Neues 150 - 2014-10-11

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Matthias
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Neues 150 - 2014-10-11

Beitragvon Matthias » Sa 11. Okt 2014, 07:54

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Harald
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Re: Neues 150 - 2014-10-11

Beitragvon Harald » Sa 11. Okt 2014, 16:09

Dann wollen wir nunmehr dem damaligen festlichen Ereignis auch einen würdigen GOLDRAHMEN verleihen.

Brunnenweihe 1924_resize.jpg

Das Foto zeigt eine Reihe recht prominenter Gäste der
BRUNNENWEIHE.
Besagte Prominenz war abzulesen an der Anzugsordnung:
"STRESEMANN" & ZYLINDER.
Der nach dem langjährigen deutschen Außenminister Gustav Stresemann benannte ANZUG galt als geeignet für offizielle Anlässe aller Art, vom Staatsempfang über das Bankett bis hin zur Trauerfeier.
Wir wollen aber weniger der Bekleidung, sondern mehr den Feierlichkeiten Tribut zollen,
so wie es auch der >Senftenberger Anzeiger< in seinem Bericht vom 13. Oktober 1924 tat:

"Von liebevollen Händen waren Straßen und Häuser mit Blumen, Guirlanden und Fähnchen festlich geschmückt, auch an dieser Stelle sei den Frauen und Kindern der Kolonie dafür gedankt.
Die Kapelle Jetschick-Hartmann leitete die Feier mit Beethovens 'Die Himmel rühmen' stimmungsvoll ein. Herr Oberbaurat Freise - Halle hielt die WEIHEREDE...und sagte Dank allen am Bau Beteiligten, den Bauleitern, insbesondere Herrn Archtitekten Tönnigs, den Handwerksmeistern und städtischen Behörden. Die KOLONIE wird der Genossenschaft in Selbstverwaltung übergeben, alle Mieter sollen sich wie in einer großen Familie fühlen,
die das Erworbene treulich achtet und pflegt. Mit diesem Appell an die Bewohner der neuen Kolonie ließ er die HÜLLE DES NEUEN BRUNNENS fallen.
Die Musik intonierte 'Am Brunnen vor dem Tore'."

Am Brunnen vor dem Tore_resize.jpg

Das >LIED VOM LINDENBAUM< ist im ganzen deutschen Sprachraum und sogar darüber hinaus bekannt. Die einzige noch immer im Raum stehende Frage wäre, zumindest für den Musiklehrer, folgende:
Wie ist denn überhaupt "am Brunnen vor dem Tore" aufzufassen ?
Offensichtlich gibt es zwei Möglichkeiten, das "vor" zu deuten, je nachdem, ob man von einem Standpunkt inner~ oder außerhalb der Stadt blickt. In der mittelalterlichen Wirklichkeit mussten nämlich die Wasserquellen ganz selbstverständlich im Stadtinnern liegen.
Da unsere Altvorderen aber in diesem überaus volkstümlichen Lied ein "sprechendes Zeugnis der deutschen Romantik" sahen, haben sie sich darüber auch keine großen Gedanken gemacht - nun gut, die Alten vielleicht etwas mehr als die Jungen - wie man auf den obigen Bildern sehen kann...
Doch wir wollen natürlich gern wissen, wie dieser BRUNNEN einst aussah:

"Das neue Schmuckstück unserer Stadt zeigte sich nun den Blicken der Festteilnehmer. Es ist ein LAUFBRUNNEN mit einem GÄNSEJUNGEN, der auf einem Sockel aus Muschelkalk steht. Vier BRONZERÖHREN des Sockels entströmt das Wasser, das in einem viereckigen geräumigen BECKEN von 2,80 Meter lichte Weite gesammelt wird.
Die FIGUR entstammt der Werkstätte des Bildhauers Horn - Naumburg
und ist in Muschelkalkstein gemeißelt. Becken und Sockel sind an Ort und Stelle aus einer Mischung von gemahlenem Muschelkalk und etwas Zement hergestellt worden, und zwar von hiesigen Handwerkern unentgeltlich.
Das Ganze macht, wie die Kolonie, einen harmonischen Eindruck und dürfte bald ein Lieblingsplätzchen der Jugend sein. Herr Bürgermeister Seedorf...übernahm den Brunnen als ein neues Schmuckstück in den Schutz der Stadt. Ferner machte er Mitteilung von der EHRUNG des Herrn Oberbaurat Freise durch den Beschluß der städtischen Behörden, die Straße, die zur Siedlung führt, FREISESTRASSE zu benennen.
Herr Lehrer Wilke trug einen selbstverfaßten >BRUNNENSPRUCH< vor, der allgemeinen Anklang fand:


Brunnenspruch.jpg

"Darauf fand eine gemeinsame BESICHTIGUNG der Kolonie und einiger Wohnungen statt, die alle Teilnehmer davon überzeugten, daß hier Gediegenes geschaffen worden ist.
Mögen sich die Bewohner der Kolonie in ihren neuen Wohnstätten recht wohl fühlen.
Ein kleines FESTESSEN in den gemütlichen Räumen der Bahnhofswirtschaft vereinigte die Siedlungs-Genossenschaft mit ihren Gästen zu einem gemütlichen Kreis, in dem noch manches gute Wort gesprochen wurde."

Als Historiker freut man sich immer, wenn man am Ende einer Recherche vermelden darf:
"Man kann den Brunnen auch heute noch in seiner vollen Schönheit...
eventuell "...in seiner schon etwas beeinträchtigten Schönheit bewundern."
Wehmütig klingt da schon: "... in seiner ganzen Zerfallenheit erleben."
Schaut man sich allerdings das brandaktuelle Foto an, so muss man leider konstatieren:
" Leider kann man den Brunnen nicht mehr bewundern.
Darüber ist inzwischen Gras gewachsen..."
:-(

Brunnenplatz 2014_resize.jpg


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