Neues 466 - 2021-04-25

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Matthias
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Neues 466 - 2021-04-25

Beitragvon Matthias » Sa 24. Apr 2021, 07:53

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Harald
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Re: Neues 466 - 2021-04-25

Beitragvon Harald » So 25. Apr 2021, 16:03

Kruegers Muehle_resize.jpg

So oder ähnlich machte uns in den 1950-ern unser Klassenlehrer Herr Ziegler, Lehrer für Deutsch, Erdkunde & Musik an der Zentralschule HÖRLITZ, diesen heimatkundlichen WANDERTAG schmackhaft, der uns, ganz zünftig „auf Schusters Rappen“ und aus voller Kehle >Das Wandern ist des Müllers Lust< schmetternd, die Schipkauer Straße entlang zur an der Pößnitz gelegenen, 1780 entstandenen und zu Schipkau gehörenden >KRÜGERS MÜHLE< führte. Deren Name leitete sich vom Schankrecht ab, welches der einstige Grundstücksbesitzer KRÜGER innehatte. Wir wurden allerdings vom allerletzten Besitzer dieser WASSERMÜHLE, Traugott Noack, empfangen und mittels der Geschichte von einem Kind, welches zu Tode kam, als es am Wasser spielte und unter das Mühlrad geriet, eindringlich belehrt.
Nach abgeschlossener BESICHTIGUNG bedankten wir uns selbstredend mit einem sehr speziellen KINDERLIED,
bei dem wir das KLAPPERN DER MÜHLRÄDER mit Fußstampfen & Händeklatschen nachahmten.


Es ist eines von vielen MÜHLEN~ & MÜLLER-LIEDERN aus dem 19. Jahrhundert, dessen TEXT 1824 vom deutschen Schulmeister Ernst Anschütz verfasst, in einem SCHULGESANGSBUCH veröffentlicht, für den Musikunterricht der 1./2. Klasse in Preußens Volksschulen empfohlen, doch zumeist schon im KINDERGARTEN gesungen wurde.
ABER WARUM KLAPPERT DENN DIE MÜHLE IMMERZU ?

Offensichtlich wurde die Herstellung von WEISSMEHL besungen, da hierbei das oftmals wiederholte „Klipp-klapp“ der Mühle vom RÜTTELSCHUH und vom BEUTELZEUG herrührte, die durch den auf dem Mühleisen befindlichen Dreischlag oder Dreiknack in Bewegung versetzt wurden.
Die SCHLÄGE machten einen ziemlichen RADAU, der sogar den „rauschenden Bach" übertönte.

Muehle_resize.jpg

Auf dem linken BILD werfen wir einen Blick in eine typische MÜHLE, wie sie jahrhundertelang in Mitteleuropa in Gebrauch war.
Sie stammt aus dem berühmten Werk >Theatrum machinarum novum< von Georg Andreas Böckler aus dem Jahr 1661:
Der MÜLLER blickt auf den Zulauf des BEUTELKASTENS. Das MAHLGUT gelangt von den MAHLSTEINEN in einen gewebten BEUTEL, ein schlauchartiges Gebilde. Er wird durch einen STAB gerüttelt, der wiederum vom Antrieb des Mahlsteins in Bewegung gehalten wird.
Beim RÜTTELN fällt das MEHL durch das Gewebe, während die KLEIE oben liegenbleibt und langsam nach vorne rutscht.


Das rechte BILD zeigt einen STEINMAHLGANG und dessen typische Anordnung aus späterer Zeit:
(1) GETREIDETRICHTER (2) MAHLSTEINE (3) BEUTELKASTEN, aus dem die Kleie in den Bottich fiel.

Klapp_resize.jpg

WASSERRÄDER sind überaus faszinierend. Da es meinem Heimatort allerdings an plätschernden Bach~ oder gar reißenden Flussläufen mangelte,
nutzten wir gelegentliche REGENGÜSSE oder durch ROHRBRÜCHE überquellende Gullys, um in Windeseile kleine „WASSERMÜHLEN“
zu bauen, die sich munter drehten und denen wir mit großer Ausdauer zusehen konnten…
Als KINDER bastelten wir sehr viel und vor allem dann besonders gern, wenn wir anschließend mit der BASTELEI auch spielen konnten. Wir bauten uns praktisch unser SPIELZEUG selbst – zwar nicht auf den Zentimeter genau, aber mit einfachsten HILFSMITTELN. Wir waren immer „positiv neugierig“,
weil wir sehen wollten, „was am Ende rauskommt“, begnügten uns mit diversen Haselnuss~ & Holunderzweigen & Astgabeln, die wir mit einem einfachen TASCHENMESSER, wie oben zu sehen, bearbeiteten und waren überglücklich, wenn etwas tatsächlich funktionierte.
Das gelang uns fast immer – auch ohne >MMM< [Messe der Meister von morgen]…

