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Neues 655 - 2025-08-17

Verfasst: Sa 16. Aug 2025, 20:30
von Matthias
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Re: Neues 655 - 2025-08-17

Verfasst: So 7. Dez 2025, 17:38
von Harald
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>MODERNER GLÜHWEIN<, wie er heute auf allen WEIHNACHTSMÄRKTEN angeboten wird, entstand im 19. Jahrhundert in DEUTSCHLAND. 1956 brachte ein WINZER aus Rheinland-Pfalz den ersten abgefüllten GLÜHWEIN in Flaschen auf den Markt, und machte ihn so zum festen Bestandteil der ADVENTSZEIT.
Heute ist er ein SYMBOL für GEMÜTLICHKEIT, GEMEINSCHAFT & FESTLICHE STIMMUNG
– ein GETRÄNK, das WÄRME & WEIHNACHTSFREUDE verbindet.
Die TRADITION des gewürzten, erhitzten Weins reicht bis in die ANTIKE zurück. Schon die alten RÖMER tranken „Conditum Paradoxum“ – Wein mit Gewürzen und Honig. Im MITTELALTER wurde diese Idee in Europa weitergeführt, da GEWÜRZE als GESUNDHEITSFÖRDERND galten, er
durch ALKOHOL & WÄRME auch ENTSPANNEND wirkt, die DURCHBLUTUNG fördert & ein WOHLIGES GEFÜHL vermittelt, besonders in der kalten Jahreszeit…

Wie komme ich eigentlich auf GLÜHWEIN ? Ach ja, nach über 700 Kommentaren hatte ich mir eine wohlverdiente, erholsame AUSZEIT gegönnt, und melde mich heute, synchron mit dem SENFTENBERGER WEIHNACHTSMARKT, zum GLÜHWEIN passend als KOMMENTATOR mit „historischen Wahrheiten“ zum REGIONALEN WEINBAU zurück: >IN VINO VERITAS – IM WEIN LIEGT WAHRHEIT<

DER WEINBAU IN DER NIEDERLAUSITZ

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Vielfach wird den KLÖSTERN ein besonderer Einfluss bei der Einführung und der Ausbreitung des WEINBAUS zugeschrieben.
Das schnelle Aufblühen des Weinbaues bei den STÄDTEN legt vielmehr die Vermutung nahe, dass der WEINBAU vor allem durch die Schicht der städtischen BÜRGER gefördert worden ist. Aber auch ADEL & BAUERNSCHAFT dürften von Anfang an eine Rolle bei der Ausbreitung des WEINBAUS IN DER NIEDERLAUSITZ gespielt haben.
Der Kern des SENFTENBERGER WEINBAUGEBIETES lag an den Abhängen der RAUNOER Hochfläche zum nördlichen Magdeburger Urstromtal und westlich von SENFTENBERG. Hier zog sich ein nahezu
12 km langes ununterbrochenes BAND VON WEINBERGEN hin.
Anfangs war der WEINBAU im Raum SENFTENBERG, wie in vielen Teilen der NIEDERLAUSITZ, noch von kleinen, meist familiär geführten WEINBERGEN geprägt. SANDIGE BÖDEN und das MILDE KLIMA der Region ermöglichten den ANBAU robuster REBSORTEN, die den oft RAUEN BEDINGUNGEN standhielten. Der WEINBAU hatte hier eine lange, wenn auch bescheidene TRADITION, die bis ins MITTELALTER zurückreichte.
Auf den Weinbergen des AMTES SENFTENBERG gab es um 1800 zwei WINZERMEISTER und sechs WINZER. Als ausgesprochene SPEZIALKRÄFTE wurden die WINZER im Allgemeinen höher bezahlt als das übrige landwirtschaftliche PERSONAL. Für die HILFSARBEITEN im Weinberg und für die WEINLESE wurden meist TAGELÖHNER angeworben, deren ENTLOHNUNG vom Rat der Stadt festgesetzt wurde.
(max. 2 Groschen, zu Mittag etwas zu essen und Dünnbier zu trinken)

Zur BEFÖRDERUNG DES OBSTBAUES in der Niederlausitz wurden von Seiten der Obstbaugesellschaft in GUBEN in >Neues Lausitzisches Magazin< 1 (1822), S. 345—352.< u.a. folgende WEINSORTEN empfohlen:

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Aber auch der SENFTENBERGER WEIN wurde nicht schlecht beurteilt. („Es wird gemeinlich das große WEINFASS auf der Berg-Vestung KÖNIGSTEIN mit Torgauischen & SENFTENBERGER WEINEN angefüllet, und wenn eine solche große Menge WEIN in einem FASSE 20 oder 30 Jahre liegt, so wird er stark & köstlich“)
Die in Senftenberg am meisten angebaute Weinsorte war im 18. Jh. der „KLEBEROTE“ oder die „BÖHMISCHE REBE“, der hierzulande am besten reif wurde und als „der beste rote Wein“ charakterisiert wurde.

Im Allgemeinen war der WEINBAU recht einträglich. Immerhin brachten schon um 1720 die WEINBERGE mehr Profit als der ACKERBAU, in guten Weinjahren war der GEWINN reichlich, und selbst in mäßigen WEINJAHREN bezahlten sie doch noch immer zum mindesten die UNKOSTEN.
Verbraucht wurde der NIEDERLAUSITZER WEIN zu einem großen Teil im Lande selbst. Was die ERZEUGER nicht im eigenen Haushalt konsumierten, wurde an andere MITBÜRGER & BEWOHNER der umliegenden DÖRFER & STÄDTE verkauft. Daneben wurden sogar NACHBARLÄNDER mit Wein versorgt.
Vor allem aber der BAU DER EISENBAHNEN, wodurch die auswärtigen Weine so billig wurden, dass der NIEDERLAUSITZER LANDWEIN im Lande selbst kaum noch gefragt wurde, brachten dann jedoch das endgültige ENDE des Niederlausitzer Weinbaus.
Obwohl der WEINBAU IM RAUM SENFTENBERG nie große wirtschaftliche Bedeutung erlangte, war er doch ein wichtiger Teil der REGIONALEN IDENTITÄT.

DIE WEINLESE IM RAUM SENFTENBERG

Vor allem das VOLKSFEST ZUR WEINLESE in den Niederlausitzer Weinbergen war ein einfaches, aber herzliches Ereignis, das tief in der ländlichen TRADITION verwurzelt war. Die WEINLESE markierte den HÖHEPUNKT des landwirtschaftlichen Jahres und wurde von WINZERN, DORFBEWOHNERN & GÄSTEN gemeinsam gefeiert.
Der BEGINN der Weinlese im SPÄTHERBST wurde vom Rat der Stadt festgesetzt und durch die STADTPFEIFER durch TURMBLASEN verkündet. Vorher durfte nicht geerntet werden.
Die FESTLICHKEITEN begannen meist früh am Morgen, wenn die DORFGLOCKEN zur Arbeit in den Weinbergen riefen. Männer, Frauen und Kinder halfen bei der TRAUBENERNTE, oft begleitet von fröhlichem Gesang & Akkordeonmusik. Die Arbeit war anstrengend, doch die GEMEINSCHAFT und die VORFREUDE auf das FEST stärkten den ZUSAMMENHALT.

