Neues 419 - 2020-04-12

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Matthias
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Neues 419 - 2020-04-12

Beitragvon Matthias » Sa 11. Apr 2020, 08:26

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Harald
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Re: Neues 419 - 2020-04-12

Beitragvon Harald » Sa 11. Apr 2020, 14:46

Nachdem ich mich nach eifriger Recherche schon am 2. September 2018 unter „Neues 340“ mit einem längeren KOMMENTAR zum SCHACHSPIEL gemeldet hatte, blieb mir nur noch eine kleine ANZEIGE vom September 1925, mit dessen Hilfe ich den Gründungsfeierlichkeiten des Senftenberger >SCHACHVEREIN 1919< auf die Spur kommen wollte, der laut >Kippensand 2019< am 26. August 1919 aus der Taufe gehoben wurde.

Vergnuegen sept._resize.jpg

Am 3. Mai 1919 erschien im >Senftenberger Anzeiger< ein AUFRUF zur Mitgliederwerbung:

„Seit Jahrzehnten befindet sich das SCHACHLEBEN in einer stark aufwärts steigenden Bewegung, die in neuester Zeit bedeutend an Intensität zugenommen hat. Der KRIEG hat zwar das VEREINSSPIEL stark beeinträchtigt, das SCHACHSPIEL selbst ist aber im FELDE, wo es unendlich zahlreiche ANHÄNGER fand, sehr gepflegt worden; es hat dem SCHACHFREUND IM SCHÜTZENGRABEN Unterhaltung und Zerstreuung geboten und ihn oftmals die Sorgen und Leiden eines Krieges vergessen lassen.
DAS SCHACHSPIEL IST INTERNATIONAL.
Der Siegeszug, den es durch alle Länder der Welt genommen hat, ist unvergleichlich. Die SCHACHVEREINIGUNG von Senftenberg & Umgegend hat seit einiger Zeit die regelmäßigen SPIELABENDE wieder aufgenommen. ANMELDUNGEN sind schriftlich an den Vorsitzenden der Schachvereinigung, Restaurant zum Waldhof, zu richten.“

…und danach war Funkstille – keine Vollzugsmeldung, weder 1919 noch 1920…
Bleibt mir heute also nur noch eine etwas andersartige

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BETRACHTUNG DES SCHACHSPIELS

Jeder „Zaungast“ – also stiller Beobachter einer Schachsportveranstaltung – stellt sich sicher irgendwann die Frage:
„Was sind das für Leute, die sich so etwas antun?“
Sie hocken stundenlang schweigend, gewöhnlich mit ausdruckslosem Pokerface an einem Tisch und starren auf ein kariertes Brett, verschieben dann und wann, entweder ganz spontan oder nach reiflicher Bedenkzeit ein Klötzchen, entnehmen verschmitzt lächelnd hin & wieder eins davon und drücken danach eilig auf eine Doppel-Uhr. Wenn sie sich, was gelegentlich vorkommt, mal von ihrem Platz erheben, wandern sie allerdings nur wenige Meter weiter, um das Geschehen an den Brettern ihrer Leidensgenossen mit einer verstohlenen Grimasse hinter vorgehaltener Hand zu kommentieren. Erst nach oft stundenlangem Hick-Hack der Kontrahenten gibt es begeistertes Händeschütteln, genüssliches Schultertätscheln, anerkennendes Kopfnicken oder nur ein stilles „High Five“ bzw. auf der Gegenseite ein Kopfschütteln über den auf der Zielgerade noch verpatzten Sieg, geheucheltes Bedauern oder nur betretenes Schweigen…

So ist es nun mal im LEBEN: Manchmal hat man kein GLÜCK, und dann kommt auch noch PECH dazu!“
Schon 1855 in der >Wiener Schachzeitung< konnte man lesen, dass das SCHACHSPIEL ganz offensichtlich ein BILD DES LEBENS darstellt:

Es stellt ein BILD DES LEBENS das SCHACHSPIEL deutlich dar,
man suchet wohl vergebens ein besseres fürwahr.
Des Menschen Schritte leitet des SCHICKSALS strenge Hand,
gezwungen nur durchschreitet der STEIN sein kleines Land.
Es wirkt in jeder Richtung des KÖNIGS Majestät,
doch hat er die Verpflichtung, dass nicht zu weit er geht.
Die DAME schlägt sie alle, geschmückt mit Reiz und Macht,
doch wird sie oft zu Falle durch einen Knecht gebracht.
Die TÜRME wandeln mächtig gleich großen Geistern hin,
man sieht sie stets bedächtig nach ihrem Ziele zieh’n.
Wie Stutzer hüpfen munter die SPRINGER hin und her,
doch wird wohl oft mitunter gar manches ihnen schwer.
Gleich treuen Partisanen zeigt sich das LÄUFER-Paar,
die Farbe seiner Ahnen trägt jeder immerdar.
Es schirmet Reich und König der BAUERN nied’re Schar,
man schätzt sie stets zu wenig, verachtet sie wohl gar.
Doch holt sich eine KRONE gar mancher kühne Mann,
er findet sie zum Lohne am Ziele seiner Bahn.
Und ist das SPIEL zu Ende, so tritt ein jeder ab,
es legen fremde Hände die Müden in ihr Grab.


