Neues 378 - 2019-06-16

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Matthias
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Neues 378 - 2019-06-16

Beitragvon Matthias » Sa 15. Jun 2019, 08:34

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Harald
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Re: Neues 378 - 2019-06-16

Beitragvon Harald » So 16. Jun 2019, 12:54

DORFKRUG
…da war doch noch was ?

Ach ja: In der >DOFKRUG – ORDNUNG< der „Landwirthschaftlichen Polizeygrundsätze“ von 1791 las ich folgendes:

„Es ist Bedacht zu nehmen, daß die MARKTFLECKEN & DÖRFER hinlänglich, jedoch nicht überflüssig, mit WIRTHSHÄUSERN versehen seyen, damit nicht durch Uebermaaß derselben die Wirthe einander selbst die Nahrung rauben, und Müssiggang und Schwelgerey unter den Bauern befördert werde…“
Und da in GROßKOSCHEN der >DORFKRUG< gegenüber der KIRCHE stand, passte auch das folgende Verbot haargenau:
„Um die Entheiligung der SONN~ und FEIERTAGE zu verhüten, verbiete man den Wirthen, vor und zwischen den PREDIGTEN Gäste zu setzen, bei 2 Reichsthaler Strafe für jedes mal.“
Schließlich wurde streng auf GERECHTIGKEIT geachtet:
„Es soll der Wirth kein anderes SPIEL erlauben, als daß ein BAUERSMANN, wenn das Spiel ganz geendigt ist,
nicht mehr als 4 Ggr. verlieren kann, was darüber ist, soll sofort zurückgegeben werden.
Dahingegen haben die Wirthe den Bedacht darauf zu nehmen, daß den Gästen zu anderen vergnügenden Spielen, wobey die GESCHICKLICHKEIT mehr Antheil hat, als das GLÜCK und die GEWINNSUCHT, Gelegenheit gemacht werde.“

Rad-collection_resize.jpg

Möglicherweise trugen seit 1921 die jeweiligen Eigentümer des >DORFKRUG< zur Förderung des RADSPORTS in Großkoschen bei, da sie den großen SAAL für den Trainings~ & Wettkampfbetrieb bis zum Jahre 1996 zur Verfügung stellten.

In Hinblick auf das Jahr 2021, in dem der hier ansässige, geschichtsträchtige

RADSPORTVEREIN

sein 100-jähriges JUBILÄUM feiern wird, gestatte ich mir heute einen kleinen „Historikerblick“:

Lied-Abzeichen_resize.jpg

Als sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Produktion von FAHRRÄDERN zu einer der erfolgreichsten Zweige der Massenindustrie entwickelte, und durch einen erbarmungslosen Konkurrenzkampf der Fahrradfabrikanten die Preise verfielen, wurde das FAHRRAD zum unverzichtbaren TRANSPORTMITTEL der „kleinen Leute“.
Nun konnten sich auch ARBEITER endlich eigene FAHRRÄDER, anfangs nur gebrauchte oder sehr einfach ausgestattete, leisten.
Sie erreichten damit nicht nur erheblich schneller die oft weit entfernten Fabriken, sondern nutzten das FAHRRAD auch, um ihren meist dunklen, feuchten Wohnungen, in denen die meisten Arbeiterfamilien hausen mussten, zu entfliehen. Die ARBEITER-RADLER wollten daher gern im Verein radeln, wussten aber, dass sie in den bürgerlichen Clubs keine Chance hatten bzw. auch von sich aus nicht in Frage kamen.
Zu diesem Zweck schloss man sich erst zu „FAHRGEMEINSCHAFTEN“ zusammen, aus denen im Jahre 1896 schließlich der
>ARBEITER-RADFAHRERBUND SOLIDARITÄT< erwuchs, im Jahre 1932 bereits ca. 400.000 Mitglieder zählte und zum größten Radsportverband der Welt wurde. Doch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich das schlagartig:
im Mai 1933 wurde die „Solidarität“ verboten und ihr gesamtes Eigentum beschlagnahmt.