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In den WEINBERGEN rund um Senftenberg versammelten sich zur WEINLESE die Familien, Nachbarn – gelegentlich auch Tagelöhner. Die ARBEIT begann früh am Morgen, wenn der TAU noch auf den REBEN lag. Mit einfachen MESSERN oder kleinen SCHEREN wurden die TRAUBEN von Hand gelesen und in WEIDENKÖRBE gelegt.
Die ATMOSPHÄRE war geprägt von GEMEINSCHAFTSSINN & gegenseitiger HILFE. Während die ERWACHSENEN die TRAUBEN ernteten, sammelten die KINDER die abgefallenen BEEREN auf oder halfen beim TRANSPORT DER KÖRBE. Oft wurde während der Arbeit gesungen oder gescherzt, um die Mühen zu erleichtern.
Die WEINLESE war auch Anlass für EIN KLEINES FEST, das zwar schlicht, aber voller LEBENSFREUDE war & das dörfliche GEMEINSCHAFTSGEFÜHL stärkte:
Nach getaner Arbeit versammelten sich alle auf dem DORFPLATZ oder in einer großen SCHEUNE. Lange HOLZTISCHE wurden aufgestellt, und jeder brachte etwas zu essen mit: frisches BROT, KÄSE, WURST, eingelegtes GEMÜSE und natürlich den ersten „Federweißen“, den jungen, noch gärenden WEIN.
In geselliger Runde wurde musiziert, gelacht und am Abend – zu ZIEHHARMONIKA, GEIGE oder einer kleinen DORFKAPELLE getanzt.
Die Menschen trugen SONNTAGSKLEIDUNG oder ihre traditionellen TRACHTEN & in den TANZPAUSEN gab es kleine WETTBEWERBE, etwa im FASSROLLEN oder im ERRATEN des besten Weins.
So gestaltete sich in SENFTENBERG die WEINLESE alljährlich zu einem frohen VOLKSFEST, auf dem nach getaner Arbeit getanzt, gegessen & getrunken wurde, mancherorts auch FEUER und Feuerwerkskörper entzündet wurden.

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Nach der LESE wurden die TRAUBEN in die HÖFE oder kleinen KELTEREIEN gebracht. Ein HÖHEPUNKT war das gemeinsame KELTERN DER TRAUBEN, meist mit einfachen HOLZPRESSEN.
Die KINDER durften barfuß in großen BOTTICHEN die Trauben zerstampfen, während die ERWACHSENEN darüber lachten & scherzten und alte VOLKSLIEDER anstimmten. Es wurde gesungen, und manchmal erzählten die Ältesten Geschichten aus vergangenen Zeiten – eventuell auch mal ein selbst erdachtes >WEINMÄRCHEN<:

Maerchen_resize.jpg

„Es war einmal eine kleine, pralle WEINTRAUBE, die stolz an ihrer REBE hing und sich sonnte, als wäre sie die WEINBERGKÖNIGIN . „Ach, was für ein Leben!“, dachte sie, „Sonne, Regen, und ab und zu ein neugieriger WINZER, der mich bewundert.“ Doch das Schicksal hatte andere Pläne.
Eines Tages kam die große ERNTE. Die TRAUBE wurde gepflückt, gequetscht und in ein FASS geworfen – ein Schockmoment !
„Ich bin doch keine Marmelade!“, rief sie empört, während sie sich in SAFT verwandelte. Doch bald merkte sie, dass das Leben als MOST gar nicht so schlecht war. Es blubberte, es gärte, und sie fühlte sich beschwingt – fast wie auf einem wilden WEINFEST.
Nach Wochen der GÄRUNG war sie gereift, klar und stolz.
„ICH BIN WEIN“, rief sie, als sie in eine FLASCHE gefüllt wurde.
Nun stand sie im REGAL, elegant etikettiert, bereit, bei KERZENSCHEIN & KÄSE ihr neues PUBLIKUM zu verzaubern.
Und wenn sie nicht entkorkt wurde, dann träumt sie noch heute vom WEINBERG und der SONNE, die sie einst golden küsste.“


