Neues 584 - 2023-11-12

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Matthias
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Neues 584 - 2023-11-12

Beitragvon Matthias » Sa 11. Nov 2023, 10:14

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Harald
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Re: Neues 584 - 2023-11-12

Beitragvon Harald » Mi 22. Nov 2023, 17:22

Ich hatte nie den WUNSCH, „DAS GLÜCK DER ERDE AUF DEM RÜCKEN DER PFERDE“ kennenzulernen, obwohl mir meine GROSSMUTTER hin & wieder das etwas wehmütige KÜCHENLIED von >MAMATSCHI< vorsang, von der sich ein „Bübchen“ sehnlichst ein PFERDCHEN wünschte…

Mamatschi_resize.jpg

…denn meine Kindheit im Nachkriegsdeutschland war alles andere, als ein rosaroter PONYHOF, auf dem heutzutage vor allem MÄDCHEN „strotzend vor Stolz im Sattel thronend“ eintönige Runden drehen. Wir kannten damals PFERDE nur als ZUGTIERE. Einzige Ausnahme war das sog. STOLLENREITEN, welches in den umliegenden DÖRFERN (Meuro, Drochow, Freienhufen, Sauo) traditionell Ende August stattfand. Das Wettrennen hoch zu Ross wurde auf einem abgeernteten Feld durchgeführt. Der Name dieses Brauches leitet sich davon ab, dass ein von den MÄDCHEN gebackener und in Seidentücher gewickelter, bunt geschmückter STOLLEN der PREIS für die besten Reiter ist.
Ansonsten bekamen wir bei unseren gelegentlichen Fahrradtouren „über Land“ oft PFERDE zu Gesicht, welche die Pflüge auf den Feldern zogen, sich vor den hochbeladenen Erntewagen mühten, in Wagenkolonnen die Kartoffeln & Zuckerrüben zu den Verladestellen zogen oder, beladen mit goldgelbem Brotgetreide in langen Reihen vor Mühlen, Scheunen & Lagerhäusern standen.

Fuhrwerke_resize.jpg

In unserer Werksiedlung MEUROSTOLLN sah man PFERDE ab & an, wenn sie die schwer mit BRIKETTS beladene FUHRWERKE aus dem Werk hinaus auf die Klettwitzer Straße zogen, um danach mit höchster Kraftanstrengung den Paradiesberg zu „erklimmen“. Sie waren echt zu bedauern, vor allem, wenn sie mit Peitschenhieben angetrieben wurden.
Die größte NÄHE zu diesen fleißigen Tieren wurde mir aber bei Verwandtschaftsbesuchen an Festtagen bzw. zur Erntehilfe in den Schulferien zuteil. Das absolute Highlight war, wenn uns der Schwager meines Großvaters, mangels Busverbindung, im von zwei „Füchsen“ gezogenen, gewienerten „LANDAUER“ (Kutschwagen) vom Bahnhof Calau nach dem Dorf REUDEN kutschierte – und ich mit auf dem Kutschbock sitzen, und manchmal sogar kurzzeitig die Zügel halten durfte. Nach der Ankunft auf dem BAUERNHOF versuchte ich mich auch gern mal im Striegeln der beiden „Füchse“ (rotbraune Pferde), was sie sich geduldig gefallen ließen…

Titelbild Pferd_resize.jpg

„DAS PFERD ist eines der besten und eines der mißhandelsten DIENER, welche der SCHÖPFER uns zur Benutzung gegeben hat.
Von der ZEIT an, wo es genommen und an die ARBEIT gestellt wird, wird es m i ß h a n d e l t . Es ist dann ein KIND; es weiß nicht, was Du von ihm verlangst. Wenn Du ihm das GESCHIRR anlegst und ihm zurufst, anzuziehen, hat es noch keine ERZIEHUNG genossen, doch DU erwartest von ihm, daß es auf COMMANDO gehe, und wie ein ALTES PFERD ziehen soll, ohne daß es gelernt hat, WIE es gemacht wird. Und wenn es nicht gleich gehorcht, wirst Du zornig und nimmst die PEITSCHE. Dies, denke ich, ist einer der schlimmsten FEHLER, denn wie kann das JUNGE PFERD wissen, weshalb Du es schlägst ? Es weiß doch den UNTERSCHIED zwischen >Hüh & Hoh< noch nicht…“


…schrieb im Jahre 1880 B. Pitcher, ein eigenständiger Hufschmied & Verfasser des o.a. Buches, in welchem er uns die wichtigsten Aspekte der PFERDESPRACHE nahebrachte:

