Neues 413 - 2020-03-01

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Matthias
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Neues 413 - 2020-03-01

Beitragvon Matthias » Sa 29. Feb 2020, 08:50

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Harald
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Re: Neues 413 - 2020-03-01

Beitragvon Harald » So 1. Mär 2020, 11:38

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LOKALBLÄTTER bedienen sich gern journalistischer Retro-Rubriken, die auf beliebte Standards wie z.B.
„Wie alles begann“ / „In alten Zeitungen/Chroniken geblättert“, oder auch schon mal sehr anheimelnd „Oma bzw. Opa erzählt von früher“ basieren.
Kürzlich startete nun auch unser SENFTENBERGER HEIMATVEREIN unter o.a. LOGO im „WOCHENKURIER“ einen nostalgischen Blick auf

>SENFTENBERG VOR 100 JAHREN<

und beruft sich dabei auf Meldungen aus dem einstigen >Senftenberger Anzeiger<,
in deren Jahrgängen natürlich auch >Gruss-aus-Senftenberg< bei Bedarf gern recherchiert.
Als Abgesang an die gestern zu Ende gegangenen TOLLEN TAGE riskieren wir deshalb noch schnell einen
HUMORVOLLEN RÜCKBLICK AUF DIE KARNEVALISTISCHEN HÖHEPUNKTE VON 1920

kARNEVAL_resize.jpg

Der >Senftenberger Anzeiger< beweist hierbei recht eindrucksvoll, dass man mit der FASTNACHT auf dem Dorfe, sowie dem KARNEVAL in der Stadt wohl schon kurz nach Neujahr begann, wie die erste, allerdings etwas „makabre“ Meldung vom 5. Januar 1920 beweist:

„Am nächsten Mittwoch wird vom Verein >Fidelia< der LUSTIGE SCHWANK „Ein toller Einfall“ nochmals aufgeführt. Ein SCHWANK, wie man sich ihn nicht besser wünschen kann, und der dazu geschaffen schien, den dazu Aufgelegten in FRÖHLICHE STIMMUNG zu versetzen, und der einem, je öfter man ihn sieht, immer besser gefällt.
Die einzelnen SCHWANKTYPEN wurden vorgestern vorzüglich dargestellt, was der reiche BEIFALL bezeugte. Darum mag Jeder, der einige VERGNÜGTE STUNDEN verleben will, die Aufführung am kommenden Mittwoch nicht versäumen, schon um des GUTEN ZWECKES willen: Gilt es doch, für eine EHRENGEDÄCHTNISSTÄTTE unserer gefallen Helden freiwillig die ersten Bausteine zusammenzutragen; jede Mark, die gebracht wird, wird unverkürzt dem FOND überwiesen. Darum helft, die Summe zu einer recht ansehnlichen zu gestalten. – Vergiß, o Volk, die TEUREN TOTEN nicht !“


Mit „makaber“ meinte ich, dass die Entscheidung der Organisatoren, HELDENEHRUNG und VERGNÜGUNGEN in einen „Finanztopf“ zu werfen,
wohl sehr grenzwertig war!

Traenen logo_resize.jpg

Schon einen Tag später wurde bereits für die erste FASCHINGSVERANSTALTUNG des Jahres 1920 geworben:

„Im FASCHING, Im FASCHING --- Also auch für Senftenberg hat sich die Geliebte des Prinzen Karneval, die FASCHINGSFEE, zu kurzem Besuche angemeldet, um hier mit ihrem Gefolge das ganze Gesellschaftshaus für kurze Stunden in eine Stätte toller LEBENSLUST & FREUDE umzuwandeln. Unaufhörlich werden am kommenden Sonnabend die ZARTEN & PIKANTEN WEISEN der Streich~ & Schrammel-Orchester in beiden Sälen erklingen. KUCHEN~ & NASCHBUDEN sind schon aufgebaut, auch ein PHOTO-ATELIER, das die übermütigen Geister auf die Platte bannen soll, hat sich bereits einen Platz gesichert. Im großen Gastzimmer wird ein HEITERER KABARETT-ABEND veranstaltet, nur erstklassige Kräfte sind dazu verpflichtet worden. Kurzum, es wird die FRÖHLICHKEIT herrschen in all‘ dem Gewühle LUSTIGER MENSCHENKINDER, selbst inmitten der ÄLTEREN HERRSCHAFTEN, die hoch oben auf dem Balkone mit behäbigem Schmunzeln dem Treiben des JUNGEN VOLKES zuschauen. FROHSINN wird die Herrschaft führen, bis endlich die POLIZEISTUNDE daher schreitet und die alltägliche RUHE sich wieder hervortut, gleichsam wie der Sieger aus all‘ den bevorstehenden KONFETTISCHLACHTEN. – Die Veranstaltung ist eine GESCHLOSSENE, es wird daher gebeten, unbedingt die ergangenen EINLADUNGSKARTEN als Ausweis vorzulegen.“

Und nun ging es „Schlag auf Schlag“, wobei nicht zu übersehen war, dass ROSENMONTAG noch in weiter Ferne lag:

7. Januar 1920:

„Der EVANGELISCHE MÄNNERVEREIN feiert sein WINTERFEST dies Jahr am nächsten Sonntag, 11. Januar,
von abends 5 Uhr ab mit KONZERT der Koar’schen Kapelle und nachfolgendem TANZ.
SCHULPFLICHTIGE KINDER der Vereinsmitglieder haben darum diesmal keinen Zutritt. Die Mitglieder und deren Frauen haben freien Zutritt,
die übrigen zahlen ein EINTRITTSGELD von 1 Mark. Auch GÄSTE haben Zutritt und sind darum herzlich willkommen.“

