Neues 431 - 2020-07-12

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Matthias
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Neues 431 - 2020-07-12

Beitragvon Matthias » Sa 11. Jul 2020, 09:25

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Harald
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Re: Neues 431 - 2020-07-12

Beitragvon Harald » So 12. Jul 2020, 12:06


„Die BETRIEBSFERIENLAGER FÜR KINDER in der DDR, die per Gesetz für die Kinder der Mitarbeiter zu betreiben waren, sind ein Novum in der Geschichte des Kindersozialtourismus in Deutschland.“

…las ich kürzlich im Internet. Das entspricht allerdings nicht ganz den historischen Tatsachen, denn einem FALTBLATT der ILSE AG. aus dem Jahre 1937 konnte ich entnehmen, dass sich schon die „bösen Kapitalisten“ um das KINDERWOHL ihrer Beschäftigten gesorgt hatten:

Ilse KInder_resize.jpg

An wichtigen INFORMATIONEN wurde noch folgendes nachgereicht:

„Bereits im Jahre 1912 boten wir zum ersten Male unseren Werksangehörigen Gelegenheit, ihre KINDER in ein ERHOLUNGSHEIM an der OSTSEE zu schicken.
Im Jahre 1936 ist es uns möglich gewesen, 280 ILSE-Jungen und ~Mädel zu verschicken und ihnen einen VÖLLIG KOSTENLOSEN Aufenthalt (einschließlich Reise) von durchschnittlich 6 WOCHEN zu gewähren. Die ILSE AG. besitzt KINDERHEIME in
Mittelschreiberhau (Riesengebirge) – Waldbärenburg (Erzgebirge) – Kolberger Deep (Ostsee) – Kölpinsee (Usedom) – Ostseebad Ahlbeck.
Für die KINDERVERSCHICKUNG heben wir nochmals besonders hervor:
Jedes Gefolgschaftsmitglied ist berechtigt, seine KINDER zu einer KURZEIT anzumelden. KINDERREICHE FAMILIEN werden bevorzugt.
Die Entscheidung, welches HEIM für das KIND am geeignetsten ist, fällt die Betriebsführung nach Anhörung der WERKSSCHWESTER über die wirtschaftlichen Verhältnisse und nach dem Untersuchungsergebnis durch den WERKSARZT. Im Allgemeinen sollen nur KINDER im schulpflichtigen Alter angemeldet werden.
Die KINDER werden durch erfahrene Begleiter nach den HEIMEN gebracht. Geht die REISE über BERLIN oder DRESDEN,
so wird der Aufenthalt zu einer STADTRUNDFAHRT ausgenutzt.
Die VERPFLEGUNG ist gut, reichlich und gesund und den verschiedenen Altersstufen angepaßt.
Soll der KURERFOLG nicht gefährdet werden, so müssen jedem Kinde vorher die ZÄHNE in Ordnung gebracht und sie unbedingt frei von Ungeziefer und Nissen sein.
Die Kinder schreiben regelmäßig jede Woche einmal nach Hause. Zur Bestreitung von Briefmarken und sonstiger kleiner Auslagen werden höchstens 3.- RM gebraucht.“


Blaue Wimpel_resize.jpg

Zu DDR-Zeiten war die Möglichkeit, die Kinder ins FERIENLAGER reisen zu lassen, natürlich auch ein überaus preiswerter FERIENSPASS und gleichermaßen eine willkommene ENTLASTUNG des Familienbudgets, denn 3 Wochen Ferienlager kosteten lediglich ca. 15 bis 20 Mark inklusive An- und Abreise, Unterkunft, Betreuung und Verpflegung. Der Zulauf auf die Ferienplätze wuchs enorm, weshalb man das Angebot erweiterte: man reiste nun in 3 Durchgängen á 2 Wochen für ca. 12 – 15 Mark, darunter manche Kinder gleich zweimal – einmal in das vom Betrieb der Mutter, nachfolgend in das vom Betrieb des Vaters unterhaltene

