„DREI DEUTSCHE = EIN VEREIN“ …ist zwar eine pointierte
REDENSART, aber nicht unbedingt eine
WISSENSCHAFTLICHE ERKENNTNIS, denn auch in anderen Ländern suchen
MENSCHEN außerhalb ihrer 4 Wände die
GESELLIGKEIT in diversen
VEREINEN, die oft schon sehr lange existieren und deshalb aus dem öffentlichen Leben kaum mehr wegzudenken sind. Die deutsche
VEREINSGRÜNDUNGSWELLE setzte in der ersten Hälfte des 19. Jh. ein, wobei vielerorts die
GESANGVEREINE, gefolgt von den
TURNVEREINEN, den Anfang machten, deren gern als
„VEREINSMEIER“ titulierte
MITGLIEDER ihrem
VEREIN die
TREUE bis zur
BAHRE mit anschließend groß inszenierter
TRAUERFEIER hielten.
BEIDE VEREINE waren wichtige
TRÄGER der liberalen & nationalen
BEWEGUNG. Ende des 19. Jh. wollten sich vor allem
JUNGE, aufgeschlossene und von der
TURNERIDEE beseelte
MÄNNER ihre oft erbärmlichen
LEBENSVERHÄLTNISSE nicht mehr länger gefallen lassen, zumal sie sahen & erlebten, wie andere in großem
REICHTUM lebten, ohne dafür arbeiten oder schwer kämpfen zu müssen. Sie kamen zu der Einsicht, dass im
KAMPF gegen diese
UNGERECHTIGKEITEN nur der
ZUSAMMENSCHLUSS Gleichgesinnter in einem
WÄRME, KRAFT & ENTSCHLOSSENHEIT spendenden
VEREIN helfen konnte. Durch ihr jugendliches
DRAUFGÄNGERTUM im
WIDERSTAND standen sie jedoch bald im
VERDACHT, am politischen
UMSTURZ zu arbeiten,
was eine staatlich verordnete
„TURNSPERRE“ nach sich zog…
Für jeden
TURNVEREIN hat seit undenklichen Zeiten der Grundsatz:
>IM GESUNDEN KÖRPER WOHNT EIN GESUNDER GEIST< unbestrittene Geltung, und man ist daher stets bestrebt, über der Pflege des
GEISTES diejenige des
KÖRPERS nicht zu vergessen. So ist die
KÖRPERLICHE FITNESS bis heute ein zentraler Bestandteil der
>TURNER – PHILOSOPHIE<, welche selbstredend auch der
>MÄNNERTURNVEREIN SENFTENBERG< in seiner
GRÜNDUNGSVERSAMMLUNG am 26.JANUAR 1884 wertschätzte:
„Insbesondere die NOTHWENDIGKEIT & NÜTZLICHKEIT von TURNÜBUNGEN bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung, nachdem die TURNER mit ihrem „FRISCH – FROMM – FRÖHLICH – FREI“ wie im Fluge die gesamte, GEBILDETE WELT erobert haben…“ Bereits 1895 verwies man auf jenen
WAHLSPRUCH, der auf den
„Turnvater JAHN“ zurückgeht und das daraus geformte, sogenannte
„TURNERKREUZ“ hat folgende Bedeutung:
FRISCH, o Turner, sei stets Dein Streben, Schaffen & Wagen;
FROMM richte vertrauend den Blick aufwärts zum Lenker des All’s;
FRÖHLICH magst allweg du dann die Stürme des Schicksals erwarten;
FREI an Körper & Geist bist du des Vaterlandes Zier.FRIEDRICH LUDWIG JAHN hatte mehr getan, als nur eine BEWEGUNG ins Leben zu rufen. ER entwickelte ein TURNPROGRAMM und erfand viele der GERÄTE, die noch heute verwendet werden, wie z.B. BARREN, RINGE, SCHWEBEBALKEN, RECK & das allseits gefürchtete PFERD
.
Die FAHNENWEIHE verbindet in einem FESTGOTTESDIENST oder FESTAKT immer die EINSEGNUNG der Fahne mit der feierlichen ÜBERGABE DER FAHNE an den VEREIN. Durch die WEIHE erhält die FAHNE ihre KRAFT & SYMBOLWIRKUNG und wird so zum festen Bestandteil der zugehörigen Körperschaft, denn:
DAS GESTICKTE BANNER IST DAS KOSTBARSTE GUT EINES JEDEN VEREINS !WIR schieben aber den „AUSFÜHRLICHEN BERICHT“ nicht auf,
sondern gleich hinterher:
Senftenberg, 15. Juli 1884:„Recht lebhafter VERKEHR entwickelte hier der SONNABEND Abend zur FAHNENWEIHE des MÄNNERTURNVEREINS veranstaltete ZAPFENSTREICH in unsern STRASSEN auf dem MARKTPLATZE. Unter großer Betheiligung der Vereinsmitglieder wurde derselbe durch einen >COMMERS< bei Herrn B i t t r o f f beschlossen.
