Hans Lange und Willi Kurz, Laudatio an zwei Heimatforscher

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Christian neu in SFB
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Hans Lange und Willi Kurz, Laudatio an zwei Heimatforscher

Beitragvon Christian neu in SFB » So 23. Mär 2025, 11:34

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Im Jahr 1976 wurde der 1. Band der Willi Kurz und Hans Lange Chronik geschrieben. Herausgeben konnte man in der DDR nicht.
Wer die Zeit, wie ich, erlebt hat, kann ermessen, welchen Herausforderungen die beiden Heimatforscher sich gestellt hatten.
Ein Zugang zu Bibliotheken war eingeschränkt, noch viel rigider war der Zugang zu einem Stadtarchiv („Nur für den Dienstgebrauch“,
oder „Vertrauliche Verschlusssache“).

Für viele Wissensgebiete musste man einen „Forschungsauftrag“ seiner Universität vorlegen.
Für Hobbyforscher also unmöglich (wenn man sich nicht selber einen schrieb). Wenn man dann doch an Material kam,
war es selten auszuleihen, also Lesesaal. Und es gab keine Kopiermöglichkeiten, weder Fotoaufnahmen noch Kopiergeräte.
Und über allem schwebte noch die Großzügigkeit des Personals, ein Buch, einen Artikel gezeigt zu bekommen.
Nicht zu vergessen, die politischen Richtlinien an viele Literatur gar nicht heranzukommen (Kaiserzeit, NS-Zeit, sowjetische Besatzung).

Und, lesen Sie mal diese Chronik. Sie ist ein Original. Alles noch selbst mit Schreibmaschine geschrieben.
Vermutlich gibt es nur 3 Exemplare davon. Allein schon wegen der immer schlechter werdenden Durchschläge auf diesem dünnen Papier und der vielen benötigten Originalpapierfotos für jedes neue Exemplar ('schätze mehr als 1000 Originalfotos)



Kurz und Lange waren entweder blauäugig, oder geschichtsbesessen. Ich bin mir sicher, letzteres.
Sie liebten ihre Heimat, auch, wenn Hans Lange, wie er schreibt, nur ein Zugereister war, wie so viele, die sich um die Senftenberger Geschichte bemüht haben. Siehe Kittel, Kreyßig, Rudolf Lehmann, Johann Gottfried Schultz, Liebusch, und auch Paulitz kam nicht unmittelbar aus Senftenberg.
Zugereiste habe für immer diesen Makel, egal, wie sich engagieren. Die erste Reaktion eines geschichtlich prominenten hier aus der Stadt,
als ich ihm sagte, ich schreibe an einer Chronik zum 750. Geburtstag der Stadt war: „muss ich dann gleich man schauen,
was du alles falsch gemacht hast“. Leider wenig miteinander eher nebeneinander und das ist schade bei der Heimatforschung,
dass viele ihr Material nicht zeigen wollen, oder, noch schlimmer: gar keines haben.
Auch der oben erwähnte, hatte die Chronik zwar „vor 40 Jahren schonmal in der Hand, konnte sie damals aber nicht kopieren“.
Seit dieser Zeit hätte es aber vielfach die Möglichkeit gegeben.
Man verzeihe mir die Manöverkritik/oder nicht, aber es zeigt den Umgang mit Geschichte.


Ich bin noch bei den Heimatforschern Hans Lange und Willi Kurz!

Seit 2022 erst liegt ein Digitalisat dieser Chronik vor. Und das nur, weil zwei sehr engagierte Heimatforscher,
Harald und Mattias Gleisner sich händisch bemühten, fast 3.000 Fotografien mit einer Handkamera davon zu machen.
Fast wie zu Ostzeiten.
Nur das es heute nicht so teuer ist. Aber ich möchte nicht wissen, wie viel Zeit sie dafür gebraucht haben.