Rad-Vereine_resize.jpg

Auch in unserer Region hatten sich mit Beginn des 20. Jahrhunderts nach und nach RADSPORTVEREINE gegründet, von denen einige „bürgerlich-konservativ“ ausgerichtet waren, andere, wie die aus HÖRLITZ, SENFTENBERG II und GROßKOSCHEN, dem inzwischen weltweit agierenden >ARB Solidarität< beitraten - letzterer am 31. JULI 1921 !
SOLIDARITÄT sollte bereits ausdrücken, dass sie sich als Teil der Arbeiterbewegung verstanden, neben den sportlichen Aktivitäten aber auch stets für ein „Miteinander und Füreinander einstehen wollten“.
Von Anfang an waren übrigens auch Frauen als Mitglieder zugelassen; was man folgendermaßen begründete:
„Es ist nicht anzunehmen, daß eine GESUNDE FRAU durch den Gebrauch des FAHRRADES Schaden erleiden kann, vorausgesetzt, daß sie sich nicht überanstrengt, daß sie nicht zu lange, nicht zu schnell und nicht über allzu steile Anhöhen fährt. Der RADSPORT werde sie lehren, eine LANDKARTE zu verstehen und den Veränderungen im Raume geistig zu folgen…“

Rad-Bannerweihe_resize.jpg

Die Mitglieder der "SOLIDARITÄT" hatten ein eigenes Sportverständnis: nicht Rekorde oder bezahlter Leistungssport standen im Vordergrund, sondern Körperkultur, Körperbeherrschung und gemeinschaftliches Erleben. Der Verband pflegte Radtouristik, Kunstrad~ & Reigenfahren sowie andere Saalradsportarten, vor allem RADBALL.
Anstelle von rekordträchtigen RADRENNEN veranstaltete man demonstrativ Wettbewerbe im LANGSAM-FAHREN.

Der Broschüre >HISTORISCHE EINBLICKE GROßKOSCHEN< von 2008 habe ich die folgenden FAKTEN entnommen:

„Die Großkoschener ARBEITERSPORTLER gründeten im Jahre 1919 die >FREIE TURN~ & SPORTVEREINIGUNG<. Im Jahre 1921 ging daraus der >ARB „Solidarität“ / Ortsgruppe Großkoschen< hervor. Anfangs stand das RADWANDERN im Vordergrund. Nach 1925 wurde der SAALSPORT mit dem REIGENFAHREN und dem RADBALL aktueller.
Anfang 1933 erfolgte die AUFLÖSUNG der Arbeitersportvereine. Mit Beginn des 2. Weltkrieges kam der SPORT in Großkoschen zum Erliegen.
Nach dem Krieg begann der NEUAUFBAU. Begonnen wurde mit dem REIGENFAHREN, hinzu kam RADBALL; zum Trainingsprogramm gehörten zeitweise auch RADPOLO und KUNSTFAHREN.“


Die VEREINSFAHNE überstand gottlob alle Wirren der Geschichte:

Bild Vereinsfahne_resize.jpg

Zu DDR-Zeiten wurde das Dorf durch zahlreiche sportliche Erfolge im RADBALL bekannt,
wie der folgende Artikel aus der >Lausitzer Rundschau< beweist:

LR Artikel_resize.jpg

Wer die Entwicklung dieser Sportgemeinschaft näher kennenlernen möchte,
dem sei die Webseite des Vereins empfohlen:
https://www.rsv-gko.de/

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Harald
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Re: Neues 378 - 2019-06-16

Beitragvon Harald » Mo 17. Jun 2019, 12:22

In der >DORFKRUG – ORDNUNG< taucht die Abkürzung „GGr“ auf:

GGr = GUTER GROSCHEN ist der Name der FÜRSTENGROSCHEN, die seit Ende des 16. Jahrhunderts 1⁄24 REICHSTALER galten.
Wegen des Reichsapfels wurde er auch Apfelgroschen genannt. Die Bezeichnung >Guter Groschen< blieb bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts geläufig.

GGr_resize.jpg

In einer >Waaren-Calculation< von 1769 findet man die
„Eintheilung der Brandenburgischen und Sächsischen Müntzen":
1 Reichsthaler = 24 gute Groschen.
1 guter Groschen = 12 Pfenning.


Die UMRECHNUNG eines REICHSTHALER in EURO bzw. der im Kommentar erwähnten Verlierer-Höchstgrenze von 4 GGr überlasse ich lieber
„Unseren Besten im Fach Mathematik“. :?

