leisten konnte, ist mir schier unbegreiflich, in welchem Tempo das 4-stöckige GEBÄUDE hochgezogen wurde, wie aus den INSERATEN im >Senftenberger Anzeiger< (1902) ersichtlich ist:

25. Februar = Abbruch der alten Apotheke, Auslagerung
30. Mai = Richtfest
15. November = Eröffnung der neuen Apotheke


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