Nachdem der
KRAMMARKT den STARTSCHUSS zu den bevorstehenden FEIERTAGEN abgab, machte sich anschließend die Gilde tüchtiger HAUSFRAUEN an die Fertigstellung lukullischer Kostbarkeiten, die offensichtlich schon 1926 nicht auf die bis heute überaus populäre >RAMA BLAUBAND-MARGARINE< verzichten wollte…
Wie man sehen kann, setzte der „Margarine-Marktführer“ schon damals auf RABATTE u.a. WERBEGESCHENKE:
In meinem vorangegangenen KOMMENTAR ging ich bereits auf den ERNSTEN HINTERGRUND des von der KARWOCHE eingeleiteten OSTERFESTES ein. Heute, am GRÜNDONNERSTAG, wies unser Lokalblatt >Lausitzer Rundschau< nochmals ausdrücklich auf die KARFREITAGSVERBOTE hin:
BESINNEN STATT PARTY IN KLUBS ODER KNEIPEN:
AM KARFREITAG, an dem der KREUZIGUNG JESU gedacht wird, gilt das sogenannte >TANZVERBOT<. Der KARFREITAG zählt zu den >STILLEN FEIERTAGEN<, ebenso wie der VOLKSTRAUERTAG & der TOTENSONNTAG.
An diesen besonders geschützten Tagen können je nach Region TANZ, MUSIK & KINOFILME u n t e r s a g t sein. WAS GENAU VERBOTEN IST, definieren die GESETZE der jeweiligen Bundesländer.
In SACHSEN z.B. sind am KARFREITAG öffentliche TANZVERANSTALTUNGEN & VERGNÜGUNGEN, die dem ernsten Charakter dieses Tages zuwiderlaufen, während des ganzen Tages untersagt. Auch öffentliche SPORTVERANSTALTUNGEN sind n i c h t e r l a u b t. Die GESCHÄFTE des EINZELHANDELS bleiben an diesem Tag g e s c h l o s s e n.
Überraschenderweise machte gerade die EVANGELISCHE KIRCHE DEUTSCHLANDS (EKD) – für mich ziemlich abwegig – aus der
>KARWOCHE< ein recht absurdes EVENT…die evangelischen Großkopfeten scheinen etwas erfolgsverwöhnt zu sein, da es ja mit der närrischen HALLOWEEN – Deckelung des REFORMATIONSTAGES unter dem Schlachtruf „Glaube begegnet Grusel“ dank zahlloser KÜRBISSCHNITZER auch ziemlich problemlos über die Bühne stolperte…
Unter die VERBOTENEN ÖFFENTLICHEN VERANSTALTUNGEN fällt natürlich n i c h t die kirchlich interne
KONFIRMATION, die gleichsam als mit GESCHENKEN gespickte
SCHULENTLASSUNG gefeiert wird.
SEDLITZ, 29. März 1926:
„Während des
KONFIRMATIONSGOTTESDIENSTES am gestrigen PALMSONNTAG kam es zu einer unliebsamen STÖRUNG: Mitten in der FESTPREDIGT ertönten plötzlich FEUERSIGNALE und man sah durch die KIRCHENFENSTER aus der Tzschentkeschen Wohnung RAUCH aufsteigen. Ein MÄDCHEN der Familie befand sich unter den Konfirmandinnen. Der Kirchenbesucher bemächtigte sich allgemeiner UNRUHE & der GEISTLICHE unterbrach für einige Minuten seine PREDIGT, um den bedrohten Anwohnern & Feuerwehrleuten GELEGENHEIT zum Verlassen der Kirche zu geben. Glücklicherweise sah der BRAND schlimmer aus als es in Wirklichkeit war. Es war ein SCHUPPEN in Brand geraten. Durch tatkräftiges Eingreifen der FEUERWEHR wurde das FEUER schnell gelöscht & jede weitere GEFAHR beseitigt.
Unangebracht war es aber, daß ein Teil der Kirchenbesucher, insbesondere junge MÄDCHEN, aus bloßer NEUGIER den Gottesdienst verließen & und nach Befriedigung derselben EINZELN zurückkamen, wodurch unnötige STÖRUNGEN hervorgerufen wurden.“
SENFTENBERG, 3. April 1926:
„Die
PASSIONSMUSIK in der DEUTSCHEN KIRCHE am gestrigen KARFREITAG hatte leider nicht so viel HÖRER an sich gezogen, wie zu wünschen gewesen wäre, auch deshalb, weil der Ueberschuß für kirchliche Zwecke bestimmt war & um so mehr, als fast alle VORTRÄGE auf recht achtbarer KÜNSTLERISCHER HÖHE standen. Von vornherein war die echte PASSIONSSTIMMUNG hergestellt, die ihren ergreifendsten Ausdruck in dem vom MÄNNERGESANGSVEREIN 1854 und seinem DAMENCHOR unter Leitung von Kantor R. L e h m a n n wundervoll gesungenen GEMISCHTEN CHORE von Brahms >In stiller Nacht< und in Mozarts >Ave verum< fand...Kantor L e h m a n n bewährte sich auf der ORGEL in zwei Präludien, von denen das letzte in den von der GEMEINDE gesungenen SCHLUSSGESANG überleitete.