Notgeld_resize.jpg

Der frische MOST wurde in FÄSSER gefüllt und in kühlen KELLERN gelagert. Ein Teil des Mosts wurde als >FEDERWEISSER< schon während der GÄRUNG getrunken – ein beliebter Genuss in dieser Zeit.
Am Abend wurde getanzt – zu Ziehharmonika, Geige oder einer kleinen Dorfkapelle. Die Menschen trugen ihre FESTKLEIDUNG oder traditionelle TRACHTEN. Es gab kleine WETTBEWERBE, etwa im Fassrollen oder im Erraten des besten Weins.
So wurde die WEINLESE in den Senftenberger Weinbergen zu einem unvergesslichen GEMEINSCHAFTSERLEBNIS, das TRADITION & LEBENSFREUDE miteinander verband, wie sie 1873 der Senftenberger FRIEDRICH ROCH in seinen Dichtungen, Bd. 5, Senftenberg 1873, S. 104 / >Spaziergang nach den Weinbergen im Spätherbst<
sehr poetisch beschrieb:

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Gruss von der Weinlese PK _resize.jpg

„Bald erstiegen sie nun die sanft ansteigende Bergwand,
welche die Reben erzeugt, zu spenden den köstlichen Landwein.
Weit von Osten nach West, gar manche Stunde des Weges
langhin dehnt sie sich aus, geziert mit Bäumen und Häuschen,
die bald unten im Tal, bald oben hoch auf den hohen
Bergen der Leute gar viel zur Zeit der fröhlichen Lese. —
Hei, dann wimmelt der Berg von fleißigen Lesern und Kostern,
und je mehr es dann lohnt, um so emsiger regt sich's ohn' Ende.
Sieh, dann löst es mit Lust die köstlichen Trauben vom Stocke,
und zum Berge hinan strebt emsig die lesende Reihe.
„Butte voll!" hier und „Butte voll!" dort, so tönt' es ohn' Ende,
und zur Kelter hinab geht's eilig, traubenbeladen.
Horch! Dann ist ein Getön von Hörnern, Geschossen und Stimmen,
bald im schallenden Chor, bald wieder in Bergen vereinzelt,
je nachdem sich bewegt bald hierhin und dorthin die Menge.
Wenn dann endlich herbei die späte Nacht ist gekommen,
zieht es mit Sang und Klang nach Haus von jeglichem Berge.
Hellauf lodern die Fackeln, Raketen steigen zum Himmel,
Land und Städtchen erfüllt nicht enden wollender Jubel. -—
Solches im Herzen, zog hin die kleine, wandernde Sippschaft,
längs der schlängelnden Höhn zum höchsten Punkte gelangend.
Dort, wo zierlich und hell — aus weiter Ferne zu schauen —
glänzet im Sonnenschein mit spitzem Dache das Berghaus,
halten sie still und schau'n entzückt zum Tale hernieder.“

…um sich danach zum gemütlichen WINZERFEST
in einer der zahlreichen WEINKELLER & ~STUBEN einzufinden…


ERST DIE ARBEIT.jpg

Wollte man zu damaliger Zeit also ein großes UNGLÜCK schildern, das über ein Volk hereingebrochen ist, dann wurde wohl unter Tränen berichtet, wie dessen WEINBERGE durch einen KRIEG verwüstet wurden und die jubelnde FREUDE bei der WEINLESE und beim KELTERN ausblieb.
Die FREUDE an der WEINLESE war nämlich sprichwörtlich; ihrer beraubt zu sein,
galt als eine empfindliche GOTTESSTRAFE.
An der FREUDE der WEINLESE sollten deshalb auch die ARMEN teilnehmen. Auch der WANDERER, welcher an einem WEINBERG vorüberging, durfte schon vor der LESE daraus nach seinem Bedarf TRAUBEN essen; nur das MITNEHMEN von TRAUBEN in einem GEFÄSS war als DIEBSTAHL verboten.
Nach der WEINERNTE wurde noch eine NACHLESE gehalten, wo gesagt wurde, dass die WINZER bei der ERNTE etwas übriglassen, d.h. die umhergestreuten BEEREN sollte der Eigentümer den ARMEN & FREMDEN, WAISEN & WITWEN überlassen.

„Wem GOTT ein volles FASS bescheert,
der gebe GOTT den DANK;
Dem ARMEN, der ein GLAS begehrt,
versag‘ ER nicht den TRANK.“


WAHRHEIT IM WEIN_resize.jpg