Neues 379 - 2019-06-23

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Matthias
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Neues 379 - 2019-06-23

Beitragvon Matthias » Sa 22. Jun 2019, 10:59

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Harald
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Re: Neues 379 - 2019-06-23

Beitragvon Harald » So 23. Jun 2019, 09:37

aussengastronomie_resize.jpg

DAS STRASSENCAFÈ

ist eine INSTITUTION, die aus unserem Stadtbild kaum noch wegzudenken ist. Definiert wird es als ein
„Café an einer Straße bzw. in einer Fußgängerzone, bei dem man, da es Tische und Stühle im Freien hat, als Gast auch draußen sitzen kann.“

Für Stadtbewohner ist es eine „OASE IN DER HÄUSERWÜSTE“ und zugleich ein schwacher Ersatz für einen fehlenden KLEINGARTEN oder gar die weit entfernte SOMMERFRISCHE.
In den seltensten Fällen sucht man das STRASSEN~ oder TERRASSENCAFÈ aber auf, weil dort KAFFEE u.a. Getränke bzw. Kuchen u.a. SPEISEN angeboten werden. In der Hauptsache dient diese >Außenrestauration< der Pflege eines „hübschen, geselligen Lebens“ und lädt zum Verweilen ein. Ruheständler treffen sich auf einen kleinen Plausch, Hausfrauen erholen sich vom Marktrundgang oder Einkaufsbummel und frönen dem >Kaffeeklatsch & ~tratsch<, den sie sich daheim eigentlich ungestörter, vor allem aber preiswerter verschaffen könnten. Glücklich ist zumal derjenige, der u.U. abseits der Hauptstraße ein >FREILUFT-CAFÉ< findet, in dem er, beschaulich sitzend, gesunde und reine Luft, wohltuendes Rasengrün oder sogar gute Musikkapellen genießen kann.
Ob letzteres auch für die KAFFEE-VERANDA der Familie BODE in der Bahnhofstraße zutraf, entzieht sich meiner Kenntnis.

Inserat Bode 1930_resize.jpg

Laut Inserat im >Senftenberger Anzeiger< steht aber fest, dass >BODE’S SOMMER-CAFÈ< im Jahre 1930 erstmals seine Gäste willkommen hieß, was zur Folge hatte, dass drinnen im CAFÈ zwar oft gähnende Leere herrschte, dafür aber draußen kaum ein freier Platz zu ergattern war. Das „DRAUSSEN-CAFÈ“ gewann an Zuspruch und im darauffolgenden Jahr am 31. Mai konnte man in der Lokalzeitung lesen:

„Bäckermeister WALTER BODE in der Bahnhofstraße ist für das laufende Jahr wiederum die Aufstellung eines KAFFEEZELTES vor seinen Geschäftsräumen genehmigt worden.“
Bode - Titel.jpg

Als nach 1900, vor allem in größeren Städten, die ersten STRASSENCAFÈS zu Kaffee & Kuchen einluden,
hielten sich ZUSPRUCH & ABLEHNUNG die Waage, wie zwei KOLUMNEN aus dem Jahre 1908 beweisen:

JA_resize.jpg

„Im Kaffeehause wurde unter dem Titel >VERANDA< eine neue SCHANKLOKALITÄT ERÖFFNET, wie in unserer Stadt noch keine zweite existirt. Dieselbe befindet sich im Hofraume und besteht aus einem SOMMERSALON, welcher nur an den Seiten eingedeckt, in der Mitte aber ganz offen, mit aus Cementplatten hergestelltem Fußboden versehen und sehr freundlich ausgestattet ist und hat fast 10 Tausend Taler gekostet. Besagte VERANDA war die letzten Tage, vielleicht wegen des Reizes der NEUHEIT, sehr zahlreich und andächtig besucht.
Servirt, besser ‚ausgeschänkt‘, werden Wein, Bier, Kaffee, Liqueur und andere gesottene und ungesottene Flüssigkeiten.
Freilich wäre es hübscher, wenn man unmittelbar vor dem CAFÈ unter einer schützenden MARQUISE und grünen OLEANDERBÄUMEN oder ORANGEN sitzen könnte, wodurch die Cafés in Wien so außerordentlich angenehm werden. Der Nachmittagscafé ist nun einmal die eigentliche Zeit der Süße, wo man seine Cigarre rauchen und nebenbei das Treiben und Jagen der übrigen Menschen mit der Miene des Weltweisen und mit Gedanken zu betrachten sich sehnt, deren Inhalt mit dem einen süßen Wort ‚NICHTS‘ bezeichnet wird.“

