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Ich komme gewissermaßen noch einmal auf das Thema von vor 2 Wochen zurück... die meisten Wanderführer stellten bezüglich des Zielgebietes Senftenberg als einziges Naturschauspiel den Koschenberg heraus. Wie zum Beispiel auch der Führer "Geographische Wanderungen durch die Mark Brandenburg" im Jahr 1931. Die dort enthaltene Beschreibung (in ihrem ganz eigenen Stil) kommt zunächst an Senftenberg vorbei, um sich dann der höchsten Erhebung unserer Gegend zu widmen:

Senftenberg liegt am Rande einer Talsandterrasse, die das weite Tal im Norden begleitet. Es liegt genauer genommen etwas abgetrennt von der Talssandterrasse auf einem besonderen Reste davon. Die Bahn folgt der Terrasse. Dort liegt der Bahnhof. Vom Bahnhof nach Norden sowohl, wie auch nach Süden zur Altstadt hin über die trennende Sumpflandschaft längs der aufgeschütteten Straße hinweg geht die junge Ausdehnung dieser Industriestadt. Hier liegen die modernen Läden und Mietskasernen, hier stehen die neuen, oft recht anmutigen Villen. Die Altstadt liegt in Schutzlage, und Befestigungen deuten noch heute auf ihre alte Bedeutung hin. Ein schweres Steinportal führt durch die Wälle ins Innere der ehem. Feste. Heute finden wir hier schöne Anlagen, den Park von Senftenberg.
Das Stadtviertel in der Nähe der alten Burg weist durch seine Straßennamen (Burglehen, Ritterstraße usw.) noch darauf hin, daß hier einst die zur Burg gehörenden Leute sich angesiedelt haben. Das entgegengesetzte Stadtviertel zeigt demgegenüber die Namen der Zünfte, z.B. Töpferstraße, Baderstraße usw.
Außer der gotischen Kirche besteht noch eine kleine Kapelle, in der bis vor wenigen Jahren noch wendischer Gottesdienst stattfand. Dieses wendische Gotteshaus liegt an der Grenze der alten Stadt, die von sumpfiger Niederung umgeben ist und gerade durch diese Einengung viele alte Züge bewahrt hat, was uns sonst in diesem weiten Industriegebiet kaum verständlich wäre. Die neuere Entwicklung der Stadt mußte sich aus geographischen Gründen nach Norden erstrecken, zur Talsandfläche, zur Bahn und zu den Bergwerken. Sie hat nur lose Verbindung mit der Altstadt genommen.
Noch einen weiteren Exkursionstag wollen wir anschließen, um auch das Gebiet im Süden von Senftenberg kennenzulernen, wo alte Gesteine an die Oberfläche treten.
Der Koschenberg.
Von Senftenberg wandern wir nach Süden durch Buchwalde, dessen Gehöfte durch ein Portal nach der Stadt abgeschlossen sind und so an die fränkische Gehöftform erinnern.
Der Koschenberg bildet eine Erhebung vornehmlich aus silurischer Grauwacke. Er ragt 76,4 Meter über der Ebene des weiten Tales auf, durch das die Schwarze Elster verloren dahinzieht. Die absolute Höhe des Berges beträgt 176,4 Meter. Wie zu einem flachen Schild steigen die Gesteine des Altertums der Erdgeschichte empor und bilden einen Vorposten der Grauwackenberge des nordsächsischen Hügellandes, das im Süden den Rand des Senftenberger Tales bildet.
Der Koschenberg liegt in diesem Tale, von Talsanden umgeben, zu deren Fläche man deutlich ansteigt, wenn man von Senftenberg kommt. Er ist als hartes Gestein bei der Erosion stehengeblieben, wie er auch die Eiszeit überdauert hat. Das Eis ist über den Koschenberg einst hinweggegangen. Die oberflächlichen Gesteinsschichten sind vom Eise zertrümmert, aufgearbeitet und in ihrem natürlichen Zusammenhange gestört worden. Über die weite rund 10 km breite Ebenheit des Tales bietet der Koschenberg eine prächtige Fernsicht, die im Norden durch die Raunoer Hochfläche abgegrenzt wird. Nach Süden sehen wir das nordsächsische Hügelland, am Horizont die Berge der Oberlausitz. Der Gipfel des Keulenberges fällt mit steilem Abfall nach Königsbrück, während in Richtung nach Kamenz mehr massige Kuppen aufragen. ...
Ich weiß ja nicht wie es 1931 dort aussah. Ob man so einfach auf dem Koschenberg herumkraxeln und die beschriebene Fernsicht genißen durfte, denn immerhin wurde ja schon damals im dortigen Steinbruch Grauwacke abgebaut. Einen Eindruck wie sich die Lage 20 Jahre zuvor dort gestaltete, erhalten wir auf der ziemlich seltenen Ansichtskarte rechts.
Der Blick geht nach meinem Dafürhalten in westliche Richtung weshalb wir am Horizont eingentlich nicht so wirklich etwas erkennen können. Der Höhenzug am rechten Bildrand, der etwas herausragt, könnte demnach besagte Raunoer Hochfläche sein.
Selbige ist ebenso Geschichte wie auch der Koschenberg an sich... der wächst jetzt nur noch in die Tiefe. Die Produktionsanlagen der Basalt-AG, die dort noch immer Gestein abbaut, ragen mittlerweile als höchste Erhebung aus der Landschaft. Von einem Berg ist eigentlich nicht mehr viel zu erkennen.

Im Text des Wanderführers vermisst man so ein wenig den Verweis auf das Dorf am Koschenberg - Großkoschen. Der Grund: damals war es halt noch problemlos möglich, wenn man denn einmal die Schwarze Elster überquert hatte, ohne Umwege auf den Koschenberg zuzusteuern. Heutzutage ist die direkte Linie durch den Senftenberger See versperrt. Zuvor war natürlich der Tagebau Niemtsch im Wege, weshalb man nach dessen Inbetriebnahme zwangsläufig den Weg durch Großkoschen nehmen musste und dabei an den Sehenswürdigkeiten des Ortes vorbeikam, die wir auf der nachfolgenden Ansichtskarte sehen können. Und dies gleich in stereo! Einmal zweifarbig, einmal nachcoloriert.

Senftenberg
Photogr. u. Verlag v. Herm. Meyer,
Senftenberg.
1007
Aufnahme <= 1912
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg
Verlag Kunstanstalt W. Gringel,
Berlin W., Blumenthalstr. 2
4020 7741
Aufnahme <= 1926
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg
Verlag Kunstanstalt W. Gringel,
Berlin W., Blumenthalstr. 2
4020 7741
Aufnahme <= 1926
Sammlung Matthias Gleisner

Unschwer erkennbar ist, daß beide Produktion erhebliche Defizite haben. Die Ausführung lässt wirklich zu wünschen übrig und dabei habe ich schon einiges digital nachgebessert. "Krönung" des Ganzen ist die natürlich die Beschriftung! Keine Ahnung was sich der Berliner Verleger dabei dachte.