Neues 679 - 2026-02-22

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Matthias
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Neues 679 - 2026-02-22

Beitragvon Matthias » Sa 21. Feb 2026, 15:49

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Harald
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Re: Neues 679 - 2026-02-22

Beitragvon Harald » So 1. Mär 2026, 11:13

Jugendmarken.jpg

Die DDR war von LEBENSMITTELKNAPPHEIT durch eine staatliche gelenkte MANGELWIRTSCHAFT & häufige ENGPÄSSE,
nicht nur bei Kaffee & Südfrüchten, geprägt.
Dagegen hat es an BRIEFMARKEN, dank der MILLIONENAUFLAGEN, zu keiner Zeit gemangelt & BRIEFMARKENEINSTECKALBEN führte jedes stinknormale SCHREIBWARENGESCHÄFT...

Die DDR-POST gab regelmäßig aufwendig gestaltete SERIEN zu politischen, kulturellen & wissenschaftlichen THEMEN heraus. Besonders bekannt sind BEGRENZTE SERIEN mit je einem SPERRWERT, welcher jedoch im Vergleich zu den anderen MARKEN nur in einer KLEINEREN AUFLAGE erschien – um (offiziell) das SAMMELINTERESSE zu steigern.
In Wirklichkeit waren SPERRWERTE in der DDR ab 1955 allgemein gültige SONDERPOSTWERTZEICHEN, deren GERINGE AUFLAGENHÖHE aber nicht nach POSTALISCHEN, sondern nach WIRTSCHAFTLICHEN ERFORDERNISSEN festgelegt wurde. Die DDR-Regierung hatte nämlich schon sehr früh den (der BILDUNG dienenden) KULTURELLEN, vor allem aber den WIRTSCHAFTLICHEN WERT der PHILATELIE für die dringend erforderliche „DEVISENBESCHAFFUNG“ erkannt & folglich diese SPERRWERTE gezielt für den EXPORT in Richtung WESTEN produziert. Sie wurden danach vom staatlichen AUSSENHANDEL der DDR („Kommerzielle Koordinierung“)
gegen DEVISEN an ausländische Philatelisten verkauft.

Schilder.jpg

An den POSTSCHALTERN innerhalb der DDR wurden diese WERTE (in der Regel) nur an INHABER eines gültigen >SAMMLERAUSWEISES< abgegeben. Dieser AUSWEIS konnte ähnlich einem Abonnement bei der POST für 2 Mark erworben werden.
Wenn allerdings die 14-tägige „BEZUGSZEIT“ für Ausweisinhaber vorbei war, konnte man im „vertraulichen Gespräch“ mit der Dame am Postschalter schon mal einige Exemplare abstauben…
Die umgangssprachliche Bezeichnung >SPERRWERT< wurde übrigens auch im postalischen SCHALTERVERKEHR verwendet. Im „Behördendeutsch“ sprach man zunächst von (a) >gebundenen Werten<, später (b) >Werten in geringer Auflage<.[/size]
Ab 1984 wurden von der DDR-Postverwaltung KEINE SPERRWERTE mehr herausgegeben. Heute sind die meisten Sperrwerte lediglich ein paar Euro wert. Wer einstmals auf sie setzte, hat sich verspekuliert…
Da sie allerdings immer noch viel SELTENER als normale Marken sind, werden sie auch heute noch als sehr WERTVOLL erachtet & zur Vervollständigung der eigenen SAMMLUNG selbstredend auch GESUCHT.

Der NUTZEFFEKT der >SPERRWERTE<
lag vor allem (1)) in den DEVISENEINNAHMEN, da viele WEST-Sammler die MARKEN
überwiegend über den Tausch~ oder Versandhandel kauften;
(2) in der „KÜNSTLICHEN SELTENHEIT“,
weil die Marken, die man nicht unbegrenzt erhalten konnte, natürlich um so begehrter waren;
(3) im KONTROLLIERTEN SAMMELN, denn gerade DDR-Sammler mussten sehr schnell zugreifen, wenn sie die Marken besitzen wollten, und schließlich (4) in der angestrebten "WELTGELTUNG", weil sich >HONECKERS TRUPPE< mit echt gut gestalteten politischen, historischen, oder auch sportlichen MARKENMOTIVEN zielgerichtet einen höheren internationalen Bekanntheitsgrad erhoffte.