Max Moritz_resize.jpg

(1) Meine LITERARISCHEN MÜHLEN – ERFAHRUNGEN sammelte ich bereits in der Kindheit bei der LEKTÜRE
der >7 Streiche der bösen Buben MAX & MORITZ< , die ihre Umwelt mit Hühner-Vergiftung, Brandanschlägen und Tierquälerei in Angst und Schrecken versetzen, bis sie beide letztendlich IN EINER MÜHLE einen überaus qualvollen Tod sterben. (So grausam war nicht einmal der >STRUWWELPETER<.)
Genau genommen waren TÄTER & OPFER gleichermaßen BÖSE, wenn letztere nach dem Tod der ÜBELTÄTER feststellen:
„Das kommt von dumme Witze !“
Ich liebe in der BILDGESCHICHTE von Wilhelm Busch vor allem die sprachlichen LAUTMALEREIEN, wie „Schnupdiwup“ und „Ritzeratze“, oder eben beim letzten Streich, in dem MAX & MORITZ mit „Rickeracke, rickeracke, geht die Mühle mit Geknacke !“ vom Müller zermahlen werden…

(2) Als HEIMATFORSCHER zog mich vor allem die sagenumwobene >SCHWARZE MÜHLE< des guten sorbischen Zauberers KRABAT samt seinem SCHWARZEN MÜLLER in den Bann.
Der TURM mit seinem meterdicken Gemäuer, der die MÜHLENTECHNIK, welche durch WASSERKRAFT in Gang gesetzt wird, beinhaltet, ist ebenso beeindruckend, wie das im Durchmesser 5 Meter breite WASSERRAD aus Lärchenholz mit 48 Schaufeln.
Daneben sind auf dem KRABAT-ERLEBNISHOF Schwarzkollm noch weitere denkmalgeschützte historische Gebäude sehenswert.

(3) MUSIKALISCH gesehen, weiß ich bis heute nicht, wie die SchülerInnen meiner Klasse gerade in der Pubertät auf diese HEIMATSCHNULZE gekommen sind: >ES STEHT EINE MÜHLE IM SCHWARZWÄLDER TAL<

Das 1953 in der BRD produzierte gleichnamige „ländliche Nachkriegsdrama ohne Landschaftsshow-Effekte sonstiger Heimatfilme“ konnte es nicht gewesen sein,
da der FILM (a) erst ab 16 J. zugelassen war und (b) in der DDR verboten war, obwohl die Handlung mitnichten…:
„Ein von zwei charakterlich sehr unterschiedlichen Brüdern geliebtes Flüchtlingsmädchen entscheidet sich auf Zuraten der künftigen Schwiegermutter für den trunksüchtigen, der Spielleidenschaft verfallenen, um ihn retten zu können; doch kommt der junge Mann durch einen Unfall im MÜHLENBETRIEB ums Leben.“
Ich nehme stark an, dass bei diesem volkläufigen EVERGREEN wohl eher der romantisch verklärte Blick auf eine für uns unerreichbare „süddeutsche“ Idylle, vor allem aber die leicht einprägsame & gemütvolle, ja geradezu sentimentale Melodie für eine Schar pubertierender Lagerfeuer-Schwärmer den Ausschlag gab.
ÜBRIGENS konnten beim letzten 60-jährigen KLASSENTREFFEN alle anwesenden ehemaligen SCHÜLER das LIED noch fehlerlos interpretieren !!! :!:


Das WASSERRAD hat keine Ruh,
des Wasser's Kraft treibt immerzu,
es bringt die Mühle erst zum geh'n,
fällt es mal aus, bleibt alles steh'n.

dietmar
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Re: Neues 466 - 2021-04-25

Beitragvon dietmar » Di 15. Feb 2022, 21:10

Mit diesem Kommentar soll nur präzisiert werden, daß es sich bei der Amtsmühle zumindestens im 18.bis 20. Jahrhundert um ein Objekt mit drei Mühlengebäuden handelte. Glaubhaft waren es wohl eine Getreidemühle, eine Schneidemühle und eine Lohmühle. Diese MühlenTrinität ist bis jetzt auf keiner der zahlreichen veröffentlichten Fotos deutlich zu erkennen.
Im "Landbuch Brandenburg" von BERGHAUS von 1856 steht
Bild01.png

Bild02.png

und in der Senftenberger Chronik von PAULITZ mit vielleicht in den drei Gebäuden geänderten Mühlenarten
Bild03.png

Bestätigt werden diese Mitteilungen durch einen Senftenberger Lageplan von1751, hier ein bearbeiteter Ausschnitt
Mh1751.jpg

und einen Flurplan von 1910, wieder hier ein bearbeiteter Ausschnitt
Mh1910.jpg

dietmar
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Re: Neues 466 - 2021-04-25

Beitragvon dietmar » Mi 16. Feb 2022, 21:08

Noch ein kleiner Nachtrag.
Als Senftenberg noch zu Sachsen gehörte, gab KREYSIG 1761 folgendes bekannt:
Kr1.png

Kr2.png


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