WAS WAR LOS BEI UNS vom 29. JULI bis 1. AUGUST 1926 ? Es ist stets sehr interessant, mitunter auch vergnüglich, in
ALTEN ZEITUNGEN zu blättern, sind sie doch eine
FUNDGRUBE für an der
VERGANGENHEIT interessierte
LESER & bringen ein Stück
ZEITGESCHICHTE in unsere turbulente
GEGENWART.
„Nur wer die VERGANGENHEIT kennt, kann die GEGENWART verstehen
& die ZUKUNFT gestalten.“
Dieser, von August Bebel formulierte, zeitlose
LEITSATZ, gilt noch heute als ernst zu nehmende
MOTIVATION für jeden zielstrebig forschenden
HEIMATHISTORIKER.
Nach bislang
765 KOMMENTAREN zu den unterschiedlichsten
THEMEN, -
SENFTENBERG & Umgebung betreffend - habe ich als Ü80 inzwischen den
ZEITAUFWAND für THEMENSUCHE & RECHERCHE minimiert, denn Woche für Woche einen
KOMMENTAR zu bringen, ist beileibe keine Kleinigkeit – beim
>KIPPENSAND< hätte ich dagegen für die Erarbeitung
EINES EINZIGEN BEITRAGS ein gerütteltes
JAHR lang Zeit…aber an diesem
„SAMMELSURIUM“ mitzuwirken, war nie mein
ANSPRUCH !
Mein künftiges
KOMMENTARPROJEKT trägt den Titel:
>VOR 100 JAHREN<. Ich möchte anhand von
LOKALANZEIGEN & ~BERICHTEN – nicht nur aus dem >Senftenberger Anzeiger< – vom gesellschaftlichen, vor allem aber dem beispielhaften
KULTURELLEN LEBEN unserer
ALTVORDEREN erzählen, wobei ich
ANTWORTEN auf die
FRAGE suche:
WAS INTERESSIERTE DAMALS DIE LESER?Sie wollten - WIE OBEN ZU SEHEN - damals ev. zur EINZUGSFEIER, zum REITERFEST, OCHSENREITEN oder GARTENKONZERT…aber:
„FREUD‘ & LEID LIEGEN OFT BEISAMMEN“ Und so erwies man einer verdienstvollen Persönlichkeit
DIE LETZTE EHRE auf dem
MARGA-FRIEDHOF:
„Ein
NESTOR der brandenburgischen
LEHRERSCHAFT, der Hauptlehrer i.R.
GOTTLIEB PAULITZ hat nach langem, arbeits~ & segensreichem Leben für immer die müden Augen geschlossen.
Er wurde am 7. November 1839 zu
GRÜNEWALD bei Wiednitz (Oberlausitz) geboren & besuchte in den Jahren 1856/59 das
LEHRERSEMINAR zu
ALTDÖBERN. Schon 1919, bei der 100-Jahrfeier der dortigen Anstalt, war der älteste noch lebende, von dort abgegangene
LEHRER. Nach seiner
LEHRERPRÜFUNG war er ein Jahr als Lehrer in
SCHWARZBACH bei Ruhland tätig, um dann 51 Jahre zum Segen der Schule in
RAUNO bei Senftenberg zu wirken. Nach seiner
PENSIONIERUNG setzte er sich in
GRUBE MARGA zur Ruhe. Wenn auch seine
TÄTIGKEIT nicht über die heimatlichen Grenzen hinausging, so war sie vielleicht gerade dadurch von nicht zu unterschätzender
BEDEUTUNG. Sein
LEBENSWERK, das er noch in den letzten Lebensjahren zum
ABSCHLUSS gebracht, und das weiteste
VERBREITUNG gefunden hat, war die
>CHRONIK VON SENFTENBERG<. Bedeutend waren auch seine
FORSCHUNGEN auf den verschiedenen Gebieten der
HEIMATKUNDE. Auch an der
ERSCHLIESSUNG des
BERGBAUES im Senftenberger Kohlenrevier nahm er dank seiner eingehenden
GEOLOGISCHEN Kenntnisse der Heimat regen Anteil.