Klaus
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Re: Neues 378 - 2019-06-16

Beitragvon Klaus » Mi 19. Jun 2019, 20:34

Weil hier durch die Blume ein Mathematiker angesprochen wird:

Um 1790 betrug das Jahresgehalt eines einfachen Lehrers etwa 45 Thaler, also 1080 Groschen.
Dies sind 90 Groschen im Monat. Demzufolge standen ihm pro Kalendertag rund 3 Groschen zur Verfügung. Im Tagebuch des Lehrers, das mir für diese Zahlen als Quelle dient, führt dieser aber noch eine Reihe von Nebeneinkünften an, wie zum Beispiel „Weihnachtsgeschenke“. Ich denke, man kann die 4 Groschen ganz grob mit einem Lehrertagesgehalt gleichsetzen.
Gruss Klaus

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Harald
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Re: Neues 378 - 2019-06-16

Beitragvon Harald » Do 20. Jun 2019, 09:50

Hallo Klaus,
dass Du gerade einen LEHRER für Berechnungen ausgewählt hast, reißt bei mir wieder "alte Wunden" auf:
Ein ehemaliger SCHÜLER, der nach der Schule als HILFSMASCHINIST im Bergbau tätig war und mit seinem VERDIENST prahlte,
witzelte, als er von der Höhe meines ANFANGGEHALTS (1966) hörte, scheinbar gut gelaunt:
"Tja, Sie hätten eben einen ANSTÄNDIGEN BERUF lernen sollen!" :shock: :D

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Klaus
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Lehrer

Beitragvon Klaus » Do 20. Jun 2019, 14:11

Du vergisst, Deine Nebeneinkünfte hinzuzurechnen. Mein erwähnter Lehrer hat nebenbei u.a. ein Rechenbuch geschrieben, sonntags aushilfsweise Predigten in der Kirche gehalten, Lieder komponiert, Zuarbeiten für Wissenschaftler gebracht und für Honorar Gedichte geschrieben.
Ganz treffend wird doch das Lehrerleben in folgendem Lied beschrieben:

In einem Dorf im Schwabenland,
da lebt, uns allen wohlbekannt,
da wohnt in einem Häus'chen klein,
das arme Dorfschulmeisterlein.
Des sonntags ist er Organist,
des Montags fährt er seinen Mist,
des Dienstags hütet er die Schwein,
das arme Dorfschulmeisterlein.
Des mittwochs fährt er in die Stadt
und kauft, was er zu kaufen hat,
'nen halben Hering kauft er ein,
das arme Dorfschulmeisterlein.
Des Donnerstags geht er in die Schul'
und legt die Buben übern Stuhl,
er haut so lange, bis sie schrein,
das arme Dorfschulmeisterlein.
Und wenn im Dorfe Hochzeit ist,
dann könnt ihr sehen, wie er frisst.
Was er nicht frisst, das steckt er ein,
das arme Dorfschulmeisterlein.
Und wird im Dorf ein Kind getauft,
dann könnt ihr sehen, wie er sauft,
elf Halbe schüttet er sich ein,
das arme Dorfschulmeisterlein.
Und wird im Dorf ein Schwein geschlacht,
dann könnt ihr sehen, wie er lacht,
die größte Wurst ist ihm zu klein,
dem armen Dorfschulmeisterlein.
Und wenn‘s im Dorfe einmal brennt,
dann könnt ihr sehen, wie er rennt,
die nächste Ecke rennt er ein,
das arme Dorfschulmeisterlein.
Und wenn er dann gestorben ist,
begräbt man ihn auf seinem Mist.
Das Huhn setzt ihm den Leichenstein,
dem armen Dorfschulmeisterlein.

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Harald
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Re: Neues 378 - 2019-06-16

Beitragvon Harald » Do 20. Jun 2019, 19:17

Anlässlich des heutigen FRONLEICHNAMFESTES schicke ich
noch diese etwas versöhnliche Fassung von Samuel Friedrich Sauter (1766 ~1845) ins Rennen:

