Neues 394 - 2019-10-13

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Matthias
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Neues 394 - 2019-10-13

Beitragvon Matthias » Sa 12. Okt 2019, 06:31

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Harald
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Re: Neues 394 - 2019-10-13

Beitragvon Harald » So 13. Okt 2019, 15:34

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IN DER EILE EINE ZEILE: „Gruß und Kuss, Dein Julius - eigentlich VARUS !“

„Vor langen Jahrhunderten schrieb man auf Bleitafeln, Steinen, Elfenbein, Holz, Ochsenhäute und Papyrus; die RÖMER sandten sich GLÜCKWUNSCHBRIEFE zu, die auf Citronenholz geschrieben waren.
Heute genügt es, eine POSTKARTE zu nehmen, alle alten zopfigen ANREDEN von ‚Euer Wohlgeboren‘ u.s.w. wegzulassen und gleich zur Sache überzugehen. Selbst die ‚unwandelbare und vorzügliche Hochachtung‘, mit der man lebenslänglich zu ersterben pflegt, hat ihren Curs längst eingebüßt. Heute gilt der LAPIDARSTIL der POSTKARTE, die für einen halben Groschen unsere Botschaft von Memel bis Constanz trägt. Auf diese Art kann man EINLADUNGEN, NEUJAHRSWÜNSCHE, ANZEIGENvon Familienereignissen u.s.w.
in die weite Welt hinaus schicken, und nimmt man OFFENE KARTEN mit vorgedrucktem Inhalt dazu, so kostet’s gar nur einen Viertel-Groschen.“

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Diese MELDUNG konnte man am 1. März 1873 im deutschen Familienblatt >DAHEIM< lesen und wir können konstatieren, dass die POSTKARTE mit ihrem beschränkten Platz für nette Worte inzwischen schon seit 150 Jahren äußerst beliebt ist bei allen Schreiberlingen, die sich an die schönsten Momente ihres „wohin-auch-immer-Ausfluges“ erinnern und dies natürlich unbedingt allen Lieben in Nah & Fern mitteilen wollen.
Dafür braucht es nicht viele WORTE – viel Platz ist sowieso nicht auf der KARTE – und ein schönes BILD auf der Vorderseite tut es auch.
Schon in den 1870er-Jahren kamen kreative Köpfe und findige Unternehmer auf die Idee, das neue Medium zum populären Bildträger weiterzuentwickeln. Sie versahen die Anschriftenseite der Postkarte mit kleinen Zeichnungen oder gedruckten Bildern. In den 1880er Jahren wurden dann in halber Postkartengröße Stadtansichten, Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele abgebildet.

