Neues 376 - 2019-06-02

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Matthias
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Neues 376 - 2019-06-02

Beitragvon Matthias » Sa 1. Jun 2019, 11:17

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Harald
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Re: Neues 376 - 2019-06-02

Beitragvon Harald » So 2. Jun 2019, 15:48

ZUR FRAGE DER ZUKUNFT UNSERER KOHLENREVIERE

Als Reaktion auf den LESERBRIEF im >Senftenberger Anzeiger<, den ich in der vorigen Woche auf „NEUES“ zitiert hatte,
meldete sich am 6. Juli 1910 ein gewisser Herr Peter K r a f t zu Wort:

„Kürzlich wurden über diese gewiß bedeutungsvolle Frage einige,
wenn auch nicht ganz neue BESORGNISSE & VORSCHLÄGE erörtert.
Daß diese FRAGE damit nicht erschöpfend behandelt ist und auch zurzeit nicht behandelt werden kann, dürfte jedem einigermaßen Eingeweihten einleuchten.
Wenn der Verfasser meint, daß mit der AUFFORSTUNG der ABKIPPEN und der ZUSCHÜTTUNG der ausgebeuteten TAGEBAUE, die sich nach seiner Meinung nicht schnell genug mit WASSER füllen würden, für die Existenz eines Teils unserer Landbevölkerung genügend Sorge getragen ist, so dürfte das bei näherer Betrachtung kaum zutreffend sein.
Die BESORGNIS wegen der leeren TAGEBAUE halte ich für unbegründet, da auf jedem GRUBENFELD nur ein etwa 2 – 3 Morgen großes LOCH bleibt, welches sich sicher sehr bald mit WASSER füllen wird und auch nach einiger Zeit stufenweise organisch beleben würde, wo dann wohl auch FISCHZUCHT möglich wäre.
Auch die SORGE wegen GEFÄHRDUNG des Niederlausitzer WALDBESTANDES kann ich nicht teilen; ein Blick auf die Karte oder eine Reise durch die Lausitz genügt, um uns zu überzeugen, daß an WALD sicher kein Mangel ist, wie ich überhaupt das ganze GESCHREI VOM GEFÄRDETEN WALD
nur für die Nähe der Großstädte gelten lassen möchte.
Ich möchte im Gegenteil meinen, daß wir im KOHLENREVIER nichts anders als WALD haben werden; ob künstlich aufgeforstet oder nicht,
die NATUR forstet ihre WÄLDER selbst auf und zwar richtiger und schöner als diese monotonen KIEFERNREIHEN.
Aber braucht man zur ERNÄHRUNG der Bevölkerung denn nichts als WALD ? Wir brauchen doch auch ACKERLAND & WIESEN.
Diese lassen sich später jedoch nur anlegen, wenn die BODENGESTALTUNG eine möglichst ebene ist und nachdem durch einen, einige jahrzehntelangen NATURWALDBESTAND dem Boden wieder eine genügende HUMUSSCHICHT zugeführt worden ist.
Hier wären wir nun bei dem springenden Punkt in der ganzen KOHLENREVIERFRAGE angekommen; hier liegt die Wurzel allen Übels;
RAUNO und noch andere DÖRFER können bereits ein KLAGELIED davon singen. Ein Drama ist es, welches sich hier vor unseren Augen abspielt:
Die GRUBENFELDER – KAUFVERTRÄGE waren ursprünglich alle dahin gehalten, daß nach beendetem ABBAU die Bergbaugesellschaft die GRUNDSTÜCKE zu planieren und dem Besitzer zur Bebauung zurückzugeben hat, denn nur das ABBAURECHT wurde verkauft.
Bald aber merkte man, daß sich die KOSTEN des Ankaufs der Grundstücke niedriger stellten als die PLANIERUNG, und Morgen auf Morgen von freiem BAUERNLAND, das von dem Blute und Schweiß unserer Väter benetzt ist, die für diese Freiheit starben, wandert in den BESITZ der AKTIENGESELLSCHAFTEN, die es nun ganz nach ihrer Bequemlichkeit ausbeuten können, ohne Rücksicht auf die OBERFLÄCHENGESTALTUNG und die ZUKUNFT der Bevölkerung.
Die Herrschaft des FEUDALISMUS wird abgelöst durch die Herrschaft des KAPITALS.
Ziehen wir nun die SCHLUSSFOLGERUNG aus oben Gesagtem:
Nicht der MANGEL AN WALD oder das ZUVIEL VON WASSERLOSEN TEICHEN, sondern der MANGEL an einem freien bodenständigen BAUERNSTAND unsere Gegend später zu einer armseligen stempeln wird.“


