Neues 429 - 2020-06-28

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Matthias
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Neues 429 - 2020-06-28

Beitragvon Matthias » Sa 27. Jun 2020, 07:44

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Harald
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Re: Neues 429 - 2020-06-28

Beitragvon Harald » So 28. Jun 2020, 16:26

Logo elsterhorst_resize.jpg
Am 27. September 2017 wies die >Lausitzer Rundschau< auf ein JUBILÄUM im Jahr 2018 hin
– das 110-jährige Bestehen der zwar nicht größten, dafür aber ältesten Senftenberger
KLEINGARTENANLAGE >ELSTERHORST< hin. Seit ihrer Gründung hat sich die Anlage flächenmäßig nicht verändert.
Nur 30 relativ gleich angeordnete, rund 125 qm große PARZELLEN gehören zum Gelände, das sich auf zwei Bereiche verteilt.
Auf Grund der vergleichsweise günstigen Größe und der Tatsache, dass hier die GEMEINSCHAFT hochgehalten wird, gibt es auch keinen Leerstand.

DIE ÄLTESTE SENFTENBERGER KLEINGARTENANLAGE

Dieses Schlagwort motivierte mich natürlich zu weiterer Recherche.
Mich stimmte erwartungsfroh, dass die erst im November 1923 unter dem Namen >HEIMATSRUH< (mit ‚s‘ wohlgemerkt) gegründete GARTENKOLONIE schon über eine detaillierte CHRONOLOGIE auf einer eigenen Homepage verfügt.
Dagegen betrübte mich, dass beim >ELSTERHORST< zumindest online noch alles weitestgehend im Tiefschlaf liegt.
Dafür kann letztere „Schrebergärten-Kolonie“ allerdings mit vielen ausführlichen Berichten im >Senftenberger Anzeiger< punkten,
wie z.B. der Meldung vom 18. Februar 1908 über die VEREINSGRÜNDUNG:

„Die gestern abends von einigen Mitgliedern des früheren OBST~ & GARTENBAU-VEREINS nach dem Meinhardt’schen Restaurant einberufene VERSAMMLUNG beschloß einstimmig die NEUGRÜNDUNG eines solchen Vereins für Senftenberg und Umgegend, und traten demselben sofort 14 Herren bei. Nachdem die SATZUNGEN verlesen und Annahme gefunden, wurde zur Wahl des Vorstandes geschritten. Die SITZUNGEN des Vereins finden jeden ersten Mittwoch im Monat statt. Herren, welche dem VEREIN beizutreten wünschen, wollen sich schriftlich an den Schriftführer Herrn Ober-Postassistenten Neuendorf wenden.“

In den Sommermonaten Juni & Juli wurden die alljährlich vom NATURHEILVEREIN organisierten und bei der Senftenberger Bürgerschaft sehr beliebten GARTEN~ & KINDERFESTE umfassend beworben, sowie nach erfolgter Durchführung für die „Nicht-dabei-gewesenen“ ausführlich kommentiert. LOGO & TEXTUMFANG in den INSERATEN blieben über die Jahre hinweg unverändert.

Inserate 21-25_resize.jpg

Vor allem diese „NACHBETRACHTUNGEN“ waren sehr engagiert, interessant und ausführlich geschrieben und vermitteln auch heute noch die frohe und ausgelassene Grundstimmung der Festlichkeiten. Einige der interessantesten aus den >GOLDENEN 20er JAHREN< möchte ich nachfolgend zitieren. So war am 7. Juli 1919 vom 10-jährigen STIFTUNGSFEST folgendes zu lesen:

„Der hiesige NATURHEILVEREIN konnte dieser Tage auf eine 10-jährige Wirksamkeit zurückblicken, welches in festlicher Weise begangen wurde. Am Sonnabend fand im herrlich geschmückten SCHÜTZENHAUSSAALE ein TANZKRÄNZCHEN statt, welches einen guten Besuch hatte. Sonntag nachmittags fanden sich die SCHREBERGÄRTNER mit ihren Angehörigen auf dem VEREINSGRUNDSTÜCK in der ELSTERSTRASSE ein, um ein schönes GARTENFEST zu begehen. Auch zahlreiche Freunde und Gönner des Vereins waren erschienen. Die mit GIRLANDEN und BLUMEN prächtig geschmückten GÄRTEN boten einen herrlichen Anblick und gewährten angenehmsten Aufenthalt. Außerdem wurden die Erschienenen vom Balkon des Mitgliedes Herrn Christoph aus durch gute GRAMMOPHONVORTRÄGE erfreut. Am Abend erstrahlten alle GÄRTEN durch hunderte von erleuchteten LAMPIONS in feenhafter ILLUMINATION, die noch durch großes BRILLANTFEUERWERK verstärkt wurde. Der Vereinsvorsitzende, Herr Thomalsky, der durch seine rege Tätigkeit unter bereitwilliger Mithilfe des Gesamtvorstandes den Hauptanteil an dem guten Gelingen des Festes hat, hielt eine der Bedeutung des Tages angepaßte ANSPRACHE.
Mehrere sangesfreudige Damen und Herren vom hiesigen MÄNNER-GESANGVEREIN fanden sich zusammen und sangen eine Reihe schöner LIEDER für Männerchor und gemischten Chor.
So verlief das SCHÖNE FEST zur vollsten Befriedigung aller Teilnehmer.“