Willst wissen du, mein lieber Christ,
Wer das geplagteste Männchen ist?
Die Antwort lautet allgemein:
Ein armes Dorfschulmeisterlein.
Bei einem kargen Stückchen Brot,
Umringt von Sorgen, Müh und Not,
Soll es dem Staate nützlich sein,
Das arme Dorfschulmeisterlein.
Noch eh der Hahn den Tag begrüßt,
Und alles noch der Ruh genießt,
Hängt's schon am Morgenglöckelein,
Das arme Dorfschulmeisterlein.
Geendigt hat die Uhr den Lauf,
Es zieht dieselbe wieder auf,
Wälzt kräftig an dem Treibestein,
Das schwache Dorfschulmeisterlein.
Von diesem Frühgeschäfte matt,
Was wunder, wenn es Grimmen hat.
Drum schluckt's ein Tröpfchen Branntewein,
Das arme Dorfschulmeisterlein.
Der Tag steht nun in hellem Licht.
Das Weibchen hat auch angericht'
Nun schlingt's die Morgensuppe ein,
Das arme Dorfschulmeisterlein.
Jetzt erst beginnt die größte Plag':
Sein Ämtchen sperrt den ganzen Tag
Zu Kindern in die Schul' hinein,
Das arme Dorfschulmeisterlein.
Hier ist es nun, das eine brummt,
Das andre lacht, das dritte summt
Mutwillig in das Ohr hinein
Dem armen Dorfschulmeisterlein.
Wenn's liebevoll den Kindern wehrt,
Und keines die Ermahnung hört,
So schlägt es öfters hitzig drein,
Das zähe Dorfschulmeisterlein.
Ein Kind zeigt dies dem Vater an,
Und der, ein ungeschliffner Mann,
Macht ihm die größten Flegelein,
Dem armen Dorfschulmeisterlein.
So wird die Speise ihm vergällt,
Die es auf den Mittag erhält.
Nie darf sich's eines bessern freun,
Das arme Dorfschulmeisterlein.
Was ist denn wohl des Männchens Kost?
Nur leer Gemüs' und saurer Most.
Höchst selten Fleisch von einem Schwein.
O armes Dorfschulmeisterlein.
So es mittags nicht Schule hält,
Geht's mit der Haue in das Feld,
Und schafft, weil das Gehalt so klein.
O armes Dorfschulmeisterlein.
Nachts macht sich's, wenn es Hunger hat,
Mit Suppe und Kartoffeln satt.
Sonst gibt es nichts? Ach, leider, NEIN.
O armes Dorfschulmeisterlein.
Von Sorgen wird es aufgeschreckt,
Wenn alles noch in Federn steckt.
Und voller Kummer schläft es ein,
O armes Dorfschulmeisterlein.
In diesem Zirkel dreht es sich,
Die ganze Woch' bedauerlich.
Kein Tag ist ohne Kreuz und Pein.
O armes Dorfschulmeisterlein.
Valliret oft die Kirchenuhr,
Verfehlt sich oft der Zeiger nur,
Da schimpft der Schulz und die Gemein'
Auf's arme Dorfschulmeisterlein.
Anfänglich nahm man gern vorlieb,
Wenn es den Unterricht betrieb.
Jetzt sollt's ein halb Gelehrter sein,
Das arme Dorfschulmeisterlein.
Befindet sich's bei einem Schmaus,
So heißt's, wenns kaum zur Tür hinaus:
"Es ißt, es trinkt, es stinkt auch ein,
Das grobe Dorfschulmeisterlein.
Hat's einmal etlich Stückchen Geld,
Und kommt es müd und matt vom Feld,
Trinkt's auch beim Wirt ein Gläschen Wein,
Das durst'ge Dorfschulmeisterlein.
Wenn nun allda der Fall geschieht,
Daß es wie Noah sich versieht,
So will es ihm kein Mensch verzeihn,
Dem guten Dorfschulmeisterlein.
Bei Leichen und im Gotteshaus
Brüllt oft ein Dummkopf nebennaus.
Ach Gott: wie muß es da nicht schrei'n?
Das arme Dorfschulmeisterlein.
Wenn's mit den Kindern sich nicht hält
Zur Zeit, wo ein Präsentchen fällt,
Da büßt es leider merklich ein.
Das arme Dorfschulmeisterlein.
Oft macht's der Pfarrer ihm zu bunt
Und läßt ihm keine Ruhestund'
Was will's, es muß gehorsam sein,
Das alte Dorfschulmeisterlein.
Doch ist ihm noch DER Trost beschert,
Daß seine Not nicht ewig währt.
Im Grabe, Gott, wie wohl wird's sein,
Dem armen Dorfschulmeisterlein.


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