Neues 509 - 2022-03-20

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Matthias
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Neues 509 - 2022-03-20

Beitragvon Matthias » Sa 19. Mär 2022, 14:11

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Harald
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Re: Neues 509 - 2022-03-20

Beitragvon Harald » Fr 25. Mär 2022, 19:57

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Am 26. August 1936 ordnete Adolf Hitler an, dass BETRIEBEN, in denen der Gedanke der nationalsozialistischen BETRIEBSGEMEINSCHAFT auf das vollkommenste verwirklicht ist, die Auszeichnung >NS-MUSTERBETRIEB< verliehen werden kann. Am 30. April 1937 wurden die ersten 30, und im Jahre 1938 weitere 73 Betriebe für ihre vorbildliche Arbeit & Betriebsordnung, ihre Kameradschaft, sowie soziale & wirtschaftliche Leistung zu >NS-Musterbetrieben< ernannt.
Von ihnen ging die ENTWICKLUNG aus, die zu dem vom Führer verkündeten ZIELE führen sollte:
„DIE GESAMTE DEUTSCHE WIRTSCHAFT EIN NATIONALSOZIALISTISCHER MUSTERBETRIEB!“
Die >Deutsche Arbeitsfront< (DAF) vergab seit dem 1. Mai 1937 zusätzlich spezielle >LEISTUNGSABZEICHEN< für vorbildliche Gesundheitsfürsorge & Berufserziehung, Wohnungsbau, soziale Werksfürsorge und die Förderung von „Kraft durch Freude“ sowie das >GAUDIPLOM< für hervorragende Leistungen. Bei den KRITERIEN für diese Abzeichen traten allerdings die POLITISCHEN ZIELSETZUNGEN der DAF deutlicher hervor. Beurteilt wurden u.a. der Ausbildungsablauf, die Ausbilder und deren Zusammenarbeit mit der DAF und der >Hitlerjugend< (HJ), die weltanschauliche Schulung, die ganzheitliche Betreuung durch Erfassung der Jugendlichen in der Freizeit und bei Gestaltung des Urlaubs, die Ausbildungsstätte und die Maschinen sowie die erfolgreiche Teilnahme am REICHSBERUFSWETTBEWERB.
Im Juni 1938 kam noch das >LEISTUNGSABZEICHEN für vorbildliche KLEINBETRIEBE< hinzu, denen somit eine AUSZEICHNUNG nicht von vornherein unerreichbar erscheinen sollte. Damit wollte man natürlich neben dem „Wunsch nach Auszeichnungen“ vor allem die LEISTUNGSSTEIGERUNG fördern,
zumal die Zahl der >NS-MUSTERBETRIEBE< nicht allzu vergrößert werden sollte, um den WERT des Titels nicht zu schmälern.
Die Zahl der sich beim LEISTUNGSKAMPF bewerbenden BETRIEBE stieg von 80559 (1937/38) über 290322 (1940/41) auf 323000 (1942/43),
die Zahl der MUSTERBETRIEBE von 113 (1938) über 419 (1941) auf 506 (1944). Im Mai 1942 wurden zunehmend auch noch >KRIEGS-MUSTERBETRIEBE< ausgezeichnet – aufgeschlüsselt nach Wirtschaftszweigen, wobei selbstredend mit 25% der Bereich „Eisen & Metall“ dominierte.
MOTIVIERT wurden sie alle gleichermaßen mit einem Zitat aus dem gleichnamigen GEDICHT von Theodor Fontane:

Du wirst es nie zu Tücht'gem bringen
Bei deines Grames Träumereien,
die Tränen lassen nichts gelingen:
Wer schaffen will, muss fröhlich sein.


Freude_resize.jpg

Die >NS-MUSTERBETRIEBE< wurden nach FACHGEBIETEN geordnet (Nahrung & Genuss, Textil, Bekleidung & Leder, Bau, Wald & Holz, Eisen & Metall, Chemie, Druck & Papier, Energie, Verkehr, Verwaltung, Bergbau, Banken & Versicherungen, Freie Berufe, Steine & Erden, Handel, Handwerk, Fremdenverkehr & Luftfahrt.
Sie erhielten, wie oben in der Collage zu sehen, eine EHRENTAFEL, die den Haupteingang des Betriebes zierte, und führten für die Dauer eines Jahres bei festlichen Anlässen die FLAGGE der Deutschen Arbeitsfront mit GOLDENEM RAD & GOLDENEN FRANSEN.
Die VERLEIHUNG konnte wiederholt erfolgen und wurde zurückgenommen, sofern die Voraussetzungen dafür nicht mehr gegeben waren.
Die als >KRIEGSMUSTERBETRIEBE< ausgezeichneten Werke erhielten das Recht, das an der FAHNE in der oberen rechten Ecke eingestickte KRIEGSVERDIENSTKREUZ als Symbol zu führen.