Am SONNTAG in der Frühe wurden die EINWOHNER durch die >REVEILLE< ermuntert und brachte der Vormittag viele GÄSTE aus den TURNVEREINEN der benachbarten Städte…Gegen 3 Uhr nahm der FESTZUG auf dem MARKTPLATZ in folgender Reihenfolge AUFSTELLUNG:
zuerst das stark besetzte Senftenberger MUSIKCHOR, eine Abtheilung Senftenberger TURNER, die FESTJUNGFRAUEN, geladene GÄSTE aus Senftenberg, danach mit ihren VEREINSFAHNEN die TURNER aus Königsbrück, Kamenz, Ortrand, Spremberg, Ruhland, Vetschau, Finsterwalde, Hoyerswerda, Bernsdorf und Cottbus. Den SCHLUSS bildete eine zweite Abtheilung aus Senftenberg. Nach Aufstellung um die auf dem MARKTPLATZ errichtete TRIBÜNE, auf welcher die zu enthüllende FAHNE platziert worden war, betrat Herr Rector L o t z e die Tribüne, begrüßte die GÄSTE und hielt, nach dem mit Musik begleiteten GESANG eines TURNERLIEDES, die eigentliche WEIHEREDE, in welcher er zunächst die ENTSTEHUNG DES MÄNNERTURNVEREINS, und danach dessen künftiges rot-weißes BANNER, erläuterte:
WICHTIGER HINWEIS:
die abgebildete VEREINSFAHNE gehört nicht dem MTV SENFTENBERG;
sie zeigt jedoch das für UNSERE REGION typische FARBBILD von BANNERN der TURNVEREINE ! „ROT steht als Sinnbild der LIEBE zum Vaterlande und des BLUTES, welches jeder TURNER für dessen FREIHEIT auf dem Schlachtfelde hingeben will. WEISS soll deuten: Fleckenlos sei des Turners SCHILD, und er sei ernsthaft bestrebt, die GUTEN, ALTEN SITTEN zu bewahren & zu pflegen, die man unseren VORFAHREN nachrühmte.“
Nach weiterer Erläuterung auch des TURNERWAHRZEICHENS, des vierfachen „F“, fiel die HÜLLE von der FAHNE, welche dem Beschauer ein sehr geschmackvolles ARRANGEMENT bot:
„auf der ROTEN SEITE befindet sich die in GOLD gestickte INSCHRIFT >Männer-Turn-Verein Senftenberg< und darunter ein EICHENZWEIG in SILBER-Stickerei, die WEISSE SEITE enthält das vierfache „F“ in roter Stickerei, von EICHENZWEIGEN in GRÜN & SILBER geziert.
Die SEIDENFAHNE ist mit GOLDFRANSEN eingefasst, der FAHNENSTOCK mit an 2 SILBERSCHNÜREN befindlichen QUASTEN verziert und mit einer geschmackvollen SPITZE gekrönt.
Von den auswärtigen VEREINEN wurde er mit vielfarbigen SCHLEIFEN bzw. eingeschlagenen NÄGELN mit Inschrift reich dekoriert.“
Nachdem Herr Rector L o t z e dem gesamten TURNWESEN ein dreifaches „GUT HEIL“ ausgebracht hatte, bewegte sich der FESTZUG durch die STADT nach dem FESTPLATZE auf das SCHIESSHAUS.
Nach Abgabe der FAHNEN fanden KÜRTURNEN an den GERÄTEN des MTV, sowie Muskelstärke beweisende KRAFTÜBUNGEN statt, was den großen BEIFALL aller ZUSCHAUER fand. Hieran schloß sich CONCERT & geselliges BEISAMMENSEIN an, bis gegen 8 Uhr die für Viele gekommene „SCHEIDESTUNDE“ zum EINZUG mahnte, an welchen sich später noch ein durch keine Störung beeinträchtigter BALL anschloß.
Am MONTAG Vormittags 11 Uhr fand ein AUSFLUG nach JURK’S RESTAURANT in den WEINBERGEN statt, wobei auf dem Marsche MUSIK & GESANG abwechselten. Nach FRÜHSTÜCK & CONCERT folgte der Weitermarsch nach REPPIST, dort TANZ & KEGELSPIEL, gegen 5 Uhr erfolgte die RÜCKKEHR, worauf Abends ab 7 Uhr der BALL der Vereinsmitglieder folgte.
Das FEST war geeignet, ALLE TEILNEHMER zu befriedigen und zur HEBUNG der TURNSACHE anzuregen…
Wie das HISTORISCHE SCHLUSSBILD beweist, legte man schon in grauer VORZEIT nicht nur auf die TURNER - NACHWUCHSGEWINNUNG, sondern überhaupt auf GESUNDE, weil SPORTLICHE KINDER sehr großen Wert......und WER davon nicht überzeugt ist,
kann ja nachfolgend in der KINDERSCHAR mal nach
DICKWÄNSTEN suchen