Neues 416 - 2020-03-22

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Matthias
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Neues 416 - 2020-03-22

Beitragvon Matthias » Sa 21. Mär 2020, 08:38

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Harald
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Re: Neues 416 - 2020-03-22

Beitragvon Harald » So 22. Mär 2020, 16:13

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Aus den überschwänglichen MELDUNGEN des >Senftenberger Anzeiger< kann man durchaus herauslesen, dass die
EINFÜHRUNG DES STADTBUSVERKEHRS
einstmals großes Aufsehen hervorrief.

Vor allem die Bewohner der sogenannten „RANDSTADTTEILE“ freuten sich sichtlich über die neue Verkehrsverbindung, mittels der sie nun schneller und bequemer, speziell an MARKTTAGEN, ins STADTZENTRUM gelangten. Bis dato wurden die Einkaufstouren überwiegend per FUSSMARSCH bzw. FAHRRAD erledigt. Eine BAHNFAHRT erübrigte sich, da sich die HALTEPUNKTE in Senftenberg 2 und Grube Marga am Ortsrand und somit fast schon „auf halbem Wege zur Stadt“ befanden.
Auffällig in den von mir recherchierten ARTIKELN des Lokalblattes ist, dass man neben dem Abdruck des offiziellen FAHRPLANS den Lesern auch noch die FAHRSTRECKE mit den einzelnen HALTEPUNKTEN förmlich eintrichterte.

Da wir wohl kaum noch einmal auf dieses THEMA zurückkommen werden, gönnen wir uns heute eine etwas ausführlichere
„INFORMATIVE BUSFAHRT“
durch den >Senftenberger Anzeiger< in der zweiten Jahreshälfte 1928:


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STATION 01 – 6. Juli 1928: (Pflasterung)
Wie wir hören, soll in nächster Zeit die TALSTRASSE gepflastert werden.
Die Bewohner der Talstraße werden die PFLASTERUNG dieser unwegsamen Straße sehr begrüßen. Die Pflasterung gewinnt ferner durch die auf den 1.08. festgesetzte INBETRIEBNAHME DER AUTOBUSLINIE >Markt – Bahnhofstraße – Calauer Str. – Talstraße< an Bedeutung,
da der AUTOBUS auch die Talstraße befährt. Die einmalige FAHRT der vorgenannten Strecke soll nur 5 Pfennige betragen.
Es ist ferner eine Fahrstrecke >Senftenberg – Grube Marga< vorgesehen. Diese Strecke soll am 1.09. in Betrieb genommen werden.
Die Linienführung der dritten Strecke steht noch nicht fest.“

STATION 02 – 13. Juli 1928: (Das Nähere über den Autobusverkehr)
„Der Gedanke, die RANDSTADTTEILE, besonders den nördl. Stadtteil der CALAUER STR., mit dem Stadtinnern durch FAHRVERKEHR zu verbinden, ist nicht neu. Um die Jahrhundertwende bereits bestand ein Projekt, durch die Bahnhofstraße und Calauer Straße bis zu den Raunoer Bergen eine ELEKTRISCHE STRASSENBAHN fahren zu lassen. Der Plan scheiterte, weil man keine geeignete Lösung fand, die BAHNÜBERGÄNGE zu überqueren, ohne die Stromzufuhr zu unterbrechen. Im ersten Jahrzehnt bestand eine PFERDEOMNIBUSVERBINDUNG, eingerichtet von dem verstorbenen Brauereibesitzer Hans H ä n i g, einem Manne, der damals durch neue Pläne und Verbesserungen viel von sich reden machte. Der Betrieb mußte wegen Verwendung eines ungeeigneten Fahrzeuges bald eingestellt werden. Erst in neuerer Zeit, im Jahre 1927 tauchte der Plan einer großzügigen AUTOBUSVERBINDUNG auf. Er kam jedoch nicht zur Ausführung, da die geforderte Gebühr für die Straßenbenutzung angeblich zu hoch war und die Rentabilität von vornherein in Frage gestellt war.
Das jüngste Projekt kommt nunmehr, wie bereits berichtet, zur Ausführung. Die VORARBEITEN dazu sind in ein entscheidendes Stadium getreten. Der VERTRAG zwischen der Stadt Senftenberg und der Firma Hans Jensen, Pirna, mit einem noch festzusetzenden FAHRPLAN innerhalb der Stadt Senftenberg einen KRAFTOMNIBUSVERKEHR einzurichten, ist abgeschlossen worden.
Die Firma Jensen ist demnach verpflichtet, für diesen Betrieb zunächst 3 PERSONENAUTOBUSSE zu je 12 Sitzplätzen und 8 Stehplätzen und nach Bedarf weitere solcher Wagen zur Verfügung zu stellen.
Wie wir bereits berichteten, wird der Betrieb mit einem Wagen am 1. August, mit 2 Wagen am 1. September und mit 3 Wagen am 1. Oktober aufgenommen.
Der PLAN für den 1. Wagen steht fest. Der erste AUTOBUS verkehrt in ½ stündigem Abstande folgendermaßen:
>Markt – Bahnhofstraße – Calauer Straße – Ackerstraße – Thalstraße und zurück<. Hinsichtlich der FAHRPREISE nach der Thalstraße sind
3 ZONEN festgelegt worden. Zone 1 geht vom Markt bis zum Bahnhof, Zone 2 vom Bahnhof bis zur Ackerstraße, Zone 3 von der Acker~ bis zur Thalstraße. Innerhalb der Zonen werden Zwischenstationen eingerichtet.
Für eine einzelne Zone sind 10 Pfg., für 2 Zonen 15 Pfg. und für 3 Zonen 20 Pfg. GEBÜHREN zu entrichten.
Es ist ferner vorgesehen, Wochen~, Monats~ und Dutzendkarten mit entsprechender Vergünstigung einzuführen…“

