Neues 414 - 2020-03-08

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Matthias
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Neues 414 - 2020-03-08

Beitragvon Matthias » Sa 7. Mär 2020, 09:25

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Harald
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Re: Neues 414 - 2020-03-08

Beitragvon Harald » So 8. Mär 2020, 14:02

SCHULE_resize.jpg

Große Wehmut ergreift mich, wenn ich nachfolgende Zeilen lese, die um 1911 geschrieben, ein so prachtvolles Bild der KOLONIE MARGA lieferten:
„Den Mittelpunkt der KOLONIE MARGA bildet der MARKTPLATZ, um den herum sich die öffentlichen Gebäude, wie Kirche, Schule, Kaufhaus, Gasthaus – es macht ganz den Eindruck eines netten Kurplatzhotels – Bäckerei, Fleischerei usw., gruppieren; später werden dann noch ein Junggesellenheim, Pfarrhaus, Arztwohnung, Apotheke, Gärtnerei usw. folgen…“
Viele der genannten ÖFFENTLICHEN EINRICHTUNGEN sind, obwohl sie mühevoll & kostenintensiv restauriert & rekonstruiert wurden, mittlerweile verwaist, geschlossen oder umfunktioniert und besitzen eigentlich nur noch MUSEALEN WERT als ARCHITEKTURDENKMÄLER.
Einzig und allein das SCHULGEBÄUDE hat sich über 100 Jahre und verschiedene gesellschaftliche Epochen hinweg behaupten können, als…

Schultypen_resize.jpg

Als Volksschule überlebte sie Kaiserreich & die Nazis, bekam 1971, wie vordem schon das hiesige Braunkohlenwerk, das Klubhaus und eine Straße, den Namen des marxistischen Historikers FRANZ MEHRING verliehen und wurde als Privatschule schließlich 2009 mit dem Namen des Gartenstadt-Architekten Georg Heinsius VON MAYENBURG beglückt.
Ich durfte von 1966 bis 1991 in eben dieser Bildungseinrichtung die Fächer Musik, Russisch & Englisch unterrichten,
unterstützt von einem verständnisvollen, sehr hilfsbereiten & gottlob auch sangesfreudigen KOLLEGIUM.
Dem >Harten Kern< der langzeitlich in Brieske tätigen Kollegen gehörten in den 1960er Jahren u.a. an (von li. nach re.):
Gerhard Ballin, Ingeborg Eichler, Inge Mieth, Harald Gleisner, Margit Eggert, Ingrid Hölzel, Siegfried Kühn, Manfred Mallina, Gerhard Haupt, Karl Bahlow, Rudolf Ballon, Gisela Preuß;

Kollegium 2_resize.jpg

Der Vollständigkeit halber noch eine Übersicht der in der langen Schulgeschichte tätigen
DIREKTOREN:

1920 - Wilhelm Rechenberger
ab 1921 - Scharkowski
1934/38 - Schmiedel
1939/40 - Harry Latzke
1941/42 - R. Krüger
1945/47 - Harry Latzke
1948/57 - Georg Noack
1957/58 - Heinz Krüger
1959/65 - Günter Balzer
1966/70 - Otto Ginzkey
1971/80 - Renate Gottwald
1981/87 - Günter Kühn
1988/2001 - Simone König
ab 2009 - Madlen Haß


>MEINER SCHULE< hatte ich anlässlich ihrer (einstweiligen) Schließung am 7.07.2001 ein längeres GEDICHT gewidmet,
aus dem ich hier einige wesentliche Passagen zitieren möchte:

Einst schlurften hier Kinder in Holzpantinen,
empfangen von Lehrern mit sehr strengen Mienen.
der Rohrstock sauste tagtäglich hernieder,
und anschließend sang man dann sehr fromme Lieder.
Hier wurde der Arm schräg zum Gruß hochgerissen,
gar mancher Schüler im Krieg dann verschlissen…

Nachdem man den Schutt und die Trümmer beräumt,
ward' nachgeholt schnell, was so lange versäumt.
Es zog wieder Leben in ehrwürd'ge Mauern,
mit Kindern von Bergleuten und Briesker Bauern.
Hinzu kamen Neulehrer, "besohlt" in 4 Wochen,
hatten Kleiderschrank, Bett und ne Platte zum Kochen,
probierten, studierten, wurden so nebenbei
zu >Pionieren der Schulmeisterei<…

Trugen Schüler auch Halstücher und blaue Blusen,
gehindert hat's keinen bei innigem Schmusen,
in Ferienlagern, an Wandertagen,
bei Pfingsttreffen und auf Kartoffelplantagen.
Man jubelte, litt mit den Alt-Briesker Knappen,
in gelb-schwarzen Trikots, mit Stutzen und Schlappen.
mit Erstliga-Fußball war‘s irgendwann dann vorbei.
Erinnerungen gibt es noch tausenderlei...

Die ELTERN von Brieske - ne Klasse für sich,
vor allem die Mütter - ein "Tischleindeckdich" !
Sie sorgten für Fahrten, Basare und Kuchen,
und halfen bei Patenbrigadebesuchen.
Mein Mentor riet mir: „Willst die Väter du sprechen,
versuch's in der Kneipe, wo sie würfeln & zechen !“…

Was sah ich an Lehrer und ~innen herziehen -
und viele nach kurzer Zeit gleich wieder fliehen.
Für viele war's Sprungbrett, für wenige Bleibe.
Doch weiß ich in dem Moment, wo ich dies schreibe:
Wer einmal in Brieske als LEHRER gedient,
der hatte den kargen Lohn hart verdient !
Er liebte den Job, hasste Lobhudelei –
ein BRIESKER LEHRER, der bleibt man,
und das geht nie vorbei !