SA_resize.jpg

Ein NS-MUSTERBETRIEB ohne einen „musterhaften“ NS-BETRIEBSFÜHRER war schlechterdings nicht vorstellbar, weshalb die ANFORDERUNGEN der DAF an denselben zunächst auch ganz einfach & menschlich formuliert wurden:
„Stärke den LEBENSWILLEN der Schaffenden, wecke ihr INTERESSE am Betriebsgeschehen,
entwickle ihre beruflichen FÄHIGKEITEN, fördere ihre GESUNDHEIT !“

Interessanterweise brachten sich hier nun die Braunhemden der SA (Sturmabteilung der Nazis), die nach dem 1934 erfolgten RÖHM-PUTSCH nahezu bedeutungslos waren, im Jahre 1938 beim FÜHRER in Erinnerung mit der Veröffentlichung der spitzfindigen…

ZEHN GEBOTE FÜR DEN BETRIEBSFÜHRER

1. Verkünde stets und überall, du habest eine GESCHLOSSENE MANNSCHAFT hinter dir stehen, die sich dir persönlich in unverbrüchlicher, gegenseitiger TREUE auf Gedeih & Verderb verschworen habe. Dulde KEINE EIGENE MEINUNG und weise jeden WIDERSPRUCH zurück
– mögen sie dich hassen, wenn sie dich nur fürchten !

2. Sorge unablässig dafür, dass in deinem Betrieb alles unterbleibt, was zu einem wirklichen VERTRAUENSVERHÄLTNIS
zwischen BETRIEBSFÜHRER & GEFOLGSCHAFT führen könnte.

3. Willst du der „Herr im Hause“ bleiben, so übe die Kunst „ZU TEILEN, UM ZU HERRSCHEN“. Lasse keine Gelegenheit verstreichen,
um deine lieben UNTERGEBENEN gegeneinander auszuspielen & aufzuhetzen. REGIERE mit einigen untergeordneten Kreaturen, die bereit sind, dir alles zuzutragen.
Je mehr deine Leute untereinander verfeindet sind, desto besser für deine Sicherheit.

4. Lasse deine Untergebenen immer im UNKLAREN darüber, wie du ihre ARBEITSLEISTUNGEN bewertest. Vermeide jedes LOB und tadle bisweilen auch dann, wenn keine Veranlassung vorliegt. Erweise lediglich deinen ZUTRÄGERN gelegentlich kleine AUFMERKSAMKEITEN, um die ARBEITSFREUDIGKEIT der gesamten Belegschaft zu erhöhen.

5. Werde unnachsichtig zum PEDANTEN betr. Einhaltung der DIENSTVORSCHRIFTEN. Errichte einen regelmäßigen SPITZELDIENST,
der dir allmorgendlich meldet, wer zu spät gekommen ist und gehe scharf gegen ÜBLE ANGEWOHNHEITEN wie Kaffeekochen, Plaudereien im Dienst usw. vor.

6. Vermeide es, einen dienstlichen FEHLER sofort nach Bekanntwerden zu rügen. Sammle stattdessen fleißig alles, was dir bekannt wird und halte ihnen ihr SÜNDENREGISTER in seiner Gesamtheit dann vor, wenn sie am wenigsten darauf gefasst sind.

7. Vermeide AUSSPRACHEN unter vier Augen. TADLE grundsätzlich nur im Beisein vieler, rangniedriger Angestellter, um deinen lieben Mitarbeitern ein wenig deren HOCHMUT abzugewöhnen.

8. Merkst du, dass einer deiner UNTERGEBENEN beginnt, dir leistungsmäßig über den Kopf zu wachsen, so setze ihn in jeder Weise herab und betone deine UNZUFRIEDENHEIT. Bleibt sein EHRGEIZ der gleiche, zögere nicht länger mit der ENTLASSUNG.

9. KÜNDIGE möglichst unangekündigt kurzfristig und, wenn du es einrichten kannst, unmittelbar zum HEILIGABEND.

10. Zeige dich von Zeit zu Zeit sehr SOZIAL, indem du einen gemeinsamen BETRIEBSAUSFLUG anordnest. Ermahne zuvor alle Gefolgsleute,
sich anständig zu benehmen. Behalte jeden einzelnen fortgesetzt im Auge und lasse dir hinterbringen, wie & was man über dich gesprochen hat.
Wenn DU müde wirst, so befiehl ohne Rücksicht auf die allgemeine Stimmung im barschen Ton den gemeinsamen, sofortigen AUFBRUCH.

schlusswort_resize.jpg

Beim Lesen des SCHLUSSWORTES kam dann aber das erlösende AUFATMEN
– denn selbstredend wurde natürlich das GEGENTEILIGE VERHALTEN von allen NS-BETRIEBSFÜHRERN erwartet.

Ich vermute allerdings im Nachhinein, dass zu DDR-Zeiten einige von uns in der eigenen BERUFLICHEN VITA ähnlich NEGATIVE & wohl weitestgehend unausrottbare VERHALTENSWEISEN der BETRIEBS~ & PARTEILEITUNG erleben durften.
Doch was soll’s: mittlerweile ist das gottlob, zumindest für meine Generation, schon „SCHNEE VON GESTERN“… 8-)


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