„PFERDE haben, denke ich VERNUNFT, und sind edleren Gefühlen zugänglich. Mir ist, als hörte ich ein PFERD folgendermaßen zu seinem EIGENTÜMER sprechen:
SIE & ICH SIND PARTNER, wir haben jeder unsere bestimmte ARBEIT zu verrichten. Angenommen, WIR WECHSELTEN DIE PLÄTZE:
DU wirst eingeschirrt und angespannt und ziehst den WAGEN, und ich nehme die ZÜGEL und die PEITSCHE. ICH bringe Dir SCHEUKLAPPEN am Zaume an, damit DU nur nach vorne sehen, und ich DICH schlagen kann, ehe DU es siehst, Und wenn dann etwas hinter Dir ein GERÄUSCH macht, oder etwas an Dir vorbei rauscht, und DU erschreckst dich und springst scheu zur Seite, wirfst den Wagen beinahe um – ziehe ICH Dich in die Spur zurück, und bei jedem Schritt, den DU tust, peitsche ich Dich, denn DU kannst nur vorne sehen.
ICH WERDE DICH SCHON LEHREN, GERADEAUS ZU GEHEN !
Wenn ich anhalte und Dich anbinde, um mich für längere Zeit im WIRTSHAUS festzusetzen, und Dich 3 bis 4 Stunden lang in brennender Sonnenglut mit angespannten Zügeln auf der STRASSE stehen lasse, werde ich Dich lehren, Deinen KOPF nach meinem Geschmack zu tragen…Gegen Fliegen & Mücken sind LANGER SCHWEIF & MÄHNE zwar der wirksamste Schutz, aber ein kurz kupierter SCHWANZ sieht doch viel vornehmer aus, oder ? Und wenn Du dann im Alter lahm wirst, werde ich Dich schön herausputzen und meistbietend VERKAUFEN. Ich bringe Dich zu einem PFERDE-FRISEUR, lasse Dir das HAAR abschneiden & absengen; dann wirst DU richtig hübsch aussehen…
Gedenke stets daran: DU BIST NUR EIN PFERD und wenn DU diese BEHANDLUNG durchgemacht und lebend überstanden hast, wirst DU hoffentlich erkennen, WIE ICH DURCH DICH GELITTEN HABE!“


FAZIT: PFERDENARREN sollten weniger Zeit damit verbringen, ihren PFERDEN etwas zu FLÜSTERN, ihnen dafür lieber einmal ZUHÖREN.

Dorfheimat_resize.jpg

Zum Abschluss noch eine LUSTIGE SAMMELBILDSERIE der Altonaer Kakao~ & Schokolade-Fabrik C.H.L. GARTMANN,
die von ALMANSOR, einem sehr gelehrigen DROSCHKENGAUL, handelt:

(1) Droschkenkutscher Pulle kaufte einem armen Kunstreiter dessen Prachtpferd ALMANSOR ab und spannte es vor seine Kutsche. Dann warteten BEIDE mit übergeschlagenen Beinen auf Kundschaft.
(2) Ein feines Ehepaar kam vorbei und bestaunte den KUTSCHER und dessen „WUNDERPFERD“, die sich BEIDE tief vor ihnen verbeugten.
(3) Im Zuckeltrab ging es los, doch als eine Regimentskapelle im Parademarsch dicht an ihnen vorbeizog, trabte das ROSS im zackigen Gleichschritt mit.
(4) Auf einem Promenadenweg außerhalb der Stadt stand ein Drehorgelmann und drehte einen flotten Operettenwalzer herunter.
Da blieb ALMANSOR stehen und fing an zu tanzen.
(5) Plötzlich kam auf dem Eisenbahndamm neben der Straße ein Schnellzug vorbeigerauscht. Der GAUL sah ihn und rannte mit ihm um die Wette und erst, als ihm der KUTSCHER zurief, dass sie das Rennen gewonnen hätten, hielt er an.
(6) Die Fahrgäste hatten genug von dieser Fahrt, gaben ein reichliches Trinkgeld und BEIDE stärkten sich in einem Restaurant.
Letztlich wurde ALMANSOR aber doch wieder an einen Zirkus verkauft, denn da passte er wohl doch besser hin als vor eine Droschke…

droschkengaul 100_resize.jpg


PFERDE SIND HALT DOCH DIE BESSEREN MENSCHEN ! ;)


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