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„Es kommt in den Städten eine SITTE auf, die hygienisch unzweckmäßig, ästhetisch unerfreulich ist: Inmitten belebtester GESCHÄFTSSTRASSEN, dort, wo der Boden am teuersten, der Verkehr am größten ist, kaufen RESTAURANTS ein Fleckchen Trottoir, das sie mit ein paar Epheukästen oder Oleanderbäumchen in das Spott~ und Zerrbild eines >GARTENZELTES< wandeln. Es werden möglichst viele, möglichst eng aneinander gepreßte TISCHE & STÜHLE auf das Trottoir gestellt. Hier sitzen im Sommer den Tag über müßige Menschen.
Sie starren in das Drängen und Toben der Straßen. Dinieren, soupieren, lesen Zeitungen, löffeln Kaffee mitten im umbrandenden TUMULT.
Die Anlage solcher STRASSENRESTAURANTS ist so rentabel, daß jeder Wirt bemüht ist, sein LOKAL mit verschiebbaren Spiegelscheiben auszustatten, so daß es nach der Straße frei liegt und in das Weichbild der Straße einrückt…
Es gibt keinen unhygienischeren Ort zur ‚Nahrungsaufnahme‘ als STRASSENZELTE, vom Staub und hunderttausend schädlichen Keimen umflogen, von aufregenden, abstumpfenden Gesicht~ und Gehörreizen umbrandet…
Welche GEFÜHLE aber, welche GEDANKEN hat der hungrige, nach Arbeit und Brot spähende Mensch, der mitten im Tumult des Arbeitslebens die wohlgepflegten Damen & Herren lungert sieht, flirtend, konversierend, mit nichts ernstlich beschäftigt als mit andächtiger Hingabe an diese Fütterung; mitten auf den Straßen von silbernen Schüsseln, weißem Damast.
DAS IST KEINE KULTUR. Das schafft unnötig Bitterkeit. Das gibt dem Volke falsche Vorstellungen vom Leben und Pflicht der BEGÜTERTEN KLASSE. Was das VOLK weiß, das lernt es nur auf Straßen. Unseren Mangel an vornehmer TAFELSITTE, an Trink~ & Eßkultur sollten wir nicht auf allen BOULEVARDS zur Schau stellen. Dazu sind wir nicht schön genug.


Übrigens hatte >BODE`S KAFFEE-VERANDA< außer Speisen & Getränken und dem vorbei flanierenden Publikum ab & an auch SPEKTAKULÄRES zu bieten, was sich nebenan auf der STRASSENKREUZUNG abspielte:

Unfall_resize.jpg

24. April 1930:
„Ein Zusammenstoß zwischen einem AUTO und einem MOTORRADFAHRER erfolgte gestern in den Abendstunden auf der in dieser Hinsicht berüchtigten STRASSENKREUZUNG am BAHNHOF.
Im selben Augenblick, als das Auto aus der MORITZ~ nach der GÜTERBAHNHOFSTRASSE zufuhr, kam der Motorradfahrer aus der CALAUER STRASSE angefahren. Um nicht mit dem Auto zu kollidieren, bog letzterer immer mehr nach links aus, so daß an der Ecke vorm HOTEL BARANIUS der Zusammenstoß erfolgte. Der Motorradfahrer stürzte vom Rade auf das Pflaster und zog sich erhebliche Verletzungen zu. Beide Fahrzeuge wurden beschädigt.“

15. April 1930:
TÄGLICH VERKEHRSUNFÄLLE
„An der verkehrsreichen Stelle der BAHNHOFSTRASSE, Kreuzung MORITZSTRASSE, ereignete sich gestern abend wiederum ein Verkehrsunfall, der leicht schwere Folgen hätte nehmen können. Von der Bahnhofstraße kam Kaufmann Tr. von hier in der Absicht, in die Moritzstraße einzubiegen. Zur gleichen Zeit passierte ein hiesiger Händler, von der Güterbahnhofstraße kommend, mit seinem HANDWAGEN die Stelle, im Begriff in die Bahnhofstraße einzubiegen. Der aus Richtung Calauer Straße kommende MOTORRADFAHRER Sch. von hier konnte es im letzten Augenblick nicht mehr vermeiden, den stehenden Handwagen, den er überholen wollte, anzufahren. Der Handwagen wurde gegen den PERSONENWAGEN geschleudert und beschädigt. Den größten Schaden hat das Motorrad davongetragen.
Personen sind glücklicherweise nicht verletzt. Der UNFALL zeigt wiederum, daß die ständige Postierung eines VERKEHRSSCHUTZMANNES an dieser verkehrsreichen Stelle unbedingt notwendig ist.“

29. April 1931:
„An der Kreuzung MORITZSTRASSE – BAHNHOFSTRASSE stieß ein aus der Güterbahnhofstraße kommendes PFERDEGESPANN, als dieses die Kreuzung überquerte. Hierbei hat das rechtzeitige Bremsen des Motorradführers ein größeres Unglück verhütet.. Es entstand kein nennenswerter Schaden…
Vor einigen Tagen fuhr ein aus der MORITZSTRASSE kommender PERSONENWAGEN, der nach der BAHNHOFSTRASSE einbog, den dort stehenden VERKEHRSMAST um. Die Veranlassung war hierbei das zu schnelle Nehmen der KURVE. Der Wagenführer veranlaßte die Reparatur des VERKEHRSMASTES und verschwand.“

Sicher erinnern Sie sich (un)gern an den KELLNER-SPRUCH:

KAEnnchen_resize.jpg

Das ist nicht nur eine kundenfreundlich anmutende MITTEILUNG, sondern zugleich der HINWEIS, dass hier KEINE VERHANDLUNGSBEREITSCHAFT vorliegt:
Der AUFWAND, eine einzelne TASSE nach draußen zu tragen, ist für den KELLNER scheinbar zu groß, nimmt man an.
Es gibt aber durchaus plausible ARGUMENTE dafür:

1. KÄNNCHEN sind einfacher und sicherer zu tragen als (randvolle) TASSEN, so dass auf dem langen Weg nach draußen weniger Risiko für UNFÄLLE besteht
2. Der WIRT will was verdienen, und will nicht, dass bei schönem Wetter GÄSTE stundenlang einen TISCH belegen und sich dabei nur an einer TASSE KAFFEE festhalten um in der Sonne sitzen zu können, deshalb sollen sie wenigstens für ein KÄNNCHEN bezahlen.


NA, KÄFFCHEN GEFÄLLIG ? :lol:

Kellner_resize.jpg


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