Allen MITWIRKENDEN gebührt herzlichster DANK für die FEIERSTUNDE, die sie den ergriffenen HÖRERN bereitet haben.“
GOTTLOB – ENDLICH OSTERN!
...atmete auch die vergnügungsaffine & vor allem tanzwütige SENFTENBERGER BÜRGERSCHAFT auf, denen
zum Glück auch ein „gerüttelt Maß“ an TANZGASTSTÄTTEN angeboten wurde:
SENFTENBERG, 6. April 1926
„>Befreit von Eis sind Strom und Bäche< … und befreit vom ALLTAG war auch jedes Menschenkind. Draußen in der NATUR sproß Baum & Strauch, jeder FELDRAIN, vor einigen Wochen noch grau & nüchtern, zeigte zu den FEIERTAGEN den in Scharen hinauseilenden SPAZIERGÄNGERN & TOURISTEN sein neues Kleid – sein saftiges OSTERKLEID.
Aber nicht nur in der Natur hatte die liebe SONNE den Termin des KLEIDERWECHSELS pünktlich innegehalten – auch wir MENSCHEN konnten es uns nicht verwehren, eine äußere UMWANDLUNG in Erscheinung treten zu lassen. Der PELZKRAGEN & ~MANTEL, alle uns so lieb gewordenen anderen Kleidungsstücke des WINTERS, sie mußten zu den FEIERTAGEN unbarmherzig der allmächtigen SONNE weichen. Die DAMEN in den hellsten & farbenprächtigsten Schöpfungen der Tyrannin MODE, die HERREN im leichten & bequemen SOMMERANZUG, so wanderte an den beiden FEIERTAGEN, zu denen sich noch der KARFREITAG gesellte, halb SENFTENBERG nach den wenigen, aber doch nicht alles Reizes entbehrenden AUSFLUGSORTEN unserer Stadt…NIEMTSCH…MARGA…BRIESKE…: und die beiden beliebten GASTSTÄTTEN >Höhe 304< und >Weintraube< wiesen einen REKORDBESUCH auf, der besonders am 1.OSTERFEIERTAG – dem vom Wetter begünstigteren – zu verzeichnen war. Wer nicht gut laufen konnte, oder einem kleinen ERDENWURM seine elterliche OBHUT hatte angedeihen lassen müssen, siedelte sich auf dem ELSTERDAMM an, der dann auch eine BUNTE REIHE – nicht nur von neuen KLEIDERN, sondern auch von neuen KINDERWAGEN aufweisen konnte…Der ELSTERDAMM – die PROMENADE SENFTENBERGS…– Um 7 Uhr morgens des 1.FEIERTAGES weihte ein BLÄSERKONZERT vom Kirchenstuhl der DEUTSCHEN KIRCHE den FESTTAG ein, um nach Schluß des Gottesdienstes die Andächtigen mit einigen FESTTAGSWEISEN heim zu geleiten. Die Mittagsstunden sahen dann den MARKTPLATZ von MENSCHENMASSEN umsäumt, die das von der STADTKAPELLE Koar dargebrachte OSTERKONZERT dankbar aufnahmen. Ein – zwei Stunden MITTAGSPAUSE, dann hatte die NATUR gesiegt. IHREN SONNENSTRAHLEN ENTZOG SICH NIEMAND !“
In GROSSRÄSCHEN & seinen ORTSTEILEN werden am OSTERSAMSTAG wieder die traditionellen OSTERFEUER entzündet, so u.a. in GROSSRÄSCHEN, GROSSRÄSCHEN – OST, FREIENHUFEN, WORMLAGE, SAALHAUSEN & BARZIG…
In der Hoffnung, dass dergleichen auch in SENFTENBERG & Umgebung geplant ist,
WÜNSCHE ICH ALL MEINEN TREUEN KOMMENTARLESERN EIN FROHES,
vor allem aber FRIEDLICHES & GERUHSAMES OSTERFEST !
...und falls SIE über OSTERN in der Senftenberger Region TANZEN waren,
dann verraten SIE mir bitte mal -- IN WELCHEM TANZLOKAL -- !!!