Den einstmaligen >ARBEITSPLATZ EINES BRIESKER LEHRERS< habe ich in einem alten FOTO von mir aufgespürt & gekennzeichnet:

Lehrertisch_resize.jpg

Die vertikal verschiebbare und horizontal klappbare, schwergewichtige WANDTAFEL (1) wurde noch mit echter SCHULTAFELKREIDE (2) beschrieben und nach Gebrauch abgewischt. Versäumte dies der zuständige TAFELDIENST, schrieb der LEHRER seinen TEXT einfach mitten hinein in den noch vorhandenen, was den o.g. DIENST, befördert durch den Protest lerneifriger Schüler, auf längere Zeit beflügelte.
Im RAUM 12, unserem FREMDSPRACHEN-KABINETT, trug alles diese Nummer, auch der LEHRERTISCH (3), um bei Räumaktionen einem klammheimlichen / unbeabsichtigten Austausch vorzubeugen. Meine ARBEITSMITTEL waren stets übersichtlich angeordnet: SCHLÜSSELBUND (4), FEDERTASCHE(5) und vor allem persönlicher KREIDEKARTON (6), um nervende Such~ & Bettelaktionen bei nebenan beschäftigten Kollegen tunlichst zu vermeiden.
Der GERÄTESCHRANK war mit INVENTARVERZEICHNIS (7) versehen und durch VORHÄNGESCHLOSS (8) gesichert.
Im Schrank befanden sich der POLYLUX und ein PLATTENSPIELER mit VERLÄNGERUNGSKABEL, das ebenfalls mit der, einer versehentlichen Entnahme vorbeugenden Blechnummer 12 ausgestattet war. Weithin sichtbar das mit einem zusätzlichen LAUTSPRECHER (9) aufgepeppte TV-GERÄT (10) zum kollektiven Empfang des Schulfernsehens im Russisch~ & Englischunterricht.

Tja, liebe Whiteboard & iPad – KollegInnen,
SO SAH SCHULE VOR 60 JAHREN AUS,
als die Schüler noch nicht „nach Gehör schrieben & nach Gefühl rechneten“…!

Bei aller PERSÖNLICHEN BETRACHTUNGSWEISE soll natürlich auch die HEIMATFORSCHUNG nicht zu kurz kommen.
Paulhans Peters hat 2002 in seinem Buch >MARGA – Bergarbeiter-Kolonie in der Lausitz< u.a. auch sehr fachmännisch die
ARCHITEKTONISCHEN BESONDERHEITEN
des altehrwürdigen Schulgebäudes beschrieben:

Architektur.jpg

„Die Nordostseite des Marktplatzes nimmt die SCHULE ein, ein streng symmetrisch konzipierter, zwei~ bis dreigeschossiger Bau, ACHTUNGSHEISCHEND, zwar durch Farben etwas gemildert, ein für die damalige Zeit der ZUCHT & ORDNUNG typisches SCHULHAUS.
Mit ihrer Großgliederung und dem VERZICHT AUF SPIELERISCHE DETAILS ist die SCHULE ein sehr AUTORITÄRES GEBÄUDE,
falls man dieses Adjektiv anwenden darf.
Die beiden MEDAILLONS (1) auf den geschlossenen SEITENFLÜGELN sind nicht das, was Medaillons einmal ursprünglich waren, nämlich VERSPIELTE DEKORATION, sondern FREMDKÖRPER. Vorher hatten SPALIERE ihnen optischen Halt gegeben.
Der überhöhte MITTELRISALIT (2) mit seinen mächtigen 3-geschossigen LISENEN (3), die geschlossenen, leicht vorgezogenen FLÜGEL (4) mit angedeuteten eigenen abgewalmten DÄCHERN (5) und auch der klobige EINGANGSVORBAU (6) lassen eine MONUMENTALITÄT entstehen,
die weder der Bauaufgabe noch dem Formkanon der Siedlung entspricht.
Ursprünglich war die SCHULE für 6 KLASSENRÄUME geplant, die zur BRIESKER STRASSE erweitert werden konnten.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde sie zur POLYTECHNISCHEN OBERSCHULE. Vor der Schule hatte man wegen besser Platzsymmetrie ein um etwa einen ½ Meter erhöhtes BLUMEN-RASEN-PODEST (7) angelegt und auf ihm eine LINDENREIHE (8) gepflanzt, die verloren vor dem Gebäude steht.“

Worterklärungen:
RISALIT = ein zumeist auf ganzer Höhe aus der Fluchtlinie eines Baukörpers hervorspringender Gebäudeteil.
LISENE = flach hervortretender, pfeilerartiger Mauerstreifen zur Gliederung der [Außen]wand;

Abschließend DIE LETZTEN ZEILEN meines Reimwerks:

Behalten wir unsere Schule nun alle
im Gedächtnis als Tafel~ und Kreidehalle,
in der unsere Schüler, nicht immer sehr brav,
genommen haben so manch' Mütze Schlaf.
Ich rufe als RENTNER nun aus ganz gelassen:

„EIN GRUSS MEINEN SCHÜLERN UNZÄHLIGER KLASSEN !“

...allen voran als KLASSENLEITER MEINER ALLERERSTEN KLASSE:

KLasse b_resize.jpg


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