Auch im Jahr darauf, am 6. Juli 1920, war das fröhliche KLEINGARTEN-PARADIES wieder Ziel vieler Besucher, die sich hier ein paar schöne Stunden machten:

„Ein reges Leben und Treiben entwickelte sich nachmittags in den SCHREBERGÄRTEN in der ELSTERSTRASSE, wo der NATURHEILVEREIN ein großes FAMILIENFEST beging.
Die GÄRTEN waren prächtig geschmückt und wurden abends durch unzählige bunte LAMPIONS herrlich erleuchtet. Musikalische und Gesangs-Vorträge, Preisschießen, Verlosung und andere Abwechselungen sorgten für breite UNTERHALTUNG der Festteilnehmer. Abends wurde ein großes PRACHTFEUERWERK abgebrannt. Gegen Schluß des Festes hielt der Vorsitzende, Herr Thomalsky, eine FESTANSPRACHE. Hoffentlich hat der VEREIN durch diese Veranstaltung wieder eine Anzahl neuer Freunde gewonnen, die ihn in seinen gemeinnützigen Bestrebungen unterstützen helfen.
- Zu gleicher Zeit feierten die Schrebergärtner von >WILHELMSLUST< ein ähnliches Fest, welches ebenfalls einen urgemütlichen Verlauf nahm.“


Am 19. Juni 1921 wurde dann die NEUE GARTENANLAGE durch den "Bundesvorsitzenden" festlich eingeweiht
- gefolgt natürlich von einem zünftigen GARTEN~ & KINDERFEST.

1921_resize.jpg

Vier Jahre später gab es schon die nächste ERWEITERUNG DER GARTENANLAGE, die ganz der Tradition verpflichtet mit einem GARTEN~ & KINDERFEST gefeiert – und selbstredend danach am 6. Juli 1925 vom >Senftenberger Anzeiger< ausführlich gewürdigt wurde:

„Es schien zwar, als ob der Wettergott traditionsgemäß auch dieses Mal gegen das SOMMERFEST DES NATURHEILVEREINS demonstrieren wollte, er besann sich jedoch nachmittags eines Besseren, veranlaßte den Ressortminister Petrus, die himmlischen Schleußen zu schließen, was dieser auch prompt besorgte, und gab seinen Segen zu dem SOMMERFEST.
Und so konnte sich in der herrlichen vorbildlichen SCHREBERGARTEN-KOLONIE des NATURHEILVEREINS in der ELSTERSTRASSE, über die wir später noch besonders plaudern werden, ein buntes fröhliches Leben und Treiben entwickeln.
Es herrschte in dem prächtig ausgeschmückten GARTENPARADIES, besonders dem Teile mit den HALLEN, bereits von 4 Uhr ab erfreulicherweise sehr starker VERKEHR, der dann gegen Abend zu einer kolossalen MENSCHENMENGE angewachsen war.
So viele Anhänger und Freunde aus allen Kreisen der Einwohnerschaft besitzt der NATURHEILVEREIN.
An UNTERHALTUNG & ZERSTREUUNG fehlte es wahrlich nicht.
Während mehrere Mitglieder der Jetschick-Hartmannschen KAPELLE unermüdlich gute KONZERTMUSIK boten, wurde man nach der LOTTERIE und dem GLÜCKSRAD verlockt, wo es Geld – richtiges GELD – und hübsche praktische WIRTSCHAFTSGEGENSTÄNDE zu gewinnen gab. Daß nicht alle einen TREFFER ziehen konnten, versteht sich von selbst; im großen und ganzen waren aber nicht allzuviele NIETEN auf Lager. Freilich, wer nun einmal ein PECHVOGEL ist, wie Schreiber dieses, der zog eben lauter Nieten, während andere GLÜCKSPILZE wieder lauter GEWINNE einheimsten. Das ist nun einmal so: Darob keine Mißgunst.
Durstige Kehlen fanden SCHANKZELTE für Liköre und Bier vor.
Gegen 6 Uhr trat der Vorsitzende des Naturheilvereins, Stadtrat Thomalsky, vor die neu errichtete zweite UNTERKUNFSTHALLE, ein hübscher langgestreckter Bau, und weihte dieselbe mit einer kurzen gehaltvollen ANSPRACHE, deren GRUNDGEDANKEN die drei Worte
>LICHT, LUFT, SONNE< bildeten. Aus seinen Ausführungen erfuhr man die geradezu rapide AUFWÄRTSENTWICKLUNG DES NATURHEILVEREINS, der 1909 mit 35 Mitgliedern begann und 1914 schon weit über 100 Mitglieder zählte. Er schuf aus dem öden Nichts in der ELSTERSTRASSE die bedeutungsvollen Werte des SCHREBERGARTENPARADIESES, das zweifellos dem Verein und seinen Mitgliedern, deren rastloser Arbeit dasselbe zu danken ist, ebenso wie der STADT SENFTENBERG zur Zierde gereicht.
Die schlichten Worte klangen in einem HOCH AUF DEN NATURHEILVEREIN aus. Dann nahm die Unterhaltung ihren weiteren Verlauf und Abends, als die KOLONIE in der wundervollsten elektrischen Beleuchtung sowie BUNTILLUMINATION erstrahlte – ein märchenhafter Anblick – wurde die alte Halle dann als TANZDIELE benutzt, indem man ein flottes TÄNZCHEN arrangierte. So nahm das FEST am ersten Tage einen prächtigen Verlauf, was wir auch von dem KINDERFEST heute, Montag, das der Veranstaltung die Krönung geben soll, wünschen möchten.“

