Neues 542 - 2022-12-04

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Matthias
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Neues 542 - 2022-12-04

Beitragvon Matthias » Sa 3. Dez 2022, 09:59

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Harald
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Re: Neues 542 - 2022-12-04

Beitragvon Harald » Do 8. Dez 2022, 11:24

steindruck 1_resize.jpg

Der STEINDRUCK oder die LITHOGRAPHIE (griech. "lithos" = Stein; "graphein" = schreiben) ist eine grafische FLACHDRUCK-TECHNIK, d.h. der DRUCK erfolgt nicht über eine vertieft oder erhaben gearbeitete ZEICHNUNG auf der DRUCKPLATTE, sondern die druckenden und nichtdruckenden PARTIEN liegen in einer EBENE.

Bis zur ERFINDUNG DES STEINDRUCKS durch ALOIS SENEFELDER im Jahre 1797 mussten BILDER als HOLZSCHNITT, KUPFERSTICH oder RADIERUNG gefertigt werden, die jedoch allesamt den Nachteil hatten, dass die Zahl ihrer möglichen DRUCKE begrenzt war: beim HOLZSCHNITT ließen sich ca. 1000 KOPIEN anfertigen, beim KUPFERSTICH lag hier schon die absolute HÖCHSTGRENZE, und bei einer RADIERUNG waren sogar nur bis zu 200 ABZÜGE möglich.
Zur FARBLICHEN Gestaltung der BILDER musste mit HAND & SCHABLONE nachkoloriert werden. Für diese Tätigkeit, die oft von FRAUEN ausgeübt wurde, stand allerdings nur eine geringe FARBAUSWAHL zur Verfügung. Erst per STEINDRUCK waren danach bis zu 20 FARBEN in einem BILD möglich, welches man zudem schnell & vor allem unendlich oft vervielfältigen konnte.
War das BILD auf dem STEIN "abgenutzt", wurde es auf einen weiteren STEIN kopiert. Hierzu besaß man einen sog. „MUTTERSTEIN“, welcher als VORLAGE diente. War man mit einem MOTIV fertig, konnte der STEIN millimeterdünn abgeschliffen und für ein neues Motiv verwendet werden. In den Fachblättern jener Zeit wurden GEBRAUCHTE LITHOGRAPHIE-STEINE billig angeboten, teilweise noch mit der letzten ZEICHNUNG, die so ganz nebenbei noch für einen kostengünstigen Nachdruck taugte…

Wie diese DRUCKTECHNIK funktioniert, wird recht anschaulich im nachfolgenden KURZVIDEO demonstriert:


Das Potenzial des neuen DRUCKVERFAHRENS wurde von der INDUSTRIE sofort erkannt. Zunächst wurde der STEINDRUCK nur für nichtkünstlerische Zwecke wie den TEXT~ & NOTENDRUCK angewandt, später sogar die berühmten Werke alter Meister reproduziert und billig angeboten. 1837 gab es in Berlin 17 Steindruckereien, knapp 50 Jahre später waren es 1500 Betriebe, wenn man die freien Lithografen dazuzählte. Der Bedarf an Bildern aller Art schien unersättlich – frei nach der Devise:
DENKEN, ERZIEHEN & GESCHMACK ZEIGEN IN BILDERN.
Man begann bunte OSTER~, PFINGST~, WEIHNACHTS~ & NEUJAHRS - GRUSSKARTEN zu verschicken. HANDELSPRODUKTE jeglicher Art wurden durch PLAKATE beworben.
Bis in die 1950er-Jahre wurden gezeichnete FILMPLAKATE im Steindruck hergestellt. In Klassenzimmern aufgehängte SCHULWANDBILDER revolutionierten die Vorstellungswelt der Kinder. Das bis dato nur von Gelehrten benutzte LEXIKON wurde plötzlich zum bunt illustrierten >KONVERSATIONSLEXIKON<, mit denen Bildungsbürger ihren guten Geschmack zeigten.
Neben ANSICHTSKARTEN, ETIKETTEN, ABZIEHBILDERN oder BRIEFMARKEN wurde die LITHOGRAPHIE als Drucktechnik auch für VERPACKUNGEN der Nahrungs~ & Genussmittel~ sowie Zigarren~ & Zigarettenindustrie u.v.a.m. eingesetzt. Nach etwa 1850 wurde der STEINDRUCK zum führenden Druckverfahren für LANDKARTEN; bald überwiegend mehrfarbig.
Überaus beliebt bei unseren Altvorderen waren die SAMMELBILDCHEN von >LIEBIG'S FLEISCHEXTRAKT<,
die jedem Liebig-Produkt beigelegt waren und Themen wie "Merkwürdige Bäume", "Straßenszenen der Welt", "Baustile" und viele andere THEMEN abhandelten. Es waren durchweg farbenfreudige, meisterhaft gestaltete ERZÄHLENDE BILDER, deren BILDSPRACHE bis heute nachhallt – so u.a. auch in der SERIE WIE EIN LIEBIG BILD ENTSTEHT“.

Neben dem PRODUKTIONSABLAUF:
1. Der Künstler bei dem Entwurf / 2. Gewinnung der Litho-Steine / 3. In der Lithographie / 4. Bei dem Andrucker / 5. Unter der Schnellpresse / 6. Schneiden & Verpackung
demonstriert LIEBIGS KONTERFEI in Zweierschritten die COLORIERUNG mit 2 - 12 FARBEN.

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Auch die WOHNUNGEN wurden mit BILDERN geschmückt. WANDBILDER waren nun für jedermann erschwinglich. An jeder noch so abgewetzten TAPETE hingen ausgewählte BILDER, die den gleichen Stellenwert wie MÖBEL bekamen. Für das SPEISEZIMMER wählte man "fröhliche, unbeschwerte Motive" wie Stillleben & diverse Landschaften, im HERRENZIMMER fanden sich orientalische Schönheiten oder trinkende Mönche ein. Spitzenreiter für das SCHLAFZIMMER war – auch bei meinen Großeltern – der obligatorische „ELFENREIGEN“ und in vielen KINDERZIMMERN hielten zumeist Schutzengel ewige Nachtwache.
Aber auch >DER ÖFFENTLICHE RAUM< wurde bebildert: WIRTSHÄUSER bevorzugten an ihren Wänden patriotische Motive, FRISEURE zeigten den Kaiser und für KRANKENHÄUSER gab‘s Heiligenbilder. Der STEINDRUCK machte somit BILDER ZUR MASSENWARE.

Capture1_resize.jpg

In meiner NACHKRIEGSKINDHEIT kam es äußerst selten vor, dass man beim Stöbern auf dem Dachboden noch auf einzelne LIEBIG’S BILDER oder sogar auf vollständige ALBEN stieß – dagegen eher auf die gleichermaßen, besonders bei Mädchen beliebten, sogenannten >STAMMBUCHBILDER<, welche ebenfalls im STEINDRUCK hergestellt wurden und mit deren WEIHNACHTSMOTIVEN ich mich für heute verabschieden möchte.

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