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15.02.2026
1 Kommentar

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Es hätte keines weiteren Beweises bedurft, denn es wurde doch hinlänglich nachgewiesen, daß das sogenannte "Pulvertürmchen" auf dem, das Senftenberger Schloß umgebenden Wall, einst ein sehr beliebtes Ansichtskartenmotiv war.
Die Hochzeit unterschiedlicher, jedoch im Detail dann doch nicht so variabler, Ansichten des kleinen Gebäudes lag dabei zwischen 1900 und etwa 1930. Danach flachte die Sache merklich ab und andere Ecken des Stadtbildes traten in den Vordergrund.
Mitte der 1950er Jahre wurde noch eine Ansichtskarte mit einer Abbildung des Pulvertürmchens aufgelegt aber kurze Zeit später verschwand das Thema, egal ob fototechnisch oder zeichnerisch, so gut wie aus allen gedruckten Publikationen.
Heute möchte ich noch einmal mit vier Stücken an die diesbezüglichen Glanzzeiten erinnern. Wie so oft, sind einige Motive bereits bekannt. Jedoch in anderen Varianten. Die Versionen, die ich dabei heute vorstelle, sind dabei nicht die schlechtesten ihrer Gattung...
Den Anfang macht eine Ansicht, die ich gerne als "Klassiker" in Sachen Pulvertürmchen bezeichne. Mittlerweile haben nun schon vier Varianten davon Eingang in das digitale Archiv gefunden wobei die erste Inkarnation schon in der Frühzeit von www.gruss-aus-senftenberg.de aufgenommen wurde.

Senftenberg Senftenberg Senftenberg

Die heutige Version finde ich persönlich sehr schön coloriert. Die Karte selbst hat eine kleine Prägung und ist deshalb gut einer ganzen Serie von Ansichtskarten, die dieselbe Aufmachung besitzen, zuordenbar.

Während bei diesem Stück die Aufnahme aus südlicher Richtung erfolgte, zeigen die anderen drei Ansichtskartenmotiv das Pulvertürmchen aus nördlicher Richtung...

Senftenberg
Verlag: Erich Krause,
Buchdruckerei u. Papierhdlg.,
Senftenberg (Lausitz)
Aufnahme <= 1918
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg
Mühlbach's Postkarte;
Verlag: Reinhard Rothe, Meissen
1137
Aufnahme <= 1922
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg
Senftenberg
Verlag von Br. Pulczynski,
Senftenberg, Lausitz.
R 14532
126973
Aufnahme <= 19??
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg
Senftenberg
E1503 12
Aufnahme <= 1913
Sammlung Matthias Gleisner

Die Historie des Pulvertürmchens selbst ist vergleichsweise schlecht erforscht. Die Fachleute gehen davon aus, daß das was wir auf den Ansichtskarten sehen, nicht die Urversion des Baues war. Zwar erkennt man an der Nordseite eine Jahreszahl - 1672 - aber diese wird gemeinhin lediglich als Hinweis auf das erste Pulvertürmchen angesehen und nicht als Jahr der Errichtung der hier abgebildeten Variante. Wann genau diese errichtet wurde, ist weiterhin unklar. Vermutlich im 19. Jahrhundert. Das teilweise kolportierte Jahr 1907 hält einer Prüfung niemals stand. 1907 steht in diesem Zusammenhang für die Geburtsstunde des Senftenberger Heimatmuseums, die just in diesem kleinen achteckigen Gebäude schlug, weshalb das Pulvertürmchen allgemein auch als "Keimzelle" unseres Museums bezeichnet wird.
Ehrlich gesagt, möchte ich mir gar nicht ausmalen, unter welch widrigen Umständen Otto Mingau anno 1907 die ersten Sammlungsstücke in diesem Häuschen lagerte. Aus meiner Sicht herrschten darin alles andere als optimale Bedingungen für museales Gut. Große Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit, Ungeziefer, Vandalismus und Diebstahl sind einige der Punkte, die mir dazu negativ einfallen. Mingau hätte wohl besser daran getan, die Sammlung zunächst in seinem Hause zu horten, als sie in dieser beengten Räumlichkeit abzuladen, wo sie oben genannten Widrigkeiten ausgesetzt war.
Die erste mir bekannte Darstellung des Pulvertürmchens stammt von Johann Gottfried Schultz und aus dem Jahr 1787...

Wenn wir die Zeichnung für bare Münze nehmen dann fallen zwei Dinge auf: 1. die Größe des Türmchens im Vergleich zum Schloss und 2. die Differenzen in der Gestalt (Dach, Fenster). Da sich beides auf den historischen Ansichtskarten aus dem 20. Jahrhundert deutlich anders darstellt, könnte man schlußfolgern, daß tatsächlich wie vermutet, im 19. Jahrhundert ein Neubau erfolgte. Vielleicht unter der Verwendung des Steines mit der 1672, vielleicht tauchte der Stein aber auch erst bei diesem Neubau auf.

Wie geschrieben: die Bauhistorie dieses Nebengebäudes ist relativ schlecht nachzuvollziehen und leider gibt das anderweitig sehr empfehlenswerte Buch von Dr. Ekkehard Kandler diesbezüglich auch nicht viel her. Meine Anfrage an den Autor, warum bei der Gesamtrekonstruktion des Senftenberger Schlosses zwischen 2003 und 2006 das Pulvertürmchen quasi um 180 Grad gedreht wurde, indem man die Türöffnung von der Süd- auf die Nordseite verlegte, blieb bislang leider unbeantwortet.

Eine Antwort auf die Frage, warum das Pulvertürmchen Mitte/Ende der 1950er Jahre von Ansichtskarten und aus Druckerzeugnissen verschwand und eigentlich nur noch auf privaten Fotos auftaucht, kann ich mir vielleicht selbst geben... es war schlichtweg nicht mehr vorzeigbar! Wie übrigens das gesamte Areal des Schlosses.
Dank 40 Jahren Deutsch-sowjetischer Freundschaft stellte sich das Ganze Mitte der 1980er Jahre nämlich so dar wie auf dem folgenden Foto-Potpourri: