Neues 412 - 2020-02-23

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Matthias
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Neues 412 - 2020-02-23

Beitragvon Matthias » Sa 22. Feb 2020, 10:21

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Harald
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Re: Neues 412 - 2020-02-23

Beitragvon Harald » So 23. Feb 2020, 12:30

Quex_resize.jpg

Die HITLER-JUGEND wurde 1926 auf dem Weimarer Parteitag der NSDAP gegründet,
dem sich ein Werbefeldzug anschloss,
der 1931 auch SEDLITZ erreichte:

„Am vergangenen Sonntag fand in unserem Orte ein SCHARTREFFEN DER HITLERJUGEND statt.
Am Vormittag hatten sich aus den Orten Lauta, Zschornegosda, Ruhland und Marga Gruppen eingefunden, um an dem GELÄNDESPIEL teilzunehmen.
Die Jungmädchengruppe des Deutschen Frauenordens sorgte für das leibliche Wohl. Ein WERBEMARSCH durch das Dorf und eine Ansprache des Scharführers, in der Zweck und Ziel der Hitlerjugend betont wurden, brachten den Abschluß der Veranstaltung.“


Bild1.jpg

Als die Mitgliederzahl der HJ 1934 durch die Zwangseingliederung zahlreicher konkurrierender Jugendverbände auf 3 Millionen, zwei Jahre später auf 5,4 Millionen gestiegen war, wurde das Jahr 1937 jubelnd zum >BAUJAHR DER HITLER-JUGEND< erklärt.
Anfangs basierte die Mitgliedschaft formell gesehen auf Freiwilligkeit; nur Beamte wurden verpflichtet, ihre Kinder zur NS-Jugendorganisation zu schicken. Per Gesetz machte man dann ab Dezember 1936 die HJ zur >Staatsjugendorganisation< und deren Mitgliedschaft zur Pflicht.
Zu den Aufgaben gehörten der HJ-Dienst am Wochenende, Streifendienst (Verhaltenskontrolle Jugendlicher in der Öffentlichkeit), Hilfsdienst für das „Winterhilfswerk“, Geldspenden mit Sammelbüchsen eintreiben, Abzeichen verkaufen etc.
Jeden Mittwoch trafen sich die HJ-Ortsgruppen zur propagandistischen Schulung beim >HEIMABEND<.
Damit sich alle auch „heimisch“ fühlen konnten, forderten die Jugendführer vehement die Schaffung eigener
>HJ-HEIME<
„um die deutsche Jugend von Stätten wie Kellern, Gasthäusern & Herbergen fernzuhalten“
.


Heimbau_resize.jpg

Das Jahr 1937 wurde somit zum >JAHR DER HEIMBESCHAFFUNG<.
Für den südlichen Teil der >KURMARK BRANDENBURG< waren Heime in HÖRLITZ, BÜCKGEN, FREIENHUFEN & SEDLTZ geplant.
Offensichtlich entschied man sich später jedoch für GRUBE MARGA an Stelle von HÖRLITZ.

HJ Heime_resize.jpg

Am 3. Mai 1937 berichtete der >Senftenberger Anzeiger< schließlich von der
GRUNDSTEINLEGUNG des künftigen SEDLITZER HJ-HEIMS unter Teilnahme aller NS-Gliederungen:

grundsteinlegung_resize.jpg

„Der Gedanke, daß die HITLER-JUGEND zur Erfüllung ihrer Aufgaben HEIME braucht, ist nicht etwa erst im Jahre 1937,
dem >Jahr der Heimbeschaffung<, erkannt und ausgesprochen worden.
Schon in den Jahren vorher hatte die HJ. eine eifrige WERBEARBEIT entfaltet, deren Ziel war, den Einheiten erst einmal ein Dach über den Kopf zu schaffen, damit sie irgendwelche, wenn auch noch so primitive Stätte besaßen, um hier an der Ertüchtigung der Jungen und Mädel zu arbeiten.
Doch faßten manche GEMEINDEN schon den BAU EINES HEIMES ins Auge, um der Jugend ihres Ortes ein für ihre Arbeit würdiges und geeignetes Haus geben zu können.
Die GEMEINDE SEDLITZ hegte ebenfalls schon seit 1935 den Plan, ein HAUS DER DEUTSCHEN JUGEND zu errichten,
doch scheiterte er bisher an der Beschaffung der dazu erforderlichen Mittel. Jetzt endlich ist es so weit.
Das GELÄNDE stellte die Ilse, Bergbau AG. zur Verfügung. Bei näherem Vergleich findet sich manches Gemeinsame mit dem HEIMBAU in DOBRISTROH [Freienhufen], wie ja überhaupt alle Häuser der Hitler-Jugend im Reich in ihrem Stil nach einer großen inneren Linie ausgerichtet sind: nach der harmonischen Beziehung zur Landschaft und dem Wollen der neuen deutschen Jugend, die wieder zu den wirklichen Werten eines echten Volkstums hinstrebt. In freundlichen, lichten Räumen wird sich der HEIMABEND zu einem Erlebnis für den Hitler-Jungen gestalten.
Die Größe der RÄUME entspricht der Stärke einer SCHAR, also 50-60 Jungen oder Mädel können gemeinsam ihren Dienst abhalten.
Eine FEIERHALLE, die die Zusammenziehung von größeren Verbänden erlaubt, dient dem kulturellen Schaffen. Beim Bau und bei der Innenausstattung wird fast ausschließlich die gediegene und schlicht künstlerische Arbeit des Handwerks Verwendung finden.
Das HAUS wird nach seiner Fertigstellung unzweifelhaft ein SCHMUCKSTÜCK DES ORTES darstellen.
Am 3. Mai, der Zeit da überall im Reich die Hitler-Jugend zur GRUNDSTEINLEGUNG VON HEIMEN angetreten stand,
waren auch in SEDLITZ HJ., Jungvolk, BDM., JM., die Politischen Leiter, SA., SS., die Kriegerkameradschaft und die Ehrengäste
um den GRUNDSTEIN, einem Findlingsblock aus Granit, versammelt…
Die Grundsteinlegung war nur symbolisch, denn noch könne mit den Bauarbeiten nicht begonnen werden…“


