Neues 360 - 2019-02-03

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Matthias
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Neues 360 - 2019-02-03

Beitragvon Matthias » Sa 2. Feb 2019, 10:05

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Harald
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Re: Neues 360 - 2019-02-03

Beitragvon Harald » So 3. Feb 2019, 11:17

Kriegswinter_resize.jpg

GAB ES FRÜHER WIRKLICH MEHR SCHNEE ?

Bei dieser Frage bekommen die älteren Jahrgänge stets einen ganz verklärten Blick und erzählen dann postwendend,
wie es FRÜHER mit der WEISSEN PRACHT bestellt war
– so also auch ICH:
Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen WINTER OHNE SCHNEE erlebt zu haben.
DER ERSTE SCHNEE kam Anfang Dezember, blieb liegen und taute erst, wenn „im Märzen der Bauer…“
Nach der Schule warfen wir die Schulsachen in die Ecke, schulterten SKI oder RODELSCHLITTEN,
und trollten uns in die >HÖRLITZER ALPEN<. Unser „Skiparadies“ wurde auch von zahlreichen Senftenbergern bevölkert,
die per Stadtbus anreisten, bis es im Tagebau Meuro für immer verschwand…
Wie sehr die Erinnerung oft trügt, beweisen die ERZÄHLUNGEN meiner Altvorderen über meine Hausgeburt am 2. Januar 1944, welcher ein beschwerlicher Anmarsch der Hebamme aus Sauo durch 1 METER HOHEN SCHNEE vorausgegangen sein soll. Der >Senftenberger Anzeiger< vermerkte jedoch:
„Das äußere Bild des Jahreswechsels verbindet sich nun mal mit einer stillen SCHNEELANDSCHAFT, die zum Leidwesen vieler nicht vorhanden war.“
So ist das halt mit dem „LANGZEITGEDÄCHTNIS“!

Möglicherweise wird ein SCHNEEREICHER WINTER sehr oft vom SCHNEEARMEN, jedoch "ARSCHKALTEN" WINTER überdeckt.
Für meine Leser der JAHRGÄNGE 1939/1942 - also eines HOCHGRADIG STRENGEN KRIEGSWINTERS -
zitiere ich nunmehr einige Berichte aus dem >Senftenberger Anzeiger<, die dabei helfen sollen, eventuelle Gedächtnislücken zu kitten:

SA schnee_resize.jpg

GLATTEIS TAUEND. (3. Januar 1939)

„Der WETTERUMSTURZ in den letzten Tagen und Nächten mit dem Ansteigen der Temperaturen hat sich auf den Straßen nicht immer günstig ausgewirkt. Der FROST in den Nächten brachte leicht GLATTEISBILDUNG mit sich, und am Tage ging der Auftauprozeß weiter. Es bildeten sich Unebenheiten, die den Radfahrern, weniger aber den Autos gefährlich wurden. Am Montag zeigten alle Straßen im TAUEN befindliches GLATTEIS.
Ueberall wurde nach Möglichkeit gestreut.“

STRASSENZUSTANDSDIENST (7. Januar 1939)

„Die STRASSEN DER NIEDERLAUSITZ haben eine festgefahrene und festgefrorene SCHNEEDECKE und in Waldgebieten SCHNEEGLÄTTE. Ueberall, wo nötig und möglich, wird gestreut. Infolge Wiedereinsetzens von NACHTFRÖSTEN und von neuen SCHNEEFÄLLEN (5-15 cm) weisen die Straßen allgemein SCHNEEGLÄTTE, Spurrinnenerschwerung und stellenweise GLATTEISBILDUNG auf.
Die Straßen werden bestreut, es muß aber mit Vorsicht gefahren werden.“


SO ÜBEL IST DER WINTER NICHT: (9. Januar 1939)

