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28.06.2026
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Ich mache heute so ein wenig dort weiter, wo ich in der letzten Woche aufhörte. Nämlich in den 1970er Jahren. Und ja, auch das Jahndenkmal ist dabei, aber dazu komme ich später noch. Wenn mir einer prophezeit hätte, daß ich mal ganz "heiß" auf Polit-Parolen aus der Zeit des ersten Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschem Boden werden würde, den hätte ich sicher ausgelacht.
Doch diese Dinge helfen mir heutzutage, bestimmte Fotografien zeitlich zu fixieren. Zum Beispiel diese beiden, die ohne jeden Zweifel bei ein und derselben Gelegenheit gemacht wurden.

Senftenberg
Aufnahme = 1976
Archiv der Stadt Senftenberg
Senftenberg
Aufnahme = 1976
Archiv der Stadt Senftenberg

Wie viel Zeit genau zwischen beiden Fotos verging ist nicht bestimmbar, der Abstand kann aber nicht sehr groß gewesen sein. Hätte der Fotograf damals einen besseren Winkel verwendet, hätte man beide Aufnahmen kombinieren können. Der PKW, den wir auf der linken Aufnahme am rechten Bildrand sehen, findet seine Fortsetzung auf der rechten Aufnahme. Dort natürlich am linken Rand.
Um zur Eingangsaussage zurückzukommen: der Spruch Mit neuen Initiativen dem IX. Parteitag der SED entgegen an dieser Konstruktion, die wohl eigens "für sowas" am Lichtmast auf dem Senftenberger Markt (damals Platz der Freundschaft) angebracht worden war, macht die Zeitbestimmung zu einem Kinderspiel: Besagter Parteitag fand nämlich vom 18. bis 22. Mai 1976 statt.
Ich gehe fest davon aus, daß die Losung und auch das offizielle Logo im Schaufenster des "Wäschehauses" weder vor noch nach 1976 im Stadtbild auftauchten. Da gab es bestimmt zahlreiche andere Angelegenheiten, die der Bevölkerung mit entsprechenden Slogans nahegebracht werden sollten. Ob die beiden Fotos nun kurz vor, während oder kurz nach dem SED-Parteitag entstanden, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Es war zumindest warm und sonnig an jenem Tag. Wegen der erkennbaren Beflaggung würde ich in Richtung 1. Mai tendieren.

1976 steht auch auf dem Tacho des Fotos rechts. Hier jedoch mehr in Richtung Jahresmitte. Wir sehen immer noch ein Parteitags-Logo im Schaufenster des Geschäfts "Für die Dame" aber die Beflaggung, die wir weiter oben noch auf der rechten Seite der Kreuzstraße (damals noch Ernst-Thälmann-Straße) erkennen konnten, ist mittlerweile weitestgehend - aber nicht vollständig! - verschwunden.
Interessant ist das Plakat, das sich im Schaufenster der Hausnummer 3 befindet. In dem Laden befand sich damals wohl die Vorverkaufsstelle des "Theaters der Bergarbeiter". Zumindest interpretiere ich die Fenstergestaltung so. Wie gesagt... das Plakat... man erkennt ein Margarita Naranjo ★ Venceremos. Venceremos! Wer als DDR-Bürger meines Alters kennt diesen Ruf nicht? Assoziiert wird er mit dem gleichnamigen chilenischen Kampflied, das im Zusammenhang mit dem Putsch 1973 und der nachfolgenden Solidaritätsbewegung für das südamerikanische Volk hierzulande populär wurde. Wir verballhornten den Refrain gerne mal in "Wenn sie geh'n muss". Naja, Kinder halt. Mittlerweile ist die simple Melodie aus dem Standardrepertoire jeder Fußball-Fan-Kurve nicht mehr wegzudenken.
Aber ich schweife ab. Eine Internet-Recherche führt recht schnell zu der, von Exil-Chilenen in Rostock gegründeten, Theatergruppe Teatro Lautaro (wenn man weiß, wonach man suchen muß, entdeckt man diese Bezeichnung auch auf dem Plakat), die im Juni 1976 mit dem Stück "Margarita Naranjo" durch die Republik tingelte. Dabei machten sie mutmaßlich auch einen Zwischenstopp in Senftenberg. Würden wir über eine umfassende Chronik unseres Theaters verfügen, würde man darin vielleicht auch einen Hinweis auf das/ein Gastspiel der Chilenen finden.
Senftenberg
Aufnahme = 1976
Archiv der Stadt Senftenberg
Lange Rede - kurzer Sinn: alle drei oben vorgestellten Fotografien stammen aus dem Jahr 1976. Vermutlich Mai/Juni. Wenn man so will: heute vor 50 Jahren!

Aus welchem konkreten Sommer die nachfolgenden Filmaufnahmen stammen, ist indes noch ungeklärt. Irgendwas zwischen 1976 und 1978.

Die Endsequenz des Filmes veranlasste mich mal wieder in meinem "Giftschrank" zu stöbern. Gefunden habe ich dabei das Foto rechts, das ebenfalls die südliche Front der Ernst-Thälmann-Straße zeigt. Dies jedoch etwas näher dem Markt zu. Nicht sehr einladend, oder?
Anhand der Schaufenstergestaltung des Schuhgeschäftes ist die Zeitbestimmung vergleichsweise einfach: bei sehr starker Vergrößerung erkennt man ein paar stilisierte Mai-Nelken und der zugehörige weiße "Zettel" trägt die Aufschrift 1. MAI 1979. Zugegeben, ich erkenne von der Jahreszahl nur die letzte "9", doch die reicht denn ein weiteres Plakat titelt 700 Jahre Senftenberg. Alles klar?