Zwei Jahre später, am 25. Januar 1939, wurde RICHTFEST gefeiert:

Richtfest_resize.jpg

„Ueberall im Reich, am Rande der Industriestädte, neben Schornsteinen und Hochöfen,
auf dem flachen Land und in den kleinen Städten wachsen nun diese Häuser empor:
HEIME DER JUGEND – BURGEN DES GLAUBENS
Zu ihnen fand kürzlich eine Besichtigungsfahrt zu vorbildlichen HJ.-Heimen statt. Sie nahm ihren Weg auch durch das SENFTENBERGER BRAUNKOHLENGEBIET und erregte das besondere Interesse aller Fahrtteilnehmer, als die Heime in FREIENHUFEN & BÜCKGEN besucht wurden.
An diese beiden Heime reiht sich nun als drittes das HEIM IN SEDLITZ als würdiges Glied an, das in diesem Jahre seiner FERTIGSTELLUNG entgegensieht. Heute findet in Sedlitz die RICHTFESTFEIER statt.
Auch hier wird das HEIM DER HJ. in seiner schlichten, klaren Architektur den Charakter seiner Bestimmung widerspiegeln.
Es fügt sich stilgebunden in seine Umgebung ein und ist zugleich architektonisch richtungsweisend...“


Tags darauf erschien im Lokalblatt noch ein abschließender KOMMENTAR:

„Die RICHTFESTFEIER DES HJ.-HEIMES am Nachmittage des gestrigen Tages löste starke und freudig bejahende Anteilnahme bei der Einwohnerschaft aus. Der BAU in seinem NICHTZUSTANDE läßt seine kommende räumliche Gestaltung ahnen. Er wird der Gemeinde zur Ehre und Zierde gereichen…
Viele werden es gar nicht mehr wissen, daß die HJ. hier bereits im Jahre 1931 ein ‚Heim‘ besessen hat, wenn es damals auch nur eine ausgebaute FUTTERKÜCHE war. Dieser Umstand ließ bereits 1934 den PLAN zur Errichtung eines eigenen Hauses für die Hitler-Jugend reifen…
Und so dürfen wir jetzt das bis zu diesem Bauabschnitt gediehene Werk sehen,
welches noch in späteren Jahrzehnten von der Größe dieser Zeit und dem Willen dieser Jugend künden werde…
Danach erfolgte eine BESICHTIGUNG des Baues, der 6 Scharräume, eine große Feierhalle, Führerzimmer, Werkzimmer sowie eine Hausmeisterwohnung erhalten wird. An die FEIER schloß sich ein gemeinsamer RICHTSCHMAUS an.“


Ich habe in den Jahrgängen 1939 - 1945 des >Senftenberger Anzeiger< akribisch, aber leider auch vergeblich nach einer abschließenden
MELDUNG zur EINWEIHUNG DES HJ-HEIMES gefahndet. Auffällig war allerdings, dass in den KRIEGSJAHREN zunehmend die lokalen & regionalen MELDUNGEN von überregionalen DURCHHALTEPAROLEN, ANZEIGEN der "last minute" - Kriegstrauungen, und schließlich den bewusst wegen befürchteter "Wehrkraftzersetzung" nur vereinzelt veröffentlichten TODESANZEIGEN GEFALLENER abgelöst wurden. Darunter waren leider auch viele JUGENDLICHE, die unmittelbar vom Schulhof, Sportplatz oder HJ-Heim auf's Schlachtfeld geschickt wurden...

gefallen_resize.jpg


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