STATION 03 – 8. August 1928: (Autobuslinie)
„Die seit Jahren gewünschte AUTOOMNIBUS-VERKEHRSLINIE scheint nunmehr Wirklichkeit zu werden. In der letzten Gemeindevertretersitzung gab Gemeindevorsteher Wollny bekannt, daß der Vertreter der Firma Jensen-Pirna, die auch den Senftenberger Verkehr vermittelt, die Genehmigung zur ERÖFFNUNG DER LINIE eingeholt hat. Die Gemeindevertretung gab dazu ihre Zustimmung. Voraussichtlich in 14 Tagen wird die LINIE >Gemeindeamt – Marktplatz (Marga) – Marktplatz (Senftenberg) – Bahnhof< dem Verkehr übergeben.
Der OMNIBUS fährt zunächst stündlich. Die FAHRT kostet voraussichtlich bis Senftenberg 20 Pfg., bis zum Bahnhof 30 Pfg.“

Plan 3_resize.jpg

STATION 04 – 16. August 1928: (Eröffnung der Stadtomnibuslinie Stadt – Grube Marga – Stadt – Senftenberg 2)
„Mit dem heutigen Tage sind die beiden STRECKEN >Markt – Senftenberg 2< und >Bahnhof – Grube Marga< in Betrieb genommen worden.
Es sind ebenso wie auf der ersten Linie, mehrere ZONEN vorgesehen.
Die Fahrt nach Senftenberg 2 beginnt am Markt. Die erste Haltestelle ist am ‚Damhirsch‘.
Weitere Haltestellen bestehen am Kreuzchen, Grube Elisabethsglück, Bahnhof Senftenberg 2, Gasthof zur Eiche mit der Endstation am Gasthof zum Paradies.
Die Fahrt nach Grube Marga beginnt am Bahnhofsvorplatz und endet am Amtshaus Brieske. Haltestellen sind: Markt, Damhirsch, Schützenhaus,
Schulzesche Häuser und am Markt in Grube Marga.
Am heutigen Vormittag fand nochmals eine INFORMATIONSFAHRT statt, wobei die einzelnen ZONEN und deren FAHRPREISE festgesetzt wurden.
Es ist vorläufig ein EINSTÜNDIGER VERKEHR vorgesehen, d.h. alle Punkte werden in 1-stündigen Zwischenräumen berührt.“

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STATION 05 – 17. August 1928: (Stadtautobus Grube Marga und Senftenberg 2)
„Aus betriebstechnischen Gründen müssen die ZEITEN zwischen den einzelnen FAHRTEN um je 10 Minuten verlängert werden,
so daß ab heute nicht mehr 60 Minuten, sondern alle 70 Minuten die in der gestrigen Zeitungsnummer bekanntgegebenen Haltepunkte berührt werden.
Die erste Fahrt von Senftenberg nach Grube Marga beginnt 6,15 Uhr am Bahnhofsvorplatz und die erste Fahrt von Grube Marga ab Amtshaus Brieske um 6,30 Uhr.
Die letzte Fahrt nach Grube Marga beginnt um 21,25 Uhr vom Bahnhofsvorplatz und von Grube Marga nach Senftenberg 21,40 Uhr ab Amtshaus Brieske und endet
um 21,52 Uhr am Bahnhofsvorplatz.
Nach Senftenberg 2 beginnt die erste Fahrt um 6,45 Uhr vom Bahnhofsvorplatz und zurück ab Gasthof Paradies um 7,02 Uhr.
Die letzte Fahrt nach Senftenberg beginnt um 21,05 Uhr vom Gasthof Paradies und endet um 21,22 Uhr am Bahnhof in Senftenberg.
Die KOSTEN für eine gesamte Strecke von der Anfangs~ bis Endstation betragen 30 Pfennige, vom Markt bis zur Endstation 20 Pfennige.
Die Ankunfts~ & Abfahrtszeiten von den Haltestellen werden in den nächsten Tagen im Anzeigenteil unserer Zeitung bekanntgegeben.“

Dass die BUSFAHRER auf ihren beschaulichen Fahrten über holpriges Kopfsteinpflaster auch mit unangenehmen ZWISCHENFÄLLEN rechnen mussten,
zeigt der gottlob sehr schnell aufgeklärte >DUMMEJUNGENSTREICH<:

