Neues 389 - 2019-09-01

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Matthias
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Neues 389 - 2019-09-01

Beitragvon Matthias » Sa 31. Aug 2019, 09:14

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Klaus
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Re: Neues 389 - 2019-09-01

Beitragvon Klaus » Sa 31. Aug 2019, 15:05

Im angegebenen Text des Senftenberger Anzeigers ist für mich ein Satz interessant: „Im Süden ….. am alten Kirchweg ….“. In der um 1600 entstandenen Oederkarte, in der Sauo noch Sawe geschrieben wird mit einer Tilde über dem w, steht unter dem Ortsnamen „zur Kirch“. Darüber habe ich mich schon immer gewundert. Hatte Sauo denn eine Kirche? Wenn nein, bedeutet das, dass Sauo nach Senftenberg eingepfarrt war, da der Kirchweg nach Süden führt?
Klaus

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Harald
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Re: Neues 389 - 2019-09-01

Beitragvon Harald » So 1. Sep 2019, 10:10

Am Dorfplatz_resize.jpg

DAS STERBENDE HEIMATDORF
(von Bergmann P. Mudrick, Grube Erika 1927)

Noch träumst du still in deiner Abgeschiedenheit,
umrankt von Wiesen, Wäldern, Wasserläufen;
und silbergraue, strohgedeckte Scheunen grüßen,
noch ist in dir Zufriedenheit.

Noch schießen Schwalben zwitschernd durch das Tor;
und liegt der kühle Schatten alter Linden auf den Häusern.
Das Sensendengeln klingt durch deine abendliche Stille;
vertraute alte Klänge schmeicheln sich ins Ohr.

Noch schwanken schwerbelad’ne Erntewagen heim.
Die Rinder von der Weide heimwärts kehren.
Und abends nach des Tages heißer Arbeit,
erklingt von Mädchenlippen alter, schöner Lieder Reim.

Noch ist bei dir die Nacht tiefdunkel, schweigend;
und alles schläft, für neues Müh’n sich stärkend.
Das Käuzchen in dem alten Scheunengiebel ruft.
Der Wächter macht die Runde, mit Hornruf uns die Stunde zeigend.

Noch singt die Lerche über Roggenbreiten;
vom Wald der Specht und Kuckuck ruft.
Der Kiebitz gaukelt über saft’ge Wiesen,
und Sonntags, über’s Feld hörst du den den Herrgott schreiten.

Doch bald wird all die Stille, Schönheit schwinden.
Hörst du, Freund Hein, dies Aechzen, Klirren, Pfeifen.
das immer näher, immer näher rückt?
Das ist dein Tod! – und bald mußt du verschwinden.

Mit Eisenschritten wird die Neuzeit dich zertreten;
wird Tag und Nacht ihr ehern Lied erklingen.
Und wo sonst Ruhe, Friede herrschte,
wird niemand mehr um eine gute Ernte beten.

Wo du noch stehst, - dich alte Linden schirmen,
sind saft’ge Wiesen, grüne Aecker dehnen;
wo all die Poesie des alten Dorfes,
wird grauer, öder Sand sich türmen.

Und manchen drückt das Weinen in der Kehle,
sieht er das Dorf verschwinden, - seine Heimat.
Die Stätte seines Werdens, seiner Jugend;
da er sein Bestes lassen muß, - die Seele.


Sauo-Forscher_resize.jpg

Ende 1969, als ich zum letzten Mal dort weilte, bot das kleine Dörfchen SAUO einen sehr traurigen Anblick. Leergezogene Siedlungshäuser, teilweise schon Ruinen, kündeten von der Inanspruchnahme durch den 1958 aufgeschlossenen und nun langsam vorrückenden TAGEBAU MEURO, dem neben SAUO auch Teile von HÖRLITZ-FLUR & SENFTENBERG-WEST, sowie die Ortschaften RAUNO, REPPIST, ANNA-MATHILDE & BÜCKGEN weichen mussten.
SAUO war bis dato ein gut funktionierendes Dorf mit Schule, Kirche, Post, Feuerwehrdepot und Gemeindebüro, in dem am 19. September 1966 die verbindliche Mitteilung hineinflatterte, „dass der Ort Sauo überbaggert werden muss, da die Kohlenvorräte unter der Ortslage von bester Qualität sind.“ Damit war das Schicksal der Dorfbewohner besiegelt. Noch bevor aber Anfang der 1970er Jahre alles in einem großen schwarzen Tagebauloch verschwand, fanden sich rührige, sehr heimatverbundene Leute, allen voran die drei verdienstvollen HEIMATFORSCHER, die historisches Bild~ & Faktenmaterial zusammentrugen und ihre oft persönlich gefärbten Erinnerungen an ihr HEIMATDORF, welches sich je 1,2 km von Meuro bzw. Senftenberg-West, 1,6, km von Drochow, 2 km von Freienhufen und 2,1 km von Jüttendorf befand, für die Nachwelt aufschrieben.

Dabei konnte längst nicht ALLES, eventuell VIELES, zumindest EINIGES an wertvollen Fakten aus dem kollektiven Gedächtnis der ehemaligen Dorfbewohner bewahrt werden. Vielerorts kamen allerdings die RATSCHLÄGE, die schon 1910 im >Senftenberger Anzeiger< veröffentlicht wurden, für die Heimatforschung zu spät. Blindwütiger und voreiliger Abriss, planlose Bilderstürmerei, Zerstörungswahn in Unkenntnis des historischen Wertes waren das Resultat, mit dem Heimatforscher heute zurechtkommen müssen:

Dorfheimat_resize.jpg

PFLEGE DER LÄNDLICHEN HEIMATKUNDE (1910)

„Bedauerlicherweise ist unserer rastlos hastenden Zeit das kostbare Erbe unserer Vorfahren, das ECHT VOLKSTÜMLICHE, manche sinnigschöne VÄTERSITTE, mancher kulturhistorisch denkwürdige VOLKSBRAUCH immer mehr in den Hintergrund getreten.
Das festlich bewegte Bild der urgemütlichen ROCKENSTUBEN, und die markanten Gestalten der VOLKSSÄNGER mit ihrem unerschöpflichen Liederborne auf vielen Veranstaltungen gehören der Vergangenheit an.
Alles Eigentümliche, wie die frühere bäuerliche BAUWEISE, die EINRICHTUNG, die TRACHTEN verschwinden langsam aber unwiederbringlich von der Bildfläche. Solchergestalt erscheint die LÄNDLICHE HEIMATFORSCHUNG von größter Wichtigkeit.
Kein HEIMATFREUND möge es verabsäumen, gelegentlich bei vertrauenswürdigen Personen auf dem Lande nach häuslichen BRÄUCHEN & SITTEN, wie sie früher bei Familienereignissen, Taufen, Hochzeiten, Begräbnissen, bei den kirchlichen Festen üblich waren, zu forschen. Man sammle ferner alte VOLKSLIEDER, INSCHRIFTEN an Häusern, Grabsteinen, ORTS~ & FLURNAMEN, man erkunde die üblichen SPIELE, die VOLKSKÜCHE, die volkstümlichen TIER~ & PFLANZENNAMEN, die VOLKSHEILMITTELKUNDE, die bäuerliche KUNST, die Art der Gastfreundschaft. Auch der ländliche ABERGLAUBE, die durch mündliche Überlieferung erhalten gebliebenen MÄRCHEN, SAGEN & FABELN bilden noch vielfach ungehobene Schätze der ländlichen Heimatforschung.“

Die oben erwähnten FLURNAMEN von SAUO, die mit Sicherheit nur eingeschworenen „SAU’SCHEN“ bekannt sein dürften,
haben wir von der in Sauo gebürtigen Ärztin Frau Dr. Irene Uhlmann bekommen:

fLURNAMEN.jpg

Da wir uns gerade in der ERNTEZEIT befinden, sollen zwei Beiträge aus dem >Senftenberger Anzeiger< zum einstigen DORFLEBEN meinen heutigen Kommentar beschließen:

ERNTEDANKFEST IM KOHLENREVIER (1932)
(von Pastor Rother aus SFB II)