Über Willi Kurz wissen wir noch weniger als über Hans Lange. Nur, dass er bei den ersten drei Bändel vorn anstand.
Ab Band 4 (1977) ist nur noch Hans Lange der Autor. Ist Willi viel zu früh verstorben?

Die beiden haben in einem Jahr, 1976, drei Bände dieser Chronik mit je 170 Seiten/ Band geschrieben.
Himmel, was für Arbeit. Danke den Herren!


Hans Lange lebte jedenfalls von 1920 bis 2002. Er hat es dann ganz allein bis zum 24. Band im Jahre 1987 geschafft.
Sage und schreibe 5.688 Seiten hat die Lange Chronik.





Die Lange Chronik besticht auch schon durch andere Details. Er hat abgeschrieben, klar, wie jeder Forscher von einem anderen.
Aber er hat z.B. abgeschrieben von den Beilagen des Senftenberger Anzeigers „Aus der Heimat, für die Heimat“,
die es heute komplett gar nicht mehr gibt. Und seine Bereicherung der Chronik mit Fotografien muss Jahre gedauert,
und viel Geld gekostet haben, denn in der Chronik sind keine gedruckten Fotos, sondern die Originalpapierabzüge eingeklebt.

Lange ist also in seiner Freizeit von Ort zu Ort gefahren, hat alles selbst händisch fotografiert.
Wie er sich die spätere Beschriftung gemerkt hat, ist mir ein Rätsel.

Auch das zweite Hauptwerk einer Senftenberger Chronik, das Werk von J.G. Paulitz fristet eher ein mageres Dasein,
weil kaum einer die 1.078 Seiten wirklich gelesen hat. Bestimmt nicht mehr als 10 Senftenberger. Aber fragt man danach,
dann heißt es schnell: Paulitz ist doch überholt und hat sich oft geirrt. Will man Beispiele für Irrungen wissen,
bekommt man keine (dasselbe Spiel, wie mit der Wikipedia an der ich seit 21 Jahren mitschreibe).

Irren ist menschlich, da haben sich schon ganz andere geirrt. Man darf in dieser Beziehung nie die Zeit vergessen,
in der solche Werke entstanden sind. Von Pontius zu Pilatus reisen, Bibliotheken abklappern, keine Kopierer, auf Wohlwollen
angewiesen sein und Briefe schreiben und auf Antwort hoffen (kennt man heute gar nicht mehr).

Heute gehen wir ins Internet und suchen in der Bibliothek von Heidelberg, San Francisco, Paderborn oder Warschau.
Mit Glück findet man auch was in Dresden oder Berlin zur Senftenberger Geschichte.

Ich bin jetzt mit den 24 Bänden der Lange-Chronik durch. Bin mir aber sicher: DIE lese ich nochmal.



P.S. ich habe nur Nießbrauch an der Chronik.

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Re: Hans Lange und Willi Kurz, Laudatio an zwei Heimatforscher

Beitragvon Matthias » So 23. Mär 2025, 13:45

Hans Lange (und sicher in begrenztem Maße auch Willi Kurz) haben trotz aller Limitierungen der damaligen Zeit und gesellschaftlichen Verhältnisse wissenschaftlicher gearbeitet, als der hier in unserer Stadt immer noch sehr hochgehaltene Studienrat Werner Forkert, der sich in übergroßem Umfang auch nur anderer Quellen bediente, aber nicht den Mumm hatte, zu schreiben, wo er seine Informationen - vielfach komplett - abschrieb.

Das ist nicht nur unwissenschaftlich sondern auch unanständig. Von den Plagiatsjägern von Vroniplag o.ä, würden Forkerts Werke in der Luft zerrissen werden, da er Übernahmen aus anderen Werken nichts als solche deklarierte.

Im Übrigen bedient sich Forkert auch bei Lange/Kurz. Natürlich ohne die Stellen kenntlich zu machen oder die Provenienz von Fotos klar zu benennen. Sein Quellenverzeichnis ist ein Witz!


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