Logo Schach_resize.jpg

Dass das SCHACHSPIEL eigentlich einer taktisch geplanten SCHLACHT zweier kriegführenden Parteien gleicht, findet man im TRAKTAT eines Theologen von 1827 mit dem Titel:
>Fünf und neunzig Sätze GEGEN DAS SCHACHSPIEL, gewidmet
der zum Schachspiel verführten Menschheit, vornehmlich allen Schach-Clubben Deutschlands<
.
Hieraus in Kürze einige „durchaus einleuchtende Argumente“:

„Das SCHACHSPIEL ist ein BILD DES KRIEGES. In dem SCHACHBRETTE erkennst du ein SCHLACHTFELD und in den SCHACHFIGUREN zwei feindliche HEERE, die sich bekämpfen. Zwar fließt kein Blut und keine Wunde wird geschlagen.
Aber doch wird das zarte, empfindsame, weichgeschaffene Herz des Zeitgeistes verwundet, wenn es das BILD DES KRIEGES, des Schrecklichsten auf Erden, erblickt.
Nicht ZUFALL, nicht GLÜCK entscheidet den SIEG auf dem Schachbrette. Hier herrscht kein Glück. Nur DER KALTE VERSTAND siegt im SCHACH. Furchtbare GRABESSTILLE waltet unter Schachspielern. Schauderhaft wie in jeder Stille plötzlich ein heimliches, verscheuchendes „SCH“ und darauf ein dumpfes, klagendes „ACH!“ ertönt, so schauderhaft wird auch diese Stille durch ein plötzlich ertönendes „SCHACH!“ unterbrochen.
Unmenschliche HELDEN bildet das SCHACH, die mit Vergnügen die Hälfte ihres Heeres aufopfern, und Herzenslust finden, wenn sie nur am Ende den Sieg davon tragen…Die traurigsten Wahrheiten werden uns vorgeführt:
DER ARME BAUER, obgleich von ihm das Meiste abhängt, wird er am wenigsten geachtet und geschont; er muß, einem gewissen Tode entgegengehend, die SCHLACHT eröffnen; soll eine BURG erstürmt werden, muß er zuerst angreifen, er muß immer voraus und hinter ihm verstecken sich die HERREN, um durch ihn sicher zu seyn.
Stehen die KÖNIGE allein auf dem SCHLACHTFELDE, so sind sie die Ruhigsten und Friedlichsten; Keiner kommt dem andern zu nah; Keiner zeigt den geringsten MUTH. Haben sie aber nur noch einen BAUER, den sie vor sich hertreiben können; ei, wie feindlich stehen sie dann auf einmal gegenüber; und hat einer von den KÖNIGEN nur einen BAUER mehr als der andere; da ist an FRIEDEN nicht zu denken,
da ist DER GRIMMIGSTE KAMPF…“


schaturanga_resize.jpg

Der KRITIKER hat sicher nicht ganz unrecht, denn schon in einer altindischen Schach-Variante, dem CHATURANGA, spielen 4 ARMEEN gegeneinander, jede bestehend aus je 1 König, Elefant [Turm], Pferd und Schiff [Läufer], sowie 4 Soldaten, wobei sie sich aber auch verbünden können.
ZIEL des Spiels ist entweder, den gegnerischen König zu schlagen oder diesen seiner Armee zu berauben.

Späterhin bediente sich auch die KRIEGSPROPAGANDA des SCHACHSPIELS, wie einige KARIKATUREN zeigen:

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1914: Die Marschälle Hindenburg (Deutschland) & von Hötzendorff (Österreich-Ungarn) haben in der Frühjahrsoffensive ihre Gegner der Entente (v.li. Serbien, England, Russland, Frankreich) beim SCHACHSPIEL gnadenlos platt gemacht und bieten ein zweifaches kämpferisches „Schach!“

1918: Kaiser Wilhelm II. und der frz. Staatspräsident Poincaré beim >Schachspiel um Europa<. Offensichtlich ist, wer von beiden gesagt hat:
„Huh, gleich knabbere ich dich an!“

Zum Schluss noch ein illustriertes KURZGEDICHTKEIN SCHACHMATT – sondern ein glückliches >ENDE GUT – ALLES GUT< !

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Harald
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Re: Neues 419 - 2020-04-12

Beitragvon Harald » Sa 11. Apr 2020, 16:28

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