Neues 591 - 2024-01-14

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Matthias
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Neues 591 - 2024-01-14

Beitragvon Matthias » Sa 13. Jan 2024, 09:24

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Harald
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Re: Neues 591 - 2024-01-14

Beitragvon Harald » Fr 19. Jan 2024, 11:42

Prosit SFB_resize.jpg

Seit einiger Zeit gibt es zum alljährlichen JAHRESWECHSEL den bemerkenswerten TREND – den BLICK 100 JAHRE ZURÜCK zu werfen. Diesem folgend hatte ich in meinem letzten KOMMENTAR an das JAHR 1923 mit dem fürchterlichen „Schreckgespenst“, der grassierenden HYPERINFLATION, erinnert, als meine Großeltern für ein ROGGENBROT unvorstellbare 233 Milliarden Reichsmark zahlen mussten.

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Ich kann mir deren große Freude sehr gut vorstellen, als 1924 dieser jahrelangen NACHKRIEGSINFLATION durch die Einführung der gesetzlichen RENTENMARK endlich ein Ende bereitet wurde und sie nur noch übersichtliche 31 Rentenpfennige für 1 kg Roggenbrot löhnen mussten. Womöglich war der neue BROTPREIS sogar ein Auslöser für die überschwänglichen >GOLDENEN ZWANZIGER JAHRE< und so nutzten Oma (28) & Opa (31) im Januar 1924 ganz sicher die ihnen in SENFTENBERG II & HÖRLITZ gebotenen LUSTBARKEITEN:

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Doch neben diversen SCHLACHTFESTEN wurde im JANUAR auch weiterem BRAUCHTUM wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet, wobei vor allem der DREIKÖNIGSTAG am 6. JANUAR die bereits sehnsüchtig erwarteten STERNSINGER auf den Plan rief.

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Die Ursprünge des STERNSINGENS reichen weit bis ins 16. Jahrhundert zurück und entstanden vermutlich aus der Fortführung der traditionellen KRIPPENSPIELE, bei denen die WEIHNACHTSGESCHICHTE nachgespielt wurde. Besonders in den ländlichen Gebieten hält sich die TRADITION, am Vorabend des DREIKÖNIGSFESTES die Häuser & Ställe feierlich zu segnen. So werden auf den TÜRSTURZ, zumeist mit Kreide, die Buchstaben C+M+B geschrieben, was seit Anfang der 1950er Jahre als „Christus mansionem benedicat“ = „Christus segne dieses Haus“ gedeutet wird - also nicht, wie fälschlich angenommen, die VORNAMEN der 3 Heiligen Könige:
CASPAR - MELCHIOR - BALTHASAR !
Auch in unserer REGION wurde dieser BRAUCH in Stadt & Land hochgehalten, wie der folgende Bericht aus dem >Senftenberger Anzeiger< vom Januar 1924 beweist:

„Am EPIPHANIASTAG (6. Januar) stellten 3 KNABEN der städtischen Kurrende die WEISEN aus dem Morgenlande oder die DREI HEILIGEN KÖNIGE dar. Sie waren in weiße, mit glänzendem Flitterwerk besetzte GEWÄNDER gekleidet. Sie trugen an einer STANGE einen aus geöltem Papier angefertigten großen STERN, der durch ein LICHT erleuchtet wurde und rund um sich gedreht werden konnte. So zogen sie von Haus zu Haus und sangen die >Geschichte der heiligen 3 Könige< in entsetzlichen KNITTELVERSEN, die aber in jedem Jahre mit immer neuer Lust gern gehört wurden.
Einer unter ihnen war der ‚König von Mohrenland‘ und als solcher an Gesicht & Händen ganz schwarz gefärbt. Ganz besonderes VERGNÜGEN machte es jedes Mal, wenn er sich der neugierigen Schar gesanglich vorstellte:
„Ich bin der König von Mohrenland,
die Sonne hat mich so schwarz gebrannt.
Schwarz bin ich, die Schuld ist meiner nicht,
die Schuld ist meiner Kindesmagd, weil sie mich nicht gewaschen hat.“

Dieser harmlose WITZ wurde immer wieder mit lautem GELÄCHTER begrüßt und mit lebhaftem BEIFALL belohnt.
Dieser reinen Darstellung der BIBLISCHEN GESCHICHTE folgte leider regelmäßig ein VORGANG, welchen man nur als reinen UNFUG bezeichnen kann – das sog. >ANSINGEN<:
der ANFÜHRER der DREI KÖNIGE trat vor und sang:
„Ihr lieben GESELLEN, kommt alle heran, „DEN xy“ wollen wir singen an;
Wir wollen IHN singen, loben & ehren, daß Gott möge IHM bald „DIE xy“ bescheren.“