„Man soll den WINTER nicht schlechter machen als er ist.
Ein paar kleine Beispiele:
Da jammert einer, der sich auf der Straße das Bein brach, über den WINTER und die verdammte GLÄTTE. Er hätte alle Ursache, seinen Zorn auf den Besitzer des Hauses abzuladen, vor dem das Unglück geschah. Diesen kann er zwar nicht für den FROST verantwortlich machen, denn den bestellt der Hauswirt auch nicht, wohl aber kann dieser die Wirkung der EISBILDUNG vor seinem Hause durch STREUEN aufheben. Er kann das nicht nur, er ist sogar dazu verpflichtet. Er haftet für alle Schäden, die durch Nichtbeachtung dieser seiner Pflicht entstehen.
Im WINTER wird es früh dunkel. Ist nun aber der WINTER schuld,
wenn sich nachmittags um 5 jemand auf einer winkligen und dazu unbeleuchteten Treppe den Schädel verbeult ?
Der Hauswirt oder der Hausverwalter ist auch hier der schuldige Teil.
Der WINTER schafft nur die Dunkelheit, sie erhellen muß jener, der dazu gesetzlich verpflichtet ist.
Aehnlich verhält es sich mit nassen und glitschigen Treppenstufen oder Hausfluren. Im WINTER liegt nun mal öfter SCHNEE auf der Straße und wird an den Füßen mit ins Haus geschleppt, wo er liegen bleibt und schmilzt. Dafür ist ja der Mensch mit Verstand und Verantwortungsgefühl begabt – oder sollte es wenigstens sein – , daß er diese Begleiterscheinungen des WINTERS beseitigt, ohne daß sich jemand den Hals bricht.“

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POLIZEIVERORDNUNG vom 16. September 1938
über die allgemeine Ordnung in der Stadt Senftenberg

(9. Januar 1939)

§ 3
„Die Entfernung des SCHNEES und das Bestreuen haben zu erfolgen während der Zeit von 7 – 21 Uhr, und zwar fortlaufend, ohne Rücksicht auf etwa noch anhaltenden SCHNEEFALL, so oft, als der Verkehr es erfordert und es zur Beseitigung der GLÄTTE nötig ist.
SCHNEE kann vorübergehend auf den Fahrdamm, hart am Straßenrinnstein, aufgeschichtet werden. Letzterer muß jedoch frei bleiben. Derart aufgeschichtete SCHNEE~ & EISMENGEN sind vom Fahrdamm wegzuräumen, falls TAUWETTER eintritt oder die Anhäufung den Verkehr behindert. Bei besonders breiten Bürgersteigen kann der SCHNEE am Rande derselben aufgeschichtet werden, jedoch ist hierbei zu beachten, daß eine mindestens 2 m breite Fläche als Gehbahn frei bleibt.“


TAUWETTER – 10 Grad Wärme (9. Januar 1939)

„Von einem rapiden TEMPERATUR-UMSTURZ wurde fast ganz Deutschland betroffen. So wurden in der Nacht zum Sonntag in Senftenberg noch 10 Grad KÄLTE gemessen. Am Sonntagmorgen um 8 Uhr herrschte mit minus 2 Grad nur noch leichter FROST. Um 19 Uhr hatten die Temperaturen schon einen Stand von 5½ Grad WÄRME erreicht.
Das TAUWETTER, durch das viele Straßen fast unpassierbar geworden sind – denn überall haben sich große WASSERLACHEN gebildet – machte die Geh~ und Fahrbahnen SPIEGELGLATT. Die Folge waren waren weniger im Innern der Stadt, dafür stärker an der Peripherie viele STÜRZE & UNFÄLLE. So hat sicherlich die GLÄTTE mit beigetragen, einen UNFALL in der Briesker Straße zu verursachen, wobei es Schnittwunden im Gesicht und Materialschaden gab. Glimpflicher verlief ein UNFALL an der Koschener Brücke. Hier rutschte ein PKW in den Straßengraben. Die Folge waren eingedrückte Kotflügel.
Mehrere STÜRZE von Fahrrädern verursachten Prellungen und Hautabschürfungen.“


schneetage_resize.jpg

HALTET DIE FAHRSTRASSEN SAUBER (Januar 1940)

„Für die großen Verkehrsstraßen sorgt die Stadt, aber bei denen, die inn Nebenstraßen wohnen, sieht es trübe aus. In einer Zeit, wo so viele den Arzt brauchen, liegt es doch im eigenen Interesse, dafür zu sorgen, daß auch ein Auto ungehindert durch die Straßen fahren und auch umlenken kann. In allen Siedlungen, im Großenhainer Straßenviertel bleibt man einfach stecken. Dort ist gerade einmal dafür gesorgt, daß eine Person allenfalls mit einem Kinderschlitten gehen kann.
Das ist alles. Der Arzt hat keine Zeit, sich erst Bahn zu schaufeln. Und in der Nacht kann er niemand bitten, mal anzuschieben…“


