ZEITEN VERGEHEN – ERINNERUNGEN BLEIBEN. Psychologen verweisen gern darauf, dass Menschen, die ab und zu wehmütig in
ERINNERUNGEN schwelgen, optimistischer, zufriedener & selbstbewusster sind und ihr
LEBEN als sinnvoll empfinden.
Ich bin altersmäßig inzwischen auch schon "etwas betagt" und habe demzufolge sehr viele
ERINNERUNGEN, auf die ich zurückgreifen kann. Dennoch vertrete ich nicht den
STANDPUNKT, dass früher alles
BESSER war – es war einfach nur
ANDERS. Sicherlich gab es unzählige
DINGE, die tatsächlich
BESSER waren als heute; es gab aber auch sehr viel
SCHLECHTES in der
VERGANGENHEIT, das wir durch unsere verzerrten und verklärten
ERINNERUNGEN nicht mehr ganz wahrhaben wollen oder können. Es ist eine
TATSACHE, dass die allermeisten Menschen mehr
ERINNERUNGEN von ihrer
KINDHEIT & JUGEND als von der Zeit danach haben, wobei vor allem die
POSITIVEN ERINNERUNGEN so gut im
GEHIRN abgespeichert werden, dass sie sogar
IM HOHEN ALTER noch abrufbar sind.
HEIMATFORSCHER & IHRE SEHNSUCHT NACH GESTERN
HEIMATFORSCHER leben ja eigentlich mit & von
ERINNERUNGEN an die (vermeintlich guten) alten
ZEITEN, die unwiederbringlich vergangen sind und deren
ZEITZEUGEN, dabei
PERSONEN zumeist bzw.
BAUWERKE allzu oft, nicht mehr auffindbar sind. Und dennoch macht uns beiden -
VATER & SOHN - das Recherchieren, Auffinden, Einordnen & Kommentieren immer noch
GLÜCKLICH – und dies hoffentlich auch noch bis zum voraussichtlichen
SCHLUSSPUNKT am 2. Januar 2024, zu meinem 80. Geburtstag – so Gott will !
Schon heute aber - postum - ein
GROSSES DANKESCHÖN an die einstmaligen Redakteure des >Senftenberger Anzeiger<.
Sie hinterließen uns im
Juni 1926 die nachfolgenden
Wenn man von
SENFTENBERG kommend das Werk
ELISABETH-GLÜCK und den
BAHNHOF SENFTENBERG 2 passiert hat, so steht man rechter Hand, etwa 100 Meter von der
CHAUSSEE entfernt, einige
MAUERRESTE und noch einen
KAMIN eines
TROCKENOFENS in die Luft ragen. Beim Nähertreten gewahrt man große
TRÜMMERHAUFEN von ganzen und zerbrochenen Mauersteinen, vermischt mit Mörtel und alten Eisenstücken. Man steht vor großen
LÖCHERN, die ehemals Aschkanäle und Gänge bildeten. Unwillkürlich wird man beim Anblick dieser Stätte an den Weltkrieg mit seinen kolossalen Verwüstungen in Feindesland erinnert, wo Granaten, Fliegerbomben und Sprengungen in
FABRIK~ & WERKSANLAGEN ihre furchtbaren Wirkungen nicht verfehlten und alles niederrissen, was sich ihnen in den Weg stellte; das war eben
KRIEGSGESETZ.
Das
BILD, welches wir hier sehen, ist
FRIEDLICHER NATUR.
Wegen
UNRENTABILITÄT, wobei wohl auch die wirtschaftlich schlechte Lage mitspricht, wurde die
FABRIK niedergerissen. Hier stand einstmals die
>STADTGRUBE<, so wird man der jüngeren Generation später einmal erzählen, und so mancher, der hier sein Brot verdiente, wird noch oftmals beim Vorübergehen an sie zurückdenken.
Jetzt bietet das
GELÄNDE, wo vor noch nicht allzu langer Zeit die
SCHLOTE rauchten und fleißige Hände tätig waren, ein
TRAURIGES BILD. Die Arbeiter einer Senftenberger Baufirma haben, was die
SPRENGLADUNGEN der Küstriner Pioniere im April des Jahres noch verschont hatten, bis auf einige Wände ziemlich alles heruntergerissen. Die an die
FABRIK angrenzenden
GEBÄUDE wie Werkstatt, Magazin, Brikettschuppen, Wiegehäuschen usw. sind der
ZERSTÖRUNG zum Opfer gefallen. Aus den
KONTOR~ & LAGERRÄUMEN hat man
WOHNUNGEN gemacht. An den Mauerresten der ehemaligen
FABRIK hängt noch der Teil einer Decke in der Luft, Eisenträger haben sich infolge der freihängenden schweren Last verbogen;
OFENSÄULEN liegen von der Sprengung zerstört zwischen den Steinen, nur drei ragen noch wehmütig gen Himmel. Das andere, noch stehende Eisengestänge und Elevatoren warten auf baldiges Abmontieren. Die freigelegten
MASCHINEN, KESSEL, BRIKETTPRESSEN usw. wurden abmontiert und auf der an die Fabrik angrenzenden
BAHN verladen,
um in anderen
BETRIEBEN wieder Verwendung zu finden oder kamen zur
VERSCHROTTUNG in das alte Eisen.