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STATION 06 – 16. Oktober 1928: (Autofallen)
„Ruchlose Bubenhände legten in der Briesker Straße MIT SCHARFEN NÄGELN BESPICKTE BRETTCHEN aus.
Dadurch erlitt der STADTOMNIBUS kürzlich 6 REIFENPANNEN. Diese gemeine Tat stellt eine schwere Gefährdung des Verkehrs dar und verdient, mit aller Schärfe gerügt zu werden. Der Inhaber des STADTOMNIBUS-VERKEHRS setzt auf die Ergreifung des oder der Täter eine Belohnung von 50.-RM aus.“

STATION 07 – 17. Oktober 1928:
(Die Autofallen in der Briesker Straße beseitigt – die Täter gefaßt.)
„Wir berichteten gestern, daß ruchlose Bubenhände in der Briesker Straße mit NÄGELN BESPICKTE BRETTSTÜCKCHEN ausgelegt haben und daß dadurch in mehreren Fällen REIFENPANNEN eingetreten waren.
Die vom Amtsvorsteher in Grube Marga eingeleiteten Ermittlungen waren von Erfolg begleitet. Es gelang, den 15-jährigen Schüler Herbert Friedel und den 12-jährigen Schüler Werner Müller, beide aus Marga, als TÄTER zu überführen. Wir forderten scharfe RÜGE, mit Recht, auch wenn es sich, wie in diesem Falle, um die UNVERANTWORTLICHE TAT zweier SCHÜLER handelt, zumal der Vater des M. selbst Kraftwagenführer ist. Mitschuldig sind letzten Endes die ELTERN, die ihre Kinder auf den Straßen umher tollen lassen, und es versäumen, entsprechende Ermahnungen und Belehrungen vorzunehmen,
obwohl natürlich Kinder in diesem Alter schon so viel Verstand haben müßten, daß sie sich selbst sagen, daß ihr Tun STRAFBAR ist.“

Busse 1960-70.jpg

Natürlich komme ich nicht umhin, auch MEINE PERSÖNLICHE ERFAHRUNGEN mit dem SENFTENBERGER STADTBUS einfließen zu lassen:
In den 1950er Jahren fuhr ich mit meinen Großeltern ab & an zum „Großeinkauf“ bzw. zu Arztbesuchen >MIT DEM FLEISCHERBUS IN DIE STADT<. Angeblich trug nicht etwa der Busfahrer, sondern der Fuhrunternehmer diesen Familiennamen. Für uns war es eben nur der >Fleischerbus<, von dem bei mir eigenartigerweise sogar der Firmenname des Automobilherstellers im Gedächtnis hängen blieb: >BÜSSING NAG<, ein kleines Unternehmen, das sich auf die Herstellung einer Vielzahl von Autos, und ab 1930 auch auf kastenförmige OMNIBUSSE spezialisiert hatte, die, wie man sehen kann, auch den Krieg überlebt hatten. Ich erinnere mich noch gern an Fahrten in den kalten Wintermonaten, weil der kinderfreundliche Busfahrer uns dann augenzwinkernd auf dem im Innenraum befindlichen, mit einer Ledermatte abgedeckten Motorblock Platz nehmen ließ, damit wir uns den Hintern aufwärmen konnten…
Anfang der 1960er Jahre erschien dann der wegen seiner Form umgangssprachlich als >RAKETE< bezeichnete, in Ungarn für den Stadtverkehr produzierte Autobus IKARUS 66 mit Heckantrieb an den Haltestellen. Er war vor allem im Ostblock weit verbreitet, besaß einen 6-Zylinder-Dieselmotor (125 PS) und 28 Sitzplätze. Im hinteren Teil des Fahrgastraumes unterband allerdings oft ein ohrenbetäubender Motorenlärm jegliche Kommunikation. Dafür war es jedoch sehr geräumig und gut klimatisiert…
Apropos WINTER:
RIESENFREUDE herrschte unter uns FAHRSCHÜLERN immer dann, wenn der STADTBUS wegen Schnee & Eis auf der Straße nach Senftenberg-West mit großer Verspätung bzw. überhaupt nicht mehr „durchkam“…

Abschließend für die „ALTEN“ zum Erinnern, für die „JUNGEN“ zum Staunen darüber, wie viele HALTEPUNKTE einst zwischen Reppist und Brieske-Dorf angefahren wurden – der Senftenberger STADTBUS-FAHRPLAN, abgedruckt in der >Lausitzer Rundschau< vom 30. Oktober 1963…


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Klaus
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Re: Neues 416 - 2020-03-22

Beitragvon Klaus » Fr 27. Mär 2020, 10:00

Mal eine aktuelle Frage bzw. ein Forschungsauftrag. Harald steht doch der Senftenberger Anzeiger zur Verfügung. Wie machte sich darin 1918/1920 die Spanische Grippe bemerkbar? Wurde darüber berichtet, gab es signifikant mehr Todesanzeigen von Zivilisten?
Danke
Klaus


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