BETRIEBSFERIENLAGER
.
Jeder größere DDR-BETRIEB hatte für die KINDER seiner BETRIEBSANGEHÖRIGEN in den Urlaubsgegenden der Republik FERIENLAGER eingerichtet – an der Ostsee ebenso wie an der Müritz, im Elbsandsteingebirge oder im Thüringer Wald. Das SOMMERVERGNÜGEN der Kinder wurden hauptsächlich aus dem Staatshaushalt und mit Geldern der Betriebe und des FDGB finanziert. Für die Durchführung der FERIENLAGER wurden Betriebsangehörige als Betreuungspersonal gestellt bzw. Lehrer, Erzieher und Pionierleiter verpflichtet.
Das Programm zur GESTALTUNG DES ALLTAGS in den Ferienlagern lieferte allerdings das "Ministerium für Volksbildung der DDR", denn die Ferienlager waren keinesfalls nur reiner Selbstzweck, sondern hatten vielmehr das ZIEL, eine >GEBALLTE LADUNG SOZIALISTISCHER ERZIEHUNGSARBEIT<, bestehend aus „politischen, sportlich-touristischen, kulturell-ästhetischen, naturwissenschaftlich-technischen, gesellschaftlichen und wehrpolitischen Aktivitäten“, auch außerhalb der Schule systematisch fortzusetzen. Für die BETRIEBE gab es STRENGE AUFLAGEN, und bei Nichterfüllung keine GENEHMIGUNG, wie die >Lausitzer Rundschau< am 22. Juni 1961 vermeldete:

22.6.1961_LR_resize.jpg

Für die ehemaligen KINDER von BERGLEUTEN, die im BKW „Franz Mehring“ und im BKW Senftenberg (später mit weiteren Braunkohlenwerken zum BKK SENFTENBERG vereinigt) tätig waren möchte ich an ZWEI BETRIEBSFERIENLAGER
erinnern, die beide nicht mehr existieren, aber jedem, der sie einst in den SOMMERFERIEN erleben durfte, sicherlich unvergessen bleiben:

Kleindehsa_resize.jpg

Die JÜNGEREN tummelten sich im FERIENLAGER KLEINDEHSA in der wunderschönen OBERLAUSITZ, wo ich in meiner Kindheit als FERIENKIND gespielt habe, mit anderen gewandert bin und mich in der Gemeinschaft durchaus wohlgefühlt habe. 1962 habe ich als angehender ABITURIENT bei Beschäftigung mit den hier zu betreuenden „KLEINEN FERIENKINDERN“ meine ersten erzieherischen Fähigkeiten & die Neigung zum künftigen LEHRERBERUF entdeckt.

Lager Hohndorf_resize.jpg

Erst als STUDENT, später als LEHRER hat mir speziell das FERIENLAGER HOHNDORF mit angeschlossenem ZELTLAGER in MÜLSEN St.Niklas im Erzgebirge den hohen Wert der „außerschulischen Erziehung“ vor Augen geführt, wobei mir natürlich meine GITARRE beim gemeinsamen Gesang am LAGERFEUER eine große Hilfe war. Hierbei entstand freundschaftlicher Kontakt zu den französischen & tschechischen Jugendlichen & Betreuern. Legendär war >PEPIK< (alias Joseph Freudenfeld), ein „echter Jugendfreund in reifem Mannesalter" und ständiger Leiter der Ferienkinder-Delegation aus dem Partnerbetrieb des BKK in Kraluv Dvur / Beroun bei Prag, an den sich bestimmt noch viele ehemalige Betreuer & Ferienkinder aus den 1960/70er Jahren erinnern werden:

Harald_resize.jpg

Abschließend noch ein paar Ergänzungen zum auf der Hauptseite erwähnten FERIENLAGER AM SENFTENBERGER SEE:
Im Herbst 1972 begann das BKK Senftenberg im Rahmen eines „Jugendobjekts der FDJ“ mit dem Ausbau der alten Tagebauleitung zu einem KINDERFERIENLAGER, wo ab 1973 je 100 Kinder in 3 Durchgängen schöne Ferien verlebten.
Die alten Gebäude der ehemaligen Tagebauleitung wurden neu gestaltet und dienten als Dusch~ und Aufenthaltsräume bzw. Bettenlager.
Für die Versorgung wurde ein MEHRZWECKBAU mit Küche, Saal, Sitzungsraum und einer Kellerbar errichtet. Außerdem wurde die ehemalige Trafostation zum Bettenhaus mit Hausmeisterwohnung umgebaut. Daneben gehörten noch ein weiteres GEBÄUDE mit Küche und kleinem Saal, eine Sporthalle, eine Sanitätsstation sowie 42 Bungalows, wovon 20 als attraktive FINNHÜTTEN gestaltet waren, zu diesem Komplex. 10 Kinder bildeten eine Gruppe und je 5 teilten sich eine FINNHÜTTE. So erholten sich im Ferienlager 600 Kinder in drei Durchgängen und pro Kind bezahlten die Eltern 15 Mark für 14 Tage !
Es gab Sport~ & Neptunfeste, Geländespiele, Disco, Kino, Kulturveranstaltungen, Exkursionen und auch das Essen war erstklassig.