SPERRWERTE finaler Titel.jpg

SPERRWERT - LEGENDEN

Da durch diese >KÜNSTLICHE VERKNAPPUNG< bestimmte MARKEN nur in wenigen Postämtern erhältlich waren, reisten SAMMLER via >SPERRWERT–TOURISMUS< quer durchs Land, um sie zu ergattern. 
Manche standen stundenlang in WARTESCHLANGEN, nur um ein paar EXEMPLARE zu bekommen – und TAUSCHTEN anschließend unter der Hand mit anderen SAMMLERN, fast wie auf einem SCHWARZMARKT.
Es gab SAMMLER, die stolz von ihren „PHILATELISTISCHEN HELDENTATEN“ berichteten: sie hätten eine ganze SERIE „nur durch BEZIEHUNGEN“ bekommen – etwa durch einen POSTBEAMTEN, der heimlich ein paar BÖGEN beiseitelegte. Solche GESCHICHTEN machten in SAMMLERKREISEN schnell die Runde…
Besonders pfiffige „SPEKULANTEN“ bezogen die FAMILIE, mitunter sogar gesamte VERWANDTSCHAFT in die Sperrwert-Beschaffung ein. Sie klapperten vor allen in größeren Städten mehrere POSTÄMTER gleichzeitig bzw. nacheinander ab…

TAUSCHHANDEL

„Der >Bund deutscher Philatelisten< mußte im März 1951 seine MITGLIEDER in WESTDEUTSCHLAND darauf aufmerksam machen, daß der AUSLANDSTAUSCH von BRIEFMARKEN von Sammler zu Sammler noch NICHT ERLAUBT ist, und daß deshalb SENDUNGEN von BRIEFMARKEN, die teils als WAREN, teils als DEVISEN gewertet werden, von den DDR- Zollorganen beschlagnahmt werden.“
(aus >Sammler-Express< 2. März-Heft 1951)

Kataloge.jpg

Obwohl also der TAUSCH mit Sammlern aus dem Westen VERBOTEN war, wurden illegal MARKEN heimlich in BRIEFEN verschickt – oft getarnt zwischen POSTKARTEN oder in BUCHSEITEN. Manche Sammler entwickelten RAFFINIERTE METHODEN, um die ZOLLKONTROLLE zu umgehen, etwa durch DOPPELTE UMSCHLÄGE bzw. FALSCHE ABSENDER. Bis zum „MAUERBAU 1961“ florierte das TAUSCHGESCHÄFT auch über Kurzbesuche in Ost~ & West-Berlin.
1978 erging in der DDR schließlich eine ANORDNUNG über die REGELUNG des Einzel~ & Großhandels mit SAMMLERBRIEFMARKEN, deren SAMMLERWERTE in den KATALOGEN >LIPSIA< (DDR) bzw. >MICHEL< (BRD) aufgelistet wurden.
Mark_resize.jpg

Und gerade mit diesen KATALOG-PREISEN gab es zwischen OST & WEST arge Probleme, sodass TAUSCHVERKEHR als engherzig & kleinlich abgetan wurde. Es sprach die ANGST daraus, einmal „zu kurz zu kommen“, so dass sich SAMMLER häufig im noch „gesamtdeutschen“ >SAMMLER-EXPRESS< von 1951 darüber wie folgt beschwerten:

„SAMMLER kann man am besten beim MARKENTAUSCH kennenlernen. Das TAUSCHGEBAREN lässt Einblicke in ihren CHARAKTER zu. Sie tauschen „auf den Pfennig genau“ nach KATALOGWERT. Dagegen bietet auch der KATALOG keine SICHERHEIT, denn er ist kein absoluter WERTMESSER. Wer Katalog~ mit Handelspreisen vergleicht, erfährt, dass die SPANNE zwischen beiden große UNTERSCHIEDE aufweist…“

…welche dann zu KRIMINALFÄLLEN mutierten, die ich im LETZTEN TEIL in der kommenden Woche Revue passieren lasse...und danach packe ich das THEMA >BRIEFMARKEN< aber erst einmal GANZ WEIT WEG !

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