10. Januar 1920:

„Wie aus dem ANNONCENTEIL ersichtlich ist, scheint der MASKENBALL, welcher am Sonntag in dem aufs festlichste dekoriertren Räumen des GESELLSCHAFTSHAUSES stattfindet, einen sehr genußreichen Abend zu versprechen. Der rührige Besitzer Herr Preußer hat weder Mühe noch Kosten geschaut,
um den Besuchern ETWAS GUTES zu bieten. Darum sei am Sonntag die Parole: ALLE INS GESELSCHAFTSHAUS !“

13. Januar 1920
:

„In den Prächtig dekorierten Räumen des GESELLSCHAFTSHAUSES hatte der B.D.H. am vergangenen Sonnabend ein FASCHINGSFEST veranstaltet,
an dem sich Mitglieder und eingeladene Gäste fast vollzählig beteiligten. Die riesige Menge der maskiert erschienenen Besucher vereinigte sich zu einem Bilde von seltener Farbenpracht und Größe. Die frohverlebten Faschingsstunden werden noch manchem lange in angenehmester Erinnerung bleiben.
Am Sonntag hatte Herr Preußer einen öffentlichen MASKENBALL veranstaltet und weder Kosten noch Mühe gescheut, um etwas Gutes zu bieten.
Auch diese Veranstaltung war sehr stark besucht, besonders von Zuschauern. Auch dieses Fest wird wohl ein Jeder mit voller Befriedigung verlassen haben.“

Am 24. Januar 1920 begann dann die längst erwartete & gefürchtete >SAISON DER TASCHENDIEBE<, die,
falls man dem >Senftenberger Anzeiger< Glauben schenken darf, bis zum Ende der „Goldenen Zwanziger Jahre“ anhielt…

„Einem TASCHENDIEBE gelang es, im Gedränge am Einlaßschalter einem Besucher aus der Gesäßtasche seines Militärrockes eine BRIEFTASCHE mit etwa 40 Mk. Inhalt zu entwenden. Die TASCHE bestand aus rot imitiertem Stoff mit Fächern, enthielt Lebensmittelkarten und Rabattmarken vom Werke Grube Marga.“

Trotz der schweren wirtschaftlichen Zeiten wurden bis zum 1. März 1920 allüberall BÄLLE veranstaltet,
wobei neben den privatspezifischen „ Feuerwehr~, Turner~, Kaufmanns~, Handwerker~ & Bauernbällen“ vor allem die sehr zahlreichen sogenannten
MASKENBÄLLE FÜR JEDERMANN um zahlende, in VERKLEIDUNGEN und mit GESICHTSMASKEN verhüllte Besucher buhlten.
„Diese Verkleidungen heißen CHARAKTERMASKEN, wenn sie die gewöhnliche Kleidung gewisser Stände (Jäger, Bauern, Bergleute) oder bestimmte Personen nachahmen; NATIONALMASKEN, wenn sie die eigenthümliche Kleidung bestimmter Völkerschaften darstellen und PHANTASIEMASKEN, wenn die Kleidung mit freier Willkür gewählt wird." (>Meyers Konversations-Lexikon< 1877)
Die folgende ANZEIGE aus dem allerersten JAHRGANG 1882 des >Senftenberger Anzeiger< war beispielgebend für nachfolgende MASKENBÄLLE in unserer Heimatstadt:

1882 Karneval_resize.jpg

Übrigens waren bei unseren Altvorderen auch LUMPENBÄLLE groß in Mode, bei denen die Besucher zwar wie bei einem normalen KOSTÜMBALL verkleidet erschienen, es sich allerdings bei den KOSTÜMEN meist um zerschlissene, abgetragene Kleidung, umgangssprachlich als Lumpen oder Fetzen bezeichnet, handelte.
Journalisten beschrieben die teilnehmenden LUMPEN wie folgt:
„Die Sorte ist zahlreich genug, um auf einen eigenen Ball Anspruch zu haben…Man ist umringt von verlotterten & geflickten Figuren, das Gesicht geschwärzt und mit breiten Pflastern querüber dekoriert, die Haare wüst und zerzaust, als seien Kamm und Bürste noch nicht erfunden. Die Damenwelt zeigt sich mit gepolsterten Buckeln und in entsetzlichen Lumpenkitteln gekleidet.“

Lumpenball_resize.jpg

Besagte LUMPEN zur Verkleidung waren in Senftenberg allerdings schon MANGELWARE, denn in der aufkommenden Wirtschaftskrise wurden sie, wie o.a. Annonce von damals verrät, aufgekauft & verarbeitet.

Zahn um Zahn_resize.jpg

ÜBRIGENS gehörten natürlich auch GESCHWOLLENE NASEN und AUSGESCHLAGENE ZÄHNE zum Vokabular der Faschingszeit, von denen in Anzeigen, allerdings in anderem Zusammenhang, zu lesen war…
Wir aber beschließen die NÄRRISCHE ZEIT mit einer für Karneval-Fans schon zu allen Zeiten überaus gefürchteten TRAUERANZEIGE:

Karneval Ende_resize.jpg


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