Anfangs wurde der TEXT noch direkt auf bzw. rund um das BILD, sofern vorhanden, auch in eine große Himmelsfläche geschrieben, da die VORDERSEITE ausschließlich für die ADRESSE reserviert war. Bahnbrechend war 1904 der sogenannte >TEILUNGSSTRICH<, welcher bewirkte, dass man ausschließlich die VORDERSEITE (links stand die „Botschaft“, rechts die Adresse) und nicht mehr die BILDSEITE beschrieb.
Die RÜCKSEITE stand somit vollständig dem BILD zur Verfügung.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ANSICHTSKARTEN zunehmend farbiger und daher als SAMMELOBJEKT immer beliebter und erreichten bis zum Kriegsausbruch 1914 ihre Blütezeit. In Deutschland wurden viele Milliarden Postkarten produziert, verkauft und verschickt. Allein im Jahre 1900 beförderte die Reichspost 440 Millionen Ansichtskarten und bald machte der Begriff der >BILDERFLUT< die Runde.
Die POSTKARTENVERLAGE waren sehr kreativ und publizierten ANSICHTSKARTEN in einer schier endlosen Themenvielfalt:
GRUSS~ & GLÜCKWUNSCHKARTEN mit vorgedruckten PHRASEN zu jeder passenden & unpassenden Gelegenheit, sowie ANSICHTEN von Landschaften, Städten, Dörfern & unzähligen VERGNÜGUNGSORTEN, die zu Werbezwecken im Auftrag von Stadt~, Bäder~ und Kurverwaltungen hergestellt wurden. Viel Kunst, Sport, Liebe, Erotik – und gottlob auch viel HUMOR erfreute die Konsumenten. Die Bandbreite umfasste Bilder von schrecklichen Eisenbahnunglücken, Radausflügen des Infanterieregiments, diversen Tierkindern, halbnackten Damen, Kaisers neue Uniform, von Säufern am Laternenpfahl und anderen KATASTROPHEN.
Hier eine kleine AUSWAHL aus der Rubrik
>GRUSS AUS…/ VON…/ VOM…<
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Um 1900 galt die POSTKARTE noch als schnellstes und zuverlässigstes KOMMUNIKATIONSMITTEL und war darüber hinaus preiswerter als BRIEF oder TELEGRAMM. In sprachlicher Kurzform hielt man Kontakt zu Familie & Freunden – in Friedenszeiten „Schaut, wo ich war.“ bzw. per Feldpost „Ich lebe noch.“ Mir fällt da spontan die „kraftstrotzende“ Floskel auf Postkarten aus dem Kinderferienlager ein, die von den Lieben daheim selbstredend ignoriert wurde:
„Wollt‘ ihr euren Sohn noch retten, schickt ihm Geld & Zigaretten“.
Übrigens befürchteten damals viele Leute, dass VERTRAULICHE NACHRICHTEN durch ihre Offenlegung per POSTKARTE in falsche Hände geraten könnten und außerdem langsam aber sicher auch die deutsche Sprache verrohen würde.
Dem schob man allerdings beizeiten einen Riegel vor:
Die POSTVERWALTUNG wies darauf hin, „daß die Postkarte keine Beleidigungen oder offenbare Unanständigkeiten enthalten dürfe, da sie ansonsten nicht befördert, sondern vernichtet würde.“

Lange war das Verschicken einer ANSICHTSKARTE auch ein Fingerzeig auf den eigenen WOHLSTAND, wobei die eigentliche Botschaft hieß:
"WIR können uns das leisten!".
Tatsächlich war aber im Urlaub durchaus nicht alles so vollkommen, wie die „klassische“ Ansichtskarte größtenteils offerierte:
„…das Meer so klar, die Landschaft so schön, das Essen so lecker, das Wetter so super, die Kellner so freundlich..."
Den Schreibern ging es praktisch niemals schlecht.
Sei’s drum. Tatsache ist:
Man konnte und kann an ANSICHTSKARTEN erkennen, was zu einer bestimmten Zeit als abbildungswürdig und als ‚eines Besuches wert‘ galt. Sie bilden heute einen bedeutenden Teil des überlieferten kollektiven BILDINVENTARS einer STADT oder eines STADTTEILS, werden häufig in HEIMATKUNDLICHEN DARSTELLUNGEN aufgenommen und finden Eingang in das ÖRTLICHE, KOLLEKTIVE BILDGEDÄCHTNIS, für dessen Bewahrung sich unsere Webseite >GRUSS-AUS-SENFTENBERG< auch weiterhin auf mit Stolpersteinen gespicktem Weg mit großem Idealismus & Enthusiasmus einsetzen wird…
So wahr uns die POSTKARTEN-GÖTTIN helfe !

Übrigens:
Lassen Sie im nächsten Urlaub ihr Smartphone ruhen und schreiben Sie doch mal wieder eine ANSICHTSKARTE an die Daheimgebliebenen, denn:
"Der AUFWAND, den man für das SCHREIBEN & VERSCHICKEN einer KARTE betreiben muss, ist auch ein AUSDRUCK der WERTSCHÄTZUNG gegenüber dem EMPFÄNGER"…
Letzte AK 1900_resize.jpg


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