JEDER, welcher seine HEIMLICHE LIEBE zu diesem oder jenem MÄDCHEN auf diese Weise kundtun wollte, ließ sich mit IHR ansingen. Ebenso aber wurde dieses MITTEL dazu verwandt, um irgendein PÄRCHEN, welches man im Verdacht HEIMLICHER LIEBE hatte, bloßzustellen und in Verlegenheit zu bringen. Man konnte ebenso SICH SELBST, als auch jeden ANDEREN beliebig ANSINGEN lassen, wenn man nur den festgesetzten PREIS dafür bezahlte. So wurde diese wunderliche SITTE gern geübt & gehört, und wie sie die ZUHÖRER in hohem Maße belustigte, so trug sie den HEILIGEN DREI KÖNIGEN eine gar nicht unbedeutende SUMME GELDES ein. Nachdem das ANSINGEN seinen Abschluß gefunden, steckten HAUSHERR oder HAUSFRAU in die vorgehaltene BÜCHSE einige MÜNZEN zur Belohnung für die SÄNGER ein, die darauf ihren „Weg nach Bethlehem“ fortsetzten. Sie verließen mit glanzvollem ABSCHIED das Haus, um bei den NACHBARN die gleiche PROZEDUR durchzuführen. Waren die STÄDTISCHEN HÄUSER durchwandert, zogen die DREI KÖNIGE auch auf die eingepfarrten DÖRFER hinaus. Auch hier wurden sie gern gesehen und gehört, und die BAUERN gaben ihnen dafür, was ihnen beliebte: Geld, Speck, Wurst, Eier, Flachs, Obst u. dgl. Ein Mann mit einem SCHUBKARREN begleitete die WEISEN aus dem Morgenlande und schaffte die erhaltenen GABEN in die heimatliche STADT. Für seine MÜHE erhielt er schließlich die HÄLFTE des ganzen Betrages.“

Im Lokalblatt vom 18. Januar 1924 ist von einer nachfolgend sehr populären EISSPORTVERANSTALTUNG die Rede. Der hier erwähnte „zugefrorene SCHLOSSTEICH“ diente übrigens der Senftenberger Schuljugend bis weit in die 1960er Jahre hinein als EISHOCKEYTUMMELPLATZ. In den folgenden beiden BERICHTEN wird geschildert, was sowohl den ERWACHSENEN, als auch den KINDERN an diesem Ort vor 100 Jahren >eissportlich< geboten wurde.

Eisfest E_resize.jpg

„Eine UEBERRASCHUNG für Senftenberg bedeutete unstreitig das EISFEST, das am 16. Januar am KLEINEN SCHLOSSTEICH stattfand. Keine Mühe, keine Kosten hatte der VERANSTALTER – Herr S c h u l z –
gescheut, um der hiesigen Einwohnerschaft etwas Gediegenes, noch nie Dagewesenes zu bieten.
In dem straßenseits gelegenen TEICHBOGEN war ein provisorisches PODIUM für die MUSIKER errichtet. Sie gruppierten sich idyllisch um einen KOKSDAUERBRANDOFEN, der ihren ‚Eisbeinen‘ Rechnung trug.
Mit eigentlich hierorts ungewöhnlicher Pünktlichkeit leitete um 7 Uhr die KAPELLE das Fest ein. Begeisterte Anhänger des SCHLITTSCHUHSPORTS erschienen schon vor angesagter Stunde und fanden eine gut gefegte EISFLÄCHE vor. Die leidigen RILLEN im Eise, für die LÄUFER die ‚Steine des Anstoßes‘, hatte man leider nicht beseitigt. In Zukunft wird der geschickte Veranstalter auch hier Mittel & Wege finden, diesem UEBELSTAND abzuhelfen.
Nach und nach füllte sich die EISBAHN. Bei den KLÄNGEN eines WALZERS, einer POLKA, oder auch des unvermeidlichen FOXTROTT glitten in mehr oder minder elegantem Schwung die Läuferinnen & Läufer einzeln & in Paaren über die EISFLÄCHE. Die sogenannten >EISKANONEN< konnte man vorher trotz angestrengten Suchens unter der Menge der Schwebenden, Drehenden & Springenden nicht entdecken. Sie hatten auf dem anschließenden größeren Teil des SCHLOSSTEICHES Aufstellung genommen. Nachdem durch eine >ABSPERRUNGSPOLONAISE<, die bezeichnenderweise ein schlittschuhlaufender POLIZIST mit richtiggehendem ‚Blitzableiter für Wintergewitter‘ anführte, genügend RAUM geschaffen war, führten die EISKÜNSTLER in einem kleinen SCHLITTEN, der von einem niedlichen PFERDCHEN gezogen wurde, durch den, wie eigens dafür geschaffenen BRÜCKENBOGEN in den RING. Im PAARLAUF zeigten
Frl. L a m m l a & Herr Walter R o t h e einen wirklich guten Stil. Im EINZELLAUF offenbarte sich erst so recht das Können des Herrn R o t h e, während Frl. P a r d u h n durch ihren leichtbeschwingten, graziösen Lauf allgemeine Bewunderung erregte. Das applaudierende PUBLIKUM, das trotz der KÄLTE zahlreich erschienen war, zollte den Leistungen der Künstler in reichem Maße den wohlverdienten BEIFALL. Freuen wir uns, daß wir auch auf diesem Gebiete HEIMATLICHE KÜNSTLER in unserer Stadt haben.
Damit die LACHMUSKELN der Zuschauer auch auf ihre Rechnung kamen, traten urkomische schlittschuhlaufende MASKEN auf. Am besten wirkte unstreitig die ‚KOMISCHE ALTE‘. Ein SCHEINWERFER,
der von Herrn W. P e t s c h (Passage-Kino) in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt wurde, setzte das Dargebotene in das rechte Licht. Die Augen der ZUSCHAUER wurden oftmals von den farbenprächtigen RAKETEN angezogen, die in prächtigem BOGEN das nächtliche Dunkel durchzogen. Von geradezu künstlerischer Wirkung war das ROTFEUER, das in märchenhafter Schönheit BÄUME & STRÄUCHER DES SCHLOSSWALLES erstrahlen ließ.
Alles in allem eine GELUNGENE VERANSTALTUNG: Keiner der ANWESENDEN wird unbefriedigt nach Hause gegangen sein. An dieser Stelle dem Veranstalter und den Mitwirkenden nochmals DANK.
Sollte der Wettergott für den nächsten WINTER wiederum eine solche KÄLTEPERIODE vorgesehen haben, wäre es zu empfehlen, einen DURCHSTICH vom SCHLOSSTEICH nach der SORNOER ELSTER vorzunehmen, damit man zu gegebener Zeit die zerfahrene & unebene TEICHFLÄCHE überfluten kann.
NOCH EINS, Herr Schulz, denken Sie bei der nächsten VERANSTALTUNG an Ihre treuesten FREUNDE, an die JUGEND. Wie wär’s mit einem EISFEST FÜR DAS KLEINE VOLK ? Nachmittags könnte es seinen Anfang nehmen und am Abend mit einem LAMPIONZUG enden. Für unsere KINDERWELT wäre das wirklich ein SCHÖNES & BLEIBENDES ERLEBNIS."