„Es ist schwer, in der Senftenberger Gegend ERNTEDANKFEST zu feiern, in der Gegend, in der der Bagger wohl seine Schaufeln mit dem Erdgut der KOHLE füllt, wo aber sonst die großen, spärlich aufgeforsteten KIPPEN und die schwarzen GRUBEN den Landschaftseindruck bestimmen. Und abgesehen von den paar BAUERN, die auf der ehemals eigenen Scholle, die sie verkauften, jetzt als Pächter sitzen, gibt’s nur ein paar, gibt’s fast nur solche, die höchstens ein kleines OBST~ oder GEMÜSEGÄRTCHEN haben und FRÜCHTE ernten mit kohlenstaubeingefressener Kruste.
Man kann es verstehen, wenn so mancher Arbeiter, der mit dem Lohn für drei Schichten nach Hause kommt, und mancher Arbeitslose, dessen Abendmahlzeit tagaus, tagein aus KARTOFFELN mit LEINÖL besteht, verbittert, höhnisch sagt: ‚Erntedankfest, laß die Reichen feiern!‘
Und doch sind die KIRCHEN voll am ERNTEDANKFEST von Menschen, die etwas zu danken haben, und sind die Altäre beladen mit GARBEN & FRÜCHTEN aus Feld und Garten, die nachher an die ärmsten und kinderreichsten Familien vergeben werden. Christliche Landleute kommen zum Pfarrer und sagen:
‚Zwar drücken uns die Abgaben hart, aber die Ernte war zufriedenstellend, hier bringen wir Ihnen ein paar Zentner Kartoffeln und Roggen,
geben Sie den Armen davon und nennen Sie unsern Namen nicht dabei
…“

Erntefest_resize.jpg

FEIERSTUNDE IM DORF (1939)

„Das Abendrot stand leuchtend am Himmel. Ein leichter Luftzug machte sich fühlbar. Die Kronen der Kiefern, die bis an den Dorfausgang heranreichten,
wiegten sich hin und her und verursachten ein eigentümliches Rauschen. Die letzten BAUERN kamen mit schweren Schritten von ihren Feldern.
Schon traten die ersten Sterne aus der Dämmerung. Nachdem das ABENDBROT verzehrt war, setzten sich die ÄLTEREN LEUTE vor ihre Haustür
und erzählten sich vom WETTER, von der ERNTE und anderen Dingen. Die JUGEND versammelte sich von altersher auf dem DORFPLATZ.
Ueberall stand, wie mit großen Buchstaben geschrieben, das Wort:
FEIERABEND !
Auf dem DORFPLATZ unter der alten LINDE ging es heute hoch her. Die Dorfjugend versuchte mit allen Mitteln, ihren fleißigen Erntehelfern einen schönen Abend erleben zu lassen. Alte VOLKSLIEDER wurden gesungen. Ihr hervorragendes Können bewiesen die Burschen und Mädchen in BAUERNTÄNZEN.
Nach diesen musikalischen Darbietungen ergriff der Ortsbauernführer, der selbst mit Leib und Seele Bauer war, das Wort und gab den Jungen ein anschauliches Bild
von der Geschichte des deutschen Bauernstandes und ermahnte sie, immer die harten Fäuste der Bauern zu achten.
Aus diesem Abend wurde eine FEIERSTUNDE, wie sie die Jungen noch nie so tief empfunden hatten.
Der Mond brach durch die dichten Zweige der DORFLINDE. Im Norden trat das Sternenbild des großen Bären heraus.
Vom DORFTEICH drang das Gequake der Frösche. Hin und wieder huschte eine Fledermaus vorbei.
Die nächtliche FEIERSTUNDE fand ihren würdigen Abschluß durch eine ALTE VOLKSWEISE.
Wie ein Schwur wurde dieses LIED von allen gesungen. Vom Walde ertönte es wider und klang wie ein Vermächtnis:

KEIN SCHÖNER LAND IN DIESER ZEIT,
als hier das unsre weit und breit,
wo wir uns finden wohl unter Linden zur Abendzeit.

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Harald
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Re: Neues 389 - 2019-09-01

Beitragvon Harald » So 1. Sep 2019, 12:45

Hallo Klaus, hier die FAKTEN betr. KIRCHE SAUO:

Kirche Sauo_resize.jpg


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