Die
>STADTGRUBE< gehörte zum Werk
„MARIE 3“ der
ANHALTISCHEN KOHLENWERKE in
SAUO, die dieselbe mit
ROHKOHLE versah. Im Jahre 1874 wurde sie inmitten der
SENFTENBERGER WEINBERGE – auch wohl das
„PARADIES“ Senftenbergs genannt – erbaut und gehörte der
FIRMA LEUTERT.
Der
STOLLENEINGANG war dort, wo heute die
BRÜCKE sich befindet, die die
>STADTGRUBE< mit
SAUO verband. Ebenso war auch der
TAGEBAU in unmittelbarer Nähe der Fabrik. In den 1890er Jahren übernahm die
FIRMA WILHELM LEDER die
FABRIK, und im Jahre 1913 ging sie in den Besitz der
ANHALTISCHEN KOHLENWERKE über.
Auf der
>STADTGRUBE< waren über 50 Arbeiter beschäftig, von denen so mancher hier sein
DIENSTJUBILÄUM feiern konnte.
Tag und Nacht waren
4 BRIKETTPRESSEN, davon eine Doppelpresse, in Betrieb.
Die
FABRIK war immer abhängig von dem
WERK „MARIE 3“. Trat in
SAUO eine
BETRIEBSSTÖRUNG ein, stockte auch sehr oft infolge der ausbleibenden
KOHLENZUFUHR der Betrieb in der
>STADTGRUBE<, die aber nur vorübergehend war. Die
PRESSEN stellten
SALON~ & INDUSTRIEBRIKETTS her. Etwa
25 EISENBAHNWAGGONS wurden täglich mit den „schwarzen Diamanten“ gefüllt und in alle Welt verschickt.
6 große
TROCKENÖFEN sorgten für die Zubereitung der Rohkohle zur Brikettherstellung. Tag und Nacht rollte der schwere
KOHLENZUG, bestehend aus zehn
20-TONNENWAGEN, bespannt mit einer
DAMPFLOKOMOTIVE oder elektrischen Maschine, von
„MARIE 3“ kommend, mit
ROHKOHLE in langsamer Fahrt den Berg von
SAUO kommend heran, um auf dem
SILO sich seiner braunen Last zu entledigen. Im Geiste sieht man noch den
KOHLENZUG auf dem
SILO stehen, wo das Ohr so oft das zischende Geräusch, hervorgerufen von der Luftdruckleitung des Zuges, beim Entladen vernahm. Heute zanken sich auf dem z.T. abgerissenen
SILO die Spatzen herum. –
Das HERANBRINGEN DER ROHKOHLE verlief nicht immer ohne ZWISCHENFÄLLE. Vor Jahren verlor einstmals der FÜHRER des Kohlenzuges die Gewalt über seine MASCHINE und somit auf der ABSCHÜSSIGEN STRECKE auch über den ganzen ZUG, sodaß die MASCHINE über den ENDPUNKT hinausfuhr und in die TIEFE sauste; glücklicherweise war hier außer MATERIALSCHADEN Verlust an Menschenleben nicht zu beklagen. Im großen und ganzen waren auf der >STADTGRUBE< größere UNGLÜCKSFÄLLE nicht zu verzeichnen.
Im vergangenen Jahre (1925) wurde nun das
TODESURTEIL über die
>STADTGRUBE< gefällt und Anfang dieses Jahres (1926) das Urteil an ihr vollstreckt. Wie noch erinnerlich sein wird, brachten wir am 10. April einen
BERICHT über die
NIEDERLEGUNG des großen
SCHORNSTEINS. Eine große
ZUSCHAUERMENGE hatte sich trotz Geheimhaltung der Sprengung eingefunden, um den Schornstein, das
LETZTE WAHRZEICHEN DER >STADTGRUBE<, fallen zu sehen.
Ein
SPRENG-KOMMANDO der Küstriner Pioniere, unter Führung eines Oberleutnants, brachte ihn nachmittags 1,30 Uhr zu Fall. Nachdem sich Pulverdampf, Gesteinsstaub & Flugasche verzogen hatten, lag der stolze
RIESE, der viele Jahre Sturm & Wetter getrotzt hatte, zermalmt am Boden und gehört heute mit zu dem
SCHUTTHAUFEN. –
Man sieht noch die alten
ASCHKANÄLE, wo im Winter so mancher
„FECHTBRUDER“ sein
NACHTQUARTIER aufgeschlagen hatte und hin und wieder recht unsanft von der kontrollierenden
WERKSPOLIZEI in seiner nächtlichen Ruhe gestört wurde.
In absehbarer Zeit werden auch die letzten
MAUERRESTE fallen und der
PLATZ von dem dann noch verwendbaren Material und Schutt geräumt sein. Man kann dann wohl mit Recht sagen:
„NEUES LEBEN BLÜHT AUS DEN RUINEN“.Auch den o.a.
SPRENGUNGSBERICHT vom 10. April förderte ich zutage und beende damit meinen
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