Dieser VORSCHLAG wurde natürlich von Herrn S c h m i d t sofort aufgenommen, und wie wir nachfolgend lesen können, einen Monat später in die Tat umgesetzt, wovon wiederum ein Lokalreporter am 18. Februar berichtete:

Eisfest K_resize.jpg

„Das gestern nachmittag auf der EISBAHN IM SCHLOSSPARK veranstaltete große EISKONZERT, verbunden mit einem KINDERFEST, hatte besonders viele KINDER herbeigelockt. Es entwickelte sich bald ein reges Leben & Treiben, und die kleinen und größeren LÄUFER & LÄUFERINNEN probierten ihr Können nach dem Takte der MUSIK. Die Eisbahnleitung veranstaltete zur UNTERHALTUNG der Kleinen ein >EISWETTLAUFEN<, bei dem eine ganze Anzahl PREISE, die von den FIRMEN Parduhn, Martin Schmidt, Bonas und von der Eisbahnleitung gestiftet waren, zur Verteilung. Diese PREISE erregten unter den kleinen SIEGERN große FREUDE, insbesondere, da nur wenige bei der PREISVERTEILUNG leer ausgingen. Ein jugendliches KUNSTLÄUFERPAAR, der Schüler J u n g w i r t h und die Schülerin
W e i c k a r t, zeigte, nachdem sich ein großer Kreis von ZUSCHAUERN gruppiert hatte, seine Kunst im PAARLAUFEN, und auch die großen >KANONEN< waren wieder vertreten. Alle VORFÜHRUNGEN fanden den größten BEIFALL der Zuschauer. Ungeheuren JUBEL erregte das Erscheinen eines als ZIEGENBOCK verkleideten Schülers, der bald den Mittelpunkt der ganzen Schar bildete und zu lustigen NECKEREIEN Anlaß gab. So neigte bei allem Jubel & Trubel der Nachmittag seinem ENDE zu und bei Anbruch der Dunkelheit fand unter Führung des Ziegenbockes ein großer LAMPIONUMZUG statt, an dem sich die ganze KINDERSCHAR geschlossen beteiligte.
Das schön verlaufene KINDERFEST fand somit seinen würdigen ABSCHLUSS, und hochbefriedigt gingen die Kleinen nach Hause, froh, daß nun endlich ihr langersehnter WUNSCH in Erfüllung gegangen ist.
Allen, die durch SPENDEN den guten VERLAUF des KINDERFESTES fördern halfen, sowie der EISBAHNLEITUNG für die programmmäßige Durchführung der Veranstaltung ist der DANK der Kinder gewiß.
Wie wir hören, soll, um vielen besonderen Wünschen nachzukommen, in den nächsten Tagen das zweite EISFEST FÜR ERWACHSENE stattfinden. Die EISBAHN, die täglich mehrmals gefegt wird, ist in gutem Zustande und kann allen EISSPORTINTERESSENTEN zu ausgiebigster Benutzung empfohlen werden. SCHLITTSCHUHE zum Verleihen sind ca. 30 Paar in allen Größen vorhanden. Bei Dunkelheit ist ausreichende BELEUCHTUNG vorhanden."

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Allen, die sich im Winterurlaub wie die KUH auf's EIS begeben wollen, wünsche ich schon mal vorbeugend :D >HALS~ & BEINBRUCH< :!:


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