Womit sich der Kreis zur Vorwoche inhaltlich wieder schließt... Stadtgeburtstag... Chronik... Senftenbergs Stadtgeschichte in Namen - eine öffentliche Chronik auf dem Marktplatz.

Tatsächlich hatte ich nicht damit gerechnet, daß diese vor gut einem Jahr im Rahmen des sogenannten "Bürgervorschlagsrechts", eingebrachte Idee wieder die Runde macht. Für den, der gerade gedanklich auf dem Schlauch steht: Ich hatte unter Neues 653 kurz darüber berichtet. Aktueller Stand:
Die Verwaltung informiert darüber, dass derzeit eine Chronik zur Geschichte der Stadt erarbeitet wird. Im Zuge dieser Arbeiten werden weitere Erkenntnisse erwartet, die für die zukünftige Umsetzung des Projekts von Bedeutung sein können.
Ehrlich gesagt, erwarte ich eigentlich nicht, daß Frau Dr. Dreesbach bislang unbekannte Helden, die irgendetwas mit Senftenberg zu tun hatten, ausgräbt. Persönlich fehlen mir aber auch gerade zündende Ideen, wer auf diesem Senftenberger "walk of fame" in Form einer Bodenfliese Berücksichtigung finden sollte.

Senftenberg
Aufnahme = 1979
Sammlung Uwe Jähnert
Ich weiß nur, daß er wohl nicht in die engere Auswahl kommt... Er ist zwar in der einen oder anderen Form "berühmt", noch dazu in Senftenberg geboren jedoch weitestgehend negativ bewertet. Wer gemeint ist? Klar, die Hauptfigur meines Zweitprojektes, an dem ich mittlerweile geschlagene 6 Jahre arbeite und bei dem es vor wenigen Tagen eine überraschende Entwicklung gab.
Eine Entwicklung, die mich voraussichtlich demnächst veranlasst, mein Zeitkontingent temporär in eine andere Richtung zu verschieben.

Denn sie ist da - die Akte aus Ecuador.Knapp fünf Jahre hatte ich vergeblich versucht, an eine digitale Kopie der Akte zu gelangen, über die jemand zufälligerweise vor 20 Jahren in einem Archiv in Quito stolperte und die dieser zu einem kleinen Teil in ein Internet-Forum stellte.
Allein schon diese Person ausfindig zu machen, war ein kleines Unterfangen. Aber es gelang und der Ecuadorianer konnte mir 15 Jahre nach dem Fund noch weiterhelfen. Jedoch nicht mit einer Kopie denn seine Fotos waren mittlerweile bei einem Computercrash verloren gegangen.
Danach schickte ich zig Mails an das mir benannte Archiv. Immer wieder. Ich bat in meiner Not sogar das ecuadorianische Konsulat in Berlin um Hilfe. Doch nie kam eine Antwort aus Quito.

Eigentlich hatte ich mit dem Thema schon abgeschlossen, startete aber dennoch vor 3 Wochen einen letzten Anlauf. Und es passierte das, womit ich im Leben nicht mehr gerechnet hätte: am anderen Ende der Welt nahm (sinnbildlich!) jemand den Hörer ab und nahm mein Ansinnen zur Kenntnis.
Und noch besser: mit den von mir nach und nach gelieferten Hinweisen fand die freundliche Bearbeiterin tatsächlich die Akte und kopierte sie vollständig für mich. Dabei ging sie selbst auf meine Sonderwünsche ein. Und das alles für lau!

Mir ist klar, daß kein Außenstehender meine Freude und Befriedigung über diese glückliche Fügung auch nur ansatzweise verstehen wird. Ich selbst bin ja zuweilen unentschieden, was nun erfüllender ist: das Endergebnis oder der Weg dorthin. Mir ist es teilweise regelrecht unheimlich, was ich bei diesem Thema inzwischen zusammengetragen, kombiniert und enträtselt habe und vor allem, welche verschlungenen Wege ich dafür gehen musste. Für mich ist meine sechsjährige Arbeit ein klassisches "Der Weg ist das Ziel" - Projekt. Ein Weg der mit einem Zufall begann, einige Hundert Stunden Arbeit beinhaltete, mehrere "Aha!-Momente" erzeugte und vor allem jede Menge Spaß machte und macht.

Nein, soooo dick ist die Akte nicht.
Der relevante Teil umfasst knapp 50 Seiten.
Was es nun mit dem Inhalt dieser Akte auf sich hat und welchen Mosaikstein ich der bunten bis bizarren Lebensgeschichte des Johannes Robert Wilhelm Harun-el-Raschid Hintersatz Bey nun einfügen darf, soll nicht Thema von www.gruss-aus-senftenberg.de sein. Das wird man über kurz oder lang unter www.harun-el-raschid-bey.de lesen können.

Soll heißen: wenn es hier bei Neues demnächst mal etwas langsamer voran geht, dann gibt es einen triftigen Grund.