HALTET DIE STRASSEN SAUBER

„Daß der WINTER mit seinen SCHNEEMASSEN die Straßen und Wege schier unpassierbar macht, ist eine Tatsache, der nur durch Beseitigung des SCHNEES zu begegnen ist. Nicht nur Fahrstraßen sind oft schwer passierbar, sondern auch Bürgersteige. In der Briesker Straße, deren Fahrdamm wohl von SCHNEE befreit wurde, ist auf dem rechten Bürgersteige hinter dem Schützenhause kaum zum Friedhof zu kommen. Hier fand der SCHNEE vom Fahrdamm am und auf dem Bürgersteige seinen Platz.
Andere Straßen sind von ähnlicher Beschaffenheit. Daß es besonders im Großenhainer Wohnviertel hinsichtlich der Straßenverhältnisse trübe aussieht, ist ein Zustand, gegen den die Anwohner schon immer aufgemuckt haben. Während man zuweilen im Sommer nur mit hohen Gummistiefeln durch den Straßenmorast schreiten kann, sind dort jetzt im WINTER die SCHNEEMASSEN kaum zu durchstapfen und selbst einem Autofahrer droht das Steckenbleiben seines Vehikels.
Gleich in den ersten Tagen des SCHNEEFALLS hätte ein SCHNEERÄUMTRUPP tätig werden müssen…Schließlich hilft es nichts, darüber zu räsonnieren, daß wir innerhalb dreier Tage von einem dichten und schweren SCHNEEPELZ eingedeckt wurden. Er ist der Einwohnerschaft vielfach lästig und muß beseitigt werden – auch in den Nebenstraßen. Wie wäre es, wenn die Anwohner der Nebenstraßen und Außenviertel in Gemeinschaftsarbeit daran gingen, diese mit Schaufeln und Besen sauber zu halten. SCHNEESCHAUFELN, in Gemeinschaft betrieben, kann zur Freude werden.“

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Majestaet_resize.jpg

(25. Februar 1940)

„Fast hätten wir ihn nicht mehr ganz ernst genommen, den gestrengen Herrn, den WINTER. Denn wie hat er sich in den letzten Jahren gezeigt ? Da gab es ein paar Tage strengen FROST, ein bißchen SCHNEE – und das war dann schon ein freudiges Ereignis.
SCHNEE GEHÖRT DOCH ZU EINEM RICHTIGEN WINTERWETTER,
wie der Flieder zum Mai…
Und die längste Zeit des Jahres war >Uebergang<, mit viel nassen und wenig trockenen Tagen.
Ach, wenn wir doch auch nur einmal einen >RICHTIGEN WINTER< hätten – wünschten sich die Jungen insgeheim – so wie ihn unsere Eltern und Großeltern kannten, als man über die zugefrorenen Flüsse spazieren ging und im PFERDESCHLITTEN bei Schellengeläute durch die Landschaft fuhr.
Und nun haben wir ihn kennengelernt, DEN RICHTIGEN WINTER.
Als ein mitleidloser und gestrenger Herrscher ist er eingezogen und überzog uns mit einem WINTERWETTER, das geradezu SIBIRISCH genannt werden kann. Volle 2 Monate dauert seine Herrschaft jetzt schon, und noch wissen wir nicht, wann er zum Rückzug bereit ist.
EINEN SOLCHEN WINTER wie den, der uns jetzt beschert wurde, hätten wir uns in unseren kühnsten Vorstellungen nicht träumen lassen.
Nicht wie eine jahreszeitliche ERSCHEINUNG, sondern wie eine NATURGEWALT ist er hereingebrochen…


Doch damit uns nochmals bewusst wird, dass alle Beiträge aus dem KRIEGSWINTER stammen, zum Schluss noch die damals alltägliche
DURCHHALTEPAROLE:

"Der WINTER hat ganz Europa in Fesseln von SCHNEE und EIS gelegt.
Nur Geduld. An ihren zugigen Kaminen, bei Fenstern, die in allen Zimmern von der Decke bis zum Fußboden reichen, frieren die FRANZOSEN, die ENGLÄNDER frieren am Kamin und klappern mit den Zähnen und sagen: mal sehen, wer Sieger bleibt…und wir reiben uns die Hände, schippen den SCHNEE, um warm zu werden und sagen:
Mal sehen ! Ihr könnt uns nicht unterkriegen. Ihr nicht und nicht
SEINE MAJESTÄT DER WINTER !


Doch das KRIEGSENDE rückte gottlob näher, als am 13. Januar 1942 befohlen wurde:
„Sämtliche RODELSCHLITTEN mit 110 cm und mehr Länge werden von der Wehrmacht dringend gebraucht und sind abzugeben.
Die SCHLITTEN werden von einer Gerätebeschaffungskommission angekauft. Die Bezahlung erfolgt an Ort und Stelle.“


POTZTAUSEND: Ich schaue gerade aus dem Fenster und kann frohlocken:
ES SCHNEIT ! HURRA ! WIE FRÜHER ! DA SCHNEITE ES IM WINTER PAUSENLOS ! :D

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