Danach verlief die DISKUSSION erst einmal im Sande, genauer gesagt: im KIPPENSANDE.
Erst nach dem 2. Weltkrieg kam durch den Diplomgärtner OTTO RINDT (1906-1994) dieses leidige Thema wieder auf die regionale Tagesordnung.
Er machte sich in den Jahren 1936/41 als LANDSCHAFTSGESTALTER für die mitteldeutschen Strecken der Reichsautobahn einen Namen,
kümmerte sich von 1952 bis 1958 um die GRÜNPLANUNG von Hoyerswerda und hatte ab 1962 einen wesentlichen Anteil an der REKULTIVIERUNG
und Gestaltung der BERGBAUFOLGELANDSCHAFT im Lausitzer Revier.
Er arbeitete an der Vision einer SEENKETTE im Bereich ehemaliger und noch aktiver Tagebaue, vom Senftenberger See über den Geierswalder,
Partwitzer, Sedlitzer und Großräschener See, die nacheinander geflutet werden sollten.
Dass einmal direkt vor ihrer Haustür ein großes URLAUBSPARADIES entstehen würde, hätten sich viele Senftenberger sicherlich nie träumen lassen.
Nur einer glaubte fest daran:

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GÜNTER FLACK

der „VATER DES SENFTENBERGER SEES“ der 2011 im Alter von 89 Jahren verstarb. Er hat als prominenter und beliebter BÜRGERMEISTER der Stadt Senftenberg von 1958 bis 1973 sehr viel bewegt. Der quirlige, humorvolle, aber sehr energische kleine Mann wurde oft als „MÄRCHENONKEL“ belächelt, wenn er mit seiner AKTENTASCHE, in der sich ein Dia-Projektor und ein selbstgebasteltes, zusammenlegbares Rednerpult befanden, in Senftenberg und Umgebung Werbung machte für eine Vision, die seine Zuhörer ungläubig als „Märchen“ abtaten.
Er bestieg oft mit Besuchern der Stadt den alten RATHAUSTURM und zeigte ihnen in der Ferne einen imaginären „SEE“,
der sich den verdutzten Gästen aber nur als NIEMTSCHER KOHLEKRATER offenbarte. Viele Hürden mussten er und seine Mitstreiter nehmen,
bis aus einer MONDLANDSCHAFT ein ERHOLUNGSPARADIES entstand, das zum Kindertag, am 1. Juni 1973, offiziell eingeweiht wurde. Bei den FEIERLICHKEITEN stand Günter Flack, daher auf dem Foto nicht zu sehen, etwas abseits, während sich die höheren PARTEIKADER ausgiebig feiern, beklatschen und bewirten ließen.

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Vor allem setzte ER sich dafür ein, dass das Seeufer komplett öffentlich für jedermann zugänglich sein muss. Befährt man heute den ausgebauten RADWANDERWEG rund um den Senftenberger See, so hat man das WASSER fast immer direkt im Blick. Es geht unter schattenspendenden Bäumen zu den STRÄNDEN, eventuell auch zum AMPHITHEATER oder zu einem der AUSSICHTSTÜRME. Der einstige TURM der DRK-Wasserwacht an der Strandpromenade Großkoschen;, der auch das Informationsblatt >SEERUNDSCHAU< schmückte, steht nicht mehr. Ich bin mir aber fast sicher,
dass Günter Flack ihn vor dem Abriss noch einmal bestiegen hat, seinen Blick schweifen ließ und dabei derer gedachte, die einst mit ihm die Ärmel hochkrempelten
und mit anpackten, um die tiefen Wunden in der Landschaft verheilen zu lassen und unsere Region wieder lebenswert und schön zu gestalten.
Als Bürgermeister von Senftenberg war Günter Flack von 1965 bis 1973 auch Vorsitzender des Kommunalen Zweckverbandes Senftenberger See
und dann bis 1976 Direktor des Erholungsgebietes. In den 1960er Jahren hatte er in dem Verband den künftigen See auf seine spätere Nutzung vorbereitet.
Ohne ihn würde es den SEE so, wie wir ihn heute kennen, nicht geben.

Artikel See.jpg

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Die Ideen umzusetzen, war zu DDR-Zeiten nicht einfach gewesen. In einem Generalbebauungsplan stand geschrieben, was an welcher Stelle rund um den See passieren soll. Es gab sogar schon damals die Idee von einem SENFTENBERGER HAFEN. Daraus wurde aber erst einmal nichts. Dafür kümmerte sich Günter Flack aber um die ersten FAHRGASTSCHIFFE. Zuerst wurde die „NIXE" (Bild unten) angeschafft (1973/75), danach die „NEPTUN“ (1975/81) und mit „PFIFFIKUS“ und „LUFTIKUS“ fuhren auch schon zwei STRANDBAHNEN, die der >Nestor< auch schon mal eigenhändig mit Lust & Laune durch das Erholungsgebiet steuerte.
Der Koschener Ortsbeirat hatte sich schon zu seinen Lebzeiten den Namen „GÜNTER-FLACK-WEG“ für die rekonstruierte Zufahrtsstraße in Großkoschen,
die bis an das Wassersportzentrum heranführt, gewünscht.
Dies hatte der >Nestor<, den ich in persönlichen Gesprächen kennenlernen durfte, in aller Bescheidenheit dankend abgelehnt… :!:

Nixi_resize.jpg


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