Gern hörte man ihn erzählen vom
ALTEN SENFTENBERG & seiner einst so
SCHÖNEN UMGEBUNG.
Ganz besonders lag ihm die
SANGESKUNST am Herzen. Eine große Zahl von
GESANGVEREINEN hat er ins Leben gerufen & geleitet und gehörte ihnen später als
EHRENMITGLIED an. Groß war seine
LIEBE zu VOLK & VATERLAND und sein
GEMÜT stets heiter & fröhlich – er war ein ganzer
MANN DER HEIMAT!
„Mit großen Ehren wurden gestern die sterblichen Reste des weitbekannten & beliebten Verblichenen ZUR LETZTEN RUHE bestattet. Außer seinen zahlreichen BEKANNTEN & FREUNDEN des hiesigen Ortes waren anwesend:
Der Vertreter der SCHULBEHÖRDE / Schulrat Schmidt, Senftenberg / Vertreter der ILSE-Direktion, der Stadt SENFTENBERG, der Gemeinde MARGA & der VEREINE aus der Umgebung, mit welchen der Verstorbene in nähere Beziehung gekommen war.
Der MGV >Grube Ilse< verschönte die FEIER am HAUSE mit dem LIEDVORTRAG „Da unten ist Frieden“; mit dem vom Lehrerverein vorgetragenen GESANG „Christus, der ist mein Leben“ wurde die sterbliche Hülle ins GRAB gesenkt. Superintendent L e h n e r d t schilderte in seiner GRABREDE in kurzen Zügen das vielseitige & umfassende WIRKEN des Verstorbenen als LEHRER, JUGENDERZIEHER, FORSCHER, SCHRIFTSTELLER sowie VEREINSGRÜNDER & ~LEITER.
Weil der ALTE KANTOR sein ganzes Leben lang auch ein begeisterter SÄNGER gewesen war, brachte ihm der GESANGVEREIN >Marga< als letzte Ehrung das LIED „Stumm schläft der Sänger“ und mit einem CHORAL, gesungen von KINDERN aus RAUNO, wo der Verstorbene über 50 Jahre als LEHRER & KANTOR gewirkt hatte, und das seine eigentliche HEIMAT war, endete die eindrucksvolle FEIER.
So ist nun die GRUFT geschlossen und Hauptlehrer PAULITZ ruht neben seiner GATTIN & treuen Lebensgefährtin, die ihm 10 KINDER geboren hatte, von denen 6 den VATER überleben – SIE war ihm im Jahre 1919 vorangegangen."

„Ja, sie haben einen GUTEN MANN begraben und UNS war er mehr.
Ein ALTER RECKE einer GUTEN ALTEN ZEIT ist von uns gegangen.
Trauernd steht heute eine große Gemeinde an der Bahre des alten SENFTENBERGER CHRONISTEN.
Groß sind seine VERDIENSTE um die GESCHICHTE unserer STADT
& der näheren UMGEBUNG. Von seinem Wirken zeugt sein Werk: die >CHRONIK VON SENFTENBERG<.
Zahlreich sind seine ZUWENDUNGEN für das HEIMATSMUSEUM, gern und mit großer Anteilnahme saß man zu seinen Füßen im Kreise des VEREINS FÜR HEIMATPFLEGE, dessen EHRENMITGLIED & MITBEGRÜNDER der Verblichene war,
um seinen HEIMATSGESCHICHTEN zu lauschen, in welchen er immer NEUES & INTERESSANTES in einer ihm besonders liegenden, mit HUMOR gewürzten Weise zu erzählen wußte. Mancher MANN & manche FRAU, aus dem Dorf RAUNO & Umgebung, die heute schon im vorgeschrittenen Alter stehen, werden ihrem alten verdienstvollen LEHRER eine stille Stunde dankbaren GEDENKENS widmen. –
ZUM TODE VON GOTTLIEB PAULITZ gedenken auch WIR seiner als des ältesten MITARBEITERS unserer ZEITUNG:“