Kinderfest_resize.jpg

7. Juli 1925:
„Wenn die Abhaltung des KINDERFESTES DES NATURHEILVEREINS gestern Nachmittag durch die zeitweise hartnäckigen GEWITTERREGEN bis gegen 2 Uhr immer noch in Frage gestellt schien, so ließ man sich doch nicht davon abhalten, sondern ging wacker aufs Ziel los. Und diese Tatsache danken die KINDER dem Vorstand. Trotz des aufgeweichten Bodens in der GARTENKOLONIE setzte gegen 4 Uhr ein fröhliches Leben und Treiben der festlich gekleideten KINDERWELT bei BEWIRTUNG mit Kaffee und Kuchen, mit Würstchen und Semmel sowie bei drolligen SPIELEN ein, an denen auch die vielen Erwachsenen ihre Genugtuung hatten und haben mußten. Die KAFFEETÖPFCHEN erhielten die Kinder als GESCHENK.
In der 7. Stunde gab es RIESENBETRIEB IM GARTENREICH, in dem die Jetschick-Hartmannsche KAPELLE wiederum fleißig konzertierte.
Bei Einbrechen der Dunkelheit formierten sich gegen 200 KINDER zum UMZUG durch die Hauptstraßen der Stadt, der mit der buntfarbigen LAMPIONBELEUCHTUNG das gewohnte hübsche Bild von früher gewährte. Jedenfalls stand das diesjährige SOMMER~ & KINDERFEST DES NATURHEILVEREINS in seiner ganzen Aufmachung und in seinem Verlauf dem vorjährigen in nichts nach.“


Obwohl ich noch einige BEITRÄGE aus den 20er Jahren in meinem „Archiv“ habe,
möchte ich mit einem schönen >SCHLUSSWORT< vom 2. Juli 1926 meinen heutigen AUSFLUG IN DIE GARTENWELT beenden:

„Den Aufenthalt in frischer Luft und Sonnenschein mit einem praktischen Zweck zu verbinden, dabei Freude am selbst Erarbeiteten zu wecken, werden ohne Zweifel die Grundgedanken zur Schaffung von SCHREBERGÄRTEN gewesen sein. So ist es auch ganz naturgemäß, daß VEREINE und Gesellschaften, auf deren Panier >LICHT, LUFT & SONNE< geschrieben steht, sich solche KLEINGÄRTENKOLONIEN gegründet haben. Jeder kennt die schönen GÄRTCHEN der Mitglieder des NATURHEILVEREINS. Um sie unseren Einwohnern einmal zu zeigen und Gelegenheit zu geben, einen recht angenehmen Nachmittag dort zu verleben, veranstaltet der NATURHEILVEREIN im GARTENGRUNDSTÜCK ELSTERSTRASSE alljährlich ein GARTENFEST, welches mit einem ausgelassenen KINDERFEST verbunden wird…“

Da MEINE FAMILIE ca. 40 Jahre lang einen KLEINGARTEN in der Gartensparte >Franz Mehring< in Brieske ihr Eigen nannte, ihn mühevoll und ausdauernd bewirtschaftete und somit während der an Obst & Gemüse armen DDR-Zeit einigermaßen versorgt war, bin ich sehr angetan von diesem Thema. Falls also GARTENFREUNDE, speziell aus dem ELSTERHORST, noch HISTORISCHES BILDMATERIAL besitzen und es uns ausleihen würden, könnten wir auf >www.gruss-aus-senftenberg.de< noch weitere GARTENFESTBERICHTE anbieten…
Hoffnungsvoll wünsche ich nunmehr ALLEN GARTENFREUNDEN EINEN IMMERGRÜNEN DAUMEN !

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