Das OBJEKT wurde ganzjährig genutzt, war Austragungsort vieler Lehrgänge, der vormilitärischen Ausbildung, für Brigadeveranstaltungen und im großen SAAL fanden zahlreiche kulturpolitische Großveranstaltungen statt. In der Wendezeit wurde das FERIENLAGER dicht gemacht und es entstand ab 1990 an gleicher Stelle die Gaststätte "Inselblick". Doch bereits 1991 wurden die FINNHÜTTEN und 2002 das GASTHAUS abgerissen.
Heute erinnert kaum noch etwas an das ehemalige KINDERFERIENLAGER. Lediglich ein am Rande der Freifläche abgelegter, seltener, ca. 20 Tonnen schwerer MEGAFINDLING aus dem Tagebau Meuro, der einst als KLETTERPLATZ für Kinder diente, heute dagegen nur noch von Wildschweinen besucht wird,
ist übrig geblieben.
Wer heute um den SEE radelt, schaut aber stets unwillkürlich mit Wehmut dorthin, wo einst das FERIENLAGER stand – doch leider ist es…

…AUS & VORBEI MIT FERIENLAGERROMANTIK ! :cry:

BKK Lager_resize.jpg

Ehrfried
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Re: Neues 431 - 2020-07-12

Beitragvon Ehrfried » Sa 31. Jan 2026, 14:41

Grüß dich Matthias,
auf der Suche nach dem ehem. Kinderferienlager im Ortsteil Großkoschen, ist der Gesteinesammler mal wieder auf deiner HP gelandet.
Besonders der vorletzte Satz, mit dem seltenen ca. 20 Tonnen Megafindling aus dem Tagebau Meuro, der nur noch von Wildschweinen und Wölfen besucht wird, lässt den Bergmann trauern. Warum?
Dieses Schmuckstück, ein Småland Granit aus dem Norden, wurde mit einer der Eiszeiten zu uns transportiert. Solch ein schönes Lausitzer Exemplar wird man mit dem Ende der Braunkohleförderung 2038 hier nicht mehr finden!
1_Findling_Ferienlager_21t.jpg


Da er dort verdreckt unter Bäumen der Verwitterung ausgesetzt ist (Moos, Algen, Blätter) muss er natürlich vorher für den neuen Standort gereinigt (gestrahlt) und eine kleine Polierfläche angebracht werden, damit die Schönheit der Småland-Kristalle sichtbar wird.
Mit polierten Anschnitten hat der Senftenberger Bauhof ja eigentlich Erfahrung (Geologiepfad Stadtwald Senftenberg)
2Smaland_Granit_Grkoschen2015.jpg


Auch der NABU, der für solche Projekte ja auch zuständig ist, hüllt sich in schweigen. Die kümmern sich lieber um den Ameisenbläuling an der Schwarzen Elster, die Ausbreitung der Kormorane und den Schutz der Wölfe.

Auch viele alte Bergmänner haben kaum noch Interesse für solch bergmännische Zeitzeugen, die tragen lieber ihre alten Uniformen zur Schau. Nach dem Motto vom Bergmann zum Seemann. Viele damalige Enthusiasten liegen aber auch schon unter der Erde.
Es gibt Ausnahmen, siehe Ortsteil Niemtsch!
Findling_Niemtsch2.JPG


Ich hatte zwar schon im Bürgerhaushalt versucht, das dieses Lausitzer Schmuckstück wieder an einen geeigneten, vernünftigen Platz verfrachtet und aufpoliert wird, aber der alte BM und die alte SVV sahen das leider anders.
Da werden lieber Regenbogenfahnen aufgehangen und Holzbänke gegen Ideologien aufgestellt, bzw. mit viel Geld blaue Liegen auf dem Marktplatz platziert.

Ich werde das Schmuckstück trotzdem für 2028 noch einmal bei der Senftenberger Bürgerbeteiligung einstellen.
Neuer Bürgermeister, neue SVV, neuer Versuch, neue Hoffnung!
So könnte er aussehen: Faustgroße Stücke aus Südschweden findet man an der Ostseeküste ab und zu, aber solch 20 Tonnen Findlinge sind eine absolute Rarität!
3Smaland_Granit9cm.JPG


Gruß aus Senftenberg
Ehrfried der „Steinfried“


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